Change the Game

lmt. Die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer geht in die nächste Runde. Während Milliarden von US-Dollars in das Turnier fliessen, erinnert die Kampagne «Change the Game» daran, dass Mädchen weltweit noch immer ein anderes Spiel spielen müssen – eines, dessen Regeln nie für sie geschrieben wurden.

Die Stadien sind voll. Milliarden Menschen verfolgen die Fussball-Weltmeisterschaft (WM), diskutieren über Taktik, Schiedsrichterentscheide und Traumtore. Für Transfers werden dreistellige Millionensummen bezahlt, Fernsehrechte wechseln für Milliarden von US-Dollars den Besitzer, und der Fussball wird einmal mehr zum globalen Spektakel.
Jetzt, da das Turnier in die entscheidende Phase geht, lohnt es sich, den Blick für einen Moment vom Spielfeld zu lösen. Denn es gibt ein anderes Spiel, das weit weniger Aufmerksamkeit erhält: ein Spiel, in dem Milliarden Menschen täglich antreten müssen, ohne je Einfluss auf die Regeln gehabt zu haben.

Schneckentempo
Mädchen kommen nicht auf ein neutrales Spielfeld. Sie wachsen in einer Welt auf, deren Regeln lange vor ihrer Geburt geschrieben wurden – von anderen und für andere. Die Spielregeln sind dabei nicht einfach «unglücklich». Sie wurden historisch von patriarchalen Machtverhältnissen geschaffen und werden bis heute politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich reproduziert. Genau deshalb geht es bei Gleichstellung nicht bloss um individuelle Chancen, sondern um Macht, Teilhabe und die Frage, wer überhaupt bestimmen darf, nach welchen Regeln gespielt wird.
Die Kampagne «Change the Game» bringt diese Realität auf den Punkt: Während im Fussball jede Mannschaft nach denselben Regeln antritt, spielen Mädchen weltweit seit Generationen ein Spiel, das gegen sie ausgelegt ist. Laut dem Global Gender Gap Report 2025 wird es beim heutigen Tempo noch 123 Jahre dauern, bis Geschlechtergleichstellung erreicht ist. Anders gesagt: Erst nach 31 weiteren Fussball-Weltmeisterschaften könnten Mädchen und Frauen weltweit über dieselben Chancen und Rechte verfügen wie Männer.
Dabei hat keines der 48 Länder, die an der diesjährigen Fussball-WM teilnehmen, echte Gleichstellung erreicht. Tatsächlich gibt es weltweit keinen einzigen Staat, in dem Frauen und Männer vollständig gleichgestellt sind.

Ein Spiel, das Leben kostet
Wenn andere die Regeln schreiben, bestimmen sie oft auch über die Körper von Frauen und Mädchen. Sie entscheiden darüber, wer zur Schule gehen darf, wer früh verheiratet wird und wer Zugang zu medizinischer Versorgung erhält. Die Folgen sind dramatisch: Weltweit haben rund 840 Millionen Frauen und Mädchen – fast jede Dritte – im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt. Allein im Jahr 2024 wurden durchschnittlich 137 Feminizide pro Tag (!) begangen. Für viele Mädchen ist das gefährlichste Spielfeld nicht die Strasse, sondern das eigene Zuhause.
Gewalt ist dabei kein isoliertes Problem. Sie ist eng mit anderen Formen struktureller Unterdrückung verbunden. Alle drei Sekunden wird irgendwo auf der Welt ein Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Jedes Jahr sind es rund zwölf Millionen. Heute leben schätzungsweise 650 Millionen Frauen, die bereits als Kinder verheiratet wurden. Kinder- und Zwangsheirat beendet häufig die Schulzeit, erhöht das Risiko häuslicher Gewalt und nimmt Mädchen die Möglichkeit, selbst über ihr Leben zu entscheiden. Wer keinen Zugang zu Bildung hat, wird dreimal häufiger als Kind verheiratet.
Auch frühe Schwangerschaften sind selten das Resultat freier Entscheidungen. Sie sind Ausdruck eines Systems, das Mädchen Selbstbestimmung verweigert. Jedes Jahr werden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rund 21 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren schwanger. Rund eine halbe Million von ihnen ist erst zwischen zehn und 14 Jahre alt. Schwangerschaftskomplikationen und unsichere Schwangerschaftsabbrüche gehören zu den häufigsten Todesursachen von Mädchen dieser Altersgruppe. Rund 90 Prozent der schwangeren Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren leben oder lebten in einer Kinderehe.
Mädchen mit geringer Schulbildung werden fünfmal häufiger früh Mutter als Frauen mit höherem Bildungsabschluss. Und wer früh Mutter wird, verlässt häufig die Schule. Damit beginnt ein Kreislauf aus Armut, wirtschaftlicher Abhängigkeit und fehlenden Zukunftsperspektiven, der sich oft über Generationen fortsetzt.

Milliarden für den Fussball
Die Welt beweist während der Fussball-WM eindrücklich, welche finanziellen Mittel sie mobilisieren kann, wenn sie etwas für wichtig hält. Gleichzeitig fehlt in vielen Ländern das Geld, um Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen, sie vor Gewalt zu schützen oder ihnen Zugang zu Gesundheitsversorgung zu garantieren. Es fehlt an Frauenhäusern, an umfassender Sexualaufklärung, an Verhütungsmitteln, an rechtlichem Schutz und an Bildung – nicht weil die Ressourcen fehlen würden, sondern weil politische Prioritäten anders gesetzt werden.
Es reicht nicht aus, Mädchen zu ermutigen, stärker, mutiger oder selbstbewusster zu sein. Solange das Spielfeld uneben bleibt und andere über die Regeln bestimmen, bleibt auch das Ergebnis vorhersehbar. Genau dort setzt die Kampagne «Change the Game» an. Sie fordert nicht, dass Mädchen lernen, sich einem unfairen Spiel besser anzupassen. Sie fordert, die Regeln selbst zu verändern. Während in den kommenden Wochen Millionen Menschen den Weltmeister bejubeln werden, lohnt es sich deshalb, eine andere Frage zu stellen: Was wäre möglich, wenn dieselbe Entschlossenheit, dieselben finanziellen Mittel und dieselbe gesellschaftliche Aufmerksamkeit nicht nur einem Fussballturnier, sondern der Gleichstellung gewidmet würden?

Rückgriff auf Freiwillige

sah. LGBTQ+-Menschen sind aufgrund von Stigmatisierung deutlich mehr betroffen von Suchterkrankungen, Depressionen und Suizidversuchen als gleichaltrige heterosexuelle Menschen. Das Angebot «du-bist-du» will hier helfen und ist auf dem «Peer-Ansatz» aufgebaut.

«Du-bist-du» ist eine Schweizer Organisation. Sie setzt sich für queere Jugendliche und junge Menschen ein und bietet kostenlose, anonyme und vertrauliche Beratung an.

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Der Handschlag, der ausblieb

lmt. Ein englischer Nationalspieler verweigert dem ghanaischen Spieler Thomas Partey vor dem WM-Spiel demonstrativ den Handschlag. Die Szene dauert nur Sekunden. Doch sie macht sichtbar, worüber der Männerfussball seit Jahren schweigt: den Umgang mit sexualisierter Gewalt.

Thomas Partey tritt vor Djed Spence. Der ghanaische Nationalspieler streckt ihm die Hand entgegen. Spence blickt nach vorn, lässt die Hand unbeachtet und verweigert den Handschlag.

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Zielscheibe der sexualisierten Gewalt

sah. Tatsache ist, dass Frauen im Internet zur Zielscheibe von sexualisierter Gewalt durch KI und Deepfakes werden. Wenn sie sich dann aus dem digitalen Raum zurückziehen, können sie weniger von den Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren und überlassen diesen Raum dem Patriarchat.

Frauen werden vermehrt im Internet Zielscheibe von sexualisierter Gewalt. Diese kann Belästigungen, Drohungen oder das ungefragte Erstellen und Verbreiten intimer Bilder beinhalten.

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Care statt Profit

lmt. Mehrere Zehntausend FINTA-Personen gingen am feministischen Streiktag in der ganzen Schweiz auf die Strasse. Ein Jahr vor dem angekündigten Care-Streik 2027 wurde deutlich: Die Forderung nach Gleichstellung ist untrennbar mit der Frage verbunden, wer sich um wen kümmert – und wer dafür den Preis bezahlt.

Die Sonne brennt auf das Zürcher Kasernenareal. Zwischen Infoständen, Transparenten und improvisierten Schattenplätzen sitzen Menschen auf dem Boden, diskutieren, hören Reden oder suchen Abkühlung mit Fächern und kalten Getränken. Bereits am frühen Nachmittag füllt sich das Gelände, Stunde um Stunde werden es mehr. Als sich die Demonstration gegen 17 Uhr formiert, sind die Strassen rund um den Ni-una-Menos-Platz voller Menschen. Allein in Zürich folgten rund 60’000 Menschen dem Aufruf unter dem Motto «Pflege, Sorge, Hausarbeit – das ist unbezahlte Arbeitszeit!». Und laut dem Feministischen Streikkollektiv beteiligten sich schweizweit rund 100’000 FINTA-Personen am feministischen Streiktag. » Weiterlesen

Sichtbarkeit, Aufklärung, Aktionen

sah. Auch in Bern fanden am 17. Mai Aktionen rund um den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) statt. Queere Menschen erleben nach wie vor mehr Gewalt und Diskriminierung und haben schlechtere Gesundheitschancen als die übrige Schweizer Bevölkerung.

IDAHOBIT meint International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia. Das Datum dieses Aktionstages geht auf den 17.Mai 1992 zurück, denn damals strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität offiziell als Krankheit aus dem Klassifikationssystem. Seit Anfang 2022 führt die WHO Transidentität nicht mehr unter den psychischen Störungen auf. An verschiedenen Orten der Welt wird IDAHOBIT seit 2005 am 17.Mai als Aktionstag begangen, um gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität zu kämpfen.

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Aufruf zum Care Streik 2027

FSK. Dies ist der Aufruf des feministischen Streikkollektiv Zürich zum feministischen Care-Streik 2027. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung haben über 60 Gruppen diesen Aufruf bereits unterzeichnet. Eine Auflistung aller unterzeichnenden Gruppen ist auf unserer Webseite oder auf unserem Instagram zu finden.

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Wer ist das Streikkollektiv?

FSK. Das feministische Streikkollektiv Zürich ist ein Ort der Vernetzung für FLINTA-Personen, die sich zu feministischen Kämpfen organisieren möchten. Hier stellt sich das Streikkollektiv vor.
Das feministische Streikkollektiv (FSK) ist ein Ort der Vernetzung und Zusammenarbeit von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen.

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Unsichtbar und unverzichtbar: Unbezahlte Care-Arbeit als Fundament unserer Gesellschaft

FSK. Unbezahlte Care-Arbeit geschieht täglich, meist unsichtbar und mehrheitlich von FLINTA-Personen getragen. Während sie die Grundlage unserer Gesellschaft bildet, führt ihre ungleiche Verteilung zu Armut, Erschöpfung und Abhängigkeiten. Deshalb rufen wir zum feministischen Care-Streik 2027 auf und bestreiken am 14.Juni 2026 die unbezahlte Care-Arbeit.

Care-Arbeit bedeutet Sorgearbeit und orientiert sich an den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen. Bei diesen grundlegenden menschlichen Bedürfnissen handelt es sich um körperliche und psychische Bedürfnisse, weshalb die Care-Arbeit auf körperliches, intellektuelles und emotionales Wohl der Menschen abzielt. Werden diese Bedürfnisse nicht ausreichend erfüllt, sind wir Menschen nicht lebensfähig.

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Militarisierung versus Care – Sicherheit für wen?

Frauenstimmen gegen Krieg/ FSK: Unter der neoliberalen sowie patriarchalen Sicherheitsdoktrin der westlichen Machtelite erfolgt eine massive militärische Aufrüstung auf Kosten eines Abbaus im Sozialbereich. Dies wirft die Frage auf, welche Sicherheit FLINTA-Personen brauchen und wollen.

Krieg ist ein inhärenter Bestandteil des (neoliberalen) Kapitalismus. Angesichts von stagnierendem Wirtschaftswachstum, Klimakrise, wachsender Ressourcen- und Systemkonkurrenz ist die westliche Vormachtstellung ins Wanken geraten und sucht eine neue Stabilität. In dieser Situation ermöglicht Krieg Profite, die durch stagnierenden Konsum und Produktion wegfallen, mittels Waffenproduktion, Wiederaufbau und der Erschliessung neuer Absatzmärkte auszugleichen.

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Wir müssen füreinander sorgen

LGBTQIA+ Support Gruppe. Die Rechte queerer Menschen werden missachtet. Deshalb setzt die LGBTQIA+ Unterstützungsgruppe auf solidarische Fürsorge (Mutual Aid): Solidarische Fürsorge von unten – direkte Unterstützung für LGBTQIA+ Personen in Not durch kollektive Selbstorganisation: wie queere Selbstorganisation Schutz, Unterstützung und Gegenmacht aufbaut.

Die politischen Entwicklungen in den USA, Argentinien aber auch in der Schweiz zeigen deutlich:

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Klassenbewusstsein im Feminismus

FSK. Wie ein klassenbewusster Feminismus strukturelle Ungleichheiten sichtbar macht und kollektiv überwindet. Emanzipation soll kollektiv gedacht werden: durch Solidarität, Kritik an Privilegien und das Sichtbarmachen von Machtverhältnissen innerhalb feministischer Bewegungen.

Eine der grössten Schwachstellen marxistischer Theorien ist die geringe Beachtung der Position der FLINTA-Personen und weiteren marginalisierten Gruppen. Die Stärkung des Klassenbewusstseins ist trotzdem eine zentrale Voraussetzung für einen Feminismus, der nicht nur symbolische Gleichstellung, sondern reale Veränderung anstrebt.

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Forderungen für den Care-Streik 2027

FSK: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Raum: Die Forderungen des Care-Streiks 2027 setzen dort an, wo das meiste Potential zur Verbesserung unser aller Lebensumstände liegt. Und dort, wo dem ausbeuterischen Wirtschaftssystem am nachhaltigsten geschadet werden kann.

Die Vorbereitungen für den Care-Streik 2027 laufen auf Hochtouren. Das Feministische Streikkollektiv
Zürich hat diesen Frühling seine drei Hauptforderungen für das kommende Jahr entschieden: Kostenlose Gesundheitsversorgung für alle, Arbeitszeitverkürzung auf 25 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich und die Vergesellschaftung des Wohnraums.

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How to strike

FSK. Bist du frustriert über deine Arbeitsbedingungen in der Care-Arbeit? Fühlst du dich ausgebrannt von der ständigen Mehrfachbelastung zwischen Job und unbezahlter Familienarbeit? Willst du dich dem Kampf gegen die strukturelle Entwertung von Care-Arbeit anschliessen? Dann zeige gemeinsam mit uns 2027 Haltung und leg die Arbeit nieder!

Die Kraft, etwas zu verändern, kommt aus unseren gemeinsamen Anstrengungen. Um sich für den Wandel zu organisieren, braucht es Mut, Zusammenhalt und Koordination. Dieser Leitfaden soll dir als Ausgangspunkt für die Planung deiner Streikaktionen dienen.
Unser Streik ist mehr als eine Demonstration – es ist eine kollektive Arbeitsniederlegung. 2027 soll schweizweit die Care-Arbeit stillstehen: in unter anderem Spitälern, Kitas, Schulen, Alter- und Jugendsheimen, Asylzentrem, im Sexgewerbe oder in Restaurants, aber auch Zuhause beim Kochen, Putzen und bei der Kinderbetreuung. Wo immer du Care-Arbeit leistest – bezahlt oder unbezahlt – du kannst streiken!
Denk daran: Die Auswirkungen unserer Aktionen gehen weit über einen Tag hinaus. Der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und die Anerkennung der unbezahlten Care-Arbeit ist ein ständiger, kollektiver Kampf.

Bezahlte Care-Arbeit bestreiken
Streikgruppe am Arbeitsplatz bilden
Um erfolgreich zu streiken, musst du an deinem Arbeitsplatz eine Gruppe von Streikwilligen bilden, die bereit ist, einen Arbeitskampf zu führen. Dies kann herausfordernd sein, da ein Streik Risiken birgt und viel Mut sowie Ressourcen (wie Zeit und Wissen) erfordert. Wende dich zuerst an die Kolleg:innen, denen du vertraust. Teilt eure Frustrationen und sammelt konkrete Beispiele für Missstände. Erst wenn ihr eine Kerngruppe habt, plant ihr gemeinsam das weitere Vorgehen. Nach Möglichkeit wird der Kontakt mit der zuständigen Gewerkschaft gesucht. Sie kann euch dabei unterstützen, sicherzustellen, dass euer Streik legal ist und dass negative Folgen minimiert oder vermieden werden können. Die richtige Gewerkschaft findet man im Gesamtarbeitsvertrag des jeweiligen Arbeitssektors. Eine Mitgliedschaft ermöglicht den Zugang zu Streikfonds (Lohnfortzahlung bei Ausfall durch Streik) und rechtlicher Unterstützung. In einem nächsten Schritt werden gemeinsam Forderungen entwickelt: Tauscht euch mit anderen Arbeiter:innen aus, formuliert eure Forderungen zu den Arbeitsbedingungen und legt diese zusammen mit eurer Gewerkschaft der Arbeitgeber:innenseite vor. Konkrete Forderungen könnten beispielsweise sein: Relevante Lohnerhöhungen in allen Care-Bereichen, bessere Personalschlüssel und mehr Zeit für Patient:innen/Klient:innen, Stopp von Privatisierungen, Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, Schutz vor Überlastung und Burnout.

Verschiedene Streikformen
Vollstreik: Die radikalste und meist letzte Möglichkeit – komplette Arbeitsniederlegung für maximale
Wirkung. Wenn Arbeitgeber:innen nach Verhandlungen nicht auf eure Forderungen eingehen, denkt gemeinsam mit Kolleg:innen und Gewerkschaft über diese Option nach. Warnstreiks und alternative Aktionen können davor stattfinden: Streikpausen, das heisst kurze, symbolische Arbeitsunterbrechungen (zum Beispiel 10:46 Uhr, 15:24 Uhr), Dienst nach Vorschrift: Nur das Nötigste tun, keine Überstunden, keine unbezahlte Extraarbeit, langsamerer Arbeitstag: Bewusst das Tempo reduzieren. Solidaritätsaktionen: Auch in anderen Bereichen die Arbeit niederlegen.

Müssen Arbeitgeber:innen informiert werden?
Rechtliche Klarstellung: Per juristischer Definition ist ein Streik eine kollektive Arbeitsverweigerung, um Forderungen zu bestimmten Arbeitsbedingungen gegenüber Arbeitgeber:innen durchzusetzen. Wenn du als Einzelperson oder ohne Forderungen bezüglich deiner Arbeitsbedingungen teilnehmen willst, gilt dies nicht als legaler Streik. Die vorherige Benachrichtigung der Arbeitgeberseite ist wichtig, wenn du in bestimmten Sektoren arbeitest (Bildung, Gesundheitswesen), in denen während des Streiktages ein Mindestmass an Dienstleistungen gesetzlich vorgeschrieben ist. Teile bei einer Einzelteilnahme im Voraus mit, dass du dich beteiligen möchtest und fehlst.
Gestreikt werden kann in allen Care-Bereichen. In Spitäler, Kliniken, Arztpraxen, Altersheimen und Pflegeheimen, Spitex und ambulante Pflege, Behinderteneinrichtungen und therapeutische Einrichtungen. In Schulen aller Stufen, Kitas, Kinderhorten, Hochschulen und Universitäten, Nachhilfe und Lernbegleitung. Im Lebensmittelhandel, in Supermärkten, Gastronomie, Restaurants, Hotellerie, Tourismus, Coiffeure und Kosmetik. In Reinigungs- und Hauswirtschaftsdiensten. In der sozialen Arbeit wie Beratungsstellen, Jugendarbeit und Streetwork, Integrationsarbeit und Familienhilfe und in Umwelt- und Naturschutz.

Folgen und Risiken des Streiks
Finanzielle Konsequenzen
Lohnausfall: Du wirst wahrscheinlich für den Streiktag kein Gehalt erhalten. Aber: Als Gewerkschaftsmitglied kannst du eine Entschädigung aus dem Streikfonds beantragen, um Verluste aufgrund deines Streiks zu decken. Gewerkschaften unterstützen ihre Mitglieder finanziell während legaler Streiks. Informiere dich rechtzeitig über die Modalitäten.

Rechtliche Risiken
Bei legalen Streiks: Auch bei legalen Streiks können Arbeitgeber:innen Druck ausüben oder Sanktionen verhängen. Erfahrungen zeigen jedoch, dass eine eintägige Abwesenheit meist nicht direkt zu einer Kündigung führt. Wenn Arbeitgeber:innen ausdrücklich ein Streikverbot aussprechen, wende dich sofort an deine Gewerkschaft. Sie kann die Rechtslage prüfen und dich beraten. Wenn ein Streik legal war, aber dennoch sanktioniert wurde, kannst du mit rechtlichem Beistand Einspruch erheben und eine Entschädigung fordern. Gewerkschaftsmitglieder*innen erhalten kostenlose rechtliche Unterstützung. Je mehr Menschen sich an einem Arbeitsplatz mobilisieren, desto unwahrscheinlicher werden Sanktionen und es entsteht ein kollektiver Schutz. Für marginalisierte Gruppen bestehen besondere Risiken, zum Beispiel betreffend Aufenthaltsstatus. Intersektionale Diskriminierung: Arbeiter:innen mit Migrationshintergrund, nicht-binärer Geschlechtsidentität, nicht-heterosexueller Sexualität oder nicht-christlicher religiöser Überzeugung sind unverhältnismässig stark von Diskriminierung betroffen. Das bedeutet nicht, dass du nicht streiken kannst, aber du solltest dir dieser Risiken bewusst sein. Schaffe Bewusstsein in deiner Gruppe und trete mit Kolleg:innen in Kontakt, die möglicherweise von Diskriminierung betroffen sind. Unterstützt euch gegenseitig.

Unbezahlte Care-Arbeit bestreiken
Die unsichtbare Arbeit sichtbar machen! Auch Zuhause leistest du systemkritische Arbeit.

Haushaltsstreik
Dein Haushaltsstreik zeigt, wie unverzichtbar diese Arbeit ist. Dieser kann unterschiedlich gestaltet sein: Komplette Verweigerung oder Streik in Teilbereichen wie zum Beispiel kein Kochen: Zeige, was passiert, wenn niemand das Essen zubereitet. Kein Putzen: Lass den Haushalt bewusst liegen, Keine Wäsche: Keine Wäsche waschen, aufhängen oder zusammenlegen, keine Einkäufe: Keine Besorgungen oder Vorratshaltung, keine Organisation: Keine Termine planen, nicht für alle mitdenken.

Betreuungsstreik
Bestreikung von Kinderbetreuung: Alternative Betreuung organisieren: Lass Partner, Grossväter oder deine cis-männlichen Friends übernehmen oder organisiert Kinderbetreuung kollektiv durch Gruppen, die sich während des Streiks abwechseln.
Betreuungskosten sichtbar machen: Zeige auf, was professionelle Betreuung kosten würde.
Pflege von Angehörigen: Verantwortung abgeben: Lass andere Familienmitglieder übernehmen oder organisiere fair bezahlte professionelle Ersatzpflege.
Emotionale Arbeit einstellen: Keine Koordination von Arztterminen, keine Kommunikation mit Pflegediensten.

Rechnungen für Care-Arbeit stellen
Deine Arbeit beziffern: Erstelle Rechnungen für deine unbezahlte Care-Arbeit basierend auf Marktpreisen: Kinderbetreuung: 25 bis 35 Franken pro Stunde, Haushaltsführung: 20 bis 30 Franken pro Stunde, Pflege: 35 bis 50 Franken pro Stunde, Emotionale Arbeit: 80 bis 120 Franken pro Stunde (Coaching-Tarif). Rechnungen erstellen und verschicken an: Lokale Behörden und Politiker:innen, Arbeitgeber:innen deines Partners/deiner Partnerin, Familienmitglieder, die von deiner Arbeit profitieren, Krankenkassen (für Pflegearbeit).

Streikpausen
Eine Alternative zu Haushalts- oder Betreuungsstreik sind Streikpausen im Alltag im Sinne von symbolischen Arbeitsunterbrechungen: 10:46 Uhr: Frauen arbeiten täglich zwei Stunden und 46 Minuten ohne Rentenbeitrag – lege eine Pause ein, 15:24 Uhr: Ab dieser Zeit arbeiten Frauen aufgrund des Gender Pay Gap gratis, eigene Zeiten definieren: Wähle Zeiten, die für deine
Situation passen, kollektive Pausen: Organisiere dich mit anderen für gemeinsame Streikpausen in deinem Quartier, deiner Nachbarschaft oder online.

Solidarität und Vernetzung
Streikgruppen aufbauen durch lokale Vernetzung wie Quartiergruppen, Branchengruppen, Feministische Kollektive, Online-Plattformen. Gegenseitige Unterstützung während des Streiks durch Care-Kollektive (Gruppen, die sich während des Streiks gegenseitig
unterstützen), Streikküchen (gemeinsame Verpflegung für Streikende), Teilen von Kinderbetreuung (abwechselnde Betreuung der Kinder aller Beteiligten). Ressourcen teilen im Sinne von Transport, rechtliche Beratung, finanzielle Unterstützung.

Mobilisierung und Aufklärung
Familie und Freund:innen gewinnen durch Erklären von Zusammenhängen, zeige auf, wie Care-Arbeit alle betrifft. Teile persönliche Geschichten: Deine Erfahrungen machen die Probleme greifbar. Lade zu Gesprächen ein, organisiere Care-Cafés oder Diskussionsrunden. Nutze soziale Medien, teile Informationen und mobilisiere über deine Netzwerke. Sichtbarkeit am Arbeitsplatz schaffen: Plakate aufhängen mit euren Forderungen und Streikaufrufen, Lila tragen oder andere Erkennungszeichen der feministischen Bewegung, Infoveranstaltungen: Organisiere feministische Mittagessen, Apéros oder Workshops, Arbeitsplatz-Analysen: Führt Untersuchungen über Care-Themen in eurem Unternehmen durch.

Solidarische Unterstützung
Für cis Männer und Verbündete: Konkrete Unterstützung leisten wie Care-Arbeit übernehmen, wenn eure FLINTA Partner:innen, Kolleg:innen oder Freund:innen streiken, Kinderbetreuung organisieren, Haushaltsarbeit übernehmen: Kochen, putzen, einkaufen während des Streiks, finanzielle Unterstützung: Spendet an Streikkassen oder unterstützt einzelne Streikende. Andere cis Männer mobilisieren: Sprecht mit Freunden, Kollegen und Familie. Arbeitsplatz-Solidarität: Fragt Streikende, wie euer Solidaritätsstreik unterstützt werden kann  (beachtet: Solidaritätsstreiks sind nicht legal und können Konsequenzen haben).
Besondere Bedürfnisse berücksichtigen: Körperliche Behinderungen: Barrierefreie Streikaktionen planen, Migrationshintergrund: Rechtliche Beratung und Schutz organisieren, Queere Personen: Diskriminierungsfreie Räume schaffen, Alleinerziehende: Besondere Kinderbetreuung und Unterstützung, ältere Menschen: Altersgerechte Beteiligung ermöglichen.

Streiken ist nicht illegal, wenn wir es richtig machen. Streiken ist unser Recht – und unsere Pflicht für eine gerechtere Gesellschaft!

2027: Wenn FLINTA nicht mehr will, steht alles still!

Privilegien sind kein Zufall

Ich wurde mit einem starken Bewusstsein dafür erzogen, dass ich ein privilegiertes Leben führe. Dass es nicht selbstverständlich ist, in einem sicheren Land aufzuwachsen, immer genug zu essen zu haben oder eine gute Ausbildung machen zu können. Und trotzdem glaube ich, dass einem die eigenen Privilegien erst wirklich bewusst werden, wenn man direkt mit ihrem Gegenteil konfrontiert wird.

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Mehr Schutz bei digitaler Gewalt

sah. Es braucht neue Konzepte gegen digitale Gewalt, die man in allen Räumen umsetzt. So müssen Medienkompetenzen und Strategien zum Schutz vor digitaler Gewalt auch Thema werden in Frauenhäusern – bei Mitarbeiter:innen, bei Betroffenen und ihren Kindern.

Es gibt verschiedene Formen von Gewalt: Eine davon ist die «digitale Gewalt». Bei dieser Form von Gewalt bedienen sich Täter technischer Geräte wie Smartphones, Laptops oder Ortungsgeräten.

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Vom Partner zurückgelassen

sah. Versuchte oder fahrlässige Femizide in den Bergen – über ein altes Phänomen wird endlich gesprochen. Männer lassen ihre Kletter- und Wanderpartnerinnen am Berg zurück, wenn sie die «Leistung» nicht erbringen.

Das Phänomen «Alpine Divorce» wurde bereits 1893 beschrieben, als der schottisch-kanadische Autor Robert Barr die Kurzgeschichte An Alpine Divorce veröffentlichte. Die Geschichte handelt von einem Ehepaar, das in den Schweizer Alpen wandert. Der Ehemann plant, seine verhasste Frau von einer Klippe zu stossen. Sie «kommt ihm zuvor», indem sie sich selbst in den Tod stürzt.

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«Wir leben und arbeiten wie Sklav:innen»

Yvonne Zimmermann. Teepflückerinnen in Sri Lanka organisierten vor zwei Jahren ein Arbeiter:innentribunal und klagten dabei ihre menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen an. Das Tribunal hat die Arbeiter:innen auf den Teeplantagen spürbar gestärkt in ihrem Kampf, insbesondere Frauen.

Die Fahrt auf die Teeplantage führt einen steilen Berg hinauf, durch endlos scheinende Teepflanzungen. Mit einem Dreiradgefährt und dank eines Fahrers, der das Fahrzeug geschickt den schmalen Weg hinauf um die tiefen Schlaglöcher, losen Steine und schlammigen Stellen navigiert, erreichen wir die Plantagengemeinschaft. Die Teepflückerinnen und ihre Familien wohnen auf der abgelegenen Plantage in langgezogenen Gebäuden aus aneinandergereihten Zimmern, die aus der Kolonialzeit stammen. Familien, meist mehrere Generationen, leben in einem Raum, Privatsphäre gibt es nicht. Eine einzige Toilette und ein Wasserhahn stehen für die gesamte Gemeinschaft zur Verfügung.

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