Kategorie: Inland
MBaer und die Macht der USA
dom. Die Zürcher MBaer Merchant Bank wurde von den US-Behörden aus dem Verkehr gezogen. Der Fall zeigt, wie kleine Schweizer Banken in Nischen ausweichen – und wie die USA ihre Kontrolle über Finanzströme zunehmend als geopolitisches Machtinstrument einsetzen.
Eine weitere Schweizer Bank ist Geschichte. Der Blick spricht von einer «Hinrichtung» – und tatsächlich: Mit dem Ausschluss der MBaer aus dem US-Dollar-System wurde das Schicksal der Zürcher Bank quasi über Nacht besiegelt. Die anstehende Liquidation der MBaer markiert einen weiteren Einschnitt in der Entwicklung des Schweizer Finanzplatzes – und verdeutlicht einmal mehr, wie stark diese von aussen getrieben wird.
Queer Memorial: Erinnerungen schaffen!
sah. Queere Menschen sind seit jeher Opfer gesellschaftlicher Strukturen, werden systematisch diskriminiert und das führt dazu, dass queere Menschen oft früher sterben. Auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich gibt es deshalb bald einen queeren Ort des Gedenkens.
«Friedhöfe sind schon immer Gärten der Zugehörigkeit gewesen», sagte Nicole Müller von der Lesbenorganisation LOS und Mitinitiatorin des Projekts «Regenbogen-Ruhe». «Vielleicht sind alle vor dem Tod gleich. Ungleichheiten gibt es beim Akt des Trauerns und des Gedenkens. Die Menschen suchen nicht nur im Leben die Nähe derjenigen, von denen sie sich verstanden fühlen und die sie selbst verstehen.»
Eine Strategie, die keine ist
flo. Auf die sich verschärfenden Widersprüche in der Wohnfrage reagiert die Stadt mit einem Stoss an Dokumenten, die sie kürzlich als «Wohnstrategie» veröffentlichte. Mit ihren Massnahmen werden sich die Zustände aber weiter verschlimmern.
Man könnte fast ein wenig Mitleid und Verständnis für die Winterthurer Stadtregierung aufbringen – da publiziert der Stadtrat am 13. April seine Wohnstrategie für die kommenden Jahre und wird prompt vom Freisinn angegriffen, weil er den Wohnungsmarkt nicht noch weiter dereguliert und liberalisiert. Dass selbst äusserst sanfte staatliche Eingriffe ins Auge gefasst werden, dürfte bei den Marktfundamentalist:innen der FDP bereits für rote Köpfe gesorgt haben.
Blocchiamo tutto: Viel mehr als nur ein Slogan!
sit. Am 30.April, sowie am 1. und 2.Mai findet das traditionelle 1.-Mai-Fest auf dem Kasernenareal in Zürich statt. «Blocchiamo tutto» lautet der diesjährige Slogan. Wobei, «Slogan» greift zu kurz: Es ist eine Kampfpraxis und eine Erfolgsgeschichte zugleich.
Angeführt vom Slogan «Blocchiamo tutto» (Blockieren wir alles) werden sich am Internationalen Tag der
Arbeit wieder Tausende in Zürich die Strassen nehmen – und dann auf dem Kasernenareal im Kreis 4 das Volks- und Kulturfest beleben. Mag der Slogan im ersten Augenblick etwas gar einfach und womöglich banal erscheinen, so ist er das komplette Gegenteil davon. Denn «Blockieren wir alles» ist das Resultat, die Essenz von diversen Arbeitskämpfen der letzten Jahre in Italien. » Weiterlesen
«Wir leben und arbeiten wie Sklav:innen»
Yvonne Zimmermann. Teepflückerinnen in Sri Lanka organisierten vor zwei Jahren ein Arbeiter:innentribunal und klagten dabei ihre menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen an. Das Tribunal hat die Arbeiter:innen auf den Teeplantagen spürbar gestärkt in ihrem Kampf, insbesondere Frauen.
Die Fahrt auf die Teeplantage führt einen steilen Berg hinauf, durch endlos scheinende Teepflanzungen. Mit einem Dreiradgefährt und dank eines Fahrers, der das Fahrzeug geschickt den schmalen Weg hinauf um die tiefen Schlaglöcher, losen Steine und schlammigen Stellen navigiert, erreichen wir die Plantagengemeinschaft. Die Teepflückerinnen und ihre Familien wohnen auf der abgelegenen Plantage in langgezogenen Gebäuden aus aneinandergereihten Zimmern, die aus der Kolonialzeit stammen. Familien, meist mehrere Generationen, leben in einem Raum, Privatsphäre gibt es nicht. Eine einzige Toilette und ein Wasserhahn stehen für die gesamte Gemeinschaft zur Verfügung.
Sexismus abpfeiffen!
sah. Der Schweizerische Fussballverband muss Verantwortung übernehmen und handeln: ein Spielklima auf und neben dem Platz schaffen, das einerseits Diskriminierung und Übergriffe präventiv angeht und andererseits die Unterstützung von Betroffenen gewährleistet.
Noch immer ist es so: Bestimmte Männer dominieren im Fussballsport. Alle Strukturen, Statuten und Reglemente hier sind nur für erfolgreiche Männer gedacht. Bedürfnisse und Lebenswelten von Frauen sind nicht berücksichtigt. Da werden Grenzen überschritten. Missbräuchliches Verhalten, sexuelle Belästigung, Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung gehören zum Frauenfussball. Um dieses toxische Fundament zum Verschwinden zu bringen, müsste die «Schweizer Fussballszene» fundamental erneuert werden. » Weiterlesen
Der Erste in vielem …
Von Sevin Satan. Jährlich erhalten die Mitglieder der PdAS einen Mitgliederausweis, der jeweils einer/einem Genoss:in gewidmet ist – dieses Jahr dem Genossen Albert Béguin (1904–1978). In der Ausstellung «Kolonial – Globale Verflechtungen der Schweiz», die wir bei einem Mitgliederausflug der PdA-Zürich besuchten, war Genosse Albert ebenfalls porträtiert. Seine Lebensgeschichte hat mich fasziniert. Da Albert zwar eine grosse Persönlichkeit, aber nicht berühmt ist, liegt es mir am Herzen, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Obwohl wenig über ihn bekannt ist, lässt sich ein eindrückliches Bild von ihm zeichnen, der ab 1907 als dunkelhäutige Person in der Schweiz aufwuchs. Dabei darf nicht vergessen werden, dass bis 1930 Menschen aus Afrika in vielen Schweizer Städten auf Märkten, in Zoos und im Zirkus ausgestellt wurden! So wurden etwa in Zoos ein sogenanntes «Negerdorf» aufgebaut, in dem dunkelhäutige Menschen gezwungen wurden, sich zur Schau zu stellen.
Albert Béguin kam 1904 im Kongo-Freistaat, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, zur Welt. Seine Mutter hiess N’geli und war Kongolesin, sein Vater war Frédéric Achille Béguin aus Neuenburg. Er arbeitete als Beamter in der belgischen Kolonie von König Leopold II. Dabei lernte er N’geli kennen. Zwei Jahre später wurde Albert Béguin geboren. Im Alter von drei Jahren kam Albert Béguin mit seinem Vater, jedoch ohne seine Mutter, in die Schweiz. Die Mutter verzichtete mit einem offiziellen Dokument auf die Rechte an ihrem Kind. Ob dieser Verzicht unter Druck geschah oder ob sie ihren Sohn freiwillig weggab, wissen wir nicht. Der Vater bemühte sich um die Einbürgerung. Aus Briefen geht hervor, dass er sich grosse Sorgen um das Gelingen der Einbürgerung machte. Nach einem mehrjährigen Prozess erhielt Albert die Schweizer Staatsbürgerschaft. Sein Vater kehrte anschliessend zu seiner Arbeit in den Kongo-Freistaat zurück und verstarb wenige Jahre später in der Kolonie.
In der Schweiz kümmerte sich Jacques Béguin, ein Cousin des Vaters, um Albert und dessen Ausbildung. Er wuchs somit bereits als kleiner Junge ohne seine leiblichen Eltern in einer fremden Umgebung auf. Später studierte er am Technikum in Le Locle. Er wurde ein talentierter Mechaniker. Mit 21 Jahren absolvierte er die Rekrutenschule und war der erste dunkelhäutige Rekrut der Schweizer Armee. Danach zog er für viele Jahre nach Paris, wo er als Jazzmusiker seinen Lebensunterhalt verdiente. Er war ein hervorragender Schlagzeuger, Kontrabassist und Sänger. 1938 kehrte er endgültig in die Schweiz zurück. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er als Musiker abkommandiert, um in einem Militärorchester vor Soldaten aufzutreten.
Anschliessend arbeitete er wieder als Mechaniker, aber auch als Kraftfahrer und Typograf. Nach der Gründung der Partei der Arbeit 1946 trat er der Partei in La Chaux-de-Fonds bei und war somit auch das erste dunkelhäutige PdA-Mitglied. Er heiratete Jacqueline Schaffter. Wenige Jahre nach der Geburt seines Sohnes trennte sich das Ehepaar.
In seiner Freizeit engagierte sich Albert als Mitglied der Militärkapelle, als aktives Mitglied der PdA sowie im Vorstand des Sportvereins LA’Olympic. Seine Vereins- und Parteifreunde schätzten ihn für seine humorvolle, fröhliche und freundliche Art. Bekannt war aber auch, dass der Genosse aufgrund seiner Hautfarbe Rassismus und Diskriminierung erlebte. Wie er wohl Tag für Tag damit umging? Albert Béguin starb im Sommer 1978 im Alter von 74 Jahren in La Chaux-de-Fonds.
Sevin Satan, Politische Sekretärin der Partei der Arbeit Zürich
Nicht nur verwalten – verändern

Von Lilian Hasler. Als ich 2018 Beirut besuchte, habe ich mir auch viele Ausstellungen angeschaut. Damals war Beirut ein aufstrebender Kunst- und Konsumkosmos, viele kleine Galerien und Kunsträume, die von einem Aufbruch erzählten, von der Neukonstitution einer Gemeinschaft, vom Überwinden des Bürgerkrieges und vom Versuch, politische und gesellschaftliche Interessen in einen fragilen Gleichschritt zu bringen. Die Künstler:innen schienen damals extrem motiviert, eine Bildsprache zu finden, die von der Vergangenheit spricht und die Zukunft visionär erfasst. Alles schien möglich und veränderbar zu sein. Und es schien, dass es ein zentrales Momentum war, neue und unerwartete Fragen an eine neue Gesellschaft zu stellen.
Schnitt: Wir befinden uns im Büro der Verlagsgenossenschaft Vorwärts und diskutieren engagiert die Geschicke der Redaktion, die Vermögenssituation und das Ringen um neue Abonnent:innen. Es sind einige Genoss:innen anwesend, die sich dem Fortkommen des vorwärts verpflichtet fühlen und ihren Teil zur Entwicklung dieser Zeitung beitragen wollen. Dies macht Mut und doch ist da dieses leise Unbehagen. Nicht wegen der Komplexität der Geschäfte – daran mangelt es selten in solchen Sitzungen. Sondern wegen der Frage, die zwischen den Zeilen steht und selten ausgesprochen wird: Für wen treffen wir hier eigentlich Entscheidungen? Es ist eine Frage, die sich nicht mit Abozahlen beantworten lässt. Es ist die Gewissheit, dass wir dieses gesellschaftliche Ringen um Bewusstsein und Entwicklung auch in unserer Zeitung weitertragen wollen. Und unseren Abonnent:innen tolle Kentnisse
vermitteln wollen.
Als ich vor einigen Wochen in das Präsidium des Verwaltungsrats gewählt wurde, kam auch die Frage auf, was ich anders machen will. Die Erwartung dahinter ist klar: ein paar neue Akzente, vielleicht ein anderer Führungsstil, aber bitte keine grundlegenden Erschütterungen. Kontinuität gilt als Tugend, gerade in Zeiten der Unsicherheit. Und ja, Stabilität ist wichtig. Aber Stabilität darf nicht mit Stillstand verwechselt werden.
Denn während in Sitzungszimmern Kontinuität beschworen wird, verändert sich draussen die Realität rasant. Die Lebenshaltungskosten steigen, soziale Ungleichheiten verschärfen sich, die ökologische Krise lässt sich längst nicht mehr als fernes Zukunftsproblem abtun und es existiert ein unheimlicher blonder Selbstdarsteller im Westen, der nur die perverse Ausgeburt einer tieferen, reaktionären Bewegung ist. Es sind Entwicklungen, die nicht losgelöst von politischen Entscheidungen betrachtet werden können. Im Gegenteil: Sie sind eng mit ihnen verknüpft. Und genau hier beginnt unsere Verantwortung.
Ich habe dieses Amt nicht übernommen, um Prozesse möglichst reibungslos weiterlaufen zu lassen. Ich habe zugesagt, weil ich überzeugt bin, dass wir die Rolle solcher Gremien neu denken müssen. Ein Verwaltungsrat ist kein neutraler Ort. Die Entscheidungen, die hier getroffen werden, haben Konsequenzen – für Mitarbeitende, für die Leser:innen, für die politische Bildung und die Mobilisierung in unserer Gesellschaft.
Wir als Marxist:innen wissen, dass wirtschaftliche Entscheidungen immer auch politische Entscheidungen sind. Ich selbst lebe nicht in einer Welt, in der diese Zusammenhänge nur wissenschaftlich abstrakt sind. Ich habe erlebt, was es bedeutet, wenn Unsicherheit zum Alltag gehört, wenn am Ende des Monats gerechnet werden muss und wenn politische Entscheide direkten Einfluss auf das eigene Leben haben. Diese Perspektive verlässt man nicht, nur weil man an einem anderen Tisch Platz nimmt. Und das ist gut so.
Unsere Umwelt verändert sich so radikal, dass alte Gewissheiten nicht mehr gelten. Fortschritt entsteht nicht durch das Festhalten am Bekannten, sondern durch die Bereitschaft, Neues zuzulassen. Das bedeutet auch, Konflikte auszuhalten. Aber genau darin liegt die Chance.
Ich wünsche mir einen Verwaltungsrat, der diese Haltung verkörpert. Der nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Der zuhört – auch jenen, die in einer anderen Tonlage singen. Und der versteht, dass politisches Handeln immer auch gesellschaftliche Verantwortung ist.
Als ich damals in Beirut so beeindruckt war von der Dynamik der Ereignisse, wurde mir klar: Die entscheidende Frage ist eigentlich gar nicht, ob wir schon alles immer richtig gemacht haben. Sondern ob wir den Mut haben, die richtigen Fragen zu stellen. Diesen Mut wünsche ich uns vom Verwaltungsrat und der Redaktion, die die grosse Arbeit der Informationsvermittlung und der Gestaltung von schönen Texten übernimmt.
Lilian Hasler, Präsidentin der Verlagsgenossenschaft vorwärts
Begrenzter Platz im Steuerparadies
dom. Getrieben von geopolitischer Unsicherheit verlagern Unternehmen und Vermögende ihr Kapital in «Safe Haven» wie die Schweiz. Besonders Zug und zunehmend auch Lugano profitieren – eine nachhaltige Renaissance des Schweizer Finanzplatzes ist indes nicht zu erwarten.
Seit der US-Imperialismus mal wieder den Nahen Osten verwüstet, strömen vermögende Auswandernde aus den Golfstaaten in die Schweiz – und mit ihnen ihr Kapital. Insbesondere der Kanton Zug zieht als Zentrum des Rohstoffhandels und berüchtigte Steueroase jene Vermögen an, die sich in der destabilisierten Region nicht mehr sicher fühlen.
Föderalismus endet beim Tachometer
flo. Velowege und Tempo 30 – in Sachen Verkehrspolitik findet gerade im Kanton Zürich, aber auch anderorts eine Posse statt, die mit Verkehrspolitik am Schluss gar nicht so viel zu tun hat. Der Föderalismus ist dabei im Weg und wird darum ignoriert.
Rechte lieben es, sich an einzelnen Themen abzuarbeiten, wenn es im Grossen und Ganzen gar nicht mehr so viel für sie zu gewinnen gibt: Die Rechte queerer Menschen sind in vielen Ländern auf dem Vormarsch? Dann polemisiert man gegen Transpersonen im Sport. Den Klimawandel kann man nicht mehr leugnen, ohne wie ein völliger Realitätsallergiker zu wirken? Kein Problem, man kämpft dann eben gegen Windmühlen, äh Windräder. Denn: Die töten ja Vögel – und ja, wenn SVP‘ler plötzlich als Vogelschützer auftreten, merkt man, wie unehrlich das wird.
Der Kampf für den Sozialismus als Orientierungspunkt für den Frieden
sit. Am Kongress der Partei der Arbeit der Schweiz (PdAS) von Anfang November 2025 wurden die Weichen für die kommenden vier Jahre gestellt und die Parteiinstanzen neu gewählt. Sechs Monate später ist es Zeit für eine erste Bilanz. Der vorwärts sprach mit Tarek Idri, Sekretär der PdAS und Mitglied der Parteileitung.
Der Parteitag fand Anfang November 2025 statt. Welche erste Bilanz betreffend die Parteileitung ziehst Du?
Die neue Parteileitung (PL) hat definitiv mit viel Schwung ihre Arbeit aufgenommen. Es wurden Arbeitsbereiche für die einzelnen Mitglieder der PL festgelegt. Die Resolution «Krieg dem Krieg!» wurde vorbereitet und dem Zentralkomitee (ZK) zur Diskussion vorgelegt. Eine wichtige erste Leistung war auch, dass ein Plan für die Jahre 2026 bis 2029 ausgearbeitet wurde mit Zielen und einem klaren Zeitrahmen, an dem sich die Partei orientieren kann. » Weiterlesen
Bereits ein Sieg
flo. Ein erfolgreicher Abschluss scheint zum Greifen nahe. Doch egal, wie die weiteren Verhandlungen ausgehen: Der Streik hat gewirkt – die ersten Verbesserungen wurden bereits angekündigt. Ein Rückblick auf den Winterthurer Busstreik.
Die Medienmitteilungen, die direkt vor und nach dem 3.März 2026, dem Tag des ersten Streiks in der
Geschichte bei Stadtbus Winterthur, aus dem Winterthurer Stadthaus auf Journalist:innen einprasselten, wirkten irgendwie immer kurioser. Am Anfang konnte der Versuch beobachtet werden, so zu tun, als hätte da eine Gewerkschaft versucht, ohne wirkliche Legitimation den Busbetrieb zu stören. Dann folgte direkt nach dem Streik ein wehleidiges Klagen über die aufgeheizte Stimmung beim Busdepot. Aber von den eigenen Streikbrechermethoden schreibt die Stadt nichts: von der Involvierung von Personal aus den Leitstellen oder von Pensionierten, die teils nicht einmal wussten, dass sie als Streikbrecher eingesetzt wurden, und vom Abziehen von Bussen aus dem Depot in der Nacht vor dem Streik.
Mit Streiks zum Tarifabschluss

«Zusammen geht mehr». Demonstration von 4000 Streikenden des Öffentlichen Dienstes am 5.Februar vormittags durch Hamburgs Innenstadt.
Gaston Kirsche. Mitte März stimmten die Gremien der vier beteiligten DGB-Gewerkschaften und des Deutschen Beamtenbundes der in der dritten Verhandlungsrunde erzielten Einigung mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) über Lohnerhöhungen und Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst zu. Ein Rückblick auf den Arbeitskampf.
Nur 51,46 Prozent der bei den deutschen Bundesländern beschäftigten Mitglieder der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft, ver.di, haben in einer digitalen Mitgliederbefragung der Tarifeinigung zugestimmt. Einen Monat wurde in Dienststellen und Betrieben über die am 14.Februar 2026 erzielte Tarifeinigung diskutiert. Allerdings haben sich viele Gewerkschafter:innen gar nicht an der Abstimmung beteiligt – Begeisterung sieht anders aus.
Generalstreik für einen höheren Mindestlohn
Ralf Streck. Im Baskenland wird so oft wie sonst nirgends in Spanien gestreikt und die Generalstreiks bekommen einen immer stärkeren feministischen Einschlag. Vermehrt, wie zuletzt am 17. März, wird auch für diejenigen gekämpft, die es selbst nur schwer oder gar nicht tun können.
Wenn am frühen Morgen nur Musik aus dem Radio im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dudelt, dann ist klar, dass ein Generalstreik in der Autonomen Baskischen Gemeinschaft und Navarra stattfindet, der das Wirtschaftsleben beeinträchtigt und bisweilen sogar fast völlig lahmlegt. So ist es auch an diesem 17.März in dem Teil des Baskenlands, der sich innerhalb Spaniens befindet. «Gaur greba eguna da» (Heute ist Streiktag), schallt es an diesem frühen, kalten Morgen durch Industriegebiete, wo Streikposten Werkstore oder auch Zugänge zu Häfen blockieren. Töpfe schlagend ziehen sie später auch durch Dörfer oder Stadtteile, um sich bei Sonnenschein auf zentralen Plätzen in Städten zu versammeln und dann in Marschsäulen ins Zentrum zu strömen und dieses zu blockieren.
Ein Sieg der Solidarität
sit. Mitte April streikten die Arbeiter:innen des Logistikgiganten GLS in Italien. Sie taten es
für ihre entlassenen Kolleg:innen und gegen das sogenannte Appalti-System mit seinen
besonders prekären Arbeitsbedingungen.
«Wir verlangen ja nicht das Blaue vom Himmel. Wir geben uns mit weniger zufrieden. Aber wenn wir selbst das nicht bekommen, nun, was sollen wir dann tun?», fragen sich die Arbeiter:innen von GLS Italien. Um dann gleich ihre Antwort zu liefern: «Blochiamo tutto!». So zu lesen in der Medienmitteilung der Unione Sindacale di Base (UBS), der Dachorganisation der Basisgewerkschaften, zum Streik vom 14. und 15.April bei GLS. Gesagt, getan: «Die Hubs (Verteilzentren) vom Latium bis nach Venetien, über die Toskana, die Emilia und die Lombardei hinweg, sind zum Stillstand gekommen», informiert die USB.
Wer schweigt, hält dem Henker die Leiter
sit. Israel hat mit einem neuen Gesetz die Todesstrafe durch Erhängen für Palästinenser:innen beschlossen. Amnesty International und medico international schweiz fordern in einer Petition den Bundesrat auf, mit politischem Druck zu reagieren.
Am 30.März verabschiedete die Knesset ein Gesetz zur «systematischen Anwendung der Todesstrafe im Westjordanland», schreibt Amnesty International (AI). Dies gilt für «bestimmte Taten, die nach israelischem Recht als ‹Terrorismus› eingestuft werden». Palästinenser:innen droht nun die Todesstrafe durch Erhängen, wenn sie wegen vorsätzlicher Tötungen verurteilt werden, die nach Israels diskriminierendem Anti-Terror-Gesetz als terroristische Handlungen eingestuft werden. Tür und Tor stehen der Willkür offen. » Weiterlesen
Krieg unten, Gewinne oben
dom. Die ökonomischen Folgen des Iran-Kriegs sind ungleich verteilt: Während Preise steigen, profitieren einzelne Akteur:innen gezielt von Marktbewegungen. Verdächtige Transaktionen vor politischen Ankündigungen werfen Fragen nach Insiderwissen und der engen Verflechtung von Politik und Finanzmärkten auf.
Noch sind die ökonomischen Folgen des Iran-Kriegs kaum abzuschätzen – doch auf jeden Fall sind sie ungleich verteilt. Energiepreise explodieren, Lieferketten werden destabilisiert, die Kosten für Transport, Produktion und Grundversorgung steigen. Unsicherheit und höhere Lebenshaltungskosten sind die Begleiterscheinungen geopolitischer Konflikte. Krieg wirkt als Umverteilungsmechanismus von unten nach oben. Während Regierungen ihre Verteidigungsausgaben erhöhen und fiskalische Spielräume enger werden, tragen die Kosten vor allem jene, die keinen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.
Kriegsprofiteur:innen
Auch in der Krise gibt es Gewinner:innen. Energieunternehmen verzeichnen steigende Margen, die Aktienkurse von Rüstungsfirmen gehen durch die Decke und grosse Volkswirtschaften mit eigener Rohstoffbasis können ihre Position ausbauen – siehe USA, China oder Russland. Daneben existiert eine weniger sichtbare Gruppe von Profiteur:innen, die ihr Vermögen auf den Finanzmärkten innerhalb weniger Minuten vervielfachen. Kriege werden angekündigt, verschoben, relativiert. Märkte brechen ein, schiessen nach oben. Einige verdienen daran – weil sie mehr wissen als andere.
Mag sein, dass sich die US-Führung bei ihrem Angriff auf den Iran verkalkuliert hat – doch vereinzelt scheint die Rechnung aufzugehen. 15 Minuten bevor Trump am 23.März «produktive» Gespräche mit Teheran meldete und damit eine fünftägige Verschiebung geplanter Angriffe ankündigte, wurden Wetten über rund 580 Millionen Dollar auf fallende Ölpreise platziert. Kurz nach sieben Uhr veröffentlichte Trump seinen Beitrag auf Truth Social. Die Märkte reagierten sofort: Innerhalb von sechs Minuten stieg der Börsenwert der S&P-500-Unternehmen um mehrere hundert Milliarden US-Dollar, während die Ölpreise um 13 Prozent einbrachen. Wer auch immer hinter den Geschäften stand, hat damit Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe eingefahren.
Kein Einzelfall
Mehrere Hedgefonds haben darauf hingewiesen, dass in den vergangenen Monaten wiederholt grosse Transaktionen vor offiziellen Ankündigungen der US-Regierung getätigt wurden. Am 31.März erhärtete ein von der Financial Times aufgedeckter Fall den Verdacht, dass im Weissen Haus Aussenpolitik und finanzielle Eigeninteressen zusammenlaufen: Demnach soll ein Finanzberater von Kriegsminister Pete Hegseth wenige Wochen vor dem Angriff auf den Iran versucht haben, eine grosse Summe in den Rüstungsfonds «Defense Industrials Active ETF» zu investieren.
Ein Fonds, der gezielt in Unternehmen der Rüstungsindustrie investiert – also in jene Firmen, deren Auftragslage unmittelbar von militärischen Spannungen und politischen Entscheidungen abhängt. Das Geschäft ist letztlich gescheitert, verdeutlicht aber, wie eng politische Entscheidungsprozesse und finanzielle Gewinne miteinander verwoben sind. Wenn politische Entscheidungsträger:innen, ihre Berater:innen und finanzielle Akteur:innen institutionell miteinander verbunden sind, entsteht ein Umfeld, in dem Informationen nicht mehr strikt getrennt zirkulieren. Selbst ohne explizite Weitergabe vertraulicher Inhalte kann sich ein Wissensvorsprung herausbilden, der sich unmittelbar in finanzielle Vorteile übersetzen lässt.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von mindestens drei ähnlich gelagerten Fällen: So erzielten am 28.Februar sechs Konten auf einem Prognosemarkt Gewinne von insgesamt 1,2 Millionen Dollar, indem sie auf die Tötung von Ali Chamenei setzten. Ein ähnliches Muster zeigte sich am 3.Januar im Zusammenhang mit der Entführung von Nicolás Maduro. Ein anonymer Nutzer wettete mit rund 34000 Dollar auf ein unwahrscheinliches Szenario – die Festsetzung des venezolanischen Präsidenten durch US-Spezialkräfte – und erzielte damit einen Gewinn von etwa 410000 Dollar. Und im April vergangenen Jahres wurden nur Minuten vor Trumps Ankündigung, geplante Zölle auszusetzen, über Optionen Millionenbeträge auf steigende Aktienkurse gesetzt.
Ein strukturelles Problem
Finanzmärkte sind intransparent. Puts, Calls, Futures – die Welt der Termingeschäfte ist komplex und schwer nachzuvollziehen. Wer über Insiderwissen verfügt, kann enorme Gewinne erzielen. Das Timing von Trumps unerwarteten Ankündigungen und den millionenschweren Wetten ist frappierend, doch der eigentliche Skandal liegt nicht in den Einzelfällen. Vielmehr zeigt sich darin, wie die Logik der Märkte politische Entscheidungen und wirtschaftliche Interessen unmittelbar miteinander verknüpft.
Einmal mehr macht Trump, was alle machen – nur unverhohlener. Energiepreise und Aktienindizes reagieren unmittelbar auf Kriegs- oder Verhandlungsnachrichten, was die Funktionslogik kapitalistischer Finanzmärkte verdeutlicht: Jede Information, die zukünftige Profite beeinflusst, wird sofort in Preise übersetzt. Man kann sich über die Unverfrorenheit von Donald Trump und seinem engsten Umfeld empören – doch im Kern werden hier Mechanismen genutzt, die strukturell angelegt sind. Krieg ist im imperialen Gefüge kein Betriebsunfall, sondern ein Mittel zur Neuaufteilung von Einflusszonen, Ressourcen und Märkten. Kapital sucht Verwertung, auch und gerade unter Bedingungen von Unsicherheit und Zerstörung.
Politische Entscheidungen eröffnen dabei jenen Eingeweihten unmittelbare Gewinnchancen, die Zugang zu sensiblen Informationen haben. Trump führt Kriege nicht primär, um Geschäfte zu machen – doch dass Kriege ökonomisch instrumentalisiert werden, entspricht genau jener engen Verbindung von Staat und Kapital, die im Imperialismus wirksam ist.

