China: Über 1000 Uiguren verhaftet

Im vergangenen Jahr liessen die chinesischen Behörden über 1000 Uiguren verhaften. Gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterschieden sie dabei nicht zwischen politischen AktivistInnen und gewalttätigen Extremisten. Uiguren stünden vielmehr unter Generalverdacht.

Die chinesischen Behörden haben erstmals offizielle Zahlen über die Verhaftung von Angehörigen der Volksgruppe der Uiguren veröffentlicht. 2008 seien in den ersten elf Monaten 1295 Uiguren wegen «Gefährdung der Sicherheit des Staates» oder verbotener religiöser Aktivitäten festgenommen worden, liess die chinesische Staatsanwaltschaft am Sonntag verlauten. Für die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) macht die hohe Zahl der offiziell zugegebenen Festnahmen deutlich, dass die Olympischen Spiele in Peking für die Uiguren keine Verbesserung der Menschenrechtslage gebracht haben. Die GfbV befürchtet zudem, dass die tatsächliche Zahl der aus politischen Gründen verhafteten Uiguren um ein Vielfaches höher sein könnte.

Besonders im Vorfeld der Olympischen Spiele waren uigurische Regimekritiker willkürlich festgenommen worden, weil die Behörden medienwirksame öffentliche Proteste während des Sportereignisses fürchteten. Massenverhaftungen setzten ein, nachdem im August 2008 mehrfach Polizeistationen von Uiguren gewaltsam angegriffen worden waren. Die GfbV kritisierte wiederholt, dass Chinas Behörden in Xinjiang nicht zwischen friedlichen Protesten uigurischer Regimekritiker und Gewalttaten von Extremisten unterscheiden, sondern uigurische Kritiker allein aufgrund ihrer ethnischen Abstammung pauschal als Terroristen verfolgen.

Sicherung von Rohstoffen

Gegen 1154 der Festgenommenen sei Anklage erhoben worden oder sie seien im Rahmen der Administrativhaft in Arbeitslager eingewiesen worden. Der Sekretär der Kommunistischen Partei in der Provinz Xinjiang im Nordwesten des Landes, Wang Lequan, hatte im August 2008 ein noch härteres Vorgehen gegen Regimekritiker und uigurische Menschenrechtler gefordert. Erst am 20. Dezember 2008 sind zwei uigurische Studenten – der 19 Jahre alte Mutellip Teyip und der 20 Jahre alte Miradil Yasin – in der Provinzhauptstadt Urumtschi festgenommen worden. Sie hatten an der Universität Flugblätter verteilt, in denen zur Teilnahme an nicht angemeldeten Demonstrationen aufgerufen wurde.

Offiziell begründen die chinesischen Behörden ihr hartes Vorgehen gegen uigurische Regimekritiker mit der Gefahr der Ausbreitung des Terrorismus in Xinjiang, das von den Uiguren Ostturkestan genannt wird. Tatsächlich vermutet die GfbV jedoch, dass die Machthaber in Peking mit ihrer kompromisslosen Unterdrückung jeder freien Meinungsäusserung der Uiguren ihren Zugriff auf die rohstoffreiche Region sichern wollen. 2008 wurde Xinjiang zum zweitwichtigsten Erdölproduzenten in der Volksrepublik. Wurden 1990 in der Region nur sieben Millionen Tonnen Öl gefördert, so waren es im vergangenen Jahr bereits 27,4 Millionen Tonnen. In Ostturkestan werden Erdölreserven in Höhe von 20,9 Milliarden Tonnen sowie Erdgasbestände von 10,8 Billionen Kubikmetern vermutet.

www.gfvb.ch

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5 Kommentare

  • Sepp Aigner

    Ein befremdlicher Artikel in einer linken Publikation. Warum sollte die chinesische Regierung „willkuerlich“ gegen die Bevoelkerung in Xinjiang vorgehen ? Und was fuer eine dumme Unterstellung, „die Uiguren“ stuenden unter Generalverdacht.
    Es geht nicht um Meinungsfreiheit und Demokratie. Ihr sitzt damit der Rechten auf. Es ist Teil der imperialistischen Globalstrategie, die Voelker gegeneinander aufzubringen, Unruhen zu schueren, um missliebige Staaten zu destabilisieren und Vorwaende fuer die eigene Einmischung ueberall auf der Welt zu schaffen. Die sog. GfbV ordnet sich in diese Strategie ein.
    Der wirkliche Zusammenhang wird in der Meldung selbst hergestellt: Es geht um die territoriale Integritaet Chinas und einen kuenstlich, hauptsaechlich von den USA gesponserten, „ostturkestanischen“ Seperatismus, um die Ressourcen Xinjiangs.
    Einfach mal nachdenken …

  • Pingback: Linktipps (ab 7.1.) | Substanz

  • kiroren

    Es ist keine Unterstellung, Herr Aigner. Uiguren werden in ihrer Heimat Ostturkestan (Xinijang)seit ihrer Eroberung (1949)massivst unterdrückt. Auch wenn sie diesen Gedanken befremdlich finden!China möchte alle Uiguren assimilieren, und setzt dabei unterschiedliche Strategien ein. Uiguren werden diskriminiert, und mundtot gemacht. Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen!

  • kiroren

    „hauptsächlich von den USA gesponserte „ostturkestanischer“ Separatismus? Das ist gar nicht wahr! Uiguren, die ihre Kultur bewahren wollen, sind alle Separatisten, das hat mit den USA nichts zu tun!

  • Am 26-06-2009 Wurden in China vor laufenden Cameras 18 Uiguren von Chinesen getötet. Hier das Video.

    http://www.youtube.com/watch?v=6uN32RSb92w&feature=channel

    Ost-türkistan war bis 1949 Ein Freiesland ohne die Chinesen. Herr Aiger sie haben keine ahnung von der Welt.

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