Redebedarf

Dominik Dübi. Chris (Bart Harder) und Lluis (Carles Pulido) waren vor Jahren eng befreundet. Nun treffen sie sich nach 10 Jahren wieder, um den Cape Wrath Trail im Norden Schottlands zu wandern. Bart Schrijvers beleuchtet in der mit eindrücklichen, vor Ort gefilmten Bildern untermalten Charakterstudie, wie sich die beiden auseinandergelebt haben.

Es ist ein Klischee, dass sich gerade Männer in ihren Dreissigern mittels sportlicher Herausforderungen selbst vergewissern müssen, noch nicht zum alten Eisen zu gehören. Bart Schrijvers schickt seine Protagonisten in «The North» auf eine solche selbstauferlegte sportliche Bewährungsprobe und lässt sie dabei über ihr Selbstbild nachdenken, das sich gerade ändert.

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WM ohni Scheiss

sit. Linke Fussballfans, aber auch Fussballungläubige, aufgepasst: In Zürich wird es während der Fussball-WM einen Anlass geben, an dem mensch politisch korrekt alle Spiele erleben kann. Denn es gibt noch Märchen, die wahr werden können.

Kurz nach dem Erscheinen dieser Ausgabe wird die Fussball-Weltmeisterschaft (WM) in Kanada, den USA und Mexiko beginnen. Ein Dilemma für linke Fussballfans: Das Fussballherz schreit danach, möglichst alle Spiele zu sehen. Und sich mit Gleichgesinnten (oder nicht) über die Frage zu streiten, mit der sich Millionen von Menschen rund um den Globus bis zum Abpfiff des Finals am 15.Juli beschäftigen: Wer wird Weltmeister?

Die Zementierung herrschender Ideologie
Doch politischer Verstand und Gewissen können nicht einfach fünf Wochen lang über den Haufen geworfen werden. Und sie erinnern an Folgendes: Die WM beweist die vollständige Integration des Fussballs in die kapitalistische Profitlogik: Fussball wird vom Spiel zur Ware, Fans zu Kund:innen, Stadien zu Profitzonen, Teams zu globalen Marken. Es geht um viel Geld, um fette Profite – aber nur für wenige natürlich. Für das billigste Ticket im Endspiel blättert man 2030 US-Dollar hin – damit ist auch gesagt, welche gesellschaftliche Klasse der Weltfussballverband Fifa gerne am Turnier dabeihat und welche nicht.
Die Fifa ist die globale Plattform zur Verwaltung finanzieller, medialer und politischer Interessen. US-Präsident Donald Trump wird dem Siegerteam den goldenen Pokal übergeben. Die Nähe zur politischen Macht zeigte sich bereits im Dezember 2025 bei der Gruppenauslosung in Washington: Trump wurde mit dem neu erfundenen «Fifa Peace Prize» (Fifa-Friedenspreis) geehrt. Die Fifa begründete ihren Entscheid mit Trumps angebliche Beiträgen zu Friedensprozessen (unter anderem in Gaza) und sprach von «aussergewöhnlichen und ausserordentlichen Aktionen für Frieden und Einheit» des US-Präsidenten. Zusammengefasst: Die WM als Megaevent wird zu einer der wirksamsten Formen der Legitimation politischer und ökonomischer Macht, zur Trägerin der herrschenden Ideologie.

Das Unmögliche möglich machen
Doch in dieser grauenhaften Welt des Konsums, der Kriege und der Verlogenheit gibt es – man lese und staune – Märchen von Fussballromantiker:innen, die wahr werden. Eine kleine Gruppe davon traf sich Anfang des Jahres in Zürich und setzte sich Folgendes in den Kopf: Wir wollen ein Public Viewing schaffen, das ein Ort der Begegnung für alle wird: Inklusion statt Ausgrenzung, Diskussionen statt Einschüchterung, werbefrei statt Kommerz. Ein Event, das von unten organisiert wird, statt von oben diktiert. Im Gruppenchat schrieb einmal jemand: «Wir wollen eine WM ohni Scheiss.» Alle waren sich einig, dass «WM ohni Scheiss» der Name der Gruppe sein muss – denn besser konnte das Vorhaben nicht auf den Punkt gebracht werden.

Haltung, Humor und Herz
Machen wir es kurz: Auf dem Weg, das Unmögliche möglich zu machen, kam es zu Kontakten mit den Veranstalter:innen vom «Zum glatten Köbi» und dem historischen Café Boy im Kreis 4. Und so konnte in der gemeinsamen Medienmitteilung von Ende Mai gelesen werden: «Auch 2026 werden sämtliche Spiele der WM drinnen und draussen übertragen – auch die Nachtspiele. Begleitet werden diese Fussballnächte erstmals vom neuen Köbi-Partner ‹WM ohne Scheiss›, der auch Teile des kulturellen Rahmenprogramms mitgestaltet.» Und weiter: «Das Café Boy wird während fünf Wochen zu einem Ort für Fussball, Musik, Kultur und gutes Essen. Kein klassisches Fanlokal. Kein VIP-Zelt. Sondern ein Zürcher WM-Klub mit Haltung, Humor und Herz.»
Seit dem erstmaligen Anlass im Walcheturm 2004 gehört «Zum glatten Köbi» während Europa- und Weltmeisterschaften zum Zürcher Sommer wie warme Nächte, kaltes Bier und emotionale Diskussionen über Fussball. Nach den verschiedensten Orten in der Limmatstadt, an denen der Anlass jeweils stattfand, hat er nun mit dem Café Boy wohl seinen stimmigsten Ort gefunden. Während vielerorts klassische Public Viewings entstehen, versteht sich «Zum glatten Köbi» seit jeher als etwas anderes: als urbaner Fussball-Kulturraum. Ein Ort zwischen Stadion, Bar, Club und Wohnzimmer. Ein Treffpunkt für Fussballromantiker, Nachtschwärmer, Quartiermenschen, Kulturschaffende und alle, die Fussball nicht nur schauen, sondern gemeinsam erleben wollen.

Wem gehört das Spiel?
Zwischen den Spielen sollen Musik, Gespräche, Filmbeiträge, Kunst, Unterhaltung und spontane Begegnungen Platz finden – mit Blick auf die Menschen, Geschichten und kulturellen Hintergründe der teilnehmenden Länder. Teil des diesjährigen Rahmenprogramms sind erneut die historischen Fussball-Filmbeiträge des Zürcher Fussballmagazins «Zwölf» rund um Mämä Sykora – kleine archivarische Fussballperlen zwischen Nostalgie, Absurdität und Zeitgeschichte.
Ebenfalls wieder mit dabei ist «FC Stylez», die den Anlass begleitende Ausstellung rund um Fussball, Grafik, Urban Art und visuelle Fussballkultur. Verschiedene Künstler:innen präsentieren Arbeiten zwischen Stadionästhetik, Strassenkultur und Fussballwahnsinn – und dies unter dem diesjährigen Titel «Bribes & Ballers – Wem gehört das Spiel?».

Sämtliche Infos: www.zumglattenkoebi.ch

 

Authentisch über die Schmerzgrenze

Dominik Dübi. Marty Mauser (Timothée Chalamet) hat den grossen Traum, als Tischtennisspieler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Weg dahin wird zur Achterbahnfahrt, auf die Joshua Safdie das Publikum in seinem Film «Marty Supreme» mitnimmt.

Nach langen Jahren der künstlerischen Zusammenarbeit als Regieduo entschieden die Brüder Josh und Benjamin «Benny» Safdie 2024, nunmehr individuelle Projekte verfolgen zu wollen. Die New Yorker Brüder gründeten dazu je eine eigene Produktionsfirma für ihre zukünftigen Filmprojekte. Benny Safdies «Out for The Count Productions» brachte seinen Debütfilm «The Smashing Machine» in die Kinos, während Josh Safdies «Central Pictures» neben anderen Projekten seinen Solofilm «Marty Supreme» produzierte. Auffallend ist, dass sowohl bei Josh Safdies Firma als auch bei seinem Film der langjährige Partner der Brüder, Ronald Bronstein, wieder involviert ist. Dieser hatte bei den gemeinsamen Filmen der Safdies jeweils an den Drehbüchern und am Schnitt der Projekte mitgewirkt. «The Smashing Machine» und «Marty Supreme» hatten sowohl an den Kinokassen als auch bei der Kritik ziemlichen Erfolg.

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Ich bin fast identisch

sit. In seinem neuen, autobiografischen Buch geht der Schriftsteller Manfred Vischer der Frage der Identität nach. Er tut es mit Erzählungen, wie etwa über die Entstehung des Dokumentenbands «Schweizerische Arbeiterbewegung», und Begegnungen, die sein Leben prägten – und die zum Nachdenken und Erforschen anregen.

«Leider hat es der vorwärts versäumt, dieses Ereignis zu würdigen. (Welche Zeitung hätte es sonst tun sollen?) Das Jubiläum sollte nicht ins neue Jahr
verschleppt werden. Der Kampf um die Emanzipation der Arbeiter:innenbewegung ist doch ein wichtiger Teil unseres politischen Kampfes», schrieb mir kürzlich mein Freund und Genosse Manfred Vischer in einer E-Mail. Danke Manfred, denn offen gesagt: Es wäre vergessen gegangen, was doch peinlich gewesen wäre.

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Eine Zeitreise mit John Heartfield

Werner Schweizer. Der neue Animations-Dokumentarfilm «Johnny & Me» von Katrin Rothe unternimmt mit dem bekannten Fotomonteur John Heartfield eine Zeitreise – und geht der Frage nach, ob und wie heute mit politisch künstlerischer Arbeit eine gesellschaftliche Veränderung erzielt werden kann.

John Heartfield war mit seinen einzigartigen Fotomontagen einer der wichtigsten Agitatoren gegen die Nazis. Durch seine Mitarbeit in der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung AJZ von 1930 bis 1938 und durch seine wirkungsvollen Plakate für die Kommunistische Partei Deutschland (KPD) wurde sein Werk weltweit bekannt. » Weiterlesen

Pier Paolo Pasolini

Gerhard Feldbauer. Vor 50 Jahren starb eine der grössten Persönlichkeiten Italiens des 20. Jahrhunderts: der Dichter, Schriftsteller und Regisseur Pier Paolo Pasolini. Als überzeugter Kommunist war er ein unbequemer Zeitgenosse für das Bürgertum – aber auch für die Partei.

Am 1.November dieses Jahres jährte sich der Todestag des Schriftstellers und Regisseurs Pier Paolo Pasolinis zum 50.Mal. Ich hatte das grosse Erlebnis, ihm während meiner Arbeit als Auslandskorrespondent in Rom (1973 bis 1979) zweimal persönlich zu begegnen, zuletzt wenige Wochen vor seinem schrecklichen Tod. Ich war erstaunt, wie fundiert Pasolini sich zu den 1973/74 bekannt gewordenen neuen faschistischen Putschversuchen äusserte. «Ich weiss die Namen der Verantwortlichen für das, was man Putsch nennt», hatte ihn der Corriere della Sera am 14.November 1974 zitiert. Er charakterisierte das als «ein System der Herrschaftssicherung» und verwies auf die «Unterstützung der amerikanischen CIA».

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Rote Kulturtage in Zürich

Redaktion. Aus der Klasse für die Klasse: elf Tage, vom 30. Oktober bis 9. November, voller Film, Performance, Theater, Musik, Literatur, Theorie, Sport und geselligem Beisammensein. Alle Veranstaltungen sind frei zugänglich. Wir veröffentlichen den Aufruf der Organisator:innen.

«Die Kunst verlässt die Paläste und lässt ihr Wesen als Kulturgut für einige Auserwählte zurück, um sich in die gewöhnlichen Quartiere zu stürzen und für alle da zu sein. Meine Zeichnungen sind aus dieser Perspektive und aus dieser Verpflichtung heraus gemacht. Der Verpflichtung gegenüber meiner Klasse und meiner Mitmenschen. Das sind die einzigen Fesseln, freiwillig ausgewählt, die ich habe», José Maria Sanchez Casas. » Weiterlesen

Tanz dich frei

Dominic Dübi. Der Film «The Witness» zeichnet anhand der Geschichte der Tanzlehrerin Tarlan Ghorbani (Maryam Boubani), ihrer Adoptivtochter Zara (Hana Kamkar) und deren Tochter Gazal (Ghazal Shojaei) ein Porträt der Stellung der Frau im heutigen Iran – inspiriert von den «Frau, Leben, Freiheit»-Protesten von 2022.

Zumindest für einen kurzen Moment ist Tarlan Ghorbani glücklich: Mit einem Ausdruck tiefer Entspannung beobachtet sie die Aufführung der Tanzschule ihrer Adoptivtochter Zara. Unter den Tänzerinnen ist auch Zaras Tochter Gazal. Das Publikum besteht ausschliesslich aus Frauen, weshalb einige auch auf das in der Öffentlichkeit obligatorische Kopftuch verzichten. Solche glücklichen Momente sind in Tarlans Leben leider dünn gesät. Kurze Zeit später erfahren die Zuschauer:innen, dass der leibliche Sohn, der aus politischen Gründen mit einem Berufsverbot belegten Lehrerin im Gefängnis sitzt, weil er Schulden angehäuft hat. An diesem Punkt der Handlung wird auch ein erstes Mal die Tatsache thematisiert, dass die Rechtsstaatlichkeit im Iran heute nur oberflächlich existiert.

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Once upon a time in Eddington

Dominik Dübi. Regisseur Ari Aster inszeniert in seinem vierten Langspielfilm «Eddington» die politischen Grabenkämpfe, welche die USA seit Jahren spalten. Er zeigt den damit verbundenen zunehmenden Irrsinn der US-amerikanischen Gesellschaft.

Der Film spielt in der Kleinstadt Eddington während des ersten Covid-Lockdowns. Eddingtons Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) ist höchst unzufrieden mit der buchstabengetreuen Umsetzung der bundesstaatlichen Maskentragpflicht durch Bürgermeister Ted Garcia (Pedro Pascal). Eine persönliche Vorgeschichte der Frau des Sheriffs, Louise Cross (Emma Stone), mit Garcia heizt die Rivalität weiter an, während aufkommende Black-Lives-Matter-Proteste die Bevölkerung spalten.

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Hollywood im Leerlauf

Dominik Dübi. In «F1» kehrt der alternde Rennfahrer Sonny Hayes (Brad Pitt) auf Bitten seines früheren Teamkameraden Rubén Cervantes (Javier Bardem) nach über 30 Jahren in die Formel 1 zurück. Er soll helfen, dessen kriselndes Rennteam APXGP zu seinem ersten Sieg zu führen.

Rennsport und Film passen zusammen. Die Zuschauermassen, Prominente, die sich am Streckenrand ablichten lassen, und der extravagante Lebenswandel der Protagonisten sind dafür prädestiniert, die Fantasien von Filmemachenden blühen zu lassen.

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Tanz der Vampire

Dominik Dübi. Regisseur Ryan Coogler verarbeitet in «Sinners» die Rassentrennung in den Südstaaten der USA. Er erzählt die Geschichte als Horrorfilm, in dem Musik eine grosse Rolle spielt.

Der Sound der Bluesmusik geht darauf zurück, dass gewisse Tonstufen anders intoniert werden als im westlichen Tonsystem üblich. Diese Töne werden als «Blue Notes» bezeichnet und geben dem Blues seinen schwermütigen Klang. Die dadurch geweckten Emotionen harmonieren mit den behandelten Themen wie Rassendiskriminierung, Sklaverei und der anschliessenden Segregation in einzelnen Bundesstaaten. » Weiterlesen

Ceasefire Babies

Im Mittelpunkt des Films steht die nordirische Rap-Gruppe Kneecap

Dominik Dübi. Kneecap ist der erste fiktive Langspielfilm des irisch-britischen Regisseurs Rich Peppiatt. Er erzählt mit gewissen künstlerischen Freiheiten die Gründungsgeschichte der nordirischen Rap-Gruppe Kneecap.

Der Scheinwerfer eines Polizeihubschraubers leuchtet ins Gesicht von Naoise Ó Cairealláin alias Móglaí Bap, als er das erste Mal auf der Leinwand zu sehen ist. Zu diesem Zeitpunkt ist er ein Baby und soll gerade getauft werden. Móglaís Vater Arlo, ein überzeugter irischer Nationalist, hatte sich als Ort für die Taufe eine Stelle im Wald ausgesucht, an der früher von irischen Widerstands:kämpferinnen illegale katholische Messen abgehalten worden waren.

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It’s okay to be happy

Dominik Dübi. In seinem neuesten Film «Mickey 17» verarbeitet Bong Joon Ho die aktuelle politische Situation in den USA. Mickey Barnes nimmt aufgrund einer finanziellen Notlage den Job eines Expendable an und wird auf einer Kolonisierungsmission zum fernen Planeten Niflheim immer wieder getötet und neu geklont.

«How does it feel to die?», diese Frage hört Mickey Barnes im Verlauf des über zweistündigen Films immer wieder. Selten weiss er darauf eine Antwort. Als er sie schliesslich findet, ist sie relativ schlicht: Es ist eine unschöne Erfahrung. Er muss es wissen, schliesslich hat der von Robert Pattinson verkörperte Hauptcharakter in Bong Joon Hos neuestem Werk schon 16-mal das Zeitliche gesegnet, als wir ihm das erste Mal auf der Leinwand begegnen. Er ist Teil der Crew einer Weltraummission unter dem Kommando des schmierigen Politikers Kenneth Marshall, die zum Ziel hat, den Eisplaneten Niflheim zu kolonisieren.

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V. Gordon Childe und die Zeit vor unserer Geschichte

flo. Am Ursprung des Marxismus als Methode, um die Welt zu verstehen, steht die Frage nach dem Ursprung und der Funktion menschlicher Gesellschaften. Dass Marxist:innen sich mit Fragen von Geschichte und Vorgeschichte des Menschen auseinandersetzen, muss nicht erstaunen — wie sehr vor allem einer von ihnen damit die Archäologie prägte, aber schon.

Für einen späteren Kommunisten wuchs Vere Gordon Childe wirklich nicht unter den idealsten Umständen auf. Er wurde 1892 in Sydney als Sohn einer zu Reichtum gekommenen Engländerin und eines anglikanischen Priesters geboren und wuchs in einem palas-tartigen Landhaus in den Blue Mountains, westlich von Sydney auf. Der Sohn eines Mannes, der selbst für den Priesterberuf nicht taugte (Veres Vater Stephen Childe stritt oft mit seiner Gemeinde von der Kanzel herab während Gottesdiensten), sollte dereinst einer der wichtig-sten marxistischen Gelehrten der Welt werden.

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Résistance mondiale mit Mal Élevé

Von links: Der Drummer Stixonspeed, Sänger Mal Élevé, Gitarrist Paolo Valente und Sänger Osy.
Bild: Christoph Mangler,
dynamo.ch

sit. Am 5.Dezember spielte Mal Élevé im Zürcher Dynamo. Der grossartige deutsch-französische Musiker ist ein überzeugter antifaschistischer Aktivist. Alle seine Songs sind politische Botschaften und Aufrufe zur internationalen Solidarität zugleich. Ein schon fast emotionaler Rückblick auf ein denkwürdiges Konzert.

Bereits ab dem ersten Song «Partigani» ist die schier unglaubliche Energie, die Mal Élevé ausstrahlt, spürbar, ja fassbar. «Partigiana, Partigiano, wir jagen Nazis aus dem Barrio (…) Solange Faschos hier marschiern, leisten wir Widerstand. Wenn rechter Terror wieder regiert – hilft nur Militanz. Wir kämpfen weiter gegen Nazis, bis zu ihrem Niedergang – auf den Trümmern des Faschismus tanzen wir diesen Tanz: C’est la danse des partigiani.» » Weiterlesen

«Solange» initiiert

sah. Wie lange bist du noch Feminist:in? Das fragt die österreichische Künstlerin Katharina Cibulka im Rahmen ihres Kunstprojekts, das international gezeigt worden und nun auch in der Stadt Bern zu sehen ist.

Erst wenn Männer und Buben die Grenzen von Frauen und Mädchen respektieren, dann können sich diese unbeschwert im öffentlichen Raum bewegen. Dieser Respekt beginnt mit sprachlichen Veränderungen und endet mit konkreten positiven Taten.

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«Preise steigen nicht»

Eugen Rieser. Das Buch «Die Sprache des Kapitalismus» geht der Frage nach, wie gesellschaftliche Verhältnisse unsere Sprache prägen und verweist damit auf deren ideologische Funktion. Ein Kompendium für politisch Interessierte und linke Aktivist:innen.

Die beiden Autoren, der Literatur- und Kulturwissenschaftler Simon Sahner sowie der Ökonom Daniel Stähr, haben zum komplexen Thema Sprache und Gesellschaftsordnung breit recherchiert: «Als Sprache des Kapitalismus bezeichnen wir bestimmte Sprachbilder und Metaphern, Redewendungen und Phrasen, Mythen und Erzählungen sowie einzelner Begriffe, mit denen ökonomische Zusammenhänge beschrieben und erzählt werden.»

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Der Lehrling Trump

dom. Mitten in den Wahlkampf fiel die Veröffentlichung von Ali Abbasis neuestem Film «The Apprentice». Er zeigt, wie Trump in den 1970er- und 1980er-Jahren mithilfe mächtiger Männer, schweren Deals und krummer Geschäfte zu «New Yorks wichtigstem Bauherren» wird.

Lange Zeit war ungewiss, ob der Film überhaupt gezeigt werden kann. Donald Trump fühlte sich von Abbasi verleumdet und drohte mit einer Klage, weshalb die US-amerikanischen Filmproduktionsunternehmen zögerten, sich die Rechte an dem Film zu erwerben. Inzwischen hat es der Film in die Kinos und Trump zurück ins Oval Office geschafft. » Weiterlesen

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