Bürgerliche gegen den Sonntag

flo. Weil es an der Urne so zuverlässig scheitert, versuchen Steigbügelhalter des Kapitals halt den Weg übers Parlament. Sie wollen die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage von vier auf zwölf pro Jahr erhöhen – auf Kosten der Beschäftigten im Detailhandel. Ganz am Volk vorbei kommen sie so aber nicht.

Arbeiten bürgerliche Nationalrät:innen sonntags eigentlich auch? Also nein, kein Business-Lunch mit Weisswein ab 11.30 Uhr, wie man es bei dem Managertypus findet, der behauptet, «mindestens 15 Stunden pro Tag zu arbeiten», sondern wirkliches Arbeiten. Irgendwie mag man bezweifeln, dass SVP-Nationalrat Martin Hübscher besonders glücklich darüber wäre, wenn er selbst zwölf Sonntage pro Jahr im Verkauf arbeiten müsste. Hübscher setzte sich in der Wirtschaftskommission des Nationalrats gegen die Abschreibung der Standesinitiative für eine «zeitlich befristete Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten» ein. Ob er sich auch dann einsetzen würde, wenn er wegen der Entscheidungen von viel zu mächtigen und viel zu wohlhabenden Leuten im Nationalrat selbst sonntags arbeiten müsste?

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