Liberalisierung rund um die Uhr

Eine Amerikanisierung der Ladenöffnungszeiten ist bei vielen der über 1600 Tankstellenshops in der Schweiz wohl bald Realität.

Der Ständerat hat am 17.September den bundesrätlichen Vorschlag zur Umsetzung der Parlamentarischen Initiative Lüscher angenommen. Diese verlangt, dass Tankstellen an Autobahnen und «Hauptverkehrsstrassen» (potentiell also an jeder besseren Dorfhauptstrasse!) neu ihre Ladenöffnungszeiten auf 24 Stunden ausdehnen können, inkl. Sonntage. So könnte jeder Shop-Betreiber selbst entscheiden, ob er nachts überhaupt schliessen will. Eine Amerikanisierung der Ladenöffnungszeiten wäre bei vielen der über 1600 Tankstellenshops in der Schweiz wohl bald Realität. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund ( SGB) und die Unia lehnen sowohl die Vorschläge Lüschers als auch die des Bundesrats ab, weil sie zu mehr Nachtarbeit führen würden. «Sollten sich die Deregulierungsbefürworter in der weiteren parlamentarischen Beratung durchsetzen, werden Unia und SGB über die Lancierung eines Referendums entscheiden. Entsprechende Forderungen an die Gremien sind bereits gestellt», schreibt der SGB in seiner Medienmitteilung.

Das Personal solcher Shops, welches bereits heute zu sehr schlechten Bedingungern arbeiten muss, wäre noch schädlicheren Einflüssen ausgesetzt. Der SGB dazu: «Zum einen werden Tankstellenshops häufig in Franchise geführt, was meist ein prekäres arbeitsrechtliches Umfeld bedeutet. Zum anderen hat die Nachtarbeitszeit erwiesenermassen einen negativen Einfluss auf die Gesundheit und das soziale Leben der Arbeitnehmenden». Auch  ist die Gefahr von «kriminellen Übergriffen auf das Verkaufspersonal (v.a. nächtliche Raubüberfälle)» in den letzten Jahren gestiegen. Und der SGB erinnert auch daran,  dass in «dieser Branche alle Bemühungen, einen nationalen branchenweiten Gesamtarbeitsvertrag abzuschliessen, am Widerstand der Arbeitgeber gescheitert sind.»

Der «Kompromissvorschlag» des Bundesrates, welcher bloss die Anzahl der zu deregulierenden Shops etwas nach unten schraubt, ist für den SGB «Augenwischerei» : 24-Stunden-Betriebe mit all ihren negativen Auswirkungen würden möglich bleiben. Die Gewerkschaften lehnen auch den «Kompromissvorschlag» ab und behalten sich auch für diesen ein Referendum vor.

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Ein Kommentar

  • Uwe

    Und das alles wird uns auch noch für ein mehr an Freiheit und Individualität verkauft und wir nehmen es auch noch gerne an… bis wir selber eines Tages vor die Option gestellt werden 7x24h Schichten oder eine noch lausigeren Anderungsvertrag zu akzeptieren oder zu gehen…

    Der Neoliberale Zeitgeist vermochte es in nicht mal 1 Generation alle nur erdenklichen Zivilgesellschafltichen Errungenschaften welche moderen Gesellschaftsformen eigentlich auszeichen zu eliminieren und in den Dreck zu ziehen… die Begrenzung der Konsum, Geschäfts und Arbeitszeit gehörte einst zu diesen Errungenschaften… was in einem mehr an individueller Zeit resultierte, doch damit können die meisten heute gar nicht merh umgehen. Es entsteht eine leere die es zu füllen gilt…

    Freiheit die sich für uns auftut wird im gleichen Moment von starken Interessen vereinnahmt und für eigene Zweckhe missbraucht… die verlängerung der Konsumgesellschaft wird nicht einhergehen mit einer gleichwertigen Aufwertung der schlechteren Arbeitsbedigungen… dazu ist der BR und auch die Parlamente viel zu Neoliberal… in allen möglichen Fällen werden eventuell entstehende Arbeitsplätze in diesem miesslichen Unternehme durch Ausländische billigstkräfte besetzt… was auf natürliche Art und Weise dem Betreiber und Herausgeber der Francisen, dem Investor viel beschert, dem Rest der Gesellschaft aber nichts einbringt…

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