Symbolik und Montagen

Sergei Eisenstein

sah. Der Film diente in der jungen Sowjetunion als Volksbildungsmittel von ungeheurer Wichtigkeit. Sergei Eisensteins «Oktober» zeigte aufwendig inszeniert und verdichtet die Ereignisse rund um die Oktoberrevolution. Mit der Wahrheit nahm er es darin nicht ganz genau.

Zwischen 1918 bis in die Mitte der 1930er Jahre wurden in der jungen Sowjetunion interessante Filmwerke zum Genre «Revolutionsfilm» geschaffen, die sich als Elemente der sich stetig aufbauenden Revolution etablierten. 1919 verstaatlichte Lenin die Filmindustrie und förderte Filmemacher-Innen bei ihrer Arbeit, die mithilfe der Medien die Ideen der Revolution für die Masse begreifbar machen wollten. Einer der bedeutendsten Regisseuren war Sergei Eisenstein, der mit Filmen wie «Streik», «Oktober» oder «Panzerkreuzer Potemkin» in Erinnerung geblieben ist. Ziel von Sergei Eisenstein war es, eine neue – zum bürgerlichen schöngeistigen Empfinden konträr – ästhetische Sinnlichkeit zu fördern und statt einzelnen ProtagonistInnen die gesamte proletarische Masse ins Zentrum zu stellen.

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Die Unruhe im Abendrot

Reitschule/red. Die Reitschule hat zum Jubiläum ihres 30-jährigen Bestehens ein kooperatives Projekt gestartet. Herausgekommen ist ein reich illustrierter Bilderbogen, an dem sich 30 AutorInnen und GestalterInnen beteiligt haben.

Seit über dreissig Jahren, und ununterbrochen seit 1987, ist die Reitschule der Schandfleck von Bern. Geliebter, hartnäckiger Schandfleck von Bern – lässt sich weder schönfärben noch vertreiben. Im Gegenteil, als grosses und grossartiges Kultur- und Politzentrum strahlt die Reitschule weit über die Stadtgrenzen heraus.

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Erlebte sozialistische Demokratie

dab. Das Buch «Kuba im Wandel» zeigt das heutige Kuba jenseits von bürgerlichen Propaganda-flunkereien. 16 deutschsprachige Frauen und Männer berichten von ihren Kubaaufenthalten und ergänzen ihre Erlebnisse mit recherchierten Zahlen und Grafiken.

Die Solothurner Journalistin Natalie Benelli präsentierte das Buch und ihren Beitrag auf ihrer Lesungstournee durch die Schweiz. Das Mitglied des Women’s Press Collective New York kennt die Lebensbedingungen von Armutsbetroffenen in den USA. 2013 reiste sie nach Kuba, 2014 berichtete sie aus London über die Internationale

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Bella ciao ciao ciao

Italienische Partisaninnen

Gerhard Feldbauer. Unerfüllte Liebe und verlorene Hoffnungen: Diether Dehms Erfolgsroman «Bella Ciao», in dem das berühmte PartisanInnenlied über den antifaschistischen Widerstand in Italien im Mittelpunkt steht, liegt jetzt auch als Hörbuch mit der Musik von Michael Letz vor. Sounddesign, Tonregie und Musikproduktion von Matthias Müller.

Ade, du Schöne, ade, meine Liebe, das sagt, dass es «etwas Schreckliches ist, früh aufzustehen, eine schöne Frau zu verlassen und sich irgendwo eine Kugel einzufangen». Aber es sagt auch, dass es nicht anders geht, wenn man das Leben liebt, für das Menschliche einsteht. Und so ist Dehms Erzählung eingebettet in die Liebesgeschichte zwischen Anna, der Partisanin aus dem Volk, Renzo, dem Dichter aus kleinbürgerlichem Hause und intellektuellen KommunistInnen, dessen Buckel an Gramsci erinnert, Giuseppe, dem Kommandeur der kommunistischen Garibaldi-Brigaden, sowie die Konfrontation mit dem Führer der Schwarzhemden, Attila, Jugendfreund Annas und Renzos.

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Schuldig bei Verdacht

dab. Um 1950 betrieb das «Komitee für unamerikanische Umtriebe» iin Hollywood eine antikommunistische Hexenjagd. Der Theaterschaffende und Drehbuchautor Bertolt Brecht entkam im Herbst 1947 geschickt.

Der dokumentarische US-Spielfilm «Schuldig bei Verdacht» von Irwin Winkler von 1991 mit Robert De Niro in der Hauptrolle zeigt die offiziellen Übergriffe auf sozial aufstrebende Linksliberale. Wegen ihrer meist früheren politischen Tätigkeit in linken Parteien, Gruppen und Solidaritätskomitees, die für die an den Kriegsfolgen leidende Bevölkerung der Sowjetunion sammelten, werden vor allem DrehbuchautorInnen, aber auch RegisseurInnen und SchauspielerInnen vor dem Komitee verhört, um sich selbst zu belasten oder zu entlasten.

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Das Signal zum Aufstand

Gerhard Feldbauer. Vor 100 Jahren übten die Turiner ArbeiterInnen den Aufstand. Er wurde zum Vorspiel der revolutionären Nachkriegskämpfe. Gegen eine drohende Machtergreifung durch die revolutionären Linken entfesselten die FaschistInnen einen barbarischen Terror.

Als am 16. Februar 1917 in Turin die Nachricht von der russischen Februarrevolution eintraf, nahmen die im Gange befindlichen Lohnkämpfe rasch politische Dimensionen an. Auf einer Streikversammlung brachen die ArbeiterInnen spontan in den Ruf aus: «Fare come in Russia!» (Machen wir es wie in Russland!) Es gelang den ReformistInnen zunächst, radikale Aktionen der Antikriegsbewegung zu verhindern. Am 22. August gingen die Demonstrationen gegen die Hungersnot dann in den Generalstreik und in einen Aufstand für die Beendigung des Krieges über. Fünf Tage kämpften die ArbeiterInnen in den Vororten auf den Barrikaden gegen die Übermacht des mit Panzern und Artillerie einrückenden Militärs, welche die isolierte Erhebung im Blut erstickten und zirka 500 ArbeiterInnen umbrachten.

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Memes für den Sozialismus

Astrid Johnson. Mit Memes wirbt die Alt-Right-Bewegung im Internet. Aber es gibt auch einige erfolgreiche Meme-GestalterInnen von links. Mit linken Memes soll Klassenbewusst-sein und sozialistische Propaganda verbreitet werden.

Aufgrund ihres vielfältigen Charakters ist es schwierig, zu definieren, was Memes sind. Die bei Weitem häufigste und beliebteste Art von Meme ist diejenige mit einem lustigen Bild, oftmals zusammen mit einem Text darauf. Memes können eine grosse Reihe von Themen abdecken, sie nehmen zahlreiche kulturelle Insiderwitze auf und reichen vom wunderschön Tiefgründigen bis zum heiter Trivialen.

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«Wir skandierten Friedensparolen»

Berlin 1951: II.Weltfestspielen Blick auf den Marx-Engels-Platz während der grossen Demonstration.

Louise Stebler-Keller, eine Kommunistin aus Basel, beteiligte sich in ihrer Jugend unter anderem an Anschlägen und Sabotageakten auf Nazi-Transporte in Österreich und Tschechien. Im Folgenden gibt sie ihre Erinnerungen an die Weltfestspiele in Budapest (1949), Berlin (1951) und Bukarest (1953) wieder.

Festival Budapest 1949
Nach Kriegsende durften viele Jugendliche, StudentInnen aus den USA mit Schiffen nach Europa reisen, um Europa kennenzulernen. Linke und kommunistische StudentInnen wollten aber 1949 zum Jugendfestival nach Budapest. Das hat die amerikanische Regierung streng verboten. So haben sich 14 Jugendliche heimlich von den Reisegruppen losgelöst und sind klammheimlich in die Schweiz eingereist.

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Humanitär statt antiimperialistisch?

tai. Die russische Regierung versucht bewusst, die Weltfestspiele in Sotschi unpolitisch zu halten. Es geht ihr darum, Russlands Image international aufzubessern, mit freundlicher Unterstützung der russischen Wirtschaft. Neben Banken, Industrie- und Rohstoffunternehmen wird das Festival von drei Rüstungskonzernen gesponsert.

Die Weltfestspiele der Jugend und Studierenden haben eine lange Geschichte. Vor genau siebzig Jahren fanden sich zum ersten Mal die linksgerichtete Jugendliche aus aller Welt in Prag zusammen, um ein internationales Festival gegen Imperialismus und für Frieden durchzuführen.

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Bilder für den Krieg

Klaus Wagener/UZ. Neue Einblicke in die Akten von Pentagon und CIA zeigen, dass die US-Regierung hinter den Kulissen an über 800 grossen Filmen und mehr als 1000 TV-Titeln mitgearbeitet hat.

Muhammad Ali sollte 1967 sagen: «Meine Gewissen lässt mich nicht auf meinen Bruder schiessen. Oder auf einige farbige Menschen, oder auf einige arme hungrige Menschen im Dreck. Für das grosse, mächtige Amerika. Und erschiessen für was? Sie haben mich nie Nigger genannt. Sie haben mich nie gelyncht, sie haben nie ihre Hunde auf mich gehetzt.»
Western-Held John Wayne war da ganz anderer Auffassung. Er fand, «arme Menschen erschiessen» sei doch eine super Sache.

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¡Che vive!

Der 8. Oktober 1967 ist der letzte Tag im Leben des argentinischen Befreiungskämpfers Ernesto Che Guevara. Doch Che lebt. Durch seine konsequente und unbeugsame Haltung begeistert er noch heute gerade auch viele junge Menschen. Mit einer Fotoausstellung, einer Buchpublikation und einer Vortragsreihe mit Aleida Guevara March, Kinderärztin und Tochter des Che, machen die Vereinigung Schweiz-Cuba und Alba Suiza bekannte und weniger bekannte Etappen im Wirken des Revolutionärs Ernesto Che Guevara einem breiten Publikum zugänglich.

Auf einer Reise durch Lateinamerika wurde Ernesto Guevara als junger Medizinstudent aus bürgerlichem Haus mit den sozialen Ungerechtigkeiten seines Kontinents konfrontiert und beschloss, sein Leben fortan in den Dienst des Kampfs für die Befreiung der Völker zu stellen. In Mexiko traf er auf Fidel und Raúl Castro sowie andere Gleichgesinnte. Mit ihnen trat er in Kuba den erfolgreichen Kampf gegen die grausame Batista-Diktatur an. Nach dem Triumph der kubanischen Revolution im Jahr 1959 war Che als Chef der Zentralbank und Industrieminister massgeblich am Aufbau einer neuen Gesellschaft beteiligt. 1965 verliess er Kuba, um den Kampf für Gerechtigkeit über Kuba hinaus in Afrika und Bolivien weiterzuführen. In Bolivien wurde er von der dortigen Armee gefangengenommen und auf Geheiss des CIA am 9. Oktober 1967 ermordet.

¡Che vive! würdigt die Ideen und konkreten Bemühungen des argentinischen Revolutionärs für den Aufbau einer neuen, sozialistischen Gesellschaftsordnung in Kuba und generell für eine bessere Welt. In Wort und Bild zeigt die Kampagne Ches grossen, unermüdlichen persönlichen Einsatz – ohne Privilegien und mit friedlichen Mitteln – und setzt damit einen starken Kontrapunkt zur permanenten Verteufelung, mit der ihn die Medien der Mächtigen erneut ermorden wollen.

Veranstaltungskalender

Ausstellungen unveröffentlichter Bilder aus dem Archiv der kubanischen Tageszeitung «Granma»: Che – 1959 bis 1964:

  • Basel, Restaurant Hirscheneck, 11.09. bis 15.10. 2017
  • Bern, Quartierzentrum Breitsch-Träff und Genossenschaft Brasserie Lorraine, 11.09. bis 09.10.2017
  • Biel/Bienne, «Landart», ab 11.09.2017
  • Brig, Alter Werkhof, 11.09. bis 8.10.2017, täglich 16 bis 21 Uhr
  • Fribourg, Café du Tunnel, 18.10. bis 26.11.2017
  • Genève, Hall Uni Mail, Oktober 2017
  • Lugano-Massagno, Cinema Lux, 23.09. bis 31.09.2017
  • St. Gallen, Buchhandlung Comedia, 19.10. bis 04.11.2017
  • Zürich, Photobastei, 14.09. bis 8.10.2017

Vortragsreihe mit Aleida Guevara March:

  • Montag, 18. September: Lausanne, Unil, Auditoire Erna Hamburger, 18 Uhr
  • Dienstag, 19. September: Fribourg, Cinéma Rex, 18 Uhr
  • Mittwoch, 20. September: Bern, Uni Tobler, Saal 022, 19 Uhr
  • Donnerstag, 21. September – Weltfriedenstag: Basel, Offene Elisabethenkirche, 19 Uhr
  • Freitag, 22. September: Zürich, Volkshaus, Grüner Saal, 19.30 Uhr
  • Samstag, 23. September: Lugano-Massagno, Cinema Lux, 17.30 Uhr
  • Dienstag, 26. September: Brig, Alter Werkhof, 20 Uhr

Es laden ein: Vereinigung Schweiz-Cuba, Alba Suiza und die lokalen Veranstalter

Die Mutter Courage der Künste

Hans Peter Gansner. Käthe Kollwitz prägte als engagierte antimilitaristische, antifaschistische und sozialistische Zeichnerin, Lithografin und Bildhauerin die Zeit des Ersten Weltkriegs, die Zwieschenkriegszeit und die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ein Porträt zum 150. Geburtstag.

«Ich kann nicht sterben, bevor ich das Beste aus meinem Talent gemacht habe und bis sich das letzte Korn, das in mich gepflanzt worden ist, sich bis zum letzten Halm entwickelt hat.» (Aus dem Tagebuch)

Wenn Käthe Kollwitz heute vor allem als grafische Künstlerin und wegen ihrer eindrücklichen Skulpturen bekannt ist, die bis ins Letzte das menschliche Elend, die soziale Ungerechtigkeiten und die Trauer der Kriegsopfer ausloten, so beweisen ihre Schriften auch eine Frau mit einer unglaublichen kämpferischen Energie. Nichts entgeht ihrem genauen Blick, und ihr schriftliches Werk ist umso erstaunlicher, als sie dabei nie aufgehört hat, ihre künstlerischen Ausdrucksfähigkeiten zu vervollkommnen. Sie reflektiert in Texten und Bildern unablässig den Ungeist der Epoche der zwei Weltkriege, die von deutschem Boden ausgingen.

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Der Sklavenhalter-Philosoph

Künstlerische Darstellung von Konfuzius um 1770.

dab. Als weiser, menschlicher Philosoph wird der alte Chinese Konfuzius heute oft angesehen. Dabei war er ein eifriger Verteidiger der feudalen Ständegesellschaft, die durch die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung in China zu seiner Zeit bereits überholt war.

Die «weisen» Sprüche von Konfuzius, die in Hochglanzbändchen und auf Glückwunschkarten verkauft und seit einiger Zeit auf sozialen Medien herumgeboten werden, machten mich schon immer misstrauisch; es sind Selbstverständlichkeiten, die behaupten, bedeutungsschwer zu sein: «Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen.» Oder: «Die eigenen Fehler erkennt man am besten mit den Augen anderer.» Das ist platte Massenware, die viele naive BewunderInnen findet im Zeitalter, in dem Fetzen aus ganzheitlichen Welten wie Zen und Spiritualität herausgerissen und als gut verdauliche und gut verkäufliche Produkte auf den kapitalistischen Markt geworfen werden.

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«Immense Zerstörungen des Kapitalismus»

Joël Depommier. Der bekannte französische Kommunist und Philosoph Alain Badiou spricht über seine «kommunistische Hypothese», über Emanzipationspolitik und Internationalismus.

Der emeritierte Professor Alain Badiou entwickelte in seinen erfolgreichen Büchern «Das Sein und das Ereignis» und «Logiken der Welten» ein umfassendes metaphysisches System. Bekannt wurde er auch mit seinen Essays und Pamphleten wie «Wofür steht der Name Sarkozy?». Der Kommunist und maoistische Aktivist der 68er-Bewegung gab seine Überzeugung nie auf. «So blutig und verlustreich die kommunistischen Versuche waren», schrieb er leidenschaftlich in seinem Buch «Die kommunistische Hypothese», «sie können nicht verglichen werden mit den immensen Zerstörungen, den irreversiblen Massakern, den Verzweiflungen und Erniedrigungen, zu denen der Kapitalismus führt – sie dienen nicht einmal einer Idee, sondern nur dazu, die Beute reicher Gangster weiter zu vermehren und die Mechanik einer nutzlosen Kommerz-Ideologie weiter zu verbreiten».

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Der Planet Bob Dylan

Joan Baez und Bob Dylan im Sommer 1968

Hans Peter Gansner. Nebst einer aktualisierten Gesamtausgabe aller seiner Songtexte und Melodien ist jetzt auch das literarische Werk von Bob Dylan erschienen. Es bietet unter anderem eine zweisprachige Auswahl aus seinen Gedichten von den Anfängen bis 1978. Alle, die glaubten, Robert Zimmermann sei «nur» ein Songwriter, werden Lügen bestraft.

Bob Dylan sei ein Planet, den es zu entdecken gilt, schrieb Tom Waits kürzlich über den Nobelpreisträger. Ein Planet, der jetzt um ein Werk reicher ist: Mitte April ist «Planetenwellen» von Robert Zimmermann alias Bob Dylan (nach dem irischen Dichter Dylan Thomas, den er schon als junger Poet bewunderte) erschienen. Es handelt sich um eine zweisprachige Auswahl an Gedichten, Prosa, Reden und Essays von Bob Dylan im Hoffmann und Campe Verlag – übersetzt und kommentiert von Dylan-Kenner Heinrich Detering. Und es straft all jene Lügen, die nach der Verleihung des Nobelpreises motzten, Dylan sei ja gar kein Dichter, sondern «nur» ein Singer-Songwriter! Denn in seinen frühen Jahren verstand sich Bob Dylan (wie übrigens der kürzlich verstorbene Leonhard Cohen ebenfalls) hauptsächlich als Lyriker. Seinen Schallplatten gab er komplette Gedichtzyklen und lyrische Prosa bei, Langgedichte erschienen in Zeitschriften der Folk- und der Beat-Szene, das Poem «Last Thoughts On Woody Guthrie» rezitierte er im Konzert. Die Lyrik war eine Ideenwerkstatt, sie gab ihm die Möglichkeit zu Selbstkommentaren gegenüber Freund und Feind, sie verband die Poesie seiner Songs mit den literarischen Traditionen Rimbauds, Brechts, der Beat Poets.

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Materialisten gegen Propheten

dab. Überzeugt durch Präzision und Nüchternheit ebenso wie durch Spannung, Leidenschaft und Humor: «Der junge Karl Marx» des haitianischen Regisseurs Raoul Peck, Spielfilm-Koproduktion der Länder Deutschland, Frankreich und Belgien, jetzt in den Kinos zu sehen.

Im dunklen Wald, Licht fällt hoffnungsvoll herein. Aber noch herrscht Dunkelheit vor. Mausarme Menschen sammeln dürre Äste zum Kochen und Heizen vom Boden auf. Doch die preussisch-aristokratischen Gesetze erlauben dies nicht, Häscher auf Pferden sind bereits hörbar, Schrecken in den Gesichtern, versuchte Flucht, fast alle werden massakriert. Bevor das laute und in seiner Grausamkeit nur angedeutete Massaker losgeht, spricht im Off ein ruhig und sachlich gesprochener Text davon, dass das Volk oft eine andere Auffassung über Besitz und Diebstahl habe als die Herrschenden. So startet der Film. Auch mit Action, aber auch mit Reflexion. » Weiterlesen

Berichte aus der jungen Sowjetunion

Manfred Vischer. Nach der Revolution haben unzählige Gruppen aus vielen Ländern die Sowjetunion besucht. Sie standen noch ganz im Banne der Revolution und befürchteten, eine Intervention aus dem Ausland könnte den Aufbau des neuen Staates gefährden. Die Berichte von Reisenden geben Einblick in die Entwicklung des Staates – und in die Rezeption durch die Reisenden. Hier folgen Ausschnitte aus Zeugnissen, die später in Druck erschienen.

Die Solidarität mit der jungen Sowjetunion war uneingeschränkt, und die Reisenden brachten nach der Rückkehr ihre Bewunderung für das schon Erreichte zum Ausdruck. Alle Delegationen waren gut vorbereitet und hatten viele Fragen mitgebracht, auf die sie eine Antwort zu finden hofften. Im Vordergrund standen Fragen nach dem Lebensstandard, nach den Lohn- und Arbeitsverhältnissen, nach dem Rechtssystem, nach den Bürgerrechten, nach der Meinungs- und Religionsfreiheit. Die Reisenden wurden jeweils reichlich mit Zahlen und Statistiken gefüttert. Das Bedürfnis nach direkter Information war gross, wobei jedoch Fragen nach den Repressionen der 30er Jahre in den vorliegenden Berichten keinen Niederschlag fanden, sofern sie überhaupt gestellt wurden. Eine kritische Hinterfragung des Gesehenen und Gehörten, wie sie sich weiter unten im Bericht von André Gide findet, war selten. In den Berichten wurde immer wieder betont, dass die Delegierten auf ihren Reisen volle Bewegungsfreiheit hatten.

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