Feminismus ist kein Feiertag

lmt. Am internationalen feministischen Kampftag gingen in mehreren Schweizer Städten Tausende Menschen auf die Strasse. Die Demonstrationen richteten sich nicht nur gegen Sexismus, sondern auch gegen Krieg, Aufrüstung und Sozialabbau.

Mehrere Tausend Menschen gingen am Wochenende in verschiedenen Schweizer Städten auf die Strasse. Offizielle Berichte sprechen von «bunten Demonstrationen», von «Provokationen Vermummter» und einem «Katz-und-Maus-Spiel» mit der Polizei. Wer jedoch genauer hinschaut, erkennt etwas anderes: Der 8.März ist längst mehr als ein symbolischer Aktionstag. Er ist ein politischer Kampftag – und die Forderungen werden radikaler.

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Zwischen Washington und Teheran

dom. Die USA reagieren auf die eigene ökonomische Schwäche und den Aufstieg Chinas mit militärischem Druck. Wie stellt sich die Schweiz dazu? Ganz einfach – ginge es nach der SP: rhetorisch gegen die USA, politisch gegen Iran, strategisch für Europa.

Schon wieder Krieg im Nahen Osten, schon wieder ein Krieg unter Führung des «Friedenspräsidenten». Trump zieht missliebige Staatsoberhäupter mit chirurgischer Präzision aus dem Verkehr. Zur Kompensation seiner ökonomischen Schwäche mobilisiert er sein ganzes militärisches Potenzial, mit aller Gewalt soll der Einfluss Russlands und Chinas aus geopolitisch umkämpften Zonen zurückgedrängt werden. Maduro weg, Khamenei weg – wer ist der nächste auf der Abschussliste? Díaz-Canel?

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Bestmöglichste Behandlung!

sah. Das neue ambulante Tarifsystem Tardoc unterstützt patientinnen-freundliche Brustkrebsdiagnostik kaum. Nun erfolgen Abklärungen wahrscheinlich wieder operativ. Eine nationale Petition kämpft dagegen. Und das ist noch nicht alles…

Tardoc ist ein neues ambulantes Tarifsystem, das Tarmed abgelöst hat. Es soll eine präzisere Abrechnung ärztlicher Leistungen ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt auf einer differenzierten Vergütung nach Art und Aufwand der erbrachten Leistungen. Fachspezifische Anforderungen werden dabei besser berücksichtigt, was zu einer «gerechteren Verteilung» der Mittel führen soll. Tardoc wird im Zusammenhang mit dynamischer Kostenneutralität eingesetzt. Dynamische Kostenneutralität meint, dass das neue Tarifsystem keine Erhöhung der Gesamtkosten im Gesundheitssystem produziert. Falls es dann doch zu höheren Kosten kommt, sind diese planbar beziehungsweise kontrollierbar. » Weiterlesen

LGBTIQ+-Personen in einem feindseligen Asylsystem

King O. Sibo und Marc Cyrill Baumgartner. Trotz wiederholter Verurteilungen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wendet die Schweiz weiterhin diskriminierende Praktiken in Asylverfahren von LGBTIQ+-Personen an.

Dreimal wurde die Schweiz vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) bereits verurteilt, weil sie in Asylverfahren von LGBTIQ+-Personen das Argument der Diskretion geltend gemacht hatte: Im Jahr 2018 im Fall I. K. gegen die Schweiz, im Jahr 2020 im Fall B. und C. gegen die Schweiz und im Jahr 2024 im Fall M. I. gegen die Schweiz. In jedem der drei Fälle bekräftigte der EGMR, dass es mit der Anerkennung eines so grundlegenden Merkmals der Identität unvereinbar ist, von Personen zu verlangen, dass sie diskret leben, um Verfolgung zu vermeiden. » Weiterlesen

Wir bleiben alle! Wohnraum verteidigen

Rosa Benario. In vielen Städten herrscht Gentrifizierung und Wohnungsnot. Viele Leute werden aus ihren Quartieren und Zuhause vertrieben. Verdrängung und explodierende Mieten sind Teil der kapitalistischen Ausbeutung der arbeitenden Klasse. Dagegen regt sich Widerstand – gerade von betroffenen Frauen und Queers.

Die ehemalige Industriestadt Winterthur hat einen sehr tiefen Leerwohnungsstand. 2025 waren nur 0,18 Prozent aller Wohnungen zur Vermietung ausgeschrieben. Die Wohnungen, die angeboten werden, sind meist neu, klein und teuer. Sie stehen leer, weil sich die Leute diese Wohnungen nicht leisten können. Es herrscht ganz offiziell Wohnungsnot. Und sie trifft die am härtesten, die am wenigsten haben.

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Care-Streik 2027

Feministisches Streikkollektiv Zürich. Die feministischen Streikkollektive haben schweizweit einen Care-Streik am 14. Juni 2027 ausgerufen. Die Gewerkschaften ziehen mit – und der Streik geht alle was an!

Care-Arbeit ist für alle Menschen lebensnotwendig und unverzichtbar. Unter Care-Arbeit verstehen wir Sorgearbeit, welche sich an den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen orientiert. Sie zielt auf körperliches, intellektuelles und emotionales Wohl der Menschen ab, ist also die Grundlage unseres Lebens und essenzieller Bestandteil für das Funktionieren unserer Gesellschaft. » Weiterlesen

Unser Prozess ist der revolutionäre Prozess

Sofia de la Rue. Am 25.März will der bürgerliche Staat unserer Genossin Andi erneut den Prozess machen. Es geht um die Beteiligung an der Demonstration «Züri Nazifrei» vom Februar 2022 und an der revolutionären Klimademo vom Februar 2023 in Basel. Wir drehen den Spiess um und lassen die politischen Angriffe ins Leere laufen. Wir sprachen mit Andi – und wir lassen sie nicht allein!

Viele junge Frauen, Lesben, sowie inter-, nonbinäre-, trans- und agender-Personen (FLINTA) gehen am 8.März an ihre erste unbewilligte Demo. Sie alle sind bewegt und wollen Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten, patriarchalen Strukturen sowie gegen Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Diese Widerstandsbewegung ist ein Ausdruck unseres kontinuierlichen revolutionären Prozesses. Kannst du erklären, was wir meinen, wenn wir sagen: «Unser Prozess ist der revolutionäre Prozess»?

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Macht endlich vorwärts mit der Pflegeinitiative!

sit. Über 170’000 Personen haben in wenigen Tagen einen Appell unterzeichnet, der endlich Taten bei der Umsetzung der Pflegeinitiative von den Politiker:innen verlangt. Denn seit der Annahme im Jahr 2021 hat sich für das Pflegepersonal praktisch nichts verändert.

Ein kurzes Lachen huscht über das Gesicht, doch nicht aus Freude, sondern eher aus Verzweiflung. So ist die erste Reaktion von Maria F. (Name der Redaktion bekannt), Hebamme in einem Spital im Kanton Zürich, auf die Frage: «Was hat sich seit der Annahme der Pflegeinitiative getan, verändert?» Dann sagt Maria: «Es gibt ein paar wenige Spitäler, welche den Stellenschlüssel vergrössert haben, wodurch genügend Hebammen im Dienst sind und eine Eins-zu-eins-Betreuung möglich wird, das heisst eine Hebamme pro Patientin. Aber dies ist immer noch die Ausnahme und nicht die Regel.» » Weiterlesen

Applaus für Stalking

Von Laura Maiorano. Samstagabend, beste Sendezeit, Millionenpublikum. In der italienischen TV-Show «C‘è posta per te» sitzt ein junges Ex-Paar im Studio. Es geht um Liebe, Eifersucht, Betrug. Und am Ende geht es um viel mehr: um die Frage, warum wir Kontrolle noch immer mit Leidenschaft verwechseln.
Patrick und Lola kommen zusammen, als sie 16 ist. Die Beziehung kippt früh ins Toxische. Sie kontrolliert sein Handy, verlangt seinen Standort, will wissen, mit wem er unterwegs ist. Treffen mit Freunden werden zum Streitpunkt. Eifersucht wird als Intensität verkauft. Er fühlt sich eingeengt, betrügt sie, verlässt sie für eine andere. Kurz darauf merkt er angeblich, dass er doch nur Lola liebt. Sie kommen wieder zusammen – bis sie die Nachricht der anderen entdeckt. Was danach folgt, wird im Studio als grosse Geste inszeniert. In Wahrheit ist es ein Lehrstück über Grenzüberschreitungen. Er schreibt ihr täglich. Er steht unter ihrem Fenster. Er taucht immer wieder auf, obwohl sie Abstand will. Im Studio fleht er sie an, mit ihm nach Hause zu gehen. Sie sagt Nein. Mehrmals. Sie sagt, dass sie ihm nicht mehr vertraut. Und dann fällt dieser Satz aus seinem Mund: «Wenn sie nicht mitkommt, weiss sie ja, dass ich vor ihrem Haus auftauche. Ich bin schneller als sie dort.»

Ich muss es wirklich noch einmal ausschreiben: Das ist keine Liebeserklärung – sondern die Ankündigung einer Drohung im Gewand der Romantik. Und das Publikum? Klatscht. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem. Nicht bei einem jungen Paar, das an Eifersucht scheitert. Sondern bei einer Gesellschaft, die männliche Obsession als Beweis tiefer Gefühle verkauft. «Er kämpft um sie» klingt eben schöner als «Er respektiert ihr Nein nicht». Doch in der Realität liegt zwischen diesen beiden Sätzen ein Abgrund. Gewalt gegen Frauen entsteht nicht aus dem Nichts. Sie entwickelt sich. Mit dem Anspruch, jederzeit Zugang zu haben. Mit Nachrichten im Minutentakt. Mit dem Auftauchen vor der Wohnung. Mit dem subtilen Druck, der sagt: Du kommst hier nicht einfach raus. Kontrolle, Überwachung, Besitzansprüche, permanentes Kontaktieren trotz klarer Ablehnung – das sind bekannte Eskalationsstufen. Und jede Stufe, die wir verharmlosen, verschiebt die nächste ein Stück weiter ins Akzeptable.
Dass eine Sendung mit Millionenpublikum dieses Verhalten inszeniert, als sei es Ausdruck unendlicher Liebe, ist kein Ausrutscher. Es ist strukturell. Patriarchale Muster sitzen tief: Der Mann darf drängen, die Frau soll weich werden. Ihr Nein wird zur Prüfung seiner Ausdauer. Nicht zu einer Entscheidung, die zu respektieren ist. Und während im Studio applaudiert wird, lernen junge Frauen vor dem Bildschirm, dass Auflauern als Liebesbeweis gilt. Dass tägliches Schreiben trotz klarer Ablehnung romantisch sein kann. Und junge Männer lernen, dass Druck ein legitimes Mittel ist, um eine Frau umzustimmen. Dass ein Nein verhandelbar ist.

Feminismus bedeutet, diese Narrative zu zerlegen. Ein Nein ist kein dramaturgisches Element. Es ist eine Grenze. Wer sie nicht akzeptiert, zeigt keine Liebe, sondern ein Problem. Solange Studios applaudieren, wenn Männer Besitzansprüche als Gefühl verkaufen, bleibt die Arbeit nicht erledigt. Dann müssen wir lauter sagen, was offensichtlich ist: Das ist keine Romantik. Das ist Kontrolle. Und Kontrolle war noch nie ein Liebesbeweis.

Laura Maiorano, Mitglied der vorwärts-Redaktion

Das Unmögliche möglich machen

Sevin Satan

Von Sevin Satan. Vor etwa 20 Jahren verwirklichte ich einen der Träume meiner Mutter. Sie wollte schon immer einmal nach Kuba reisen. Ich sparte nach der Lehre ein Jahr lang dafür. In Kuba wohnten wir nicht in den sogenannten «Casas Particulares», also den vom Staat registrierten Wohnungen, in denen man als Tourist:innen wohnen durfte, sondern illegal bei einer Familie, die wir vorher nicht kannten. Eine Freundin meiner Mutter hatte uns den Kontakt vermittelt. Zuerst wussten wir nicht, dass wir etwas Illegales taten, und danach fanden wir es einfach zu spannend bei dieser Familie, um in eine «Casa Particular» zu wechseln.

Wir wohnten in einem nicht touristischen Viertel in Havanna. Ich konnte damals Portugiesisch und schlug mich mit einem Mix aus Portugiesisch und Möchtegern-Spanisch durch. Da meine Mutter alles wissen wollte, war ich als Dolmetscherin unterwegs, was mich sehr herausforderte und in meinen jungen Jahren auch nervte. Alles musste ich fragen: von Lebensmitteln bis zum Militärdienst!
Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass ich durch ihre nervigen Fragen sehr viel über das Land sowie ein bisschen die spanische Sprache gelernt habe, aber das reflektiert man mit 23 Jahren generell etwas später. Jedenfalls fanden wir mit der Zeit heraus, dass die Familie, die uns beherbergte und mit uns auch vieles unternahm, keine Fidel-Freunde war. Zuerst waren wir schockiert, doch danach fanden wir es eigentlich gar nicht so schlecht, auch die andere Seite der Medaille kennenzulernen und sie uns anzuhören. Jedenfalls musste ich wieder eine nervige und sprachlich herausfordernde Frage stellen. Meine Mutter wollte wissen, ob es in Kuba das Problem mit dem Rinderwahn, also BSE, gebe. Mercedes, die Gastgeberin, antwortete: «Fidel würde uns nie etwas zu essen geben, das unserer Gesundheit schaden könnte!»
Diese Aussage von ihr verblüffte uns sehr. Sie war gegen den Sozialismus und den Kommunismus. Ihre Vorstellung eines Wirtschaftssystems war halb sozialistisch und halb kapitalistisch – was immer das auch genau heissen mag … Aber als eine Gegnerin Fidels die Aussage zu machen, dass Fidel ihnen nie etwas geben würde, was ihnen schaden könnte, das ist etwas sehr Grossartiges! Sie mag ihn nicht, aber dennoch weiss sie, dass er seiner Bevölkerung nicht für Profit schaden würde – das hat uns sehr beeindruckt. Selbst Regierungsgegner:innen in Kuba wissen also, dass sie alles, was sie an Lebensmitteln erhalten, mit gutem Gewissen konsumieren können – was bei uns so gar nicht der Fall ist.

Im Juni 2025 wurde bekannt, dass im Kanton St. Gallen weiterhin Rindfleisch auf den Markt gelangte, das mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS belastet war – und zwar in einem Ausmass, das die gesetzlichen Höchstwerte überstieg und somit verboten gewesen wäre. PFAS-Chemikalien können chronische Gesundheitsschäden verursachen. Sie können das Immunsystem schwächen, Leber und Nieren schädigen, die Fruchtbarkeit verringern sowie das Risiko für Krebs (insbesondere Nieren- und Hodenkrebs) und Schilddrüsenerkrankungen steigern. Bereits Mitte 2024 war PFAS-vergiftetes Fleisch in den Tellern der Konsument:innen in der Ostschweiz gelandet. Damals kündigte der Kanton St. Gallen einen Verkaufsstopp für das betroffene Fleisch an – umgesetzt wurde er nie. Viel mehr wurde PFAS-vergiftetes mit nicht vergiftetem Fleisch vermischt, so dass die PFAS-Werte unter die gesetzliche festgelegte Obergrenze gedrückt wurden. Was wohl meine damalige Gastgeberin in Kuba zu all dem sagen würde?

Es gibt kein System, und es wird keines geben, das die gesamte Bevölkerung zufriedenstellen wird. Und egal, wie es auch heissen und aussehen mag: Es muss immer die Gesundheit des Menschen in den Vordergrund stellen. Im kapitalistischen System ist unsere Gesundheit seit Längerem zu einer Ware geworden. Und immer mehr Menschen haben Mühe, sich diese Ware überhaupt kaufen zu können. Denn jedes Jahr steigen die Prämien der Krankenkassen – während gleichzeitig die sogenannten Topmanager:innen der Versicherungsgesellschaften fette Boni abkassieren. Hingegen hat Kuba trotz des über 60 Jahren dauernden US-Embargos ein kostenloses Gesundheitssystem geschaffen, mit der am besten ausgebildeten Ärzt:innen weltweit. Was ich in Cuba und von Ché Guevara gelernt habe: Sei realistisch und mach das Unmögliche möglich!

Sevin Satan,
Politische Sekretärin der Partei der Arbeit Zürich

Auf zum Streik am 8. März

Von Dominic Iten. Die erste Print-Ausgabe des Jahres stand im Zeichen von imperialistischen Aggressionen, Militarisierung und Sozialabbau. Inzwischen hat sich wenig verändert – im Gegenteil. Die Fronten verhärten sich, die Risse werden tiefer. Die USA haben ihre militärische Präsenz im Nahen Osten massiv ausgebaut, der Iran ist faktisch eingekreist. Ein weiterer Militärschlag steht im Raum – mit unabsehbaren Folgen weit über die Region hinaus. Die Eskalationsspirale dreht sich weiter, während diplomatische Floskeln kaum mehr kaschieren können, was abgeht.
Das von Trump aufwendig inszenierte «Peace Board» wirkt vor diesem Hintergrund wie ein zynisches Schauspiel. Mit viel Pathos wird über Frieden und Stabilisierung gesprochen, während die Verhandlungen im Ukrainekrieg festgefahren sind und das Sterben andauert. Gaza liegt weiterhin in Trümmern, zugleich gerät auch die Westbank durch die aggressive israelische Siedlungspolitik immer stärker unter Druck.
Gleichzeitig formiert sich Europa neu: weniger Abhängigkeit, mehr Militär, mehr Geschlossenheit – der Ernstfall wird vorbereitet. Diese Verschiebungen betreffen auch die Schweiz. Auch hier werden die Prioritäten neu gesetzt: Kanonen statt Butter, Aufrüstung statt Sozialstaat. Die Kosten der «Zeitenwende» tragen die Arbeiter:innen – und besonders die Frauen. Unter dem Vorwand der Gleichstellung laufen spezifische Rekrutierungsoffensiven fürs Militär, während gleichzeitig bei Kinderbetreuung und sozialer Infrastruktur gekürzt wird. Wer strukturell benachteiligt ist, wird doppelt getroffen. Auf zum Streik am 8. März!

 

Die EU-Migrationsabwehr ist nicht besser als ICE

Bafta Sarbo. Nach den ICE-Morden in den USA ist das Abgrenzungsbedürfnis in Europa gross. Dabei ist die Migrationsabwehr der EU keineswegs humaner – der Unterschied ist nur, dass die rechtlose Gewalt ins Mittelmeer und nach Nordafrika ausgelagert wird

In den vergangenen Wochen waren alle Augen auf die USA und die Gewalt ihrer Einwanderungs- und Zollbehörde ICE gerichtet. Die eskalierende Gewalt in Grossstädten wie Chicago und Minneapolis führte dazu, dass zwei US-Staatsbürger von der Behörde auf offener Strasse erschossen wurden. Das erzeugte eine Welle der Empörung, die auch in Europa die Forderung nach Abgrenzung nach sich zog.
Nachdem Trump verkündete, zu den Olympischen Wintersp

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Lokführer:innen streiken in Spanien

Ralf Streck. Die grosse spanische Lokführergewerkschaft SEMAF hatte nach tödlichen Unfällen in Andalusien und Katalonien zum dreitägigen Streik aufgerufen. Der Streik sorgte für ein massives Chaos im Zugsystem, wurde aber nach Zugeständnissen vorzeitig beendet. Das Chaos im ausgebluteten System in Katalonien bleibt weiterhin, wogegen auch stark demonstriert wird.

«Die schweren Unfälle in Adamuz und Gelida, bei denen viele Menschen ums Leben kamen, stellen einen Wendepunkt dar», so begründete die grösste spanische Lokführergewerkschaft SEMAF einen dreitägigen Streik im spanischen Zugsystem. Dies sei der «einzige legale Weg», um «die Sicherheitsstandards wiederherzustellen», schrieb die SEMAF im Aufruf. Mit dem Ausstand vom 9. bis 11. Februar forderte die Gewerkschaft von der Regierung, endlich «alle notwendigen Massnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit des Bahnbetriebs» zu ergreifen. Dazu forderte sie bessere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal, um der Überlastung der Belegschaft zu begegnen. Kritisiert wurde zudem die zunehmende Privatisierung.

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«Wir rufen alle Demokrat:innen weltweit zu politischer Unterstützung auf»

Redaktion. Der Kurdische Rote Halbmond (Heyva Sor a Kurd) leistet unter extremen Risiken medizinische Nothilfe für weit über 100 000 Geflüchtete in Nordostsyrien. Mitte Februar erstellte die Organisation einen Bericht zur Lage vor Ort. Wir veröffentlichen einen Teil davon.

Wir alle schöpften Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ganz Syrien nach den Vereinbarungen vom 10. März 2025 sowie im April mit der Übergangsregierung in Damaskus. Auch wenn die Angriffe und Massaker durch Regierungstruppen gegen die alawitische Bevölkerung in den Küstenregionen das erste Anzeichen dafür waren, dass es keinen Frieden geben würde und Diskriminierung sowie Unterdrückung von Minderheiten weitergehen würden wie zuvor, haben wir die Hoffnung nicht verloren. » Weiterlesen

Das Schwert über unserm Haupt

flo. Die Geschichte der ersten hundert Jahre der Schweizer Armee wird meist mit einigen Lücken erzählt. Die Rolle als politisches Werkzeug erfüllte die Armee vor allem in der ersten Hälfte ihrer Existenz mit tödlicher Gewalt. Doch auch heute gehört der Einsatz im Innern weiterhin zu ihren Kompetenzen.

Am 9. November 1918 wurde der Klassengegensatz in der Schweiz so deutlich wie kaum je zuvor. An diesem Tag schwiegen die Waffen in Europa noch nicht. Der Waffenstillstand von Compiègne trat erst zwei Tage später in Kraft und beendete damit das weltweite Schlachten – oder lenkte es zumindest nach innen. Während des vierjährigen Krieges mussten Hunderttausende Schweizer im Rahmen der Kriegsmobilmachung in die Armee einrücken. Sie hatten vor allem die Grenzen zu schützen.

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Verwalten statt lösen

dom. Die Klimafonds-Initiative will jährlich 0,5 bis 1 Prozent des BIP in die ökologische Wende investieren. Vorbild ist der Green New Deal, entsprechend soll die Wende sozial verträglich sein – ein nobles Vorhaben. Doch ein genauerer Blick auf Initiativtext und Kampagne lassen Zweifel aufkommen.

In einem jüngst veröffentlichten Insta-Post fragt die Gewerkschaft Unia, Unterstützerin der Klimafonds-Initiative: «Was macht den Erfolg der Schweiz aus?» Ihre Antwort: «Grosse Projekte gemeinsam anpacken» – etwa den Bau von Staudämmen, die Gründung der SBB oder die Einführung der AHV. Auch die Klimakrise, so die Gewerkschaft, sei eine historische Aufgabe. Wenn «wir» Infrastruktur und Produktion nicht umbauten, würden «die Schweiz, ihre Wirtschaft und ihre Arbeitnehmenden enorm unter Schäden und dem Verlust von Arbeitsplätzen leiden».
Ähnlich argumentieren die Initiant:innen. Die Klimakrise sei «eine Realität, die jede und jeder kennt. Mit dem Klimafonds zu investieren ist eine Win-Win-Win-Situation», meint Lisa Mazzone, Präsidentin der Grünen Partei. Man schütze das Klima, verbessere die Lebensqualität und schaffe wirtschaftliche Perspektiven – «alles auf einen Schlag». Mehr denn je brauche die Schweiz ein zukunftsweisendes, verbindendes Projekt. Genau das biete der Klimafonds.

Transformation ohne Bruch
Was Gemeinsames, was Verbindendes – ein «Generationenprojekt» soll es werden. Doch hinter der Rhetorik von Solidarität, Zukunft und gemeinsamer Kraftanstrengung verbirgt sich ein Klassenkompromiss. Die Initiative verspricht ökologische Modernisierung ohne Machtfrage und Konflikt, verspricht Transformation ohne Bruch. Die Klimafonds-Initiative hat sich bestehende Green-New-Deals als Vorbild genommen. Diese Programme zielen in der Regel auf eine sozial-ökologische Reform und ein postneoliberales Akkumulationsregime, im besten Fall mit Fokus auf soziale Verträglichkeit.
Bernie Sanders‘ Green New Deal zum Beispiel, sollte eine Summe von 16 Billionen Dollar an öffentlichen Investitionen mobilisieren und rund 20 Millionen neue Jobs schaffen. Die 16 Billionen sollten etwa in den Ausbau erneuerbarer Energien, in die Modernisierung von Wohnhäusern und den Umstieg auf Elektromobilität fliessen. Wesentlicher Bestandteil des Deals sind sozialpolitische Forderungen bezüglich Lohnfragen und Altersversorgung.

Grüner Kapitalismus?
Der Schweizer Klimafonds ist nach demselben Muster gestrickt. Geplant ist eine breite Investitionsoffensive: in Forschung und Entwicklung, in «nachhaltige» Infrastrukturen und Wirtschaftsbereiche, in Kinderbetreuung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie in Umschulungs- und Weiterbildungsprogramme gegen den Fachkräftemangel. Insgesamt soll die öffentliche Grundversorgung ausgebaut und neue berufliche Perspektiven geschaffen werden.
Die Finanzierungsfrage bleibt – wie für linke Initiativen normal geworden – offen. Die Initiant:innen hoffen auf neue Staatsschulden, vielleicht sogar höhere Kapitalsteuern, mögen mit ihrem Initiativtext aber das Kapital nicht zur Verantwortung ziehen. Wer seinen Green New Deal nicht mit einer klassenpolitisch motivierten Finanzierung unterlegt, behandelt die Klimafrage nicht als Klassenfrage.
Damit steht auch der Schweizer Green New Deal für eine bruchlose Fortsetzung jenes Systems, das die ökologische Krise hervorgebracht hat. SP und Grüne gehen davon aus, dass sich ökologische und ökonomische Krise gleichzeitig lösen lassen – ohne grundlegende Fragen von Macht und Eigentum zu stellen. Der Kapitalismus soll nicht überwunden, sondern modernisiert werden. Neue «ökologische» Industrien sollen zu wirtschaftlichen Leitsektoren werden. Was das Auto in der Nachkriegszeit für den fordistischen Kapitalismus war, sollen heute Solarzellen, Windräder und andere «grüne» Technologien für den Postfordismus sein.

Nach kapitalistischen Spielregeln
Doch selbst mit einem milliardenschweren, über Steuern und Verschuldung finanzierten Klimafonds ist eine ökologische Wende kaum zu erreichen. Staatliche Investitionen können zwar kurzfristig Wachstum auslösen, doch sie entziehen sich nicht den bestehenden kapitalistischen Spielregeln. Selbst Modellrechnungen des Internationalen Währungsfonds zeigen: Ein Green New Deal kann das BIP für eine gewisse Zeit ankurbeln, eine dauerhafte, stabile Belebung des Akkumulationsprozesses dürfte jedoch ausbleiben.
So wird die ökologische Krise nur verwaltet, nicht gelöst. Deshalb sehen wir dieser Tage Parteipolitiker:innen und Gewerkschaftsfunktioniär:innen, welche uns die Klimakrise als gemeinsames nationales Projekt verkaufen wollen – als Aufgabe, die Kapital, Staat und Arbeiter:innen gleichermassen betreffe und vereine. Konflikte verschwinden hinter dem Versprechen von Win-Win-Win-Lösungen, Klasseninteressen hinter der Idee eines verbindenden «Generationenprojekts».

Widersprüche glattbügeln
Ausgerechnet Staudämme, SBB und AHV führt die Unia als historische Vorbilder an – nichts davon war Resultat harmonischen, «gemeinsamen Anpackens». Staudämme wurden von Arbeiter:innen gebaut, die SBB und die AHV wurden gegen massiven Widerstand erkämpft. Mit der Rede von «Schweizer Erfolgsrezepten» hat sich die Unia offenbar die Perspektive des ideellen Gesamtkapitalisten zu eigen gemacht. Entscheidend ist nicht, wer diese Projekte gegen wen durchgesetzt hat, sondern was sie für den nationalen Standort geleistet haben.
So werden gesellschaftliche Widersprüche in gemeinsame Zukunftsprojekte übersetzt, wo Kapital, Staat und Arbeiter:innen angeblich am selben Strick ziehen. Die ökologische Krise wird so nicht zum Anlass, bestehende Verhältnisse infrage zu stellen, sondern sie zu stabilisieren. Solange Klimaprojekte über Schulden oder Steuern laufen, tragen Arbeiter:innen die Kosten – für ein Projekt, das zu wenig radikal ist, um den ökologischen Kollaps tatsächlich abzuwenden.

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