Der Hölle entkommen

Sevin Satan. Nach jahrelanger Folter, die sie erleiden musste, tötete Yasemin in Notwehr ihren Ehemann, um ihr Kind und sich zu schützen. Yasemins Geschichte ist kein Einzelfall. Sie ist jedoch europaweit die erste Frau, die nach einem solchen Vorfall politisches Asyl bekommt. Der vorwärts sprach mit ihr.

Alles begann, als Yasemins Familie beschlossen hatte, es sei für sie an der Zeit zu heiraten. Gleich nach der Verlobung begann der Horror: Sie durfte nicht mehr arbeiten und hatte kaum noch Kontakt zur Aussenwelt. Kurz darauf kam die Hochzeit und mit ihr die häusliche Gewalt. Fast täglich wurde sie geschlagen, psychisch erniedrigt, angekettet, verbrüht, mit dem Messer verletzt und vieles mehr. » Weiterlesen

Notwendiger Protest

sah. Ein Aktivist stand Ende März 2021 vor Gericht, weil er am Protest gegen den «Marsch fürs Läbe» 2019 in Zürich teilgenommen hatte. Trotz schwacher Beweislage wurde er schuldig gesprochen.

Viele solidarisierten sich an diesem 26.März 2019 mit dem Angeklagten. Vor dem Gericht gab es eine Kundgebung. Eine Rede wurde gehalten und die Polizei führte mehrere Personenkontrollen durch. Später löste sich die Demonstration mit rund 40 Menschen wieder auf. Im Gebäude drin wurde der Aktivist trotz einer sehr schwachen Beweislage in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Auf der Seite barrikade.info schrieben Aktivist*innen: «Dies bestätigt, dass die Justiz eine patriarchale Klassenjustiz ist, wie sie in der Stellungnahme vor Gericht und auf der Strasse benannt wurde. Der Kampf geht weiter!»

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Wir wollen frei sein!

sit. Der Beitrag der Frauen* im Kampf für die Pariser Kommune ist von grosser Wichtigkeit und nicht nur, weil sie an vorderster Front auf den Barrikaden standen. Angetrieben wurden die Kommunardinnen vom Wunsch nach einer geschlechtergerechten Gesellschaft und der Liebe zur Freiheit und zur Revolution.

Paris, 18.März 1871: In der Morgendämmerung versuchen Regierungstruppen die Kanonen, die sich im Stadtteil Montmartre und im Besitz der Volksmiliz (die Nationalgarde), befinden, aus der Stadt zu schaffen. Es sind Frauen*, die Alarm schlagen. Sie sind – wie gewohnt – schon so früh auf den Beinen, um Nahrungsmittel zu organisieren. Die Frauen* stellen sich zwischen die Kanonen und die anrückende Armee. Sie verzögern so den Abtransport der Waffen und reden ins Gewissen der Soldaten.
Der Kommunard und Journalist Prosper-Olivier Lissagaray (1838 – 1901) schildert es 1876 in seinem Buch «Geschichte der Kommune von 1871» wie folgt: «Die Frauen gingen zuerst vor. (…) Sie umringten die Mitrailleusen und sprachen auf die Geschützführer ein: ‹Es ist eine Schande! Was macht ihr hier?› Die Soldaten schwiegen. Dann und wann sagte ein Unteroffizier: ‹Geht, gute Frauen, macht, dass ihr fortkommt!› Der Ton seiner Stimme war nicht rau, und die Frauen blieben (…) Eine grosse Menge von Nationalgardisten mit erhobenen Gewehrkolben, Frauen und Kinder stürmen durch die Rue des Rosiers vor. [General] Lecomte sah sich umzingelt, er befahl dreimal, das Feuer zu eröffnen. Aber seine Leute blieben Gewehr bei Fuss. Als die Menge näherkam, verbrüderten sie sich, und Lecomte und seine Offiziere wurden festgenommen.»

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Gewalt und Elend des Patriarchats

dab. Die bürgerliche Gesellschaft ist trotz Gendermode und Übersexualisierung feindlich gegenüber einer freien Sexualität, einer freien Wahl der sexuellen Neigung sowie der Geschlechteridentität und klammert sich an Diskriminierungen und starre Geschlechterrollen. Befreiung kann nur durch die Beseitigung von Patriarchat und Kapitalismus gelingen.

Eine Gruppe Jugendlicher neben mir im Bus. Die Mädchen sexy modisch angezogen, frisiert und geschminkt, die Knaben rustikal modisch. Ein Mädchen zeigt auf dem Handy ein Logo mit dem Kürzel LGBTIQ (Lesbian, Gay, Bi-, Trans-, Intersexual, Queer) auf Regenbogenhintergrund herum. Niemand weiss, wofür die Buchstaben stehen. Bisher habe ich mich aus dem Gespräch herausgehalten, verzichte aber nicht darauf, das Rätsel zu lösen. Darauf bricht die Verachtung der Jugendlichen hervor: «Ich hasse solche Leute», ruft eine Jugendliche empört. «Gott erlaubt das nicht», sagt einer und schlägt sich dabei wuchtig die Faust aufs Herz, «sie werden alle in der Hölle brennen!». Kritische Nachfragen und Bemerkungen zeigen keinen Effekt; ich denke, sind wir eigentlich im 21. Jahrhundert oder im finstersten Mittelalter, und bin froh, dass ich bei meiner Haltestelle angekommen bin und aussteigen kann.
Im Frühjahr protestierten 185 Schauspieler*in-nen mit einem viel beachteten Manifest im Magazin der «Süddeutschen Zeitung» gegen anhaltende Diskriminierung von LGBTIQ-Künstler*innen. Darin belegen sie mit ihren Erfahrungen, dass Homosexuelle, Bisexuelle und Transsexuelle in ihrem Beruf benachteiligt werden. Auch in Theater- und Filmproduktionen grassieren Unverständnis und Diskriminierung. Es beginnt bereits bei den Figuren in den Drehbüchern, bei denen meist mit Stereotypen und Klischees gearbeitet wird. Dazu kommt, dass ein als Schwuler bekannter Schauspieler darf oft keinen Ehemann und Vater darstellen, um ja nicht das Publikum zu beunruhigen oder zu schockieren. Eine lesbische Schauspielerin bekommt eher eine Rolle als harte Frau als als liebevolle Mutter.

Gedankenlosigkeit, Konformismus
Dieses durch die Aktion der 185 deutlich gemachte, vertuschte Problem kommt aus dem Patriarchat.Das heisst den ökonomischen, politischen und sozialen Machtstrukturen. Diskriminierungen wegen Herkunft, Sprache, Klassenzugehörigkeit, Geschlecht, Alter, Religion, Behinderung und sexueller Orientierung sind partriarchale Machtstrategien und Instrumente, um Konkurrent*innen im Wettbewerb zu deklassieren und auszuschalten – und um die Klassengesellschaft zu festigen.
Diskriminierungen sind Verletzungen der Grundrechte von Personen und Gruppen. Sie äussern sich in Ironie, Spott, Beleidigungen, institutionalisierter und manifester Gewalt. Diskriminierung ist tief verwurzelt und geschieht deshalb trotz ersten in Gesetzen festgehaltenen Diskriminierungsverboten und der medialen Beliebtheit des Themas. Diskriminierung wird im Alltag von vielen verdrängt und geschieht aus Gedankenlosigkeit und Konformismus. Je reicher und mächtiger man ist, desto besser kann man sich Diskriminierungen entziehen. Mit dem verbreiteten diskriminierenden Verhalten wird die Zahl der Nicht-Heteronormativen mit der Angst vor Blossstellung sowie vor sozialer und wirtschaftlicher Isolation tief gehalten. Bei der Diskriminierung der Frauen*, der Hälfte der Bevölkerung, kann die diskriminierte Bevölkerungsgruppe nicht kleiner, aber gefügiger gehalten werden. Die Gemeinsamkeit beider Bevölkerungsgruppen ist, dass Emanzipation und Gleichstellung mit enormem Aufwand verbunden sind, um die Diskriminierung und die eigene Verletzlichkeit in Schulen, bei der Arbeit und im Mietshaus, im Umgang mit Behörden und Medien einigermassen wett zu machen.
Sexarbeiter*innen leben heute oft möglichst diskret und in gesellschaftlicher Isolation, um sich vor Diskriminierung und Vertreibung zu schützen. Sexarbeit ist ein Massenphänomen, von Männern heimlich frequentiert. Es gibt Feministinnen, die Sexarbeiter*innen unterstützen, beraten und sie über ihre Rechte aufklären. Andere Feministinnen brauchen nicht den Begriff «Sexarbeit» und finden vehement, «Prostitution» müsse verboten und die Freiersbrut gebüsst werden, da «Prostituierte» ausgebeutet würden. Mit derselben Begründung müsste alle Arbeit im Kapitalismus verboten werden. In allen Berufen stürzt man sich auf die positiven Seiten der Arbeit und behauptet glücklich zu sein. Und blendet Wettbewerb, Entmündigung, Prostitution und Ausbeutung aus, arrangiert sich irgendwie damit und bezahlt einen hohen Preis für ein «ehrlich» erarbeitetes Erwerbseinkommen und soziale Akzeptanz.

Wichtiges Ventil verstopft
Die sich fortschrittlich und feministisch vorkommenden Moralist*innen müssen die Sexarbeit vielleicht bald nicht mehr verbieten lassen. Sie ist eingeschränkt und zeitweise verboten mit den strengen Hygienemassnahmen. Ein wichtiges Ventil für das Funktionieren der sexualrepressiven, patriarchalen kapitalistischen Gesellschaft wird damit immer wieder verstopft. Ein wichtiger Ausgleich für die neurotischen Beziehungen in den künstlichen, entfremdeten bürgerlichen Kleinfamilien-, Zweierkisten- und Arbeitsstrukturen fehlt. Die bereits vorhandene repressive Sexualmoral entfaltet sich unter diesen verschärften Bedingungen noch besser.
Die Menschen sind isoliert, Ausgang, Flirten, Liebesabenteuer, Parties, Open-airs und Sportveranstaltungen sind Schnee von gestern. Die Angst vor Ansteckung mit dem Killervirus dürfte sogar in Ehebetten grassieren. Also wird Sexualität noch stärker in die Virtualität des Web abgedrängt, Pornokonsum und Sexchats boomen – Business, Überwachung und Registrierung auch.

Klassenkampf und Umverteilung
Dringend nötige Zusatzeinkommen durch Sexarbeit im reichen Norden brechen in den stark ausgebeuteten Dritte-Welt-Ländern zeitweise weg. Diese Länder haben in der globalen Pandemie noch stärker als die reicheren Länder mit intensiviertem Klassenkampf von oben und beschleunigter Umverteilung nach oben zu kämpfen.
Erst wenn Kapitalismus und Patriarchat beseitigt und überwunden sind, wird Sexarbeit überflüssig und die von der Heteronorm abweichenden sexuellen Neigungen und Geschlechteridentitäten können offen, angstfrei und gleichberechtigt gelebt werden.

Repression wird nicht reichen

flo. Der Einsatz von brutaler Gewalt und juristischen Mitteln, um Aktivistinnen zu kriminalisieren, sollte den Kampftag der Frauen* dieses Jahr auflaufen lassen. Aber nur mit Repression werden die Herrschenden eine Idee, deren Zeit gekommen ist, nicht aufhalten können.

Es ist klar: Der Kampf für eine gleichberechtigte Gesellschaft emanzipierter Menschen ist noch lange nicht gewonnen. Umso wichtiger ist deshalb, dass in Kontexten wie dem Frauen*streik oder dem Frauen*kampftag vorwärts gemacht wird, die Kämpfe verbunden und auf die Strasse getragen werden. Während aber in Städten wie Liestal 10000 Menschen unter grossmehrheitlicher Nichteinhaltung der Covid-Massnahmen demonstrieren können, mussten Frauen*, die an ihrem Kampftag in Zürich auf die Strasse gingen und sich an die Covid-Verordnungen hielten, mit Faustschlägen und Festnahmen rechnen. Doch, nicht nur während des Frauen*tags selbst versucht die Staatsmacht mit Repression, den Widerstand zu brechen.

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Verhaftet eure eigenen Leute

flo. Nach dem abscheulichen Mord an der jungen Britin Sarah Everard diskutiert das Vereinigte Königreich über Gewalt an Frauen*. Dabei geht diese Gewalt oft von jenen aus, die eigentlich für den Schutz der Frauen* zuständig wären: Angeklagt des Mordes ist ein Londoner Polizist.

Sarah Everard war gerade mal 33 Jahre alt, als sie am 3.März auf dem Heimweg entführt und ermordet wurde. Sie hatte einen Freund in Südlondon besucht, wo auch sie selbst wohnte. Am 9.März, einen Tag vor dem Fund ihrer Leiche, wurde Wayne Couzens, ein Polizist der Londoner Metropolitan Police, verhaftet. Er war aufgefallen, da er sich drei Tage vor Everards Verschwinden vor einer Frau entblösst hatte. Der Vorfall wurde auf Kamera aufgezeichnet. Couzens wurde nicht suspendiert, seine Waffe, die er als Mitglied einer Spezialeinheit trug, die Botschafts- und Regierungsgebäude bewacht, konnte er behalten. Couzens war kein hundskommuner Streifentschugger, sondern – anders als viele britische Polizist*innen – berechtigt, im Dienst eine Waffe zu tragen.
Mittlerweile wurden gegen Couzens Anzeige wegen Entführung und Mordes gestellt. Doch die Metro Police hat nicht nur dabei versagt, einen Sexualstraftäter aus ihren Reihen zu entfernen. In kaum überbietbarem Zynismus haben die Kolleg*innen von Couzens ihren ganz eigenen misogynen Gewaltexzess veranstaltet.

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Femizide verdoppelt

sah. In den drei ersten Monaten des Jahrs 2021 gab es eine erschreckende Zunahme der Morde an Frauen*. Femizide werden von der Presse sehr oft als Privatsache heruntergespielt. Und selbst die offizielle Politik in Bern weigert sich, von Femizide zu reden.

«Schon mindestens zehn Feminizide im 2021». Das postete Frauenstreik Schweiz auf Facebook. Die Gruppe nahm Bezug auf einen Artikel von «20 Minuten» mit dem Titel «Zehn Femizide in elf Wochen – Tötungsdelikte an Frauen verdoppelt» vom 20.März. Die Aktivist*innen schrieben, dass es zum Thema noch viel Präventions- und Aufklärungsarbeit braucht. Viel zu oft wird Gewalt gegen Frauen* als Privatsache betrachtet. In Wirklichkeit ist ein Femizid das Resultat von struktureller Gewalt, deren Ausgangspunkt in den patriarchalen Machtverhältnissen unserer Gesellschaft liegt.

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Frauen*rechte? Egal!

sah. Die Türkei verlässt das internationale Abkommen zum Schutz der Frauen* vor Gewalt – auch bekannt als Istanbul-Konvention. Der Entscheid hat schwerwiegende Folgen und ist auch ein deutliches Zeichen an die internationale Gemeinschaft. Aktivist*innen rufen nun zu Protesten auf.

Der Ausstieg aus der Istanbul-Konvention war seit einiger Zeit Thema in der Türkei. Nun wurde im März das Vorhaben Realität und die Türkei ist ausgetreten. Die Istanbul-Konvention gilt als wichtiges Werkzeug auch zur Bekämpfung der steigenden häuslichen Gewalt. 2011 wurde dieser völkerrechtliche Vertrag ausgearbeitet. Ziel dabei war es, verbindliche Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen* zu schaffen und eine Grundlage zu bieten, wie sie vermindert wird. Das internationale Übereinkommen hat die Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen zum Ziel. Eckpfeiler des Übereinkommens sind die Bereiche Gewaltprävention, Opferschutz, Strafverfolgung sowie ein umfassendes und koordiniertes Vorgehen. Die Konvention trat am 1.August 2014 in Kraft.

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8. März ist alle Tage!

Unsere Antwort: 8. März ist alle Tage! Unter dem Slogan „Wut zu Widerstand-Gemeinsam Feministisch“ sind über tausend Frauen, Lesben, inter, non-binäre, trans, agender und genderqueere (FLINTAQ+) Personen in Zürich am 6. März auf die Strasse gegangen. Wir haben vielfältige, kreative und dezentrale Formen gefunden haben, um unserer Wut und Frustration einen Ausdruck zu verleihen. » Weiterlesen

Und wer schützt uns vor der Polizei?

Am Wochenende rund um den 8.März waren wir FLINT-Personen (Frauen, Lesben, Inter-Menschen, nichtbinäre Menschen und Trans) permanent in Gefahr! Dies nicht von jemanden, den wir persönlich kennen, wie zum Beispiel unser Ehemann, Freund, Exfreund, etc. Nein, es war der Staatsapparat selber, genauer gesagt die Robocops. Die Polizei war bis zu den Zähnen ausgerüstet, als wären wir in einem Science-Fiction-Film irgendwo auf einem anderen Planeten! Die ständige Gefahr kontrolliert, verprügelt, durch Pfefferspray verletzt und verhaftet zu werden, war unsere Realität.

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Kein Grund zum Cüpli trinken!

Rosa Bloch. Kurz vor Mittag trafen sich am Montag, dem 8.März, Frauen* auf der Steinberggasse in Winterthur mit zahlreichen Fahnen, Transparenten, Flugblättern, Musikwagen und Radios.

Zum internationalen Frauen*kampf-tag hat ein Bündnis von Frauen, Lesben, Nonbinären, Intersex- und Transpersonen mit der Parole «Zäme uf d‘Strass statt Cüpli trinke» zu einer Radio-Demo in der Altstadt aufgerufen. Sie forderten dazu auf, wütend, laut und selbstbestimmt den grauen kapitalistischen Alltag zu stören. Rund 80 Frauen* und Queers folgten dem Aufruf mit Soundanlagen auf Wagen und kleinen und grossen Ghettoblastern.

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Dampf machen!

sah. Mit der Verweigerung des Frauen*stimmrechts bis 1971 wurde den Schweizer Frauen* ein Menschenrecht vorenthalten. Beim jetzigen Jubiläum sollen dieses Unrecht und noch bestehende Missstände Thema sein. Ein Manifest will dazu beitragen.

Ausgangspunkt des Manifests von CH2021 mit dem Namen «Dampf machen!» ist der Umstand, dass den Schweizer Frauen* bis 1971 wichtige Menschenrechte vorenthalten wurden. «Sie wurden vorsätzlich daran gehindert, ihre demokratischen Rechte auszuüben und damit ihre Rechtsordnung und ihre Gesellschaft mitzugestalten». Das schreiben die Vorstandsfrauen* von CH2021 in ihrem Manifest.

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Zu sagen was ist, ist revolutionär

sah. 150 Jahre Rosa Luxemburg: Nicht nur als Vertreterin der europäischen sozialistischen Bewegung ist sie bekannt, sondern als prägende Theoretikerin zum Kolonialismus – damals noch kein aktuelles Thema.

Vielfältige Rosa Luxemburg: zum Jubiläum am 5.März 2021 der Aktivistin wurden zahlreiche Artikel veröffentlicht. Ihr Engagement in den Bereichen europäische Arbeiterbewegung, Marxismus, Antimilitarismus und proletarischer Internationalismus wurde beleuchtet und auch zu biografischen Aspekten geschrieben. Es fehlten aber Luxemburgs Beiträge gegen die Kolonialkriege rund um das Thema Kolonialismus. Im Volkspark in Halle an der Saale am 3.Dezember 1911 sagte die Aktivistin: «Kolonialkriege sind seit den letzten vierzig  Jahren eigentlich eine sta?ndige Erscheinung. Es ist ein sonderbarer Optimismus, von einem europa?ischen Frieden zu reden». Dieser Teil einer eher unbekannten Wahlkampfrede findet sich auf der Seite e-monos.sozialarchiv.ch.

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Gegen Polizeigewalt und Repression

Heute, 10. März 2021, haben wir im Zusammenhang mit den Ausschreitungen vom 8. März eine Protestnote (siehe unten) an die Verantwortlichen des Sicherheitsdepartementes, die Stadtpolizei Zürich, die Ombudsstelle und die Fachstelle für Gleichstellung geschickt. Unser Parcour wurde dezentral und unter Auflagen der aktuellen Schutzmassnahmen durchgeführt, dennoch wurden die Aktivist*innen gezwungen, ihre Posten zu räumen und wurden willkürlich mit Wegweisungen eingedeckt. Daraufhin formte sich ein Protestzug, welcher  von einem massiven Polizeiaufgebot unter Einsatz grosser Gewalt auf den Platz zusammengedrängt und mehrere Personen direkt angegriffen wurden.

Wir erwarten von den Behörden eine Stellungnahme und wollen Antworten auf eine Reihe von Fragen. Zudem fordern wir  einen Erlass aller für und am 6. März ausgeteilten Bussen und eine klare Aufarbeitung der polizeilichen Gewalt am 6. März. Wir fordern ein Ende dieser Repression gegen legitime feministische Proteste und Kritik – heute und in Zukunft.

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Frauen, die kämpfen!

8. März-Frauenbündnis Zürich. Wir organisierten während vieler Jahre die Demo zum internationalen Frauenkampftag am 8.März. Nun tun wir dies bis auf Weiteres nicht mehr. Uns gibt es aber weiterhin und wir kämpfen weiter gegen das Patriarchat und für die Befreiung der Frauen, auch auf der Strasse.

Uns ist nach wie vor wichtig, dass unser politisches Denken und Handeln unter Frauen stattfindet. Wir wollen Momente und Räume schaffen, in denen es für Frauen möglich ist, ihre gesellschaftliche Situation zu verstehen und diese zusammen mit anderen Frauen zu verändern.
Uns ist dabei sehr bewusst, dass das Patriarchat und der Kapitalismus neben anderen Machtverhältnissen so vielfältig und verwoben auf unsere Leben wirken, dass es manchmal schwierig scheint, darin ein kollektives «Wir» zu formen. In neoliberalen Verhältnissen wird Individualismus grossgeschrieben und Probleme und Verantwortungen auf Einzelne abgeschoben. Innerhalb der zunehmenden Flexibilisierung von Arbeit und Gesellschaft finden wir es aber umso wichtiger, gemeinsames Handeln entgegen der Vereinzelung zu ermöglichen. » Weiterlesen

Erzähl mir deinen Traum – Psychodrama in Rojava

Nikol Uçar. Die Ärztin Maja Hess von medico international schweiz war im Herbst 2020 in Rojava. Sie wollte an diesem einmaligen emanzipatorischen Projekt teilnehmen und hat im Auftrag vom kurdischen Roten Halbmond Heyva Sor Frauengruppen mit psychosozialem Fokus geleitet.

Maja Hess war schon mehrmals in Nordostsyrien mit Delegationen, unter anderem 2019 als die Türkei und ihre jihadistischen Söldner Serê Kaniyê angegriffen haben. Letzten Herbst reiste sie erneut nach Qasmislo, diesmal für vier Monaten in Zusammenarbeit mit Heyva Sor a Kurd. Der Kurdische Rote Halbmond, eine lokale NGO, wurde 2012 gegründet, da sich das syrische Regime aus Rojava zurückgezogen und alle Gesundheitseinrichtungen funktionsunfähig zurückgelassen hatte. Heyva Sor hat vorerst die ganze Notversorgung in den Konfliktzonen und den Flüchtlingslagern übernommen. Für die Menschen sind die roten Westen mit dem Halbmond ein Garant für Nothilfe und bedingungslose Unterstützung. Ausserdem baut Heyva Sor Gesundheitseinrichtungen auf, wo keine vorhanden sind, ist mit mobilen Kliniken in abgelegenen Dörfern unterwegs, um die Gesundheitsversorgung zu dezentralisieren. Auch für Kriegsversehrte baut Heyva Sor ein neues Zentrum zur Herstellung von Prothesen und zur integralen Betreuung der verwundeten Kämpfer*innen. Ziel von Heyva Sor ist es, möglichst bald die Gesundheitseinrichtungen, die nicht nur eine Notversorgung anbieten, an die Selbstverwaltung zu übergeben.
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Instagram-Feminismus

Häsch gwüsst. Wir sind ein feministisches Kollektiv, welches im Lockdown 2020 entstand. Unser Ziel ist es, Informationen und Wissen verständlich und schnell verfügbar aufzubereiten. Denn wir sind der Meinung, dass durch den Zugang zu
Informationen Tabus gebrochen, Ungleichheiten sichtbar und Emanzipation erreicht werden kann. Wir wollen mehr als nur schöne Bilder: Wir möchten die Schönbilder-Flut auf Instagram mit unseren feministischen Illustrationen sprengen. Doch funktioniert feministische und politische Bildung auf Social Media?

Popfeminismus ist kein neues Phänomen; feministische Anliegen werden nicht nur politisch, soziologisch und ökonomisch verhandelt, sondern auch kulturell. Der Popfeminismus, welcher sich im Zuge der dritten Frauenbewegung etablierte, erlaubte popkulturelle Produktionen in einen feministischen Rahmen zu betten. Die massenfähige Kultur abseits der Eliten – der «Mainstream» – soll damit ebenso als feministisches Feld angesehen werden. Dies hatte und hat zur Folge, dass nicht nur eine Verbreitung feministischer Anliegen stattfand, sondern auch deren Ökonomisierung: Stars wie Rihanna oder Beyoncé gelten als feministische Kämpferinnen, H&M aber auch Dior lassen Shirts mit Aufdrücken wie «feminism» oder «feminist» produzieren. So wurde feministische Politik plötzlich käuflich und konsumierbar.
Diese kulturelle Verwertung von Feminismus lässt sich so lesen, dass Feminismus im 21.Jahrhundert nun endlich in den verschiedenen Gesellschaften angekommen ist, nicht mehr als «extrem» gilt und ein Bewusstsein für patriarchale Unterdrückung das neue «Normal» ist. Die Gegenstimmen lassen verlauten, die feministische Emanzipation könne nicht mit deren popkulturellen Verbreitung einhergehen, da sich die jeweiligen Interessen in einem Widerspruch zueinander befinden. Das klassische Beispiel, das in dieser Argumentation herangezogen wird, ist der weibliche Popstar wie beispielsweise Rihanna, die sich in der Formulierung ihrer feministischen Anliegen nicht der «Fleischschau» entzieht, sondern sich deren bedient.
Die Kritiker:innen des Popfeminismus fragen, wie es möglich ist, sich für die Emanzipation der Geschlechter einzusetzen und gleichzeitig das Geschlecht zu überbetonen. Es ist eine Frage, die auch schon die zweite Frauenbewegung beschäftigt hat: Soll man das eigene Geschlecht verwerfen, um sich von der Unterdrückung, die entlang des Geschlechts verläuft, zu befreien oder soll man das eigene Geschlecht zelebrieren, also zum Beispiel «Weiblichkeit leben», total «Frau-Sein», um sich zu emanzipieren?

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Für einen Ausbau des Gesundheitswesens statt autoritären Massnahmen

Gruppe Feministischer Lookdown. Vor einem Jahr haben wir uns am 8. März noch frech die Strasse genommen und mit dem Schwung des Frauenstreiks/feministischen Streiks einen grossartigen, kämpferischen Tag begangen. Wir standen am Anfang der Pandemie, und viele Menschen klatschten auf ihren Balkonen für das Gesundheitspersonal. Es schien plötzlich allen klar, dass Care-Arbeit systemrelevant ist.

Ein Jahr später sehen wir, dass genau das Gegenteil des Erhofften eingetreten ist. Statt Aufwertung gab es Abwertung bis zur Lächerlichkeit, was sich zum Beispiel an den «Boni für geleistete Arbeit» zeigt, die aus ein Mal Gratisessen in der Kantine (für 6.50 Franken) oder einem Kinogutschein bestehen. Und anstatt dass sich die Einsicht durchgesetzt hätte, dass das Gesundheitswesen sofort ausgebaut werden muss, um für Zeiten mit vermehrten Krankheiten gerüstet zu sein, wird auf politischer Ebene weiter abgebaut.
Der erste Beitrag befasst sich mit den Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf Gesundheit und den fatalen Folgen der autoritären Corona-Massnahmen. Der Zweite zeigt auf, welche Sparmassnahmen im Gesundheitswesen trotz Corona weitergeführt und neu beschlossen wurden.
Uns als linken Feministinnen war es von Anfang an wichtig, den patriarchalen, kapitalistischen Stimmen zu misstrauen, die sich plötzlich so um unser Wohlergehen zu sorgen schienen. Die beiden Texte sind ein Ergebnis der diversen Diskussionen und Analysen in der Gruppe Feministischer Lookdown seit Anfang März 2020.

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