Frieden statt Krieg

sit. Das Kriegsmaterialgesetz soll gelockert werden, um die Profite der Rüstungsindustrie sprudeln zu lassen. Das Ja-Lager zum blutigen Geschäft mit dem Krieg zeigt die tiefe Verstrickung von Wirtschaft und bürgerlicher Politik.

Zur Erinnerung: Mit der Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes sollen Schweizer Waffen künftig auch an bestimmte Länder verkauft werden können, die an bewaffneten Konflikten beteiligt sind. Zudem sollen die Möglichkeiten zur Weitergabe von Schweizer Kriegsmaterial an Drittstaaten erweitert werden. Damit werden zentrale Einschränkungen aufgeweicht, die erst 2021 im Zuge der Korrektur-Initiative gesetzlich verankert wurden. » Weiterlesen

«Räuber-und-Poli» statt Palästina-Soli

dom. Die Berner Palästina-Demo vom 11.Oktober stand im Zeichen der Demo des Vorjahres – aber nicht im guten Sinne. Statt 10’000 kamen rund 1000, über Gaza spricht kaum noch jemand, und die Demo selbst hat mitgeholfen, aus einer Bewegung eine Szene zu machen.

Die Polizei, die Politik, die bürgerliche Presse, selbst die Org-anisator:innen – sie alle verbuchen den Sonntag, 11.Oktober, als Erfolg. Eine Demo «ohne grössere Zwischenfälle» meldete die Kantonspolizei, «Grossaufgebot verhindert Ausschreitungen», titelt der Blick. Der städtische Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried meinte zufrieden: «Oberstes Ziel war es, Ausschreitungen zu verhindern. Das hat funktioniert». Und doch triumphierten auch die Organisator:innen: «Wir sind überall, ihre Repression stoppt uns nicht!» » Weiterlesen

Arbeitszeitreduktion – für eine neue feministische Zeitpolitik

FSK. Die 4-in-1-Perspektive fordert eine gerechtere Verteilung von Lohnarbeit, Care-Arbeit, Selbstentwicklung/ Kultur und politischer Teilhabe. Durch eine radikale Arbeitszeitverkürzung, existenzsichernde Löhne und den Ausbau öffentlicher Dienstleistungen soll mehr Zeit zum Leben entstehen. Ziel ist eine solidarische, feministische und sozial-ökologische Gesellschaft, in der ein gutes Leben für alle möglich ist.

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Profit über das Klima

lmt. Nach einem Hitzesommer will der Bundesrat 22 Millionen Franken bei internationalen Umweltprojekten streichen. Auch das CO2-Gesetz verzögert sich. Die Politik schützt kurzfristige Sparziele statt unserer Lebensgrundlagen.

Ende August nahm der Bundesrat geplante Kürzungen zum Schutz der Schweizer Wälder zurück. Nun folgt der nächste Sparplan von SVP-Bundesrat Albert Rösti. Die Umweltkommission des Nationalrats unterstützt ihn knapp. Betroffen sind internationale Projekte. Das Parlament entscheidet noch.

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Weder hier noch anderswo!

Elena Rusca. Am 3.Oktober demonstrierten im Wallis 300 Personen gegen Syngenta – und gegen ein ganzes System, das die Gewinne von wenigen transnationalen Konzernen privatisiert und Schäden vergesellschaftet.

Die Demonstrant:innen marschierten vom Bahnhof in Monthey zum Chemiewerk von Syngenta. Auf  ihren Transparenten standen die zentralen Forderungen: «Pestizide, Syngenta: weder hier noch anderswo» und «Syngenta, Verursacher zahlt». Zur Demonstration aufgerufen hatten zahlreiche Organisationen, unter anderem Uniterre, Public Eye, BreakFree Suisse sowie mehrere lokale Kollektive. Parallel dazu fanden Aktionen in Basel und anderen Ländern statt. Die Aktivist:innen forderten Syngenta auf, die Liste der in Monthey hergestellten Stoffe zu veröffentlichen, die Produktion von in der Schweiz oder der EU verbotenen Produkten für den Export einzustellen und die Verantwortung für die verursachten Schäden zu übernehmen. Zudem verlangten sie Transparenz über die Einleitung von Industrieabwässern sowie den Rückzug der Beschwerden, mit denen Syngenta und die Compagnie Industrielle de Monthey (CIMO) den Zugang von Lausanne und weiteren Gemeinden zu Informationen über die Verschmutzung des Trinkwassers blockieren.

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Eine Politik der offenen Türen

Xavier Roth

Kostia Jaboyedoff. Xavier Roth hat in Lausanne den Sitz in der Exekutive für die PdA verteidigt. Zwei Monate nach seinem Amtsantritt spricht der Stadtrat in einem Interview über die Herausforderungen der kommenden fünf Jahre zu sprechen.

Am 29.März 2026 gelang Xavier Roth das Kunststück, den Sitz der Parti Ouvrier et Populaire (POP), der Waadtländer Sektion der Partei der Arbeit, in der Lausanner Stadtregierung zu verteidigen und gleichzeitig zu verhindern, dass die Freisinnigen (PLR) dort einen zweiten Sitz gewinnen. Im ersten Wahlgang noch von der PLR-Kandidatin Mathilde Maillard übertroffen, verschafften ihm die Stimmen der radikalen Linken im zweiten Wahlgang einen entscheidenden Vorsprung.

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Bürgerliche gegen den Sonntag

flo. Weil es an der Urne so zuverlässig scheitert, versuchen Steigbügelhalter des Kapitals halt den Weg übers Parlament. Sie wollen die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage von vier auf zwölf pro Jahr erhöhen – auf Kosten der Beschäftigten im Detailhandel. Ganz am Volk vorbei kommen sie so aber nicht.

Arbeiten bürgerliche Nationalrät:innen sonntags eigentlich auch? Also nein, kein Business-Lunch mit Weisswein ab 11.30 Uhr, wie man es bei dem Managertypus findet, der behauptet, «mindestens 15 Stunden pro Tag zu arbeiten», sondern wirkliches Arbeiten. Irgendwie mag man bezweifeln, dass SVP-Nationalrat Martin Hübscher besonders glücklich darüber wäre, wenn er selbst zwölf Sonntage pro Jahr im Verkauf arbeiten müsste. Hübscher setzte sich in der Wirtschaftskommission des Nationalrats gegen die Abschreibung der Standesinitiative für eine «zeitlich befristete Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten» ein. Ob er sich auch dann einsetzen würde, wenn er wegen der Entscheidungen von viel zu mächtigen und viel zu wohlhabenden Leuten im Nationalrat selbst sonntags arbeiten müsste?

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Verrat aus Reflex?

flo. Es ist ein Trauerspiel, was das Parlament mit der 13.AHV-Rente macht. Das bürgerliche
«Krisengerede» ist dumm – trotzdem scheinen manche parlamentarischen Linken derart
routiniert darin, Verschlechterungen hinzunehmen und zu verkaufen, dass sie höhere Mehrwertsteuern unterstützen.

Was ist eigentlich die bessere Variante? Eine Linke, die konsequent für ihre Ziele kämpft, oder eine, die von ihren ehernen Prinzipien abrückt, wenn der politische Gegner droht, alles noch viel schlimmer zu machen? Es ist keine einfache Frage, auch nicht für die radikale Linke. Doch gerade im Moment würde man sich von der etablierten politischen Linken mehr Mut wünschen. Besonders bei einer Sachfrage, bei der sie offensiv auftreten könnte und einen klaren Volksentscheid im Rücken hat.

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Gleiche Rechte, ungleiche Zukunft

lmt. Am Weltmädchentag wird an gleiche Chancen erinnert. Doch viele Mädchen erleben schon früh sexuelle Belästigung, werden in feste Rollen gedrängt und verlieren dadurch Freiheiten. Dahinter stehen patriarchale Machtverhältnisse, die auch wirtschaftliche Interessen stützen.

Sechs von zehn befragten Mädchen zwischen zwölf und 19 Jahren wurden im Internet bereits von fremden Personen mit unerwünschten sexuellen Absichten angesprochen.

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Solidarität und Empowerment?

sah. An der FemFuture 2026 treffen sich Frauen, die zusammen denken, diskutieren und gestalten wollen. In einem Raum wollen sie an neuen Perspektiven arbeiten und ehrliche Gespräche führen. Gleichstellung soll nicht nur politisches Ziel sein, sondern auch gelebte Realität.

Die Frauenzentrale Zürich ist der grösste Dachverband der Frauenorganisationen im Kanton Zürich. Als gemeinnütziger, steuerbefreiter Verein unterstützt, vernetzt und vertritt sie die Anliegen von Frauen in Politik, Arbeitswelt und Gesellschaft.

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Soziale Sicherheit statt Aufrüstung – warum Austerität kein Sparen ist

FSK. Wenn von Austerität die Rede ist, denken viele an Budgetkürzungen und einen Staat, der den Gürtel enger schnallen muss. Doch laut der Ökonomin Clara Mattei steckt mehr dahinter: Austerität ist kein neutrales Sparprogramm, sondern ein politisches Instrument, das Ressourcen von der Mehrheit zu einer Minderheit von Kapitalbesitzenden umverteilt.

In ihrem Buch «Die Ordnung des Kapitals – Wie Ökonomen die Austerität erfanden und dem Faschismus den Weg bereiten» unterscheidet die Ökonomin Clara Mattei drei ineinandergreifende Formen der Austerität, die sie als «Trinität» bezeichnet. Während erstens die fiskalische Austerität gezielt bei Sozialausgaben für Wohnen, Bildung und Gesundheit kürzt und gleichzeitig Arbeit stärker belastet als Kapital, setzt zweitens die monetäre Austerität auf hohe Zinssätze und «teures Geld», welche gerne als neutrale Mittel gegen Inflation dargestellt werden. Tatsächlich erhöhen sie jedoch die Arbeitslosigkeit und schwächen die Verhandlungsposition der Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt, um schlechtere Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Ungleichheit ist kein Naturgesetz
Die dritte Form, die industrielle Austerität, beschreibt direkte staatliche Eingriffe in den Arbeitsmarkt durch Privatisierungen, Deregulierung und die Förderung prekärer Arbeitsbedingungen und Entrechtungen, um die kollektive Macht der Arbeiter:innen zu schwächen. Der Staat minimiert für private Investor:innen über Gesetze die Risiken, wie zum Beispiel durch Steuererleichterungen oder -befreiung, und fördert oder gar rettet in den Konkurs gebrachte Unternehmen mit Steuergeldern, wie bei den jüngsten Beispielen der Credit Suisse Bank oder der SWISS Airline, während die Reallöhne stagnieren und die Lebenshaltungskosten ständig steigen. Die Besitzverhältnisse werden dadurch zementiert und die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet. Dass heute gleichzeitig die Militärausgaben steigen, ist für Mattei kein Widerspruch, im Gegenteil, sie unterstreichen die
eigentliche Funktion der Austerität: Die äussere Sicherheit gegen einen vermeintlichen Feind der vorherrschenden Ordnung wird höher gewertet und soll auf Kosten der inneren Sicherheit, des sozialen, gesellschaftlichen Zusammenhalts, getragen werden.
Austerität erweist sich somit nicht als neutrales technisches Instrument, sondern als ein zielgerichtetes politisches Werkzeug zur Intervention und zum Schutz der kapitalistischen Ordnung. Sie dient dazu, die fundamentale Abhängigkeit der Mehrheit von Lohnarbeit aktiv aufrechtzuerhalten – auch zu immer schlechter werdenden Bedingungen – und tritt besonders dann auf, wenn Menschen beginnen, Alternativen zum Kapitalismus einzufordern. Im Gegensatz zum Feudalismus, in dem Ausbeutung sichtbar und persönlich war, funktioniert der moderne Kapitalismus über eine unsichtbare, unpersönliche, aber bindende Kraft: die Marktabhängigkeit. Wer morgens nicht aufsteht und zu seinem oder ihrem miserablen Job geht, hat nichts zu essen, kein Dach über dem Kopf und keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung. Marktabhängigkeit sichert die Ohnmacht und die schwache Verhandlungsmacht der Massen. Genau dazu ist die Austerität da. Extreme Ungleichheit ist weder ein Naturgesetz, noch hat sie etwas mit Leistung zu tun. Sie ist nach Mattei das Ergebnis gezielter, oft gewaltsamer politischer Interventionen durch den Staat.

Faschismus und Austerität
Historisch zeigt sich dabei eine enge Verbindung zwischen Austerität, Liberalismus und Faschismus. Nach dem Ersten Weltkrieg unterstützten liberale Eliten den Aufstieg von Benito Mussolini, weil er bereit war, radikale Austeritätsmassnahmen wie Massenentlassungen und Gewerkschaftsverbote durchzusetzen, die in einer parlamentarischen Demokratie auf zu viel Widerstand gestossen wären. Er galt bei den Eliten als der «richtige Mann im kritischen Moment», um die bestehende Ordnung gegen sozialistische Alternativen zu verteidigen. Er war äusserst effektiv darin, Austeritätsmassnahmen zulasten der italienischen Arbeiter:innenklasse durchzusetzen, die liberalen ausländischen Investoren zugutekamen. Der Aufstieg des italienischen Faschismus unter Benito Mussolini beruhte nicht allein auf Gewalt, sondern auch auf der aktiven Unterstützung von Ökonom:innen und akademischen Expert:innen, die seiner Regierung beitraten, die vollständige Austeritätsdreifaltigkeit umsetzten und die intellektuellen Rechtfertigungen lieferten, die seine Diktatur über zwei Jahrzehnte stabilisierten.
Arbeiter:innen, so ihr Argument, müssten diszipliniert werden, weil sie «wie Schweine leben und ihr Geld in der Kneipe verschwenden». Diese klassistische Haltung spiegelte die Angst wirtschaftlicher Eliten, sozialer Wandel könne ihre Privilegien gefährden und den Kapitalismus destabilisieren. Ökonomische Theorie wurde so zum Herrschaftsinstrument: Akzeptiert das System, bleibt still, unterwerft euch der angeblich «objektiven» ökonomischen Wahrheit. Die Ökonomie trat an die
Stelle der Religion – ihre Autorität wuchs in der Folge enorm und besteht bis heute fort.
Mattei sieht darin kein abgeschlossenes Kapitel. Auch heute kürzen Regierungen Sozialausgaben unter dem Vorwand von Haushaltsdefiziten trotz Überschüssen im Jahresabschluss, während sie gleichzeitig massiv in Aufrüstung investieren. Matteis Fazit: Liberale sind oft bereit, ihre politischen Freiheiten zu opfern, sobald sie die ökonomische Stabilität des Kapitals bedroht sehen. Dieser neoliberale Angriff auf die Gesellschaft erzeugt eine immense Prekarität, die in Unsicherheit mündet. Wenn die soziale Sicherheit aufs Spiel gesetzt wird, um Profitinteressen zu wahren, bedeutet das für uns Normalsterbliche, dass Schutz vor Armut oder Schicksalsschlägen und Grundrechte wie zum Beispiel das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Bildung oder das Recht auf Wohnen und Zugang zu Nahrung und Wasser zu Waren werden, die wir uns leisten können müssen. Ganz konkret: Wenn die Krankenkassenprämien und Gesundheitskosten immer mehr angehoben werden, müssen einkommensschwache Haushalte auf notwendige und teilweise lebenserhaltende Behandlungen oder Therapien verzichten. Wenn die Mieten massiv erhöht werden, werden wir aus unserem vertrauten Wohnraum verdrängt. Wenn die Studiengebühren so teuer werden, können wir keine Ausbildung antreten und somit beruflich nicht aufsteigen.

Die zentrale Rolle des Nationalismus
Das hat fatale Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt und ebnet den Weg für faschistische Ideologien. Das Vertrauen in die Alt-Parteien innerhalb der Regierungen verschwindet und die Frustration der kleiner werdenden Mittelschicht, die regelrecht für die Kapitalinteressen der oberen Klasse zerfräst wird, entlädt sich auf Menschen in noch schlechter gestellten Positionen, weil rechte Politik diese zu Sündenböcken macht. Tatsächlich sehen wir bei den meisten gegenwärtigen Regierungen eine Austeritätspolitik mit antidemokratischer Stossrichtung, wenn auch durchaus mit unterschiedlichen Nuancierungen. Dabei darf im Zusammenhang mit Faschismus die zentrale Rolle des Nationalismus bei deren Durchsetzung nicht vergessen werden. Nationalismus – ob nun der von Giorgia Meloni oder anderer extrem rechter Regierungen heute und in der Vergangenheit – dient der Verschleierung der staatlichen Gewalt gegenüber den eigenen Arbeiter:innen (etwa in Form von Kürzungen der Sozialleistungen oder ungerechter Besteuerung), indem er alle Klassenunterschiede negiert und versucht, alle hinter der Nationalflagge zu vereinen. Nationalismus ist auch eine Strategie, mit der Regierungen von den eigentlichen Gegnern:innen des Volkes ablenken: den wohlhabenden und mächtigen Eliten, die als einzige von unserem derzeitigen Wirtschaftssystem profitieren.
Nationalismus schürt Ressentiments gegen «äussere Gegner:innen», darunter Arbeitsmigrant:innen, die gewöhnlich noch mehr unter der Austerität in ihren Herkunftsländern zu leiden hatten. Derweil stehen Politiker:innen wie Bolsonaro, Trump, Meloni oder Orbán für eine Ausweitung dieses arbeiterfeindlichen Ansatzes. Die Angst vor dem sozialen Abstieg in der kapitalistischen Rangordnung des «Fressen oder Gefressen Werdens» lässt gewisse Leute nach unten treten, anstatt nach oben zu schauen. Der riesige Wahlerfolg der AFD in Sachsen-Anhalt diesen September bestätigt diesen Vorgang: 65 Prozent ihrer Wähler:innen stecken in einer schlechten finanziellen Lage.
Nach Mattei spielen dabei die Wirtschaftswissenschaften selbst eine zentrale Rolle bei der Verschleierung von Klassenkonflikten. Durch mathematische Modelle erwecken sie den Anschein, Ökonomie sei eine objektive Wissenschaft, während sie den Profit als gerechte Belohnung für Investoren darstellen und die Ausbeutung von Arbeitszeit unsichtbar machen. Auch die «Unabhängigkeit» der Zentralbanken kritisiert Mattei: Es sei ein historisches Manöver, um demokratische Kontrolle über Geldpolitik zu verhindern und sie in die Hände von «Expert:innen» zu legen, die letztlich die Kapitalordnung schützen.

Wie weiter?
Die gute Nachricht: Das System ist fragiler, als es scheint. Es braucht ständige politische Interventionen, um stabil zu bleiben, und genau dort liegt der Weg zur Veränderung. Hier setzt der Widerstand an. Mattei fordert eine Demokratisierung von Investitionsentscheidungen: weg von der Profitlogik hin zu einer demokratischen Planung nach sozialen und ökologischen Bedürfnissen. Dabei können wir aus historischen Beispielen von Arbeiter:innenselbstverwaltungen und Rätesystemen wie in Schottland oder Italien nach 1918 lernen. Auch moderne Bewegungen wie der MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra, zu Deutsch: Bewegung der Landarbeiter:innen ohne Boden) in Brasilien, die auf Basisdemokratie und abwählbaren Vertreter:innen basieren, bieten Vorbilder. Wissen müsse dabei immer im Dialog mit realen sozialen Kämpfen stehen, so Mattei. So versucht sie auch in ihrem Zentrum in Tusla im direkten Dialog mit betroffenen Gemeinschaften und durch öffentliche Bildungsarbeit in Verknüpfung mit lokalen Kämpfen ein systematisches Verständnis des Kapitalismus zu fördern. Wenn Austeritätspolitik zur DNA von kapitalistischen Staaten gehört, dann bedeutet das auch: Wir müssen noch deutlich entschlossener dagegen angehen und wahre Alternativen dazu sind nur ausserhalb der kapitalistischen Logik denkbar.
Schlussendlich schöpft Mattei trotz Krisen und globaler Gewalt vorsichtige Hoffnung: Jüngere Generationen und soziale Bewegungen beginnen, die herrschenden Narrative zu hinterfragen, und organisieren sich, trotz aller Repressionen, für Solidarität und systemische Veränderungen. Unsere politische Vorstellungskraft wächst mit jeder Teilnahme an kollektiven Aktionen, die darauf abzielen, die gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse zu demokratisieren. Es braucht ein stärkeres Klassenbewusstsein für den Aufbau einer kollektiven Gegenmacht. Damit Care ins Zentrum unserer Wirtschaft und Gesellschaft gerückt werden kann. Für ein stabiles, solidarisches Sozialsystem für alle als bestes Gegenmittel zum Faschismus. Für echte Sicherheit!

Wohnungsmisere führt zum Sturz der spanischen Regierung

Ralf Streck. Eine mächtige Bewegung fordert in Spanien würdiges Wohnen und kämpft gegen Zwangsräumungen durch «Geierfonds». Regierungschef Sánchez musste das Parlament auflösen und das Land steht vor dem ersten Generalstreik seit 14 Jahren.

Auf den besetzten Plätzen und von Hunderttausenden Menschen auf den Strassen im Land wurde so lautstark der Generalstreik gefordert, dass er jetzt kommt. Dem Aufruf der der «Gewerkschaft der andalusischen Arbeiter» (SAT) haben sich auch die beiden grossen Gewerkschaften «Arbeiterkommissionen» (CCOO) und die Arbeiterunion (UGT) angeschlossen.

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Mehr Sozialist:innen denn je?

L.A. Teureres Leben, Rassismus, Krieg: Das ist Trumps Bilanz. Bei den Zwischenwahlen im
November könnte die Rechtsaussen-Regierung dafür die Quittung bekommen – und die demokratischen Sozialist:innen so stark wie noch nie aus den Wahlen hervorgehen.

Auf Fox News und Newsmax flackert zurzeit eine Nachricht: «Gemeinsam werden wir Kommunismus, Sozialismus und Marxismus in Amerika besiegen», verspricht Donald Trump. Bezahlt hat den Spot die Regierung, nicht die Republikanische Partei.

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Afrin, Afrin du schöne Stadt …

Maja Hess. 2018 vertrieb die türkische Invasion Zehntausende Menschen aus der nordsyrischen Stadt Afrin. Nach Jahren der Entwurzelung, Gewalt und Entbehrung kehren die ersten Familien zurück – begleitet vom Kurdischen Roten Halbmond.

Es sind historische Bilder: Seit März 2026 kehren kurdische und ezidische Vertriebene nach Afrin zurück. Konvois mit Lastwagen und Minibussen, beladen mit Matratzen und Habseligkeiten. Familien, die sich auf die Rückkehr vorbereiten – voller Freude und Hoffnung. Mittendrin der Kurdischer Roter Halbmond. Der erste Konvoi, der von Hassakeh nach Afrin aufbrach, wurde von einer ihrer mobilen Kliniken begleitet. Neben medizinischer Versorgung stellte die Organisation auch Trinkwasser und Hilfsmaterial zur Verfügung.

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Rojava: Was wird überdauern?

Redaktion. Ende Januar 2026 wurde unter dem Druck brutaler Gewalt das Integrationsabkommen abgeschlossen. Begleitet von grossen Spannungen und teilweise auch von Gewalt vollzieht sich die Auflösung Rojavas. Ein Prozess mit ungewissem Ausgang.

Mit der Integration der Syrian Democratic Forces (SDF) in das syrische Militär der Übergangsregierung unter Präsident al-Scharaa wurde Anfang September vollzogen, was zu Beginn des Jahres zwischen der Selbstverwaltung in Nordostsyrien und der Übergangsregierung in Damaskus beschlossen wurde: die De-facto-Auflösung der kurdisch geprägten Autonomie.

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50 Jahre Punk – schönen Dank!

Gaston Kirsche. Mit den beiden Anthologien «Bored Teenagers – Ein Punk-Mixtape» und «Angriff aufs Schlaraffenland – Ein Deutschpunk-Mixtape» gratuliert der Ventil-Verlag zum runden Geburtstag des Punks. Ein Rückblick mit 400 Texten.

Als 1976 «No Future» als Slogan, als Lebensmotto, als Gesellschaftskritik aufkam, dachte wohl kaum jemand, dass die schnell und gehetzt daherkommende neue Subkultur der Punx 50 Jahre danach immer wieder neue Songs, Bands und Konzerte hervorbringen würde. 1976 erschienen die ersten Punk-Singles auf Vinyl, einiges auch nur auf Tapes. Was liegt da näher als, die unterschiedlichsten Autor:innen zu fragen, welches Punk-Lied sie mit einem Text würdigen wollen? So sind die beiden Anthologien entstanden. Über 200 Musiker:innen, Fanzine-Schreiber:innen, Autor:innen und Journalist:innen, Punks, Ex- und Anti-Punks haben mit persönlich-biografischen, lebensweltlichen, politischen, Zugängen 400 Texte geschrieben. Viele sind, wie der Autor selbst, mit jeweils einem Text über transkontinentalen Punk in dem einen, und über deutschsprachigen Punk in dem zweiten Sammelband vertreten.

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Rap Steine Scherben

Gino Mancini. Der SRF-Bounce-Cypher ist diverser und reflektierter geworden. Doch wenn Expert:innen einem jungen Rapper raten, brav zur Schule zu gehen, zeigt sich die Kehrseite: Der Staat nimmt Kritik auf, um ihr die Spitze zu nehmen. Weshalb Revolutionär:innen Rap hören und Rapper:innen Mikrofone klauen müssen.

Rap ist politisch, sowohl die Inhalte als auch der gesellschaftliche Umgang damit. Rap kommt von unten, Raptexte reflektieren das seit dessen Anfängen. Rap hat den ambivalenten Umgang der breiten Gesellschaft – wie jede Subkultur – schon in mehreren Zyklen durchlebt. Rap galt und gilt oft als «primitiv», seine Ästhetik inspiriert gleichzeitig seit jeher Mainstream-Musik, -Mode, und -Sprache.

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