Endlich Verbot für Konversionstherapien!

sah. LGBTIQA-Personen sind zu schützen: In der Schweiz sind viele Personen von Konversionsmassnahmen betroffen. Rund ein Drittel von ihnen ist bei Beginn der Praktiken minderjährig. Hier muss die Regierung endlich mit einem Verbot handeln.

Mit Konversionspraktiken wird versucht, sexuelle Orientierung und/oder die Geschlechtsidentität einer Person zu verändern respektive zu unterdrücken.

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Reproduktive Rechte = Menschenrechte

sah. Allen Menschen soll das Recht garantiert sein, frei und selbstbestimmt zu entscheiden, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchten. Die Ausstellung «Atlas der Reproduktion» in Bern widmet sich diesen Freiheiten.

Rechte wie das Recht auf Abtreibung sind in vielen Ländern nicht mehr selbstverständlich.

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14.Juni 26: Aufbruch zum Care-Streik 2027

FSK. Stark, laut und kämpferisch: Am 14.Juni 2026 füllten rund 60000 Menschen die Zürcher Strassen. Gemeinsam machten wir unbezahlte Care-Arbeit sichtbar. Der Tag war ein Höhepunkt – und zugleich ein Aufbruch: Mit 180 Organisationen mobilisieren wir für einen starken feministischen Care-Streik 2027.

Wir sind wütend. Wir sind erschöpft. Und gerade deshalb haben wir uns auch wieder dieses Jahr am 14.Juni die Strassen Zürichs genommen. Unter dem Motto «Pflege, Sorge, Hausarbeit – das ist unbezahlte Arbeitszeit! Gegen das System, das ausbeutet und profitiert, sind wir feministisch organisiert» haben wir am Sonntag, 8.März, für die Sichtbarmachung und gerechte Entlohnung unbezahlter Care-Arbeit protestiert, denn an Sonntagen wird besonders viel unbezahlte Care-Arbeit geleistet – allen voran von FLINTA-Personen. Schweizweit beteiligten sich Hunderttausende an feministischen Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen. Allein in Zürich und Genf waren es je rund 60 000 Personen. Wir schätzen, dass rund 150 000 bis 200 000 Menschen an Aktivitäten des 14.Juni teilnahmen, in irgendeiner Form!
Bis zu diesem Tag haben über 100 Organisationen, Kollektive, (Basis)-Organisationen, Gewerkschaften und Parteien unseren Aufruf zum schweizweiten Care-Streik 2027 unterzeichnet. Zusammen mit unseren Forderungen sollte das nun ein unmissverständliches Signal an die Politik und die Wirtschaft sein: Wir haben genug. Die Zeiten sind vorbei, in denen Care-Arbeit weiter prekarisiert, unter- und unbezahlt verrichtet wird.

Der Nachmittag
Ab 13 Uhr füllte sich trotz des heissen Wetters langsam das Kasernenareal. Mehrere Tausend Menschen kamen zusammen, um an unserem politischen Bildungsprogramm teilzunehmen. Der Auftakt machte Leila mit einem Konzert auf der Hauptbühne. Gleichzeitig startete im Innenhof die Fight-Back-Selbstverteidigung, auf der Wiese öffneten die verschiedenen Gruppen, Kollektive und Organisatoren ihre Stände und im Kulturraum Walcheturm begann das Kindertheater. Um 13.30 Uhr folgte der politische Kern des Nachmittags: Die Eröffnungsrede vom Feministischen Streikkollektiv Zürichs – und mit der Rede die offizielle Verkündung der drei Hauptforderungen für den Care-Streik 2027.
Um 14 Uhr gab es auf der Bühne einen Input mit Quiz zu unbezahlter Care-Arbeit. Auf der Wiese konnte derweil mit dem Malen von Demoschildern begonnen werden. Natürlich hatten wir auch eine Kinderbetreuung, damit die Eltern den Nachmittag vollumfänglich miterleben konnten. Ab 14.30 Uhr liefen im Innenhof die Workshops des «Arbeitskampf 1×1», welche die Grundlagen des Arbeitskampfes vermittelten – welche Form von Arbeitskampf gibt es? Was ist ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV)? Welche Kriterien braucht es für einen legalen Streik? Was ist ein wilder Streik und was ist der feministische Streik? Wie mobilisiert mensch auf der Arbeit? Wir haben auch in kleinen Gruppen geübt, wie man mit Arbeitskolleg:innen über die Arbeitsbedingungen reden kann, und verschiedene Arten aufgezeigt, wie man für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen kann. Für alle, die sich sportlicher betätigen wollten, gab es ebenfalls einen «Flättere-Workshop» – gekonntes Ohrfeigen als Teil der feministischen Selbstverteidigung. Ebenfalls gab es auf der Wiese die Performance «El Violador en Tu Camino».
Parallel dazu, von 14.45 bis 15.45 Uhr, bot ein Workshop einen tieferen Einblick in die Strategie für den Care-Streik 2027: Was verstehen wir unter «Care-Arbeit» und «feministischem Streik»? Weshalb ist es so zentral, auch die unbezahlte Care-Arbeit zu bestreiken? Spielerisch wurden Wissen und Strategien erarbeitet – für 2026, 2027 und darüber hinaus. Auf der Bühne trat um 14.45 Uhr die proletarische Singgruppe auf. Ab 15 Uhr hielten verschiedene Gruppen Redebeiträge. Auf der Wiese übernahm die DOL & SOL ChorBand: Dancing Old Ladies & Singing Old Ladies, ein Netz alter Feministinnen, das seit 2022 Feminismus, Tanz, Gesang und Aktion vereint. Ab 15.30 Uhr spielte Ikan Hyu auf der Hauptbühne.
Um 16.15 Uhr hielt das Kollektiv noch einmal die Hauptrede des Bildungsprogramms – ein Abschluss und zugleich Aufbruch. Gleichzeitig versammelte sich auf der Kasernenwiese der Kunstblock rund um die riesige Care-Quittung. In weissen Hemden und schwarzen Hosen, mit rot angemalten Haushaltsgegenständen – Besen, Töpfen, Kellen, Schoppenflaschen, Kuscheltieren – zogen die Teilnehmenden gemeinsam zur Demo.

Schlussdemonstration
Um 16.30 Uhr machten wir uns gemeinsam vom Kasernenareal auf den Weg zum Ni-Una-Menos-Platz. Der Platz füllte sich rasch: mit lila Outfits, unzähligen Plakaten, Trommeln, Parolen. «Kein Krieg, kein Staat, kein Patriarchat!» hallte bereits vor dem Start über den Platz. Auch Palästina-Fahnen waren sichtbar.
Um 17.15 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Angeführt vom Fronttranspi und Streikkollektiv-Wagen mit tollen Beats folgte der Care-Block mit Angestellten und Aktivist:innen aus Pflege, Betreuung und sozialer Arbeit, dahinter der Revolutionäre Block. Die Route führte durch Langstrasse und Lagerstrasse, über die Gessnerbrücke, Usteristrasse, Löwenplatz, Löwenstrasse, Bahnhofplatz bis auf die Bahnhofstrasse. Als der Zug an Grossfilialen wie H&M, Zara und Swarovski vorbeizog, brandete Kapitalismuskritik auf, denn Kapital trägt die Hauptschuld an der Ausbeutung der Care-Arbeit. Die überdimensionale Care-Quittung des Kunstblocks war durch den ganzen Zug sichtbar.
Am Löwenplatz, kurz vor 18.30 Uhr, hielt der gesamte Demonstrationszug inne. Eine Schweigeminute für die 13 Frauen, die 2026 in der Schweiz bereits durch Feminizide getötet worden sind. Stille mitten in der Stadt. Dann der kollektive Aufschrei.
Auf der Bahnhofstrasse, auf Höhe Paradeplatz, um 19.30 Uhr: der Erschöpfungsmoment. Alle Teilnehmenden legten sich für fünf Minuten auf den Asphalt. Hunderte von Körpern auf dem Boden einer der teuersten Einkaufsstrassen der Welt. Wir sind erschöpft. Das System macht uns erschöpft. Aber wir stehen wieder auf – und am 14.Juni 2027 streiken wir.
Von der Sihlbrücke und Badenerstrasse führte der Zug über die Stauffacherstrasse zurück zum Helvetiaplatz, auf dem die letzten Teilnehmenden um 20.30 Uhr ankamen. Dreieinhalb Stunden. 60000 Menschen. Auf dem Platz liessen viele Teilnehmende den Abend mit Musik und Tanz ausklingen – und feierten gleich doppelt: Denn zeitgleich war bekannt geworden, dass die Schweiz die rassistische SVP-Initiative mit 55 Prozent bachabgeschickt hatte. Die Afterparty fand ab 22 Uhr in der Zentralwäscherei statt, wo es nach dem Ja zur Verlängerung der Zwischennutzung noch einen dritten Grund zu feiern gab.

Die Care-Krise ist kein Privatproblem
Sowohl Nachmittagsprogramm als auch die Schlussdemonstration wurden von zahlreichen Reden begleitet. Das Streikkollektiv Zürich eröffnete den Tag auf der Bühne des Kasernenareals mit dem Fokus auf unbezahlte Care-Arbeit: In der Rede wurde gesagt, dass rund die Hälfte aller in der Schweiz geleisteten Arbeitsstunden aus unbezahlter Care-Arbeit besteht. Zwei Drittel davon werden auf den Schultern von FLINTAPersonen erbracht – das sind wöchentlich zwölf Stunden mehr Care-Arbeit als cis Männer leisten. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Systems, das diese Arbeit als «natürlich» und «selbstverständlich» abtut, während es gleichzeitig von ihr profitiert. FLINTA-Personen verdienen jährlich 10000 Franken weniger, 30 Prozent der FLINTA-Personen haben keine Pensionskasse und sind aufgrund von finanziellen Abhängigkeiten einem erhöhten Risiko von häuslicher Gewalt ausgesetzt. Und was macht die Politik? Sie kürzt. Sie privatisiert. Sie individualisiert. Die Care-Krise ist kein Privatproblem – sie ist ein strukturelles Problem, das eine politische Antwort braucht. Mit unseren Forderungen wollen wir nicht weniger als das gute Leben für alle: Arbeitszeitverkürzung auf 25 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich. Kostenlose Gesundheitsversorgung für alle. Vergemeinschaftung von Wohnraum.

Lokaler Streik, globaler Widerstand
Während des Demonstrationszugs hörten wir kraftvolle Reden. Das Kollektiv Ni-una-menos verband Feminizide mit der Ausbeutung von Care-Arbeit: «Dasselbe kapitalistische rassistische Patriarchat, das uns ermordet, erwartet auch, dass wir kostenlos pflegen, erziehen, versorgen und den Alltag am Laufen halten.» Refugee Power Ladies erhoben die Stimmen geflüchteter Frauen und erinnerten an Mädchen in Afghanistan: «Ihr seid nicht vergessen. Wir sehen euch. Wir hören euch. Und wir stehen an eurer Seite.»
Fabienne W. aus Schaffhausen sprach als Überlebende über Victim Blaming und Justizversagen: «Ich spreche für die Frauen, die nicht mehr sprechen können.» Das Bündnis der kurdischen Frauen in der Schweiz brachte Grüsse aus Kurdistan und verband lokalen Streik mit globalem Widerstand: «Wir tragen den Wunsch des freien Lebens in unserer Fackel und teilen mit euch dieses Feuer.» Die LGBTQIA+ Support Gruppe betonte, dass Angriffe auf trans Menschen nie isoliert stehen: «Angriffe auf trans Menschen stehen neben Hetze gegen Migrant:innen, neben Nationalismus und neben faschistischen Vorstellungen eines homogenen Volks». Die Bewegung für Sozialismus schloss mit dem Appell: «Wir halten die Gesellschaft am Laufen – und deshalb können wir sie auch verändern.» Alle Reden zum Nachlesen in verschiedenen Sprachen sind auf unserer Webseite zu finden (siehe Randnotiz.)

Ausblick
2023 haben wir in der Bewegung den Beschluss gefasst, einen Care-Streik zu organisieren. 2025 haben wir zum Care-Streik 2027 aufgerufen. 2026 haben wir mobilisiert, vernetzt, Banden gebildet, uns organisiert und am 14.Juni auf die Strasse gebracht, was in den letzten Jahren gewachsen ist. 2027 bestreiken wir die Care-Arbeit: egal ob bezahlt oder unbezahlt, egal ob in der Reinigung oder in der Pflege, egal ob zuhause oder im Spital, egal ob in der Betreuung mit Kindern oder älteren Menschen, 2027 legen wir die Arbeit nieder!
Über 100 Organisationen aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin stehen hinter dem Aufruf zum Care-Streik 2027: Gewerkschaften, Kollektive, NGOs, Parteien, Berufsverbände. Es ist eine der breitesten feministischen Koalitionen, die dieses Land je gesehen hat. Und sie wächst weiter. Unsere Forderungen wurden der Öffentlichkeit verkündet: Wir fordern eine Arbeitszeitverkürzung auf 25 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich. Wir fordern eine kostenlose Gesundheitsversorgung für alle. Wir fordern eine Vergemeinschaftung von Wohnraum. Das sind die Grundlagen einer Gesellschaft, die Care ins Zentrum stellt und nicht den Profit. Deshalb streiken wir, denn ohne Care-Arbeit geht gar nichts.
Die kommenden Monate werden wir weiter aufbauen. Mit monatlichen «How to Arbeitskampf»-Workshops, Betriebsbesuchen, Kampagnen, Vernetzung in Quartieren und Betrieben und Basisarbeit in der ganzen Stadt und im Kanton. Wir organisieren, mobilisieren, reden, planen. In den Betrieben, auf der Abteilung, beim Kinderabholen, im Lehrer:innenzimmer, beim Elternabend, in politischen Gruppen, Freund:innenkreisen, bei Familientreffen …
Sei auch du Teil der Bewegung zum feministischen Care-Streik 2027 und kämpfe mit uns für eine Gesellschaft, in der Care im Zentrum steht: We care, we fight – care work unite!

Basisarbeit am «Stammtisch Reinigung»

Der 14. Juni 2026 (Bild) war der Auftakt für den Care-Streik 2027, an dem die Reinigungsarbei-ter:innnen vom «Stammtisch Reinigung» auch wieder auf die Strasse gehen werden.
Bild: zVg

FSK. Reinigungsarbeiter:innen gehören zu denjenigen, die unter prekären und schlecht entlohnten Arbeitsbedingungen arbeiten. Am «Stammtisch Reinigung» tauschen sie sich über ihre Erfahrungen aus, entwickeln gemeinsame Forderungen und organisieren sich.

Auf die Krise der kapitalistischen Akkumulation, in der wir uns zurzeit befinden, wird unter anderem mit Kostensenkungen reagiert, zum Beispiel durch die Begrenzung der Staatsausgaben oder durch Lohnsenkungen, beispielsweise in Form prekärer Arbeitsbedingungen.

Care-Arbeit in Zeiten der kapitalistischen Krise
Prekäre Arbeitsbedingungen sind unter anderem durch unfreiwillige Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Scheinselbstständigkeit, Anstellungen auf Aufruf und Leiharbeit gekennzeichnet. Sie gehen häufig mit Niedriglöhnen, fehlenden Tarifverträgen und fehlender Mitbestimmung sowie teilweise auch fehlender sozialer Absicherung einher. Besonders verbreitet ist prekäre Beschäftigung im Care-Arbeit-Sektor, wobei insbesondere Frauen und Migrant:innen betroffen sind. Dies gilt auch für die Schweiz.
Das ist unter anderem deshalb so, weil patriarchale Herrschaftsverhältnisse im Kapitalismus mit der Trennung von Produktions- und Reproduktionsarbeit, zu der auch Care-Arbeit gehört, verbunden sind. Dabei wird Care-Arbeit gesellschaftlich überwiegend Frauen beziehungsweise FLINTA-Personen zugewiesen und zugleich abgewertet. Rassistische Herrschaftsverhältnisse tragen wiederum dazu bei, dass insbesondere Migrant:innen in diesen prekären und schlecht entlohnten Bereichen der Care-Arbeit überproportional beschäftigt sind. Care-Arbeit bezeichnet Arbeit, die auf die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse gerichtet ist und eine Versorgungs-, Sorge-, Erhaltungs- oder Unterstützungsfunktion für Menschen erfüllt. Reinigungsarbeit ist ebenfalls Care-Arbeit, wenn sie durch die Reinigung, Pflege und hygienische Instandhaltung von Räumen, Gegenständen oder Umgebungen die materiellen Bedingungen für die Versorgung, Gesundheit, Sicherheit und das alltägliche Wohlergehen von Menschen herstellt und erhält. Etwa Reinigungsarbeiter:innen, die Hotelzimmer reinigen.

Wer putzt unsere Büros, Schulen, Spitäler?
Ein Paradebeispiel für die patriarchale und rassistische Ausbeutung im Kapitalismus ist die Situation von Reinigungsarbeiter:innen. Einige von ihnen tauschen sich am « Stammtisch Reinigung» über ihre Erfahrungen und Probleme aus und diskutieren darüber, was getan werden muss, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dieser ist aus Treffen von Kafi Klick und Zürich Solidarisch entstanden. Im Kafi Klick bietet Zürich Solidarisch unter anderem Unterstützung in den Bereichen Arbeitsrecht und Mietrecht an.
Im Zuge der Vorbereitung auf den Care-Streik 2027 haben Feminist:innen der Basisarbeitsgruppe des Feministischen Streikkollektivs Zürich am Stammtisch Reinigung teilgenommen und gemeinsam mit den Reiniger:innen ein Reiniger:innen-Manifest erarbeitet, das im Informationsbulletin des Kafi Klick im vergangenen Juli veröffentlicht wurde.
Die Basisarbeitsgruppe hat zudem gemeinsam mit Radia, der feministischen Redaktion von Radio LoRa, einen Radiobeitrag produziert. Darin geht es um die Fragen, wer unsere Büros, Schulen und Spitäler putzt und unter welchen Bedingungen, warum Reinigungsarbeit als intersektionale Care-Arbeit verstanden werden muss, welche Bedeutung Basisarbeit für den Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Anliegen hat und wie daraus Veränderung entstehen kann. Der Beitrag enthält zudem wertvolle Erfahrungsberichte von Reiniger:innen. Im Folgenden wollen wir diese Beiträge wiedergeben und am Schluss die Bedeutung der Basisarbeit aus Sicht der Beteiligten darstellen.
In fast allen Beiträgen wird der Kampf um die Arbeitszeit erwähnt. Neben der Intensivierung der
Arbeit werden geleistete Arbeitsstunden nicht anerkannt und teilweise sogar durch Betrug unterschlagen. Eine Arbeiterin erzählt beispielsweise: «Die Firma gibt uns eine Liste mit 23 Zimmern, die gereinigt werden müssen. Auf der Leistungsabrechnung stehen aber nur drei bis vier Zimmer, die restlichen 20 Zimmer fehlen. Weil sie nicht schriftlich festgehalten sind, bezahlen sie uns nicht». Hinzu kommt der tiefe Lohn. Eine Arbeiterin erzählt: «Ich habe um 4 Uhr morgens angefangen zu arbeiten und kam um 12 Uhr nachts nach Hause. Trotzdem habe ich nicht mal 3000 Franken verdient. Ich habe in drei Betrieben gleichzeitig gearbeitet».

«Wir alle gehen am 14.Juni auf die Strasse»
Gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen wurden von allen Befragten erwähnt. Dazu gehören das Arbeiten trotz Krankheit, fehlende Pausen, die Arbeit mit gesundheitsgefährdenden Reinigungsmitteln ohne persönliche Schutzausrüstung sowie physische und psychische
Gewalt. Letztere zeigt sich beispielsweise in der Drohung mit dem Verlust der Arbeitsbewilligung. Hinzu kommt der Mangel an institutioneller Unterstützung.
Eine Arbeiterin erzählt dazu: «Meine Arbeitgeber:in hat mir gedroht, dass sie mich beim Migrationsamt verpfeifen. Die beim Migrationsamt sind sehr streng mit uns in der Reinigung. Sie wollten die Gehaltsabrechnungen von mir. Gemäss Abrechnung arbeite ich zu wenig, weil die zusätzlichen Stunden nicht abgerechnet werden. Beim Migrationsamt sagten sie mir ich müsse bei mehreren Firmen arbeiten. Aber ich arbeite schon jetzt mehr als die gesetzliche Stundenzahl. Ich arbeite an Sonntagen und Feiertagen.»
Diese Reinigungsarbeiter:innen sind jedoch nicht allein. Sie erzählen auch von der Bedeutung des Stammtisches für sie: Sie können Erfahrungen austauschen, voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen und Mut machen. Sie warnen sich gegenseitig vor Reinigungsunternehmen mit besonders schlechten Arbeitsbedingungen und unternehmen gemeinsam etwas – zum Beispiel gemeinsam laufen oder lesen.
Im Reiniger:innen-Manifest sind zudem ihre Forderungen festgehalten: höhere Löhne, weniger Zeitdruck, bezahlte Pausen, bezahlte Probestunden, längere Einsätze und bezahlte Arbeitswege, Festanstellungen anstelle von Arbeit auf Abruf, eine respektvolle Arbeitsatmosphäre und mehr Wertschätzung, Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten, mehr Kontrollen der Unternehmen sowie bessere gesetzliche Regelungen. Zum Care-Streik 2027 sagten sie: «Wir alle gehen am 14.Juni auf die Strasse, um für unsere Rechte zu kämpfen! Dies unabhängig von unserem Lohn und unserem Geschlecht».

Von individuellen Erfahrungen zum gemeinsamen Kampf
Die Beispiele zeigen, dass der Stammtisch nicht nur einen Raum für den Austausch über individuelle Erfahrungen schafft. Durch den gemeinsamen Austausch werden Probleme als gemeinsame Anliegen sichtbar und Möglichkeiten für gemeinsames Handeln entwickelt. Genau hier setzt die Basisarbeit an.
Auf meine Frage an die Basisarbeitsgruppe, wie wir uns ihre Arbeit in diesem konkreten Fall vorstellen können, antworten sie: «Wir sehen uns in diesem Kampf als Lautsprecher an die Öffentlichkeit. Das FSK hat eine grosse Reichweite, wobei wir die erarbeiteten Materialien, zum Beispiel das Manifest, mitveröffentlichen. Der Beitrag bei Radio Lora war ein Wunsch des Stammtisches, den wir in Kooperation und Absprache mit den Reiniger:innen erarbeitet haben. Radia versteht sich ebenfalls als Teil der Bewegung und mit solchen Beiträgen können wir uns gegenseitig stärken. (Wir, die Arbeitenden und Aktivist:innen). Der Beitrag ist somit ein weiteres Beispiel für die Nutzung unserer Plattform, um Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit für den Kampf zu generieren.» Sie fügte hinzu: «Wir möchten uns nicht nur mit dem Thema Care-Arbeit auseinandersetzen, sondern uns unbedingt auch mit Personen austauschen, die Care-Arbeit machen, ihre Stimmen hören, uns für ihre Anliegen stark machen.»

Wenn Frauenschutz zu teuer ist

lmt. Eine Million Franken zusätzlich erkämpfte die Bevölkerung vergangenes Jahr für den Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt. Nun will der Bundesrat das Geld wieder aus dem Budget streichen.

Eine halbe Million Menschen unterschrieb innerhalb weniger Tage eine Petition. Hunderte demonstrierten auf dem Bundesplatz. Parlamentarier wurden mit Protestmails eingedeckt. Was im vergangenen Dezember geschah, war bemerkenswert für die Schweizer Politik. Auslöser war eine einzige Million Franken.
Der Nationalrat hatte sich zunächst geweigert, zusätzliches Geld für den Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu bewilligen. Für Schafe und Weinbau hatte das Parlament zuvor zusätzliche Mittel gesprochen. SP-Nationalrätin Tamara Funiciello brachte die Prioritätensetzung damals auf den Punkt: «Ein Budget, bei dem Kartoffeln und Schafe Priorität haben vor dem Schutz der Frauen, das ist nicht unser Budget.»

Der gleiche Kampf beginnt von vorn
Der Druck wirkte. Nationalrat und Ständerat bewilligten die Million schliesslich doch. Zusammen mit weiteren Mitteln für eine Präventionskampagne sprach das Parlament damit 2,5 Millionen Franken zusätzlich für die Bekämpfung von geschlechtsspezifischer, sexualisierter und häuslicher Gewalt. Nicht einmal ein Jahr später beginnt derselbe Kampf von vorn. Im Budgetentwurf für 2027 fehlt die zusätzliche Million wieder. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann soll für Projekte Dritter erneut drei statt vier Millionen Franken erhalten. Finanziert werden damit unter anderem Projekte zur Gewaltprävention und zur Umsetzung der Istanbul Konvention. Dass die Million ursprünglich nur für ein Jahr beschlossen wurde, erklärt zwar, weshalb sie aus dem Budget fällt. Politisch beantwortet es jedoch eine andere Frage nicht: Warum muss um diese eine Million überhaupt jedes Jahr gekämpft werden?

Sicherheit hat ihren Preis
An fehlendem Geld kann es kaum liegen. Der Bund rechnet für das laufende Jahr mit einem Milliardenüberschuss. Gleichzeitig erhält die Armee laut Funiciello 970 Millionen Franken zusätzlich für Rüstungsgüter. Der Vergleich ist nicht deshalb interessant, weil Gewaltschutz und Landesverteidigung dasselbe wären. Er ist interessant, weil beide mit einem politischen Versprechen begründet werden: Sicherheit.
Doch offenbar wird Sicherheit sehr unterschiedlich bewertet. Wenn Milliarden in die militärische Verteidigung fliessen, wird Sicherheit als staatliche Kernaufgabe verstanden. Wenn Frauen Schutz vor Gewalt brauchen, wird darüber diskutiert, ob eine zusätzliche Million wirklich nötig ist. Dabei ist der Bedarf längst bekannt. Frauenhäuser sind überlastet, und die Schweiz stellt nur knapp ein Viertel der benötigten Schutzplätze zur Verfügung. Allein um diese Lücke zu schliessen, wären jährlich rund 150 Millionen Franken zusätzlich notwendig. Die eine Million war deshalb nie eine Lösung. Sie war ein Minimum.
Gerade deshalb ist bemerkenswert, wie schnell und geschlossen die Bevölkerung im vergangenen Winter reagierte. Hunderttausende Menschen verlangten nicht, dass der Bund irgendeine beliebige Million zusätzlich ausgibt. Sie reagierten auf eine Realität, die politisch seit Jahren ungenügend beantwortet wird. Geschlechtsspezifische Gewalt verschwindet nicht, weil im nächsten Budgetjahr eine Finanzierungsposition ausläuft.

Was bringt eine Million?
FDP-Nationalrätin Bettina Balmer will vor einer erneuten Zustimmung wissen, wohin die zusätzliche Million geflossen ist und ob sie den gewünschten Effekt erzielt hat. Rechenschaft über öffentliche Gelder zu verlangen, ist grundsätzlich richtig. Doch die Frage wird absurd, wenn ausgerechnet eine offensichtlich unzureichende Finanzierung beweisen soll, dass sie ein strukturelles Problem lösen kann. Eine Million Franken kann keine Gewaltkrise beenden, für deren Bewältigung allein bei den Schutzplätzen ein dreistelliger Millionenbetrag fehlt. Bleibt der grosse Durchbruch aus, beweist das nicht die Wirkungslosigkeit der Investition. Es zeigt vor allem ihre völlig unzureichende Dimension.
Interessant wäre deshalb, denselben Massstab konsequent anzuwenden. Welchen messbaren Sicherheitsgewinn bringen die zusätzlichen 970 Millionen für Rüstungsgüter? Wie wird festgestellt, ob jeder zusätzliche Franken die Bevölkerung tatsächlich sicherer macht? Diese Fragen werden bei der Armee zwar ebenfalls gestellt. Doch kaum jemand erwartet, dass eine einzelne Budgetaufstockung innerhalb eines Jahres die Bedrohungslage beseitigt, bevor weitere Investitionen legitim sind. Beim Gewaltschutz scheint genau diese Logik plötzlich möglich.
Dabei lieferte ausgerechnet Mitte-Ständerätin Andrea Gmür bereits im vergangenen Dezember eines der stärksten finanziellen Argumente für Prävention: «Bei richtiger Prävention sind die Kosten im Verhältnis zum Nutzen absolut marginal.» Gewalt hingegen verursacht Folgekosten im Gesundheitssystem, bei der Polizei oder in der Justiz. Gewaltschutz kostet Geld. Gewalt kostet ebenfalls Geld. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass hinter diesen Kosten misshandelte, vergewaltigte und getötete Menschen stehen. Prävention ist deshalb nicht bloss eine soziale Ausgabe. Sie verhindert Leid und reduziert gleichzeitig gesellschaftliche Folgekosten.

Patriarchat kennt keinen Pass
Noch deutlicher zeigt sich die politische Verweigerung in der Reaktion von SVP Nationalrätin Nina Fehr Düsel. Sie fordert höhere Strafen und die konsequente Ausschaffung ausländischer Täter. Damit wird aus geschlechtsspezifischer Gewalt plötzlich ein Migrationsproblem. Das ist politisch bequem und sachlich eine gefährliche Verkürzung. Männer schlagen, kontrollieren, vergewaltigen und töten Frauen nicht aufgrund einer bestimmten Nationalität. Geschlechtsspezifische Gewalt existiert durch alle sozialen Schichten und Herkunftsgruppen hindurch. Ihr gemeinsamer Nenner ist kein Pass. Ihr gemeinsamer Nenner sind patriarchale Machtverhältnisse.
Wer Gewalt gegen Frauen auf ausländische Täter projiziert, muss sich mit diesen Verhältnissen nicht beschäftigen. Gewalt wird externalisiert und Rassismus kann sich als Frauenrechtspolitik verkleiden. Der Schweizer Täter verschwindet dabei praktischerweise aus dem Bild. Doch kein roter Pass schützt eine Frau vor ihrem gewalttätigen Partner. Es geht um Kontrolle und um gesellschaftlich tief verankerte Vorstellungen davon, wem weibliche Körper, Sexualität und Arbeit zur Verfügung stehen. Wer diese Gewalt ernsthaft bekämpfen will, muss deshalb dort ansetzen, wo sie entsteht. Es braucht Prävention, Schutzangeboten, Beratungsstellen, Täterarbeit, Bildung und Bekämpfung patriarchaler Rollenbilder. Ausschaffungen ändern nichts daran, dass Männer unabhängig von ihrer Herkunft patriarchale Gewalt ausüben.

Eine Frage der Prioritäten
Die Debatte über die Million legt deshalb etwas viel Grösseres offen als einen Streit um einen Budgetposten. Die Schweiz hat die Istanbul Konvention ratifiziert und sich damit verpflichtet, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu bekämpfen. Gleichzeitig müssen Schutzorganisationen und Betroffene Jahr für Jahr darum kämpfen, dass dafür überhaupt genügend Mittel bereitstehen.
Wenn eine halbe Million Menschen innerhalb weniger Tage politischen Druck aufbauen, sollte die Schlussfolgerung nicht lauten, die Bevölkerung wolle diese Million eben ausgeben. Der Protest zeigt vielmehr, wie gross die Lücke zwischen gesellschaftlicher Realität und politischer Prioritätensetzung geworden ist. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob sich die Schweiz diese Million leisten kann. Sie lautet, welches Verständnis von Sicherheit ein Staat hat, der 970 Millionen zusätzlich für seine militärische Verteidigung mobilisiert, während um jeden zusätzlichen Franken zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt gerungen werden muss. Ein Land ist nicht erst dann unsicher, wenn eine Bedrohung seine Grenzen überschreitet. Unsicherheit beginnt auch dort, wo Frauen in den eigenen vier Wänden um ihr Leben fürchten.

Gefahr bei Schlusspfiff

lmt. Internationale Studien zeigen seit Jahren denselben Zusammenhang: Rund um grosse Fussballturniere nimmt häusliche Gewalt deutlich zu.

Seit Wochen blickt die Welt auf die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer. Millionen Menschen sitzen vor Bildschirmen, jubeln in Bars oder fiebern bei Public Viewings mit. Tore werden gefeiert, Favoriten diskutiert und Emotionen geteilt. Doch während die Aufmerksamkeit auf den Rasen gerichtet ist, beginnt für viele Frauen ein ganz anderer Ausnahmezustand.

Ein Fest – aber nicht für alle
Internationale Studien zeigen seit Jahren ein erschütterndes Muster: Rund um grosse Fussballturniere nimmt häusliche Gewalt in vielen Ländern deutlich zu. Nicht, weil Fussball Männer zu Tätern macht. Verantwortlich sind ausschliesslich die Täter. Grosse Sportereignisse schaffen jedoch einen gesellschaftlichen Ausnahmezustand, in dem bestehende Gewalt eskalieren und sichtbarer werden kann. Für viele Frauen bedeutet der Anpfiff des Fussballereignisses deshalb nicht Vorfreude, sondern Angst.
Die Zahlen sind deutlich. Eine Studie im «Journal of Research in Crime and Delinquency» zeigte bereits 2014, dass die gemeldete häusliche Gewalt in England an Spieltagen der Nationalmannschaft um 26 Prozent zunahm. Verlor England, stieg sie sogar um 38 Prozent. Auch UN Women und UNICEF weisen darauf hin, dass die Zahl der Anrufe bei Notruf- und Hilfetelefonen während grosser Fussballturniere um bis zu 30 Prozent ansteigen kann. Das Muster zeigt sich über mehrere Welt- und Europameisterschaften hinweg. Für die Schweiz fehlen bisher vergleichbare Untersuchungen. Gerade deshalb wäre es dringend notwendig, genauer hinzusehen, statt den Zusammenhang vorschnell auszublenden.

Der Blick endet am Stadiontor
Städte investieren Millionen in Sicherheitskonzepte, Polizeikorps bereiten sich auf Fanmärsche und Ausschreitungen vor, Medien berichten live über jede kleinste Entwicklung rund um die Stadien. Doch was nach dem Schlusspfiff geschieht, bleibt weitgehend unsichtbar. Als würde unsere Verantwortung am Stadiontor enden.
Darin zeigt sich einer der grössten blinden Flecken unserer Gesellschaft. Gewalt gegen Frauen wird noch immer als privates Problem behandelt, obwohl sie ein politisches ist. Der Täter gilt als Einzelfall, die Tat als Kontrollverlust oder als Folge von Alkohol und Emotionen. Was dabei verschwindet, ist das System dahinter. Deshalb greift es zu kurz, nach einer Niederlage Alkohol, Emotionen oder den Fussball selbst verantwortlich zu machen. Sie erklären nicht, weshalb ein Mann seine Partnerin schlägt. Sie erklären höchstens den Zeitpunkt. Die Gewalt selbst entsteht nicht erst mit dem Anpfiff – sie war bereits vorher vorhanden.

Kein Ausrutscher
Patriarchale Gewalt entsteht nicht aus dem Nichts. Sie wächst in einer Gesellschaft, die
Männern seit Generationen vermittelt, dass Macht, rolle und Durchsetzungsfähigkeit Teil
ihrer Männlichkeit seien. Sie wächst dort, wo Frauen lernen, Konflikte zu entschärfen, Rücksicht zu nehmen und männliche Wut auszuhalten.
Ein Fussballspiel erschafft diese Strukturen nicht. Es legt sie offen. Vielleicht fällt es uns gerade deshalb so schwer, über diesen Zusammenhang zu sprechen. Die Fussball-Weltmeisterschaft soll ein Fest sein. Sie lebt von Gemeinschaft, Euphorie und nationalen Emotionen. Dass für viele Frauen dieselben Stunden von Angst geprägt sind, passt nicht in dieses Bild. Also schweigen wir lieber. Doch Schweigen schützt keine Betroffenen. Es schützt lediglich jene Verhältnisse, die diese Gewalt immer wieder hervorbringen.
In den kommenden Tagen wird über Traumtore, Überraschungen und den neuen Weltmeister gesprochen werden. Das gehört zu einem Turnier wie diesem dazu. Doch vielleicht sollten wir nicht nur darüber sprechen, wer das bessere Team war. Sondern auch darüber, weshalb internationale Organisationen jedes grosse Turnier mit derselben Warnung begleiten müssen.
Wenn der letzte Schlusspfiff verklungen ist, sollten wir deshalb eine andere Bilanz ziehen: jene der Frauen, für die grosse Fussballturniere nicht nur ein Fest, sondern eine Zeit erhöhter Gefahr bedeuten. Solange wir Gewalt gegen Frauen als Randnotiz behandeln, bleibt das eigentliche Spiel unverändert. Nicht der Fussball hat diese Regeln geschrieben. Das Patriarchat hat es getan – und es hält sie bis heute am Leben.

Gleichgestellte Differenzen?

sah. Über Gewalt zu sprechen, ist kein Tabu mehr. Das meint die neue Kampagne über häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt. Ursachen dafür gibt es viele und sie beginnen bei Machtungleichgewichten. Gleichstellung verhindert sie.

Mit der Ratifizierung der «Istanbul-Konvention» gibt es Druck auf die Schweiz, die bezüglich Realisierung mit ihrer Gleichstellungsstrategie 2030 hinterherhinkt.

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Change the Game

lmt. Die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer geht in die nächste Runde. Während Milliarden von US-Dollars in das Turnier fliessen, erinnert die Kampagne «Change the Game» daran, dass Mädchen weltweit noch immer ein anderes Spiel spielen müssen – eines, dessen Regeln nie für sie geschrieben wurden.

Die Stadien sind voll. Milliarden Menschen verfolgen die Fussball-Weltmeisterschaft (WM), diskutieren über Taktik, Schiedsrichterentscheide und Traumtore. Für Transfers werden dreistellige Millionensummen bezahlt, Fernsehrechte wechseln für Milliarden von US-Dollars den Besitzer, und der Fussball wird einmal mehr zum globalen Spektakel.
Jetzt, da das Turnier in die entscheidende Phase geht, lohnt es sich, den Blick für einen Moment vom Spielfeld zu lösen. Denn es gibt ein anderes Spiel, das weit weniger Aufmerksamkeit erhält: ein Spiel, in dem Milliarden Menschen täglich antreten müssen, ohne je Einfluss auf die Regeln gehabt zu haben.

Schneckentempo
Mädchen kommen nicht auf ein neutrales Spielfeld. Sie wachsen in einer Welt auf, deren Regeln lange vor ihrer Geburt geschrieben wurden – von anderen und für andere. Die Spielregeln sind dabei nicht einfach «unglücklich». Sie wurden historisch von patriarchalen Machtverhältnissen geschaffen und werden bis heute politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich reproduziert. Genau deshalb geht es bei Gleichstellung nicht bloss um individuelle Chancen, sondern um Macht, Teilhabe und die Frage, wer überhaupt bestimmen darf, nach welchen Regeln gespielt wird.
Die Kampagne «Change the Game» bringt diese Realität auf den Punkt: Während im Fussball jede Mannschaft nach denselben Regeln antritt, spielen Mädchen weltweit seit Generationen ein Spiel, das gegen sie ausgelegt ist. Laut dem Global Gender Gap Report 2025 wird es beim heutigen Tempo noch 123 Jahre dauern, bis Geschlechtergleichstellung erreicht ist. Anders gesagt: Erst nach 31 weiteren Fussball-Weltmeisterschaften könnten Mädchen und Frauen weltweit über dieselben Chancen und Rechte verfügen wie Männer.
Dabei hat keines der 48 Länder, die an der diesjährigen Fussball-WM teilnehmen, echte Gleichstellung erreicht. Tatsächlich gibt es weltweit keinen einzigen Staat, in dem Frauen und Männer vollständig gleichgestellt sind.

Ein Spiel, das Leben kostet
Wenn andere die Regeln schreiben, bestimmen sie oft auch über die Körper von Frauen und Mädchen. Sie entscheiden darüber, wer zur Schule gehen darf, wer früh verheiratet wird und wer Zugang zu medizinischer Versorgung erhält. Die Folgen sind dramatisch: Weltweit haben rund 840 Millionen Frauen und Mädchen – fast jede Dritte – im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt. Allein im Jahr 2024 wurden durchschnittlich 137 Feminizide pro Tag (!) begangen. Für viele Mädchen ist das gefährlichste Spielfeld nicht die Strasse, sondern das eigene Zuhause.
Gewalt ist dabei kein isoliertes Problem. Sie ist eng mit anderen Formen struktureller Unterdrückung verbunden. Alle drei Sekunden wird irgendwo auf der Welt ein Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Jedes Jahr sind es rund zwölf Millionen. Heute leben schätzungsweise 650 Millionen Frauen, die bereits als Kinder verheiratet wurden. Kinder- und Zwangsheirat beendet häufig die Schulzeit, erhöht das Risiko häuslicher Gewalt und nimmt Mädchen die Möglichkeit, selbst über ihr Leben zu entscheiden. Wer keinen Zugang zu Bildung hat, wird dreimal häufiger als Kind verheiratet.
Auch frühe Schwangerschaften sind selten das Resultat freier Entscheidungen. Sie sind Ausdruck eines Systems, das Mädchen Selbstbestimmung verweigert. Jedes Jahr werden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rund 21 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren schwanger. Rund eine halbe Million von ihnen ist erst zwischen zehn und 14 Jahre alt. Schwangerschaftskomplikationen und unsichere Schwangerschaftsabbrüche gehören zu den häufigsten Todesursachen von Mädchen dieser Altersgruppe. Rund 90 Prozent der schwangeren Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren leben oder lebten in einer Kinderehe.
Mädchen mit geringer Schulbildung werden fünfmal häufiger früh Mutter als Frauen mit höherem Bildungsabschluss. Und wer früh Mutter wird, verlässt häufig die Schule. Damit beginnt ein Kreislauf aus Armut, wirtschaftlicher Abhängigkeit und fehlenden Zukunftsperspektiven, der sich oft über Generationen fortsetzt.

Milliarden für den Fussball
Die Welt beweist während der Fussball-WM eindrücklich, welche finanziellen Mittel sie mobilisieren kann, wenn sie etwas für wichtig hält. Gleichzeitig fehlt in vielen Ländern das Geld, um Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen, sie vor Gewalt zu schützen oder ihnen Zugang zu Gesundheitsversorgung zu garantieren. Es fehlt an Frauenhäusern, an umfassender Sexualaufklärung, an Verhütungsmitteln, an rechtlichem Schutz und an Bildung – nicht weil die Ressourcen fehlen würden, sondern weil politische Prioritäten anders gesetzt werden.
Es reicht nicht aus, Mädchen zu ermutigen, stärker, mutiger oder selbstbewusster zu sein. Solange das Spielfeld uneben bleibt und andere über die Regeln bestimmen, bleibt auch das Ergebnis vorhersehbar. Genau dort setzt die Kampagne «Change the Game» an. Sie fordert nicht, dass Mädchen lernen, sich einem unfairen Spiel besser anzupassen. Sie fordert, die Regeln selbst zu verändern. Während in den kommenden Wochen Millionen Menschen den Weltmeister bejubeln werden, lohnt es sich deshalb, eine andere Frage zu stellen: Was wäre möglich, wenn dieselbe Entschlossenheit, dieselben finanziellen Mittel und dieselbe gesellschaftliche Aufmerksamkeit nicht nur einem Fussballturnier, sondern der Gleichstellung gewidmet würden?

Rückgriff auf Freiwillige

sah. LGBTQ+-Menschen sind aufgrund von Stigmatisierung deutlich mehr betroffen von Suchterkrankungen, Depressionen und Suizidversuchen als gleichaltrige heterosexuelle Menschen. Das Angebot «du-bist-du» will hier helfen und ist auf dem «Peer-Ansatz» aufgebaut.

«Du-bist-du» ist eine Schweizer Organisation. Sie setzt sich für queere Jugendliche und junge Menschen ein und bietet kostenlose, anonyme und vertrauliche Beratung an.

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Der Handschlag, der ausblieb

lmt. Ein englischer Nationalspieler verweigert dem ghanaischen Spieler Thomas Partey vor dem WM-Spiel demonstrativ den Handschlag. Die Szene dauert nur Sekunden. Doch sie macht sichtbar, worüber der Männerfussball seit Jahren schweigt: den Umgang mit sexualisierter Gewalt.

Thomas Partey tritt vor Djed Spence. Der ghanaische Nationalspieler streckt ihm die Hand entgegen. Spence blickt nach vorn, lässt die Hand unbeachtet und verweigert den Handschlag.

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Zielscheibe der sexualisierten Gewalt

sah. Tatsache ist, dass Frauen im Internet zur Zielscheibe von sexualisierter Gewalt durch KI und Deepfakes werden. Wenn sie sich dann aus dem digitalen Raum zurückziehen, können sie weniger von den Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren und überlassen diesen Raum dem Patriarchat.

Frauen werden vermehrt im Internet Zielscheibe von sexualisierter Gewalt. Diese kann Belästigungen, Drohungen oder das ungefragte Erstellen und Verbreiten intimer Bilder beinhalten.

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Care statt Profit

lmt. Mehrere Zehntausend FINTA-Personen gingen am feministischen Streiktag in der ganzen Schweiz auf die Strasse. Ein Jahr vor dem angekündigten Care-Streik 2027 wurde deutlich: Die Forderung nach Gleichstellung ist untrennbar mit der Frage verbunden, wer sich um wen kümmert – und wer dafür den Preis bezahlt.

Die Sonne brennt auf das Zürcher Kasernenareal. Zwischen Infoständen, Transparenten und improvisierten Schattenplätzen sitzen Menschen auf dem Boden, diskutieren, hören Reden oder suchen Abkühlung mit Fächern und kalten Getränken. Bereits am frühen Nachmittag füllt sich das Gelände, Stunde um Stunde werden es mehr. Als sich die Demonstration gegen 17 Uhr formiert, sind die Strassen rund um den Ni-una-Menos-Platz voller Menschen. Allein in Zürich folgten rund 60’000 Menschen dem Aufruf unter dem Motto «Pflege, Sorge, Hausarbeit – das ist unbezahlte Arbeitszeit!». Und laut dem Feministischen Streikkollektiv beteiligten sich schweizweit rund 100’000 FINTA-Personen am feministischen Streiktag. » Weiterlesen

Sichtbarkeit, Aufklärung, Aktionen

sah. Auch in Bern fanden am 17. Mai Aktionen rund um den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) statt. Queere Menschen erleben nach wie vor mehr Gewalt und Diskriminierung und haben schlechtere Gesundheitschancen als die übrige Schweizer Bevölkerung.

IDAHOBIT meint International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia. Das Datum dieses Aktionstages geht auf den 17.Mai 1992 zurück, denn damals strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität offiziell als Krankheit aus dem Klassifikationssystem. Seit Anfang 2022 führt die WHO Transidentität nicht mehr unter den psychischen Störungen auf. An verschiedenen Orten der Welt wird IDAHOBIT seit 2005 am 17.Mai als Aktionstag begangen, um gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität zu kämpfen.

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Aufruf zum Care Streik 2027

FSK. Dies ist der Aufruf des feministischen Streikkollektiv Zürich zum feministischen Care-Streik 2027. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung haben über 60 Gruppen diesen Aufruf bereits unterzeichnet. Eine Auflistung aller unterzeichnenden Gruppen ist auf unserer Webseite oder auf unserem Instagram zu finden.

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Wer ist das Streikkollektiv?

FSK. Das feministische Streikkollektiv Zürich ist ein Ort der Vernetzung für FLINTA-Personen, die sich zu feministischen Kämpfen organisieren möchten. Hier stellt sich das Streikkollektiv vor.
Das feministische Streikkollektiv (FSK) ist ein Ort der Vernetzung und Zusammenarbeit von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen.

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Unsichtbar und unverzichtbar: Unbezahlte Care-Arbeit als Fundament unserer Gesellschaft

FSK. Unbezahlte Care-Arbeit geschieht täglich, meist unsichtbar und mehrheitlich von FLINTA-Personen getragen. Während sie die Grundlage unserer Gesellschaft bildet, führt ihre ungleiche Verteilung zu Armut, Erschöpfung und Abhängigkeiten. Deshalb rufen wir zum feministischen Care-Streik 2027 auf und bestreiken am 14.Juni 2026 die unbezahlte Care-Arbeit.

Care-Arbeit bedeutet Sorgearbeit und orientiert sich an den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen. Bei diesen grundlegenden menschlichen Bedürfnissen handelt es sich um körperliche und psychische Bedürfnisse, weshalb die Care-Arbeit auf körperliches, intellektuelles und emotionales Wohl der Menschen abzielt. Werden diese Bedürfnisse nicht ausreichend erfüllt, sind wir Menschen nicht lebensfähig.

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Militarisierung versus Care – Sicherheit für wen?

Frauenstimmen gegen Krieg/ FSK: Unter der neoliberalen sowie patriarchalen Sicherheitsdoktrin der westlichen Machtelite erfolgt eine massive militärische Aufrüstung auf Kosten eines Abbaus im Sozialbereich. Dies wirft die Frage auf, welche Sicherheit FLINTA-Personen brauchen und wollen.

Krieg ist ein inhärenter Bestandteil des (neoliberalen) Kapitalismus. Angesichts von stagnierendem Wirtschaftswachstum, Klimakrise, wachsender Ressourcen- und Systemkonkurrenz ist die westliche Vormachtstellung ins Wanken geraten und sucht eine neue Stabilität. In dieser Situation ermöglicht Krieg Profite, die durch stagnierenden Konsum und Produktion wegfallen, mittels Waffenproduktion, Wiederaufbau und der Erschliessung neuer Absatzmärkte auszugleichen.

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Wir müssen füreinander sorgen

LGBTQIA+ Support Gruppe. Die Rechte queerer Menschen werden missachtet. Deshalb setzt die LGBTQIA+ Unterstützungsgruppe auf solidarische Fürsorge (Mutual Aid): Solidarische Fürsorge von unten – direkte Unterstützung für LGBTQIA+ Personen in Not durch kollektive Selbstorganisation: wie queere Selbstorganisation Schutz, Unterstützung und Gegenmacht aufbaut.

Die politischen Entwicklungen in den USA, Argentinien aber auch in der Schweiz zeigen deutlich:

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