Die Revolution aus der Seele

Isnoel Yanes González. Es gibt auf Kuba weiterhin Menschen – einer davon bin ich –, die unsere Widerstandsfähigkeit beschwören, um weiterhin das Beste für Kuba zu geben – ohne sich dem Nachbarn im Norden unterzuordnen. Und dies im Vertrauen auf die Richtigkeit eines Traums, der 1959 begann.

Ich gebe zu, dass ich ein leidenschaftlicher Verfechter der authentischsten Aspekte der kubanischen Revolution bin, ohne dabei die Fehler in diesem Prozess aus den Augen zu verlieren.

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Der Druck der SVP, das Schweigen der SP

sit. Die konkrete Umsetzung der Asylstrategie 2027 ist voll im Gange. Dabei nimmt die SVP mit parlamentarischen Vorstössen starken Einfluss auf die konkrete Umsetzung – was von der SP nicht behauptet werden kann. Die politische Verantwortung für die Strategie trägt SP-Bundesrat Beat Jans.

In der laufenden Herbstsession der Räte unter der Bundeshauskuppel in Bern wird sich der Nationalrat mit der Motion 25.4674 «Für eine echte Asylstrategie im Interesse der Schweizer Bevölkerung» befassen müssen. Dies, nachdem der Ständerat sie am 10.März 2026 angenommen hat. Eingereicht wurde die Motion im Dezember 2025 vom Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann. Gefordert wird in bekannter SVP-Manier eine «grundlegende Neuausrichtung der Asylpolitik». Die Motion ist ein klassischer Frontalangriff der SVP auf das Asylwesen, zum konkreten Inhalt später mehr. Denn von Bedeutung ist vor allem Folgendes: Der Vorstoss von Hannes Germann ist Teil der SVP-Strategie, die Umsetzung der Asylstrategie 2027 weitgehend zu bestimmen.

Politische Stossrichtung vorbestimmt
Blicken wir kurz zurück. Den politischen Ausgangspunkt für die Asylstrategie 2027 setzte SP-Bundesrat Beat Jans. Im Juni 2024 beauftragte der Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) das Staatssekretariat für Migration (SEM), das bestehende Asylsystem einer «Soll-Ist-Analyse» zu unterziehen – und darauf aufbauend eine Strategie mit konkreten Massnahmen zu entwickeln. Was tat das SEM? Es beauftragt das private Beratungsunternehmen Ecoplan mit der Analyse. Wobei das Unternehmen einen klar definierten Auftrag bekam: Untersucht werden sollte nicht einfach ergebnisoffen, was ein gutes Asylsystem ausmacht. Vielmehr wurden bestimmte Problemfelder und Zielsetzungen vorgegeben. Darunter der Umgang mit irregulärer Migration, die «Schwankungstauglichkeit» des Systems, die Steigerung der Kosteneffizienz sowie die Optimierung der Rückkehrprozesse. Die politische Stossrichtung der Strategie wurde somit bereits mit der Vergabe der Analyse deutlich vorbestimmt.
Auf Grundlage dieser Analyse erarbeiteten Bund, Kantone, Städte und Gemeinden gemeinsam die sogenannte Asylstrategie 2027. An der nationalen Asylkonferenz vom 28. November 2025 einigten sie sich auf deren politische Stossrichtung und erteilten das Mandat für die konkrete Umsetzung.

Das Ziel der SVP
Seit Dezember 2025 befindet sich die Asylstrategie 2027 in der Umsetzungsphase. Ein grosser Teil der vorgesehenen Massnahmen wird derzeit erst konkretisiert, geprüft oder für spätere Gesetzesänderungen vorbereitet. Bereits angelaufen ist unter anderem die «Task Force Intensivtäter», in der Bund und Kantone bei straffälligen Asylsuchenden enger zusammenarbeiten. Der aktuelle Stand der Dinge bezüglich Asylstrategie 2027 kann daher so zusammengefasst werden: Deren konkrete Umsetzung ist in vollem Gange.
Und genau an dieser Stelle kommt die strategische Arbeit der SVP im Parlament ins Spiel. Bereits im Dezember 2025 reichte sie in beiden Räten praktisch gleichlautende Motionen mit dem Titel «Für eine echte Asylstrategie im Interesse der Schweizer Bevölkerung» ein: im Ständerat die zuvor erwähnte Motion 25.4674 ihres Schaffhauser Ständerats Hannes Germann, im Nationalrat reichte die SVP-Fraktion die gleichen Forderungen ein. Bekanntlich muss eine Motion in beiden Räten behandelt werden – und mit zwei Motionen erhöhte die SVP den politischen Druck auf die Räte. Das Ziel der SVP ist klar: Sie will die Asylstrategie 2027 möglichst stark nach ihrem Gusto gestalten.
Wann der Ständerat die Motion der SVP-Fraktion behandeln wird, ist noch offen. Der Nationalrat wird sich – wie eingangs erwähnt – mit der Motion 25.4674 von SVP-Ständerat Germann befassen müssen. Sie fordert unter anderem, die Zahl der Asylgesuche und die Kosten deutlich zu senken, die Verfahren zu beschleunigen und den Familiennachzug einzuschränken. Gleichzeitig soll die Zahl der Rückführungen erhöht werden. Zudem soll die Schweiz darauf hinwirken, dass Asylverfahren vermehrt ausserhalb Europas durchgeführt werden sollen – letzteres ist so quasi der Beitrag der SVP an die Festung Europa.

Das Vorhaben des Bundesrats
Der politische Druck der SVP setzt damit genau in einer Phase ein, in der zahlreiche konkrete Massnahmen und Gesetzesänderungen zur Asylstrategie 2027 ausgearbeitet werden. Und das Vorgehen der SVP zeigt Wirkung. So unterstützt die vorberatende Staatspolitische Kommission des Nationalrates fünf der sechs Forderungen von Germanns Motion; einzig die Einschränkung des Familiennachzugs lehnt sie ab. Bemerkenswert ist ihre Begründung: Die Forderungen sollen ausdrücklich «in den laufenden Prozess der Umsetzung der Asylstrategie 2027 einfliessen», so zu lesen in der Stellungnahme der Kommission.
Der Bundesrat beantragt zwar die Ablehnung der Motion, allerdings nicht, weil er deren politische Stossrichtung grundsätzlich ablehnt. Vielmehr hält er fest, dass fünf der sechs Forderungen bereits mit dem politischen Mandat zur Asylstrategie 2027 aufgenommen worden seien. Ein zusätzlicher parlamentarischer Auftrag sei deshalb nicht nötig. Einzig bei der von Germann geforderten Einschränkung des Familiennachzugs geht die Motion über die bisherige Strategie hinaus. Deutlicher kann der Bundesrat sein Vorhaben mit der Asylstrategie 2027 nicht auf den Punkt bringen.

Humanität und Solidarität?
Auffällig still bleibt die SP. Zwar äussert sich die Partei zu einzelnen Fragen der Asyl- und Migrationspolitik, etwa zur Integration von Geflüchteten oder zum Schutzstatus S. Doch eine grundsätzliche öffentliche Positionierung zur Asylstrategie 2027 und insbesondere zu deren laufender Umsetzung ist bislang nicht auszumachen. Das ist umso bemerkenswerter, als die SP in ihren eigenen Legislaturzielen für eine Asylpolitik der «Humanität und Solidarität» eintritt. Der Grund für diese Zurückhaltung liegt auf der Hand: Eine grundsätzliche Kritik an der politischen Stossrichtung der Asylstrategie 2027 wäre zwangsläufig auch Kritik am eigenen Bundesrat. Denn – es sei daran erinnert – es war SP-Bundesrat Jans, der den Prozess 2024 angestossen hat und die politische Verantwortung für die Asylstrategie 2027 trägt.

Profit vor Menschenrechten

lmt. Tiefere Zölle sollen Schweizer Unternehmen neue Absatzmärkte eröffnen. Was dabei mit Menschenrechten und Umwelt geschieht, wird weit weniger streng geregelt. Das Parlament hat dem Mercosur-Abkommen trotzdem zugestimmt. Nun folgt das Referendum.

Für Schweizer Unternehmen klingt es nach einem guten Geschäft. Zölle fallen, Exporte werden günstiger und ein Markt mit rund 280 Millionen Menschen öffnet sich weiter.

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Krieg, Recht und Bündnis

dom. Über ein halbes Jahr Iran-Krieg, und Europa bleibt auffällig still – anders als bei der Ukraine. Sanktioniert wird, wer nicht zum eigenen Bündnis gehört, nicht wer Völkerrecht bricht. Und während die USA eskalieren, verlieren sie den übergeordneten Kampf um die Weltmacht.

Schon über ein halbes Jahr dauert er nun an, der Iran-Krieg – und die Situation scheint verfahrener denn je. » Weiterlesen

Türöffnerin Schweiz

dom. Zollhammer aus Washington, Zugeständnisse aus China: Das neue Freihandelsabkommen mit China zeigt, wie die Schweiz immer noch zwischen den Blöcken lavieren kann – und dabei für alle von Nutzen ist.

Das neue Abkommen mit China steht in deutlichem Kontrast zu den Verhandlungen mit den USA. Mit Trump gab es Zollhammer, Zickzack, schliesslich eine Einigung auf 15 Prozent, erkauft mit milliardenschweren Investitionszusagen und teuren Geschenken – weniger eine Einigung als eine Unterordnung unter Druck.

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Vorwärts zum Sozialismus

Marius Käch. Über 200 Delegierte aus Vietnam, China, Laos und der Schweiz diskutierten in 174 Beiträgen über die Weiterentwicklung des Marxismus unter neuen Bedingungen. Ansätze für effektive Arbeitskämpfe im Privatsektor brachte die Partei der Arbeit der Schweiz (PdA) mit einem Forschungspapier über den Bau ein.

«Der Austausch über die Erfahrungen marxistisch-leninistischer Parteien bei der Ausübung politischer Führung dient nicht der Suche nach einem gemeinsamen Modell für alle Länder.

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Like and Subscribe

Dominik Dübi. Die Filmwelt verbeugt sich aktuell vor den Erfolgen der jungen Filmemacher und YouTuber Kane Parsons und Curry Barker. Im Alter von 21 beziehungsweise 26 Jahren stellten die beiden Hollywood auf den Kopf, indem sie mit kleinsten Budgets unglaublich erfolgreiche Horrorfilme drehten.

Curry Barker beschäftigt sich in «Obsession» mit toxischer Männlichkeit und dem Grusel der völligen Selbstaufgabe in einer Liebesbeziehung.

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Die Achse des Widerstands

Andrea Duffour. Ignacio Ramonet beleuchtet in diesem Interview nicht nur die neu moderne Kriegsführung, sondern spricht auch über internationale Solidarität und persönliche Lehren von grossen Revolutionären. Das Interview wurde von der Präsidentin der Vereinigung Schweiz-Cuba, Sektion Freiburg durchgeführt. Der vorwärts veröffentlicht eine gekürzte Version.

Ignacio Ramonet ist seit Jahren eine Referenz für alle, die die Mechanismen der Macht entschlüsseln wollen, eine unverzichtbare Persönlichkeit für jeden, der die Kräfte verstehen möchte, die unsere Welt präge. Er ist einer der führenden Analysten der Medien und dessen, was er als «liberale Zensur» bezeichnet. Sein Leben hat Ramonet der Aufdeckung des «Einbahnstrassen-Denkens» und der Analyse der Entwicklung der Medien gewidmet, von der Druckerpresse bis zur heutigen Industrialisierung des Denkens durch künstliche Intelligenz. Doch über die Theorie hinaus ist er auch ein Mann der Praxis und der Geschichte. Seine privilegierten Beziehungen zu bedeutenden Persönlichkeiten der lateinamerikanischen Linken sind einzigartig. Vor allem zu Fidel Castro, aber auch zu Hugo Chávez sowie durch seine zehn exklusiven Interviews mit Nicolás Maduro, die auf TeleSur ausgestrahlt wurden, darunter sein letztes Interview, das 48 Stunden vor dessen Entführung geführt wurde.

Was ist Ihre Analyse zum bolivarischen und kubanischen Widerstand?
Ich glaube vor allem, dass ideologische Vereinfachungen vermieden werden müssen. Die heutige Welt ist weitaus komplexer als während des Kalten Krieges. Wir befinden uns nicht mehr in einer binären Opposition zwischen zwei perfekt strukturierten Blöcken. Wir sind in einer Phase des historischen Übergangs eingetreten: den Übergang von einer von den Vereinigten Staaten dominierten unipolaren Welt zu einer multipolaren Welt, die nach wie vor instabil und konfliktreich ist. Meiner Meinung nach ist das das zentrale Phänomen. In diesem Zusammenhang stellen Kuba und Venezuela zwei historische Erfahrungen von Souveränität dar, die weiterhin enormem Druck standhalten. Seit mehr als sechzig Jahren erträgt Kuba eine extrem harte Wirtschaftsblockade, wahrscheinlich die längste in der Zeitgeschichte. Venezuela hingegen sieht sich seit Jahren einem Regime von Sanktionen sowie beispiellosem finanziellem, diplomatischem und medialem Druck ausgesetzt. Und doch ist keines der beiden Länder verschwunden. Das allein ist bereits eine bedeutende politische Tatsache. Ihre Hauptstärke des Widerstands liegt nicht allein in internationalen Bündnissen. Sie liegt in erster Linie in der Existenz eines Staates, eines historischen Gedächtnisses und einer politischen Kultur des Widerstands. In Kuba ist die Idee der nationalen Souveränität seit 1895, José Martí und der Revolution von 1959 tief verwurzelt. In Venezuela organisiert das bolivarische und chavistische Erbe trotz des Schocks vom 3.Januar 2026 weiterhin einen bedeutenden Teil der Gesellschaft um die Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit.

Welche Bedeutung hat das Bündnis von Kuba und Venezuela innerhalb der BRICS+ und der G77+China? Sehen Sie darin die Entstehung einer echten «globalen Achse des Widerstands», die in der Lage ist, den Weg zu einer multipolaren Welt zu ebnen, die das Völkerrecht und die Souveränität der Völker achtet?
Es ist offensichtlich, dass sich der internationale Kontext gewandelt hat. Vor zwanzig oder dreissig Jahren konnte Washington in einem fast unipolaren Rahmen agieren. Heute verändern das Aufkommen der BRICS+, das wachsende Gewicht Chinas, die strategische Rückkehr Russlands, der Aufstieg Indiens und Südafrikas, die regionale Rolle des Iran und das Selbstbewusstsein des Globalen Südens das Kräfteverhältnis grundlegend. Ich habe oft gesagt, dass die BRICS einen historischen Wendepunkt hin zur «Entwestlichung» der Welt darstellen. Das bedeutet nicht, dass es bereits eine homogene oder perfekt koordinierte «globale Achse des Widerstands» gibt. Die Interessen Chinas, Indiens, des Irans, Russlands, Brasiliens oder der lateinamerikanischen Länder sind nicht identisch. Aber es gibt nun eine wachsende Annäherung in Bezug auf mehrere grundlegende Prinzipien: Ablehnung einseitiger Sanktionen, Verteidigung der nationalen Souveränität, Widerstand gegen die extraterritoriale Anwendung von US-Recht, der Wunsch nach dem Aufbau autonomer Finanzmechanismen und das Streben nach einer weniger westlich geprägten internationalen Ordnung. Der Iran spielt in dieser Konstellation in der Tat eine wichtige Rolle, da er historische Erfahrungen mit Widerstand angesichts von Sanktionen, Angriffen und Isolationsversuchen gewonnen hat. Auch Kuba verfügt über diese Erfahrung. Und Venezuela hat durch Not gelernt, Mechanismen des wirtschaftlichen und geopolitischen Überlebens zu entwickeln. Ich bleibe jedoch skeptisch gegenüber jeder quasi-messianischen oder romantischen Vision dieser Bündnisse. Kein Land ist frei von inneren Widersprüchen, Fehlern oder Schwierigkeiten. Es geht nicht darum, die eine oder andere Regierung heiligzusprechen. Die grundlegende Frage ist, ob die Welt von morgen von einer einzigen Hypermacht regiert wird, die dem Rest des Planeten ihre Normen aufzwingt, oder von einem pluralistischen Gleichgewicht zwischen mehreren zivilisatorischen Polen. Das wesentliche Thema ist heute die Achtung des Völkerrechts, die Souveränität der Völker und die Ablehnung von Herrschaftspolitik. Viele Länder des Globalen Südens erkennen sich heute in diesem Bestreben wieder. Das erklärt die allmähliche Schwächung der traditionellen westlichen Hegemonie und die noch unvollendete Entstehung einer multipolaren Welt.

Die europäische Unternehmenspresse ist oft kaum mehr als ein Sprachrohr für Nato-Interessen. Handelt es sich lediglich um Zensur oder um eine «Konstruktion der Realität», die darauf abzielt, illegale militärische Interventionen zu rechtfertigen?
Man muss mehrere Ebenen unterscheiden. Natürlich gibt es immer noch Zensur. Tatsächlich gibt es sie weitaus mehr, als den Menschen bewusst ist, oft in raffinierten Formen: die voreingenommene Priorisierung der Nachrichtenagenda, die Marginalisierung abweichender Stimmen, die Dämonisierung bestimmter Staaten oder Führer. Aber was wir heute erleben, geht weit über die klassische Zensur hinaus. Wir sind in eine Phase der industriellen Konstruktion der Realität getreten. Mit anderen Worten: Eine Reihe dominanter grosser Medien berichtet nicht mehr einfach nur über Konflikte: Sie konstruieren den mentalen Rahmen, durch welchen diese Konflikte von der öffentlichen Meinung wahrgenommen werden. Ich habe oft erklärt, dass das heutige Mediensystem nicht mehr klar zwischen Information, Kommunikation und Propaganda unterscheidet. In westlichen Demokratien handelt es sich dabei im Allgemeinen nicht um autoritäre Propaganda, die von oben herab auferlegt wird, wie in der Ära traditioneller Diktaturen. Der Mechanismus ist subtiler. Er funktioniert durch ideologischen Konformismus, durch die Verbreitung derselben Quellen, derselben Experten, derselben Agenturen und derselben moralischen und geopolitischen Kategorien. Dies führt zu einer Homogenisierung der medialen Erzählung. Betrachten wir die jüngsten Kriege. Seit dem Ersten Golfkrieg wissen wir, dass moderne Konflikte auch Medienkriege sind. Bilder, Emotionen, humanitäre Narrative und die verwendeten Begriffe wie «Diktator», «Regime», «humanitäre Intervention», «Präventivschläge», «Kollateralschäden», «internationale Gemeinschaft» spielen eine zentrale Rolle bei der Schaffung von Zustimmung. Heute, mit sozialen Medien, künstlicher Intelligenz, Überwachungstechnologien und psychologischen Targeting-Techniken, ist dieser Kampf noch tiefer in das menschliche Bewusstsein eingedrungen. In diesem Zusammenhang agieren viele grosse europäische Medien faktisch als Akteure, die in den westlichen geopolitischen Apparat eingebunden sind. Nicht unbedingt, weil überall explizite Anweisungen von Regierungen oder der Nato erteilt werden, sondern weil eine strukturelle Übereinstimmung von Interessen, Weltanschauungen, kulturellen Bezugspunkten und der Abhängigkeit von denselben Zentren wirtschaftlicher und strategischer Macht besteht. Das haben wir 2003 im Irak gesehen. Das haben wir 2011 in Libyen gesehen. Und das sehen wir heute in der unterschiedlichen Behandlung von Kriegen je nach den beteiligten Akteur:innen. Bestimmte Opfer werden sichtbar, andere unsichtbar. Bestimmte Verstösse gegen das Völkerrecht werden scharf angeprangert, während andere relativiert oder ignoriert werden. Diese Asymmetrie führt zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität. Wir leben nicht mehr nur in einer Gesellschaft der Zensur, sondern in einer Gesellschaft der Informationsüberflutung, in der die Hauptschwierigkeit darin besteht, Wahrheit von Lüge, Information von strategischer Kommunikation, Journalismus von Kriegsberichterstattung zu unterscheiden. Das vorherrschende Mediensystem lässt manchmal die gleichzeitige Koexistenz von Wahrheit und Lüge zu. Das heutige Paradoxon ist gewaltig: Nie zuvor hatten wir Zugang zu so vielen Informationen, und doch war ein Teil der Bevölkerung noch nie so desorientiert. Deshalb sind Medienpluralismus, kritisches Denken, Medienkompetenz und die Existenz unabhängiger Plattformen mittlerweile zu grundlegenden demokratischen Themen geworden. Denn in modernen hybriden Kriegen läuft die Kontrolle der Erzählung oft darauf hinaus, die Akzeptanz politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Interventionen vorzubereiten.

Sie warnen auch vor der Autonomisierung von Waffensystemen. Welche Gefahren birgt diese Technologie für Länder, die unter Blockade stehen?
Ja, ich glaube, dass künstliche Intelligenz (KI) unsere Gesellschaften mit einer Kraft verändern wird, die wahrscheinlich grösser ist als die des Internets. Ab 1989 revolutionierte das Internet den Zugang zu Informationen und die Verbreitung von Wissen. KI beeinflusst nun jedoch die Produktion der Realität selbst: die Produktion von Texten, Bildern, Entscheidungen, Diagnosen, Verhaltensweisen und möglicherweise bald auch autonomen militärischen Entscheidungen. Und wie immer in der Geschichte versuchen die ersten Mächte, die eine bedeutende Technologie beherrschen, diese zu nutzen, um ihre geopolitische Vorherrschaft zu festigen. Die Hauptgefahr für Länder wie Kuba oder Venezuela ist nicht nur militärischer Natur. Sie ist kognitiver Natur. Mit anderen Worten: Das zentrale Thema ist nun die Kontrolle über Wahrnehmungen, Narrative, Emotionen und kollektive Vorstellungswelten. Ich habe oft erklärt, dass das heutige Ziel darin besteht, «den Einzelnen zu hacken», den menschlichen Geist durch eine Kombination aus psychologischer Kriegsführung, digitaler Überwachung und Informationskrieg in Besitz zu nehmen. KI macht dies im industriellen Massstab möglich. Wir treten in eine Ära ein, in der die Grenze zwischen Wahrheit und Fälschung extrem fragil wird. Für Nationen, die Sanktionen oder Blockaden ausgesetzt sind, ist das Risiko immens. Digitale Abhängigkeit könnte zu einer neuen Form kolonialer Abhängigkeit werden. Wenn Plattformen, Cloud-Infrastrukturen, Suchmaschinen, KI-Systeme, Satelliten, strategische Software und soziale Netzwerke von einer Handvoll Machtzentren kontrolliert werden, die sich hauptsächlich in den Vereinigten Staaten befinden, dann verfügen diese Zentren über beträchtliche Macht, bestimmte Narrative unsichtbar zu machen, die Reichweite bestimmter Stimmen zu verringern oder ihre eigenen Weltbilder durchzusetzen. Mit anderen Worten: Der Kampf um Souveränität wird nicht mehr ausschliesslich auf militärischem oder wirtschaftlichem Terrain ausgetragen. Er wird auch im kognitiven Bereich ausgetragen, in Daten, Algorithmen, digitalen Infrastrukturen und Systemen der künstlichen Intelligenz. Ich glaube, wir erleben gerade die Entstehung eines echten «algorithmischen Imperialismus». Algorithmen sind nicht neutral. Sie spiegeln die Interessen, Werte, kulturellen Prioritäten und geopolitischen Agenden der Mächte wider, die sie entwerfen. Wenn ein Land weder seine Daten noch seine Netzwerke noch seine digitalen Werkzeuge kontrolliert, läuft es nach und nach Gefahr, auch die Kontrolle über seine Darstellung in der Welt zu verlieren. Das bedeutet nicht, dass alternative Narrative technisch unmöglich sind. Im Gegenteil: Neue Technologien eröffnen auch Räume für Gegeninformation und autonome Kommunikation, die es zuvor nicht gab. Doch diese Möglichkeit wird zunehmend asymmetrisch, da grosse Plattformen die Sichtbarkeit mittlerweile massiv durch undurchsichtige automatisierte Systeme filtern. Das eigentliche Problem ist daher die kognitive Unabhängigkeit und die digitale Souveränität. Man muss sich bewusst machen, dass KI nicht nur eine technische Innovation ist. Sie ist bereits ein bedeutendes Instrument geopolitischer Macht.
Und es gibt noch eine weitere grosse Gefahr: die schrittweise Autonomisierung von Waffensystemen. Wir erleben die Entstehung von Drohnen, die in der Lage sind, Ziele auszuwählen, von prädiktiven Überwachungssystemen, Technologien zur massenhaften Gesichtserkennung und halbautonomen militärischen Geräten. Dies wirft eine grundlegende Frage auf: Wer wird morgen tödliche Entscheidungen kontrollieren? Menschen oder algorithmische Systeme? Wir stehen vor einem historischen Wandel, der entweder die menschlichen Freiheiten und die Zusammenarbeit stärken oder eine neue Form globaler technologischer Vorherrschaft einläuten könnte. Deshalb darf die Debatte über KI nicht allein den Ingenieuren oder den multinationalen Konzernen aus dem Silicon Valley überlassen werden.

Am 31.Dezember 2025 führten Sie ein Interview mit Nicolás Maduro durch. Haben Sie persönliche Anekdoten über Castro, Chávez und Maduro, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind?
Was mich an Fidel Castro, Hugo Chávez und Nicolás Maduro trotz ihrer völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten immer beeindruckt hat, war ihre aussergewöhnliche psychische Widerstandsfähigkeit angesichts von Widrigkeiten. Fidel beispielsweise besass in Krisenzeiten eine fast beunruhigende Gelassenheit. Ich erinnere mich, dass ich ihn eines Tages, als Kuba eine sehr schwierige wirtschaftliche Phase durchlebte, fragte, ob er jemals entmutigt sei. Er antwortete fast gelassen: ‹In einer Revolution hat man bereits verloren, wenn man die Fähigkeit zur Hoffnung verliert.› Dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben. Fidel besass zudem eine erstaunliche Fähigkeit, zuzuhören. Entgegen der Karikatur des autoritären Führers, der unaufhörlich redet, stellte er unzählige Fragen. Er wollte verstehen, wie sich Europa entwickelte, wie die Medien funktionierten und wie sich die Gesellschaften veränderten. Seine intellektuelle Neugier war immens.
Chávez hingegen war anders. Bei ihm überwog die emotionale Energie. Er hatte eine fast organische Beziehung zum Volk. Ich war oft beeindruckt von seinem Gedächtnis für ganz normale Menschen: Er erinnerte sich an einen Bauern, den er Jahre zuvor getroffen hatte, an einen Soldaten, dem er in einer Kaserne begegnet war, oder an eine Frau, die ihn in einem Arbeiterviertel angesprochen hatte. Was die Öffentlichkeit jedoch weniger weiss, ist seine persönliche Widerstandsfähigkeit. Nach dem Staatsstreich im April 2002 war Chávez klar, dass er fortan unter ständiger Bedrohung leben würde. Dennoch lebte er nicht in Angst. Er besass eine fast unglaubliche Fähigkeit, selbst nach den dramatischsten Momenten wieder zu neuer Begeisterung zu finden. Ich sah ihn körperlich erschöpft, unter enormem Druck, und dennoch arbeitete er stundenlang weiter und behielt dabei seinen warmherzigen Sinn für Humor bei.
Chávez hatte eine zutiefst menschliche und emotionale Seite, die in rein politischen Analysen oft übersehen wird. Er lachte viel. Er sang. Er erzählte Anekdoten aus dem Volksleben. Und gleichzeitig war er sich der geopolitischen Gewalt, die Venezuela umgab, voll und ganz bewusst.
Was Nicolás Maduro betrifft, so haben viele Menschen in Europa eine stark vereinfachte Vorstellung von ihm. Dabei verfügt er über eine wesentliche politische Eigenschaft: bemerkenswerte psychische Belastbarkeit. In den letzten Jahren sah er sich massiven Wirtschaftssanktionen, Versuchen der diplomatischen Isolation, Destabilisierungsoperationen, mehreren Aufständen, expliziten militärischen Drohungen und ständigem Druck durch die internationalen Medien ausgesetzt. Nur wenige Staatschefs hätten unter solchen Bedingungen durchgehalten. Während unseres Interviews am 31.Dezember 2025 fiel mir gerade seine offensichtliche Gelassenheit in einem extrem angespannten Kontext auf. Wir nahmen das Gespräch auf, während wir in seinem Privatwagen, den er selbst durch Caracas fuhr, ohne sichtbaren Sicherheitsapparat . Auf dem Rücksitz sassen seine Frau Cilia Flores und Freddy Ñáñez, der damalige Kommunikationsminister. Die Atmosphäre war erstaunlich ruhig, fast familiär, obwohl das Land unter intensivem militärischem Druck der USA stand. Ich erinnere mich besonders an einen Moment, als wir ausserhalb der Kamera über die Möglichkeit einer massiven Eskalation sprachen. Maduro reagierte nicht mit Dramatik oder kriegerischer Rhetorik. Er sagte lediglich sinngemäss: ‹Unsere Pflicht ist es, einen kühlen Kopf zu bewahren.› Diese Fähigkeit, unter extremen Umständen eine Art innerer Ruhe zu bewahren, erinnerte mich an bestimmte Züge von Fidel.

Kubas Internationalismus und seine revolutionäre Diplomatie sind legendär. Kuba hat mehr als 600000 medizinische Einsätze in 164 Ländern durchgeführt und zwei Milliarden Menschen behandelt. Was können wir dieser kleinen Insel zurückgeben, die der Welt so viel gegeben hat?
Kubas internationale Geschichte ist in der Tat aussergewöhnlich, insbesondere angesichts der bescheidenen Grösse der Insel und der immensen Schwierigkeiten, mit denen sie seit 1959 konfrontiert ist. Nur wenige Länder des Globalen Südens haben im vergangenen halben Jahrhundert einen so bedeutenden moralischen, politischen und humanitären Einfluss ausgeübt. Seine Rolle in den Befreiungskämpfen in Afrika – insbesondere in Angola und im Kampf gegen die südafrikanische Apartheid – wurde sogar von Nelson Mandela selbst anerkannt. Auch im medizinischen Bereich waren Kubas Massnahmen bemerkenswert. Brigaden kubanischer Ärzt:innen leisteten Hilfe bei Naturkatastrophen, Epidemien und Gesundheitskrisen auf mehreren Kontinenten. Während der Covid-19-Pandemie, als sich viele wohlhabende Länder nach innen wandten, entsandte Kuba trotz seiner eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiterhin medizinische Teams ins Ausland. Und es gibt in der Tat die historische Kontinuität: von José Martí bis Fidel Castro die Idee, dass Kubas Unabhängigkeit nur dann Sinn hat, wenn sie mit einem universellen Verständnis von Menschenwürde, Antikolonialismus und internationaler Solidarität verbunden ist. Das Paradoxon ist auffällig: Ein Land, das der Welt so viel gegeben hat, leidet weiterhin unter den längsten Wirtschaftssanktionen der Zeitgeschichte. Diese Blockade hat sehr konkrete menschliche Folgen: Versorgungsengpässe, finanzielle Einschränkungen, technologische Hindernisse, Medikamentenmangel und Entwicklungshemmnisse. Und das schon seit mehr als sechs Jahrzehnten. Was kann man also Kuba zurückgeben? Ich glaube, dass wir vor allem folkloristische oder romantische Vorstellungen hinter uns lassen müssen. Kuba braucht keine paternalistische Wohltätigkeit. Vor allem fordert Kuba die Achtung seiner Souveränität und ein Ende der illegalen Zwangsmassnahmen, die eine ganze Bevölkerung kollektiv bestrafen. Der erste konkrete Akt der Solidarität wäre daher die Forderung nach Aufhebung der Blockade, die jedes Jahr in einer fast einstimmigen Abstimmung von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verurteilt wird. Zweitens ist es unerlässlich, die historische Wahrheit zu bewahren. Viele jüngere Generationen wissen heute nicht, welche Rolle Kuba in den Entkolonialisierungskämpfen, bei Alphabetisierungskampagnen, in der internationalen Medizin oder im Kampf gegen die Apartheid gespielt hat. Doch das Auslöschen der Erinnerung ist auch eine Form der Herrschaft.

Zum Schluss: Wenn Sie eine menschliche Lektion aus Ihren hundert Stunden Gesprächen mit Fidel mitnehmen müssten, um die Aktivist:innen von heute zu inspirieren, welche wäre das?
Die wichtigste menschliche Lektion, die Fidel Castro mir hinterlassen hat, war die der historischen Beharrlichkeit. Fidel besass ein sehr tiefes Bewusstsein für die Langfristigkeit. Im Gegensatz zu unserer Zeit, die von Unmittelbarkeit, sozialen Medien und der Besessenheit von Sofortergebnissen geprägt ist, dachte er immer in Jahrzehnten, manchmal sogar in Generationen. Was mich während unserer langen Gespräche am meisten beeindruckte, war nicht nur sein erstaunliches Gedächtnis oder seine immense politische Bildung. Vor allem war es seine fast unerschütterliche Überzeugung, dass die Geschichte offen bleibt, dass keine Herrschaft ewig währt und dass ein bewusstes Volk den Lauf der Dinge verändern kann, selbst unter extrem ungünstigen Bedingungen. Fidel hatte Misserfolge, Gefängnis, Exil, Krieg, Attentate, den Zusammenbruch des Sowjetblocks und die schwersten Wirtschaftskrisen erlebt. Dennoch behielt er seine Fähigkeit, über die Zukunft nachzudenken, unversehrt bei. Das ist bei einem politischen Führer äusserst selten. Viele regieren in einem Zustand der Dringlichkeit; er dachte ständig über die historischen Folgen heutiger Entscheidungen nach. Ich erinnere mich, dass er mir während eines nächtlichen Gesprächs, als wir über die immensen Schwierigkeiten sprachen, mit denen Kuba nach dem Verschwinden der Sowjetunion konfrontiert war, etwas sagte, das mich tief geprägt hat: ‹Menschen können viele Opfer ertragen, wenn sie das Gefühl haben, ihre Würde zu verteidigen.› Dieser Gedanke kehrte in seinem Denken immer wieder: Würde als politische Kraft. Aber Fidel besass auch eine immense intellektuelle Neugier. Bis zum allerletzten Ende las er unermüdlich, blieb interessiert an Wissenschaft, Ökologie, Geopolitik und technologischen Veränderungen. Er glaubte nicht, dass eine Revolution allein durch das Wiederholen von Parolen überleben könne. Er glaubte, es sei notwendig, die Welt kontinuierlich zu verstehen, weil sich die Welt selbst ständig verändert. Ich denke, das ist eine wesentliche Lehre für die Aktivist:innen von heute. Die Kämpfe der Gegenwart ähneln nicht mehr denen des zwanzigsten Jahrhunderts. Wir sind mit neuen Formen der Herrschaft konfrontiert: finanziell, medial, technologisch, algorithmisch und kognitiv. Die traditionellen Formen des Aktivismus müssen sich daher ebenfalls neu erfinden. Was mir letztlich Hoffnung gibt, ist nicht die Vorstellung, dass ein historisches Modell mechanisch reproduziert werden kann. Geschichte wiederholt sich nie genau. Was mir Hoffnung gibt, ist zu sehen, dass überall auf der Welt – in Lateinamerika, Afrika, Asien, aber auch in Europa – jüngere Generationen weiterhin grundlegende Fragen zu Ungleichheit, Souveränität, sozialer Gerechtigkeit, Diskriminierung, Frieden, Umwelt und Menschenwürde stellen. Fidel glaubte fest an die Fähigkeit des Menschen, kritisches Bewusstsein zu entwickeln. Und ich glaube, dass diese Idee nach wie vor von grosser Relevanz ist. In einer Zeit, die von Medienmanipulation, permanentem Konsumdenken und der Fragmentierung der Gesellschaften geprägt ist, stellt die Verteidigung des kritischen Denkens bereits eine Form des Widerstands dar. Letztendlich war Fidels vielleicht wichtigste Lehre diese: Akzeptiere niemals die Vorstellung, dass die Weltordnung endgültig ist.

Von Gaza bis in den Donbass

Samuel Hunziker & Damian Moosbrugger. Die Palästina-Bewegung ist in der Schweiz die einzige Antikriegsbewegung, die diesen Namen verdient. In ihr herrschen jedoch antikoloniale Narrative vor, die eine antiimperialistische Positionierung zum Ukraine-Krieg verhindern.

Während die Solidarität mit der Ukraine nach dem russischen Einmarsch im Februar 2022 schon beinahe von der Regierung verschrieben wurde, begegnete man der Palästina-Bewegung auch in der Schweiz mit Polizeigewalt und medialer Diffamierung.

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Das Wichtigste ist die Glaubwürdigkeit

flo. Mehr als jede:r dritte Grazer:in wählte am 28.Juni die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ). Der vorwärts sprach mit ihnen darüber, wie diese Erfolgsgeschichte möglich wurde. Spezifisch mit einem, der sie entscheidend mitgeprägt hat, dem ehemaligen Landtagsabgeordneten, sowie Stadt- und Gemeinderat Ernest Kaltenegger.

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14 Jahre danach in den Knast

Ralf Streck. Harte Einschnitte ins Sozialsystem nach der Finanzkrise führten in Spanien unter anderem zu Generalstreiks wie am 29.März 2012. 14 Jahre später sollen nun im katalanischen Barcelona sieben Streikposten abgeurteilt werden. Ein Interview mit dem Arbeitsrechtsanwalt Vidal Aragonès.

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Ende des Sozialismus in Kuba?

Redaktion. Die kubanische Regierung hat 176 Massnahmen beschlossen, die das Wirtschaftsmodell des Landes grundlegend verändern sollen. Während sie offiziell als notwendige Reformen präsentiert werden, sehen Kritiker:innen darin eine Abkehr vom sozialistischen Projekt.

Die rasche Verabschiedung von 176 Massnahmen, die das kubanische Wirtschaftsmodell radikal verändern, hat sowohl Zustimmung erfahren als auch Kontroversen ausgelöst.

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«Hier nicht!»

Philipp Gerber. Eine idyllische Bucht im nordmexikanischen Sinaloa ist Schauplatz eines entschlossenen Widerstands gegen transnationale Interessen mit Sitz in Schwyz. Denn dort blockieren indigene Fischer den Bau einer Schweizer Chemiefabrik.

Ein riesiges Ungetüm aus 400 Tonnen Stahl bewegt sich per Spezialtransporter im Schritttempo durch Strassen von Topolobampo in Mexiko.

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Unsichtbar gemachte Republikaner:innen

Gaston Kirsche. Am 17.Juli 1936, vor 90 Jahren, putschte das Militär unter General Francisco Franco und die faschistische Falange gegen die spanische Republik und deren Volksfrontregierung. Die Graphic Novel «Der Abgrund des Vergessens» erinnert an die jahrzehntelang beschwiegenen Massengräber voller Opfer des Franco-Regimes.

Paco Roca beschäftigt sich erneut mit dem kollektiven Gedächtnis der spanischen Gesellschaft.

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Das Angnelli-Imperium

Gerhard Feldbauer. Die am 23.Juni im Alter von 99 Jahren verstorbene letzte Enkelin des FIAT-Gründers Giovanni Agnelli, Cristina Brandolini d’ Adda, hat Erinnerungen an die Rolle des Turiner Unternehmens wachgerufen. Denn FIAT baute nicht nur Autos, sondern war auch eine Waffenschmiede.

Als sich in Italien Ende des vergangenen Jahrhunderts im Grossraum Mailand–Turin–Genua eine sprunghafte Industrialisierung vollzog, stand FIAT zusammen mit auch heute noch existierenden Unternehmen wie Pirelli und Olivetti an der Spitze dieses Prozesses.

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Change the Game

lmt. Die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer geht in die nächste Runde. Während Milliarden von US-Dollars in das Turnier fliessen, erinnert die Kampagne «Change the Game» daran, dass Mädchen weltweit noch immer ein anderes Spiel spielen müssen – eines, dessen Regeln nie für sie geschrieben wurden.

Die Stadien sind voll. Milliarden Menschen verfolgen die Fussball-Weltmeisterschaft (WM), diskutieren über Taktik, Schiedsrichterentscheide und Traumtore. Für Transfers werden dreistellige Millionensummen bezahlt, Fernsehrechte wechseln für Milliarden von US-Dollars den Besitzer, und der Fussball wird einmal mehr zum globalen Spektakel.
Jetzt, da das Turnier in die entscheidende Phase geht, lohnt es sich, den Blick für einen Moment vom Spielfeld zu lösen. Denn es gibt ein anderes Spiel, das weit weniger Aufmerksamkeit erhält: ein Spiel, in dem Milliarden Menschen täglich antreten müssen, ohne je Einfluss auf die Regeln gehabt zu haben.

Schneckentempo
Mädchen kommen nicht auf ein neutrales Spielfeld. Sie wachsen in einer Welt auf, deren Regeln lange vor ihrer Geburt geschrieben wurden – von anderen und für andere. Die Spielregeln sind dabei nicht einfach «unglücklich». Sie wurden historisch von patriarchalen Machtverhältnissen geschaffen und werden bis heute politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich reproduziert. Genau deshalb geht es bei Gleichstellung nicht bloss um individuelle Chancen, sondern um Macht, Teilhabe und die Frage, wer überhaupt bestimmen darf, nach welchen Regeln gespielt wird.
Die Kampagne «Change the Game» bringt diese Realität auf den Punkt: Während im Fussball jede Mannschaft nach denselben Regeln antritt, spielen Mädchen weltweit seit Generationen ein Spiel, das gegen sie ausgelegt ist. Laut dem Global Gender Gap Report 2025 wird es beim heutigen Tempo noch 123 Jahre dauern, bis Geschlechtergleichstellung erreicht ist. Anders gesagt: Erst nach 31 weiteren Fussball-Weltmeisterschaften könnten Mädchen und Frauen weltweit über dieselben Chancen und Rechte verfügen wie Männer.
Dabei hat keines der 48 Länder, die an der diesjährigen Fussball-WM teilnehmen, echte Gleichstellung erreicht. Tatsächlich gibt es weltweit keinen einzigen Staat, in dem Frauen und Männer vollständig gleichgestellt sind.

Ein Spiel, das Leben kostet
Wenn andere die Regeln schreiben, bestimmen sie oft auch über die Körper von Frauen und Mädchen. Sie entscheiden darüber, wer zur Schule gehen darf, wer früh verheiratet wird und wer Zugang zu medizinischer Versorgung erhält. Die Folgen sind dramatisch: Weltweit haben rund 840 Millionen Frauen und Mädchen – fast jede Dritte – im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt. Allein im Jahr 2024 wurden durchschnittlich 137 Feminizide pro Tag (!) begangen. Für viele Mädchen ist das gefährlichste Spielfeld nicht die Strasse, sondern das eigene Zuhause.
Gewalt ist dabei kein isoliertes Problem. Sie ist eng mit anderen Formen struktureller Unterdrückung verbunden. Alle drei Sekunden wird irgendwo auf der Welt ein Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Jedes Jahr sind es rund zwölf Millionen. Heute leben schätzungsweise 650 Millionen Frauen, die bereits als Kinder verheiratet wurden. Kinder- und Zwangsheirat beendet häufig die Schulzeit, erhöht das Risiko häuslicher Gewalt und nimmt Mädchen die Möglichkeit, selbst über ihr Leben zu entscheiden. Wer keinen Zugang zu Bildung hat, wird dreimal häufiger als Kind verheiratet.
Auch frühe Schwangerschaften sind selten das Resultat freier Entscheidungen. Sie sind Ausdruck eines Systems, das Mädchen Selbstbestimmung verweigert. Jedes Jahr werden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rund 21 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren schwanger. Rund eine halbe Million von ihnen ist erst zwischen zehn und 14 Jahre alt. Schwangerschaftskomplikationen und unsichere Schwangerschaftsabbrüche gehören zu den häufigsten Todesursachen von Mädchen dieser Altersgruppe. Rund 90 Prozent der schwangeren Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren leben oder lebten in einer Kinderehe.
Mädchen mit geringer Schulbildung werden fünfmal häufiger früh Mutter als Frauen mit höherem Bildungsabschluss. Und wer früh Mutter wird, verlässt häufig die Schule. Damit beginnt ein Kreislauf aus Armut, wirtschaftlicher Abhängigkeit und fehlenden Zukunftsperspektiven, der sich oft über Generationen fortsetzt.

Milliarden für den Fussball
Die Welt beweist während der Fussball-WM eindrücklich, welche finanziellen Mittel sie mobilisieren kann, wenn sie etwas für wichtig hält. Gleichzeitig fehlt in vielen Ländern das Geld, um Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen, sie vor Gewalt zu schützen oder ihnen Zugang zu Gesundheitsversorgung zu garantieren. Es fehlt an Frauenhäusern, an umfassender Sexualaufklärung, an Verhütungsmitteln, an rechtlichem Schutz und an Bildung – nicht weil die Ressourcen fehlen würden, sondern weil politische Prioritäten anders gesetzt werden.
Es reicht nicht aus, Mädchen zu ermutigen, stärker, mutiger oder selbstbewusster zu sein. Solange das Spielfeld uneben bleibt und andere über die Regeln bestimmen, bleibt auch das Ergebnis vorhersehbar. Genau dort setzt die Kampagne «Change the Game» an. Sie fordert nicht, dass Mädchen lernen, sich einem unfairen Spiel besser anzupassen. Sie fordert, die Regeln selbst zu verändern. Während in den kommenden Wochen Millionen Menschen den Weltmeister bejubeln werden, lohnt es sich deshalb, eine andere Frage zu stellen: Was wäre möglich, wenn dieselbe Entschlossenheit, dieselben finanziellen Mittel und dieselbe gesellschaftliche Aufmerksamkeit nicht nur einem Fussballturnier, sondern der Gleichstellung gewidmet würden?

Der Handschlag, der ausblieb

lmt. Ein englischer Nationalspieler verweigert dem ghanaischen Spieler Thomas Partey vor dem WM-Spiel demonstrativ den Handschlag. Die Szene dauert nur Sekunden. Doch sie macht sichtbar, worüber der Männerfussball seit Jahren schweigt: den Umgang mit sexualisierter Gewalt.

Thomas Partey tritt vor Djed Spence. Der ghanaische Nationalspieler streckt ihm die Hand entgegen. Spence blickt nach vorn, lässt die Hand unbeachtet und verweigert den Handschlag.

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