Das Unmögliche möglich machen

Sevin Satan

Von Sevin Satan. Vor etwa 20 Jahren verwirklichte ich einen der Träume meiner Mutter. Sie wollte schon immer einmal nach Kuba reisen. Ich sparte nach der Lehre ein Jahr lang dafür. In Kuba wohnten wir nicht in den sogenannten «Casas Particulares», also den vom Staat registrierten Wohnungen, in denen man als Tourist:innen wohnen durfte, sondern illegal bei einer Familie, die wir vorher nicht kannten. Eine Freundin meiner Mutter hatte uns den Kontakt vermittelt. Zuerst wussten wir nicht, dass wir etwas Illegales taten, und danach fanden wir es einfach zu spannend bei dieser Familie, um in eine «Casa Particular» zu wechseln.

Wir wohnten in einem nicht touristischen Viertel in Havanna. Ich konnte damals Portugiesisch und schlug mich mit einem Mix aus Portugiesisch und Möchtegern-Spanisch durch. Da meine Mutter alles wissen wollte, war ich als Dolmetscherin unterwegs, was mich sehr herausforderte und in meinen jungen Jahren auch nervte. Alles musste ich fragen: von Lebensmitteln bis zum Militärdienst!
Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass ich durch ihre nervigen Fragen sehr viel über das Land sowie ein bisschen die spanische Sprache gelernt habe, aber das reflektiert man mit 23 Jahren generell etwas später. Jedenfalls fanden wir mit der Zeit heraus, dass die Familie, die uns beherbergte und mit uns auch vieles unternahm, keine Fidel-Freunde war. Zuerst waren wir schockiert, doch danach fanden wir es eigentlich gar nicht so schlecht, auch die andere Seite der Medaille kennenzulernen und sie uns anzuhören. Jedenfalls musste ich wieder eine nervige und sprachlich herausfordernde Frage stellen. Meine Mutter wollte wissen, ob es in Kuba das Problem mit dem Rinderwahn, also BSE, gebe. Mercedes, die Gastgeberin, antwortete: «Fidel würde uns nie etwas zu essen geben, das unserer Gesundheit schaden könnte!»
Diese Aussage von ihr verblüffte uns sehr. Sie war gegen den Sozialismus und den Kommunismus. Ihre Vorstellung eines Wirtschaftssystems war halb sozialistisch und halb kapitalistisch – was immer das auch genau heissen mag … Aber als eine Gegnerin Fidels die Aussage zu machen, dass Fidel ihnen nie etwas geben würde, was ihnen schaden könnte, das ist etwas sehr Grossartiges! Sie mag ihn nicht, aber dennoch weiss sie, dass er seiner Bevölkerung nicht für Profit schaden würde – das hat uns sehr beeindruckt. Selbst Regierungsgegner:innen in Kuba wissen also, dass sie alles, was sie an Lebensmitteln erhalten, mit gutem Gewissen konsumieren können – was bei uns so gar nicht der Fall ist.

Im Juni 2025 wurde bekannt, dass im Kanton St. Gallen weiterhin Rindfleisch auf den Markt gelangte, das mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS belastet war – und zwar in einem Ausmass, das die gesetzlichen Höchstwerte überstieg und somit verboten gewesen wäre. PFAS-Chemikalien können chronische Gesundheitsschäden verursachen. Sie können das Immunsystem schwächen, Leber und Nieren schädigen, die Fruchtbarkeit verringern sowie das Risiko für Krebs (insbesondere Nieren- und Hodenkrebs) und Schilddrüsenerkrankungen steigern. Bereits Mitte 2024 war PFAS-vergiftetes Fleisch in den Tellern der Konsument:innen in der Ostschweiz gelandet. Damals kündigte der Kanton St. Gallen einen Verkaufsstopp für das betroffene Fleisch an – umgesetzt wurde er nie. Viel mehr wurde PFAS-vergiftetes mit nicht vergiftetem Fleisch vermischt, so dass die PFAS-Werte unter die gesetzliche festgelegte Obergrenze gedrückt wurden. Was wohl meine damalige Gastgeberin in Kuba zu all dem sagen würde?

Es gibt kein System, und es wird keines geben, das die gesamte Bevölkerung zufriedenstellen wird. Und egal, wie es auch heissen und aussehen mag: Es muss immer die Gesundheit des Menschen in den Vordergrund stellen. Im kapitalistischen System ist unsere Gesundheit seit Längerem zu einer Ware geworden. Und immer mehr Menschen haben Mühe, sich diese Ware überhaupt kaufen zu können. Denn jedes Jahr steigen die Prämien der Krankenkassen – während gleichzeitig die sogenannten Topmanager:innen der Versicherungsgesellschaften fette Boni abkassieren. Hingegen hat Kuba trotz des über 60 Jahren dauernden US-Embargos ein kostenloses Gesundheitssystem geschaffen, mit der am besten ausgebildeten Ärzt:innen weltweit. Was ich in Cuba und von Ché Guevara gelernt habe: Sei realistisch und mach das Unmögliche möglich!

Sevin Satan,
Politische Sekretärin der Partei der Arbeit Zürich

Auf zum Streik am 8. März

Von Dominic Iten. Die erste Print-Ausgabe des Jahres stand im Zeichen von imperialistischen Aggressionen, Militarisierung und Sozialabbau. Inzwischen hat sich wenig verändert – im Gegenteil. Die Fronten verhärten sich, die Risse werden tiefer. Die USA haben ihre militärische Präsenz im Nahen Osten massiv ausgebaut, der Iran ist faktisch eingekreist. Ein weiterer Militärschlag steht im Raum – mit unabsehbaren Folgen weit über die Region hinaus. Die Eskalationsspirale dreht sich weiter, während diplomatische Floskeln kaum mehr kaschieren können, was abgeht.
Das von Trump aufwendig inszenierte «Peace Board» wirkt vor diesem Hintergrund wie ein zynisches Schauspiel. Mit viel Pathos wird über Frieden und Stabilisierung gesprochen, während die Verhandlungen im Ukrainekrieg festgefahren sind und das Sterben andauert. Gaza liegt weiterhin in Trümmern, zugleich gerät auch die Westbank durch die aggressive israelische Siedlungspolitik immer stärker unter Druck.
Gleichzeitig formiert sich Europa neu: weniger Abhängigkeit, mehr Militär, mehr Geschlossenheit – der Ernstfall wird vorbereitet. Diese Verschiebungen betreffen auch die Schweiz. Auch hier werden die Prioritäten neu gesetzt: Kanonen statt Butter, Aufrüstung statt Sozialstaat. Die Kosten der «Zeitenwende» tragen die Arbeiter:innen – und besonders die Frauen. Unter dem Vorwand der Gleichstellung laufen spezifische Rekrutierungsoffensiven fürs Militär, während gleichzeitig bei Kinderbetreuung und sozialer Infrastruktur gekürzt wird. Wer strukturell benachteiligt ist, wird doppelt getroffen. Auf zum Streik am 8. März!

 

Die EU-Migrationsabwehr ist nicht besser als ICE

Bafta Sarbo. Nach den ICE-Morden in den USA ist das Abgrenzungsbedürfnis in Europa gross. Dabei ist die Migrationsabwehr der EU keineswegs humaner – der Unterschied ist nur, dass die rechtlose Gewalt ins Mittelmeer und nach Nordafrika ausgelagert wird

In den vergangenen Wochen waren alle Augen auf die USA und die Gewalt ihrer Einwanderungs- und Zollbehörde ICE gerichtet. Die eskalierende Gewalt in Grossstädten wie Chicago und Minneapolis führte dazu, dass zwei US-Staatsbürger von der Behörde auf offener Strasse erschossen wurden. Das erzeugte eine Welle der Empörung, die auch in Europa die Forderung nach Abgrenzung nach sich zog.
Nachdem Trump verkündete, zu den Olympischen Wintersp

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Lokführer:innen streiken in Spanien

Ralf Streck. Die grosse spanische Lokführergewerkschaft SEMAF hatte nach tödlichen Unfällen in Andalusien und Katalonien zum dreitägigen Streik aufgerufen. Der Streik sorgte für ein massives Chaos im Zugsystem, wurde aber nach Zugeständnissen vorzeitig beendet. Das Chaos im ausgebluteten System in Katalonien bleibt weiterhin, wogegen auch stark demonstriert wird.

«Die schweren Unfälle in Adamuz und Gelida, bei denen viele Menschen ums Leben kamen, stellen einen Wendepunkt dar», so begründete die grösste spanische Lokführergewerkschaft SEMAF einen dreitägigen Streik im spanischen Zugsystem. Dies sei der «einzige legale Weg», um «die Sicherheitsstandards wiederherzustellen», schrieb die SEMAF im Aufruf. Mit dem Ausstand vom 9. bis 11. Februar forderte die Gewerkschaft von der Regierung, endlich «alle notwendigen Massnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit des Bahnbetriebs» zu ergreifen. Dazu forderte sie bessere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal, um der Überlastung der Belegschaft zu begegnen. Kritisiert wurde zudem die zunehmende Privatisierung.

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«Wir rufen alle Demokrat:innen weltweit zu politischer Unterstützung auf»

Redaktion. Der Kurdische Rote Halbmond (Heyva Sor a Kurd) leistet unter extremen Risiken medizinische Nothilfe für weit über 100 000 Geflüchtete in Nordostsyrien. Mitte Februar erstellte die Organisation einen Bericht zur Lage vor Ort. Wir veröffentlichen einen Teil davon.

Wir alle schöpften Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ganz Syrien nach den Vereinbarungen vom 10. März 2025 sowie im April mit der Übergangsregierung in Damaskus. Auch wenn die Angriffe und Massaker durch Regierungstruppen gegen die alawitische Bevölkerung in den Küstenregionen das erste Anzeichen dafür waren, dass es keinen Frieden geben würde und Diskriminierung sowie Unterdrückung von Minderheiten weitergehen würden wie zuvor, haben wir die Hoffnung nicht verloren. » Weiterlesen

Das Schwert über unserm Haupt

flo. Die Geschichte der ersten hundert Jahre der Schweizer Armee wird meist mit einigen Lücken erzählt. Die Rolle als politisches Werkzeug erfüllte die Armee vor allem in der ersten Hälfte ihrer Existenz mit tödlicher Gewalt. Doch auch heute gehört der Einsatz im Innern weiterhin zu ihren Kompetenzen.

Am 9. November 1918 wurde der Klassengegensatz in der Schweiz so deutlich wie kaum je zuvor. An diesem Tag schwiegen die Waffen in Europa noch nicht. Der Waffenstillstand von Compiègne trat erst zwei Tage später in Kraft und beendete damit das weltweite Schlachten – oder lenkte es zumindest nach innen. Während des vierjährigen Krieges mussten Hunderttausende Schweizer im Rahmen der Kriegsmobilmachung in die Armee einrücken. Sie hatten vor allem die Grenzen zu schützen.

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Verwalten statt lösen

dom. Die Klimafonds-Initiative will jährlich 0,5 bis 1 Prozent des BIP in die ökologische Wende investieren. Vorbild ist der Green New Deal, entsprechend soll die Wende sozial verträglich sein – ein nobles Vorhaben. Doch ein genauerer Blick auf Initiativtext und Kampagne lassen Zweifel aufkommen.

In einem jüngst veröffentlichten Insta-Post fragt die Gewerkschaft Unia, Unterstützerin der Klimafonds-Initiative: «Was macht den Erfolg der Schweiz aus?» Ihre Antwort: «Grosse Projekte gemeinsam anpacken» – etwa den Bau von Staudämmen, die Gründung der SBB oder die Einführung der AHV. Auch die Klimakrise, so die Gewerkschaft, sei eine historische Aufgabe. Wenn «wir» Infrastruktur und Produktion nicht umbauten, würden «die Schweiz, ihre Wirtschaft und ihre Arbeitnehmenden enorm unter Schäden und dem Verlust von Arbeitsplätzen leiden».
Ähnlich argumentieren die Initiant:innen. Die Klimakrise sei «eine Realität, die jede und jeder kennt. Mit dem Klimafonds zu investieren ist eine Win-Win-Win-Situation», meint Lisa Mazzone, Präsidentin der Grünen Partei. Man schütze das Klima, verbessere die Lebensqualität und schaffe wirtschaftliche Perspektiven – «alles auf einen Schlag». Mehr denn je brauche die Schweiz ein zukunftsweisendes, verbindendes Projekt. Genau das biete der Klimafonds.

Transformation ohne Bruch
Was Gemeinsames, was Verbindendes – ein «Generationenprojekt» soll es werden. Doch hinter der Rhetorik von Solidarität, Zukunft und gemeinsamer Kraftanstrengung verbirgt sich ein Klassenkompromiss. Die Initiative verspricht ökologische Modernisierung ohne Machtfrage und Konflikt, verspricht Transformation ohne Bruch. Die Klimafonds-Initiative hat sich bestehende Green-New-Deals als Vorbild genommen. Diese Programme zielen in der Regel auf eine sozial-ökologische Reform und ein postneoliberales Akkumulationsregime, im besten Fall mit Fokus auf soziale Verträglichkeit.
Bernie Sanders‘ Green New Deal zum Beispiel, sollte eine Summe von 16 Billionen Dollar an öffentlichen Investitionen mobilisieren und rund 20 Millionen neue Jobs schaffen. Die 16 Billionen sollten etwa in den Ausbau erneuerbarer Energien, in die Modernisierung von Wohnhäusern und den Umstieg auf Elektromobilität fliessen. Wesentlicher Bestandteil des Deals sind sozialpolitische Forderungen bezüglich Lohnfragen und Altersversorgung.

Grüner Kapitalismus?
Der Schweizer Klimafonds ist nach demselben Muster gestrickt. Geplant ist eine breite Investitionsoffensive: in Forschung und Entwicklung, in «nachhaltige» Infrastrukturen und Wirtschaftsbereiche, in Kinderbetreuung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie in Umschulungs- und Weiterbildungsprogramme gegen den Fachkräftemangel. Insgesamt soll die öffentliche Grundversorgung ausgebaut und neue berufliche Perspektiven geschaffen werden.
Die Finanzierungsfrage bleibt – wie für linke Initiativen normal geworden – offen. Die Initiant:innen hoffen auf neue Staatsschulden, vielleicht sogar höhere Kapitalsteuern, mögen mit ihrem Initiativtext aber das Kapital nicht zur Verantwortung ziehen. Wer seinen Green New Deal nicht mit einer klassenpolitisch motivierten Finanzierung unterlegt, behandelt die Klimafrage nicht als Klassenfrage.
Damit steht auch der Schweizer Green New Deal für eine bruchlose Fortsetzung jenes Systems, das die ökologische Krise hervorgebracht hat. SP und Grüne gehen davon aus, dass sich ökologische und ökonomische Krise gleichzeitig lösen lassen – ohne grundlegende Fragen von Macht und Eigentum zu stellen. Der Kapitalismus soll nicht überwunden, sondern modernisiert werden. Neue «ökologische» Industrien sollen zu wirtschaftlichen Leitsektoren werden. Was das Auto in der Nachkriegszeit für den fordistischen Kapitalismus war, sollen heute Solarzellen, Windräder und andere «grüne» Technologien für den Postfordismus sein.

Nach kapitalistischen Spielregeln
Doch selbst mit einem milliardenschweren, über Steuern und Verschuldung finanzierten Klimafonds ist eine ökologische Wende kaum zu erreichen. Staatliche Investitionen können zwar kurzfristig Wachstum auslösen, doch sie entziehen sich nicht den bestehenden kapitalistischen Spielregeln. Selbst Modellrechnungen des Internationalen Währungsfonds zeigen: Ein Green New Deal kann das BIP für eine gewisse Zeit ankurbeln, eine dauerhafte, stabile Belebung des Akkumulationsprozesses dürfte jedoch ausbleiben.
So wird die ökologische Krise nur verwaltet, nicht gelöst. Deshalb sehen wir dieser Tage Parteipolitiker:innen und Gewerkschaftsfunktioniär:innen, welche uns die Klimakrise als gemeinsames nationales Projekt verkaufen wollen – als Aufgabe, die Kapital, Staat und Arbeiter:innen gleichermassen betreffe und vereine. Konflikte verschwinden hinter dem Versprechen von Win-Win-Win-Lösungen, Klasseninteressen hinter der Idee eines verbindenden «Generationenprojekts».

Widersprüche glattbügeln
Ausgerechnet Staudämme, SBB und AHV führt die Unia als historische Vorbilder an – nichts davon war Resultat harmonischen, «gemeinsamen Anpackens». Staudämme wurden von Arbeiter:innen gebaut, die SBB und die AHV wurden gegen massiven Widerstand erkämpft. Mit der Rede von «Schweizer Erfolgsrezepten» hat sich die Unia offenbar die Perspektive des ideellen Gesamtkapitalisten zu eigen gemacht. Entscheidend ist nicht, wer diese Projekte gegen wen durchgesetzt hat, sondern was sie für den nationalen Standort geleistet haben.
So werden gesellschaftliche Widersprüche in gemeinsame Zukunftsprojekte übersetzt, wo Kapital, Staat und Arbeiter:innen angeblich am selben Strick ziehen. Die ökologische Krise wird so nicht zum Anlass, bestehende Verhältnisse infrage zu stellen, sondern sie zu stabilisieren. Solange Klimaprojekte über Schulden oder Steuern laufen, tragen Arbeiter:innen die Kosten – für ein Projekt, das zu wenig radikal ist, um den ökologischen Kollaps tatsächlich abzuwenden.

Klassenkampf ums Sparpaket

Gaudenz Pfister. Wir haben in den letzten Monaten auf der Strasse gegen das Sparpaket EP27 mobilisiert. Lobbyieren ist viel wirksamer – wenn man zur richtigen Klasse gehört.

Lernen, so sagt man, beginnt damit, dumme Fragen zu stellen. Und so fängt auch dieser Artikel an: Was ist ein Staatshaushalt?

Der Staatshaushalt als Klassenkompromiss
Alle vergleichen den Staatshaushalt mit einem Familienbudget, wo sich die Ausgaben den Einnahmen anpassen müssen. Doch anders als beim Familienbudget gehen die staatlichen Ausgaben nicht nach aussen, sondern fliessen wieder zurück in eine der vielen grossen und kleinen Taschen in der Schweiz. Das ergibt ein undurchsichtiges System von Abgaben und Zuschüssen. Selbst ohne die Geldströme im Detail zu erfassen, ist die Logik dahinter einsichtig: Das Staatsbudget ist ein in Finanzzahlen gefrorener Klassenkompromiss zwischen den verschiedenen Fraktionen der Bourgeoisie und gegenüber den unteren Klassen. Wenn es 3,5 Milliarden Franken mehr für Rüstungsausgaben braucht, ist das wenig verglichen mit den jährlich 90 Milliarden Franken Bundesausgaben, doch es stellt den politischen Kompromiss in Frage, der sich im Staatsbudget materialisiert.

Wer sind die Sparer:innen?
Wenn keine Partei mehr einen klaren Klassencharakter hat, wie soll man die Personen einordnen, die diese Einsparung umsetzen? Am besten geht es mit der Dreiheit Person – Institution – Funktion. Serge Gaillard, der Leiter der Expert:innengruppe, die 2024 vom Bundesrat den Auftrag erhalten, ein Sparpaket zu erarbeiten, kennt sich als pensionierter Direktor der Finanzverwaltung in den Geldströmen aus. Er gehört aber nicht nur zu den fortschrittlichen Kleinbürger:innen aus der SP, die einen Teil der Staatsverwaltung besetzen, sondern bespielte als langjähriger Chef-Ökonom des Gewerkschaftsbundes auch die Mechanismen, mit denen dieses fortschrittliche Kleinbürgertum die Kontrolle über die Arbeiter:innen-Aristokratie ausübt. Auch die SP-Parlamentarierin Ursula Schneider Schüttel ist als ehemalige Präsidentin der Finanzdelegation des Parlaments versiert. Als Umweltschützerin steht sie der ökologischen Strömung des fortschrittlichen Kleinbürgertums nahe, die sonst bei den Grünen organisiert ist.
Die beiden bürgerlichen Ökonomen in dieser Arbeitsgruppe lassen sich durch ihre Haltung zu den EU-Verträgen den beiden Strömungen in der Grossbourgeoisie zuordnen, die sich seit Jahrzehnten mehr oder weniger offen bekämpfen. Aymo Brunetti, Unterstützer des Abkommens mit der EU, war lange Direktor des Seco. Dieses Bundesamt für Wirtschaft ist die zentrale Schaltstelle in der staatlichen Verwaltung, die die Interessen des grossen Kapitals bündelt, austariert und in Handelsabkommen und innerstaatlichen Regelungen umsetzt. Christoph Schaltegger, der Direktor des neuen Think Tanks «Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik», das von den beiden Grossindustriellen Alfred Schindler und Michael Piper getragen wird, vertritt den politisch angriffigen und gegen die EU eingestellten Teil des Grossbürgertums. Der ehemalige FdP-Nationalrat Jacques Bourgeois war lange Jahre Direktor des Bauernverbandes, steht also für die Bäuer:innen, deren parlamentarische Vertretung in den drei Parteien FdP, SVP und Mitte zu finden ist. Eine Klasse ist in diesem Reigen abwesend: das konservative Kleinbürgertum, das vor allem im Gewerbeverband und im Hauseigentümerverband organisiert ist.

Das Rollback der Ausgeschlossenen
Vieles im Sparpaket der Expert:innengruppe Gaillard ist ein Verschieben in die Zukunft (grosse Verkehrsprojekte) oder ein Verlagern des Spardrucks an die Kantone, vor allem dort, wo es die unteren Klassen trifft. Weg mit den 800 Millionen Franken Zuschuss an Kitas. 500 Millionen Franken weniger für die Integration von Migrant:innen. Fast 200 Millionen Franken weniger an die ETH und die Universitäten, das sollen die Student:innen über höhere Studiengebühren bezahlen.
Doch auch das konservative Kleinbürgertum würde getroffen. Klimasubventionen fliessen an Hausbesitzer:innen und an das Gewerbe, das Solaranlagen, Wärmepumpen und Fassadenisolationen montiert. Am meisten Aufschrei verursachte aber die Abschaffung der steuerlichen Begünstigung der 2. und 3. Säule. Wer etwas Geld übrig hat und damit nicht in Aktien spekulieren will, kann die Einlagen in die Pensionskasse nutzen, um Steuern zu sparen.
Gegenüber den radikalen Einschnitten der Gruppe Gaillard krebste schon der Bundesrat zurück. Wenn Grossbourgeoisie und fortschrittliches Kleinbürgertum starke Stellungen in der staatlichen Verwaltung haben, so ist das Parlament die Bastion der Bauern und der konservativen Kleinbürger:innen. Und diese nahmen das Paket noch einmal radikal auseinander. Ganz, halb oder gar nicht, so handelten die Ständerät:innen die Liste der Massnahmen ab. Ganz weg mit allem, was gegen die konservativen Kleinbürger:innen und Bauern geht: Die Möglichkeit für legale Steuerhinterziehung bei den Pensionskassen bleibt bestehen, Subventionen an die Landwirtschaft werden weitergeführt. Die Streichungen bei Klimasubventionen und Zuschüssen an die Universitäten wurden halbiert.
Damit entsteht aber ein Dilemma: Wenn sich das Grossbürgertum und die Bauern und Kleinbürger:innen versprochen haben, dass mehr Geld in die Rüstung geht, ohne dass jemand mehr einzahlen muss, wem das abknöpfen? Am einfachsten geht das, wenn man die Mehrheit der unteren Klassen belastet, ohne dass sie es merken: Mit der Mehrwertsteuer. Das war schon bei der Finanzierung der 13.AHV-Rente die «Lösung» und soll es jetzt auch bei den Rüstungsausgaben sein.

Alt sein kostet plötzlich extra

lmt. In Zürcher Gesundheitszentren für das Alter müssen neu auch selbstständige Bewohner:innen Pflegekosten bezahlen. Der Entscheid trifft ausgerechnet jene, die wenig finanziellen Spielraum haben – und könnte am Ende alle Versicherten teuer zu stehen kommen.

Alt zu sein, darf kein Nachteil sein. Und doch erleben ältere Menschen in der Schweiz tagtäglich Diskriminierung: im Gesundheitswesen, bei der Wohnungssuche, im Arbeitsleben oder in Institutionen zum Teil durch freiheitsentziehende Massnahmen, welche durch Personalmangel erklärt werden. Das verletzt ihre Würde – und widerspricht klar der Bundesverfassung, die Gleichbehandlung für alle garantiert.

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Politische Zensur bei der Winterolympiade

sit. Der italienische Sänger Ghali trat an der Eröffnungsfeier in Mailand auf.
Der Staatssender RAI ignorierte den Sänger und tat alles, damit seine Botschaft des Friedens möglichst ungehört blieb.

Die Winterolympiade in Milano Cortina ist voll im Gange. Millionen von TV-Zuschauer:innen sahen sich am 8.Februar die Eröffnungsfeier an, die unter anderem im Stadion San Siro in Mailand stattfand. Dabei kam es zu einer skandalösen Zensur durch das italienische Staatsfernsehen RAI – eine Zensur, die ihresgleichen sucht, aber von kaum jemandem bemerkt wurde.

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«Eine Stimme für die PdA ist eine Stimme für den Wechsel»

sit. Die PdA-Genossen Richard Müller und Noah Ziegler kandidieren in Winterthur für die Stadtregierung. Wir sprachen mit Noah über die Rolle und Möglichkeiten im Stadtrat und sein Engagement als Gewerkschafter.

Noah, stell dich bitte kurz vor.
Ich bin 27 Jahre alt und seit meinem 15.Lebensjahr arbeite ich auf Baustellen. Ich spüre die Zwänge der Privatwirtschaft am eigenen Körper und Geist. Ich bin seit einigen Jahren Mitglied der Partei der Arbeit und engagierter Gewerkschafter. Seit über vier Jahren kämpfe ich ununterbrochen gemeinsam mit der Gewerkschaftsjugend sowie in der Branche, in der ich tätig bin, der Gebäudetechnik, für die Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter:innen und Angestellten. Doch wir machen nicht an Branchengrenzen halt. Wir wissen, dass der Kampf für eine gute Zukunft für die Ausgebeuteten weltweit und in der Schweiz nur gelingen kann, wenn sie sich als das begreifen, was sie sind: Eine Klasse, die sich in der gleichen Situation befindet und sich nur durch den gemeinsamen Kampf aus dieser Lage befreien kann. » Weiterlesen

«… wird Widerstand zur Pflicht!»

sit. Die PdA-Genossinnen Sevin Satan und Rita Maiorano kandidieren für einen Sitz in der Regierung der grössten Stadt der Schweiz. Aber dies nicht um mitzuregieren, sondern um Widerstand zu leisten. Im Gespräch erklären sie warum – und mehr.

Warum kandiert ihr für den Stadtrat?
Sevin: Wir sind beide seit unserer Jugend politische Aktivistinnen, sowohl in unserer Arbeit als auch in der Freizeit. Gefühlt sind wir mehrmals im Monat an Demonstrationen oder Kundgebungen anzutreffen. Wir arbeiten präventiv, ermutigen Kinder, Jugendliche und Frauen durch Selbstverteidigungskurse und Workshops und unterstützen Menschen bei ihren Alltagsproblemen. Wir sind also keine parlamentarischen Politprofis, sondern Aktivistinnen an der Basis. Das ist ein Teil unserer Ideologie, wie es Bertolt Brecht auf den Punkt bringt: «Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!» Unsere Kandidatur zielt nicht darauf ab, mitzuregieren, sondern Widerstand und eine andere Perspektive in den Stadtrat zu tragen. Wäre ich glücklich im Stadtrat? Nein! Ich stehe überhaupt nicht auf parlamentarische Arbeit, aber wenn ich nicht kandidiere, du nicht kandidierst und ihr nicht kandidiert… wer verteidigt dann unsere Rechte? Allein die Strasse reicht leider nicht aus.

Rita: Ja, das hast du sehr gut zusammengefasst. Zwei konkrete Beispiele, wie wir eine andere Sichtweise einbringen wollen: Vor drei Jahren besuchten wir im Rahmen eines Betriebsausflugs die Stadtpolizei. Dabei wurde uns ein Video gezeigt, das die verschiedenen Einsätze der Polizei dokumentierte: bei Einbrüchen, Demonstrationen, Fussballspielen etc. Nicht zu sehen war aber ein Einsatz bei häuslicher Gewalt – und das, obwohl die Polizei wöchentlich mehrmals dafür ausrücken muss. Das zweite Beispiel betrifft die Pensionskasse der Stadt Zürich, also die PKZH: Sie investiert nachweislich rund 70 bis 80 Millionen Franken in Finanzinstitute, die direkt am Genozid in Palästina beteiligt sind. Einer unserer ersten Kämpfe im Stadtrat wäre, dass die PKZH diese Gelder sofort abziehen muss und nicht in Unternehmen investieren darf, die mit Kriegsgeschäften Profit machen. Es braucht die Sichtweise von uns Aktivist:innen im Stadtrat, die genau auf solche Punkte hinweisen, sie sind mehr als nur ein Detail.

Eure Chance, gewählt zu werden, liegt im Nullbereich…
Sevin: Ja, das stimmt, ist das aber ein Grund, um nicht teilzunehmen? 24 Personen kandidieren für den Stadtrat, über die Hälfte von ihnen hat auch null Chancen, gewählt zu werden – sie kandidieren trotzdem. Wir müssen alle Mittel nutzen, um unsere Forderungen immer wieder und überall zu wiederholen und einzufordern. Sei es, indem Menschen sich die Strassen nehmen und demonstrieren, Kundgebungen halten, Initiativen und Petitionen starten, am Arbeitsplatz streiken – und eben auch an Wahlen teilnehmen.

Rita: Uns ist bewusst, dass der parlamentarische Kampf allein die Probleme des Kapitalismus nicht lösen kann. Parlamentarische Arbeit kann nur dann wirksam sein, wenn sie von einer starken ausserparlamentarischen Bewegung getragen wird. Wir sind die beiden einzigen Kandidat:innen für den Stadtrat, die sagen: Wir wollen gewählt werden, nicht um das Bestehende mitzuregieren, sondern um es zu verändern. Wir sagen somit – wiederum als einzige der Kandidat:innen –, dass wir den Kapitalismus überwinden wollen und eine sozialistische Gesellschaft anstreben. Die Wahlen bieten eine gute Möglichkeit, diese Botschaft erneut zu vermitteln.

Euer Slogan lautet: feministisch, antikapitalistisch, revolutionär. Sind das nicht einfach Schlagworte?
Sevin: Nein, das sind nicht einfach nur Schlagworte – das ist unser Programm und unsere Haltung, die wir täglich leben. Feministisch, weil wir in patriarchalen Strukturen aufwachsen, arbeiten und leben, und weil wir aktiv dagegen kämpfen. Siehe dazu den Text auf Seite 3 von mir mit dem Titel «Im Gedenken an die 29 Feminizide», in dem deutlich wird, wie tief diese Strukturen noch in unserer Gesellschaft verankert sind. Gleichstellung, seit 1981 in unserer Verfassung verankert, soll endlich nicht nur auf dem Papier existieren, sondern Realität werden. Ohne Wenn und Aber ist die Istanbuler Konvention zur Prävention von Gewalt an Frauen einzuhalten. Care-Arbeit, all die Sorge- und Pflegearbeit, die tagtäglich geleistet wird, muss als echte Lohnarbeit anerkannt werden. Daran werden wir den Stadtrat in jeder Sitzung, bei jeder Gelegenheit, erinnern. Feminismus heisst zudem: Nein zu patriarchaler Gewalt, Nein zu Sexismus, Nein zu Ausgrenzung – im Betrieb, im öffentlichen Raum, zu Hause, überall. Notwendig sind daher frühzeitige Präventionskampagnen gegen jede Form von Gewalt gegen Frauen, bereits ab dem Schulalter, damit gesellschaftliche Normen sich ändern können. Antikapitalistisch, weil wir klare Forderungen haben, die den Reichtum von oben nach unten umverteilen und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter:innen nachhaltig verbessern. Dazu gehören staatlich kontrollierte Mieten mit Obergrenzen, kommunaler Wohnungsbau unter demokratischer Kontrolle,
Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich und eine Rente ab 60 für alle. Wir kämpfen dafür, dass der Mensch und die Natur vor Profit gestellt werden, dass menschliche Bedürfnisse nicht länger den Interessen von Konzernen untergeordnet werden. Doch hier hören wir nicht auf, wir wollen weitergehen, tiefer denken, unsere Gesellschaft radikal verändern, grundlegend und gerecht …

Somit wären wir beim Wort «revolutionär», richtig?
Rita: Genau, da wären wir jetzt. Und das gibt mir die Gelegenheit, einen meiner Lieblingssätze von Karl Marx zu zitieren: «Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben wird. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.» Dieser Satz steht auch in unserem Wahlprogramm und ist dort zu lesen: «Wir streben eine sozialistische Gesellschaft an, die auf Werten wie Frieden, Solidarität, Respekt und Verantwortung basiert.» Ist das ein Traum? Nein, vielmehr ein Muss, denn der Kapitalismus zerstört die Welt, weil er damit Profit machen kann. Und nicht zu vergessen: Kapitalismus bedeutet Krieg – Krieg um Rohstoffe, Krieg um Märkte – wie uns US-Präsident Donald Trump tagtäglich vor Augen führt. Am 19. Januar war ich mit tausenden anderen Menschen auf der Strasse in Zürich, um gegen Trump und den Imperialismus unsere Stimme zu erheben, um zu zeigen, dass Widerstand möglich ist und wir nicht tatenlos zusehen werden.

Sevin, du bist Migrationsfachfrau. Wo besteht in der Stadt Zürich Handlungsbedarf im Migrationsbereich?
Sevin: Die Migrationspolitik an sich ist bereits unfair, und das spüren Menschen jeden Tag. Ein konkretes Beispiel ist die Wohnungspolitik, bei der dringend Massnahmen nötig sind: Es braucht mehr bezahlbare Wohnungen! Eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist in der Stadt Zürich mittlerweile fast ein Luxus geworden. Dadurch sind bestimmte Quartiere stärker migrantisch geprägt, während andere Viertel praktisch nur noch für finanziell Hochverdienende erreichbar sind. Das erschwert die Integration massiv und macht die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fast unmöglich. Hinzu kommen für migrantische Personen zusätzliche Hürden bei der Wohnungssuche: Diskriminierungserfahrungen wegen des Namens oder der Herkunft, fehlende Referenzen und bürokratische Barrieren erschweren den Zugang. Racial Profiling bedeutet, dass Menschen allein aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Zugehörigkeit unter Verdacht gestellt und diskriminiert werden, statt nach ihrem Verhalten beurteilt zu werden. Solche Praktiken müssen in allen staatlichen Instanzen konsequent bekämpft werden – besonders im Sicherheitsdepartement, also bei der Polizei.

Rita, was ist für dich eine lebenswerte Multi-Kulti-Stadt für alle Generationen?
Rita: Ziel ist, dass alle die gleichen Möglichkeiten haben, unabhängig von ihrer finanziellen Situation. Mit der Gefahr, dass ich mich wiederhole: Wir wollen eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, patriarchale Strukturen und Armut. Lebenswert heisst eine Gesellschaft, die Karl Marx so beschreibt: «Jede und jeder nach ihren/seinen Fähigkeiten, jede und jeder nach seinen Bedürfnissen.» Multi-Kulti kann oberflächlich betrachtet bedeuten, dass man Spezialitäten aus aller Welt essen kann – um es etwas banal zu sagen. Multi-Kulti heisst aber vor allem der Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung auf allen Ebenen der Gesellschaft. Es ist ein gemeinsamer Kampf, den wir täglich führen müssen – und genau so wollen wir unsere Stadt gestalten, Zürich für die Zukunft aufbauen, inklusiv, gerecht und solidarisch für alle Generationen.

In Bern wird demonstriert – aber wie?

dom. Am 17. Januar liess die Berner Polizei eine kurze Platzkundgebung zu, stoppte aber jeden Umzug, kontrollierte Hunderte und kesselte ein. Der Einsatz markiert eine neue Repressionslogik: Abschreckung statt Lagebeurteilung – «Sicherheit» wird zum politischen Leitmotiv.

Wenn sich in Davos alljährlich das Kapital und seine politischen Handlanger:innen treffen, führt das jeweils landesweit zu Protesten – so auch dieses Jahr in Bern. Doch die Versammlung vom 17.Januar endete nicht in einem lautstarken Umzug, sondern in einem Lehrstück über die Verschiebung politischer Spielregeln: Die Polizei tolerierte eine kurze Platzkundgebung, verhinderte jedoch einen Umzug durch die Stadt, kontrollierte Hunderte Personen und kesselte am Ende verbleibende Demonstrierende ein.
Das – gemessen an der Zahl der Demonstrierenden – überwältigende Polizeiaufgebot und das rigide Durchgreifen verweisen auf eine neue Repressionslogik, die sich in Zukunft durchsetzen dürfte. Der Staatsmacht ging es weniger um die Frage, wie mit einer unbewilligten Versammlung umzugehen sei, sondern um die Setzung eines politischen Signals.

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Trump dominiert Davos

dom. Das WEF inszeniert den Dialog – doch dieses Jahr dreht sich alles um Donald Trump. Während 64 Staats- und Regierungschefs anreisten und die Schweiz im «House of Switzerland» auf ein Treffen hoffte, setzte der US-Präsident auf Druck statt Diplomatie. Europa empört sich – ohne echte Hebel.

Nach Monaten der Selbstbeschäftigung, nach dem Skandal um Gründer Klaus Schwab, konnte das WEF Mitte Januar endlich tun, wofür es geschaffen wurde: dem Kapital und den politischen Führungsspitzen den roten Teppich ausrollen. 64 Staats- und Regierungschefs reisten an – und doch hing dieses Jahr alles an einer einzigen Person. Nach Jahren der Abwesenheit reiste Donald Trump wieder nach Davos, ausgerechnet jetzt, wo er die freihändlerische Welt mit Zöllen quält, Staatschefs entführt und die geopolitische Temperatur hochdreht. Im Zentrum stand Trumps Anspruch auf Grönland: Dänische Stimmen pochten auf Souveränität, europäische Vertreter:innen warnten vor einem Präzedenzfall, und auch die Märkte reagierten empfindlich.

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Wahlkampf von links

Tarek Idri. In der Stadt Zürich wird im März gewählt. Wie unterscheiden sich die linken Parteien in der Stadt Zürich? Und vor allem: Hebt sich die Partei der Arbeit (PdA) inhaltlich von den reformistischen ab? Ein Blick auf die Programme von PdA, SP, Grüne und AL.

Bei den Wahlen um die Regierung der Stadt Zürich, die am 8. März stattfinden werden, treten elf Parteien an. Vier davon kann man als links bezeichnen: PdA, SP, Grüne und Alternative Liste (AL). Sie alle setzen sich für mehr oder weniger «soziale» Anliegen ein (Stärkung des Service public, Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der grossen Mehrheit der Bevölkerung), während die Bürgerlichen im Kern die Interessen der Reichen und Unternehmen vertreten. Wie sieht das Programm der linken Parteien aus, worin unterscheiden sie sich untereinander? Für uns wird besonders die Frage interessant sein, ob sich die PdA, die sich explizit als revolutionäre Arbeiter:innenpartei versteht, inhaltlich abgrenzt von den reformistischen linken Parteien, ob hier ein qualitativer Unterschied beobachtet werden kann – oder nicht. » Weiterlesen

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