Ungebrochener Sumud!
sit. Gegen den weiterhin stattfindenden Genozid in Gaza und die Beteiligung
der Schweiz daran, protestierten am vergangenen Wochenende Tausende von Menschen im Land. Der Widerstand wird weitergehen. Free Palestine!
«Während der Genozid in Gaza weitergeht, führen in der besetzten Westbank und Jerusalem die faschistischen Siedler das zionistische Kolonialprojekt mit täglichen ethnischen Säuberungen und Landraub mithilfe der zionistischen Regierung und ihrer Armee aufs brutalste fort», ist im Aufruf des Palästina-Komitees Zürich zur Demo vom 10.Oktober zu lesen. Und weiter: «Die Standhaftigkeit – Sumud – des palästinensischen Volkes bleibt trotz drei Jahren anhaltenden Genozids und 78 Jahren ethnischer Säuberung, Landraubes und Inhaftierungen von Tausenden Palästinenser:innen in den Folterzentren ungebrochen.» Dem Aufruf folgten über 1000 Personen, die lautstark durch die Strassen der Innenstadt Zürichs demonstrierten. An der Bahn-hofstrasse wurde eine Schweigeminute abgehalten.
Weitere Proteste fanden in Lugano, Genf, Lausanne und Bern statt. Das mediale Interesse konzentrierte sich auf die Hauptstadt nach den Vorfällen vor einem Jahr. Doch auch in Bern blieb es friedlich.
Auch im Westjordanland
75000 Tote in Gaza seit Oktober 2023 – das sind 72 pro Tag, drei pro Stunde. Laut Angaben der UNO waren bereits im Oktober 2025 rund 92 Prozent aller Wohneinheiten im Gazastreifen zerstört oder beschädigt. Hunderttausende Menschen haben dadurch ihr Zuhause verloren. Von den 36 Spitälern, die vor dem 7.Oktober 2023 in Betrieb waren, wurden mindestens 34 vollständig oder teilweise zerstört, neun davon vollständig. Kein einziges Spital ist heute mehr vollständig funktionsfähig.
Und: Nach Angaben der UNO wurden seit Oktober 2023 mehr als 1100 Palästinenser:innen im besetzten Westjordanland von israelischen Streitkräften oder Siedler:innen getötet. Von diesen Siedler:innen gibt es mehr als 500 000, die illegal im Westjordanland leben. Sie sind zusammen mit den israelischen Besatzungstruppen für mehr als 14000 Angriffe im besetzten Westjordanland verantwortlich.
Eine Farce
Eine starke und emotionale Rede hielt vor der Demo auf dem Ni-una-Menos-Platz (Helvetiaplatz) im Zürcher Kreis 4 der Genosse der Kommunistischen Jugend (KJ). «Obwohl es zu erwarten war, wurde aus dem Waffenstillstand, der im Oktober 2025 angekündigt wurde, nichts weiter als eine Farce», brachte er die Situation auf den Punkt. Und weiter: «Seit Beginn dieser Farce im Oktober 2025 wurden mehr als 1400 Tote und 5000 Verletzte in Gaza gezählt.»
Diese Zahlen werden durch eine gemeinsame Erklärung von mehr als 100 humanitären Organisationen und Menschenrechtsorganisationen vom 9.Oktober 2026 untermauert. Darin halten unter anderem Amnesty International, Oxfam und Save the Children fest, dass der «Waffenstillstand nur dem Namen nach» existiere. «Ein Waffenstillstand ist bedeutungslos, wenn weiterhin Kinder getötet werden und Familien ihr Leben nicht wieder aufbauen können», erklärt Inger Ashing, Geschäftsführerin von Save the Children. Seit der Ankündigung des Waffenstillstands sei beinahe jeden Tag ein Kind getötet worden. Die Organisationen kritisieren zudem, dass die israelischen Beschränkungen für humanitäre Hilfe sowie für die Einfuhr von Ausrüstung und Baumaterial den Wiederaufbau verhindern.
Die Komplizenschaft der Schweiz
Der Aktivist der KJ ging in seiner Rede auch auf die Rolle der Schweiz ein: «Seit Oktober 2023 bis März 2025 wurden Schweizer Dual-Use-Güter und spezifische Militärgüter im Wert von über 24 Millionen Franken nach Israel exportiert.» Dies ergab eine Recherche des Westschweizer Radios und Fernsehens RTS vom März 2026, die Exportbewilligungen bis März 2025 untersuchte.
Schweizer Unternehmen unterhalten zudem Geschäftsbeziehungen zu israelischen Firmen wie Israel Chemicals, dem verschiedene Nichtregierungsorganisationen vorwerfen, weissen Phosphor für militärische Zwecke herzustellen. So lieferte der Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer Ventile nach Israel, unter anderem an Israel Chemicals. Laut Human Rights Watch setzte die israelische Armee im Oktober 2023 sowohl im Gazastreifen als auch im Libanon weissen Phosphor ein. Aufgrund seiner Brandwirkung verursacht weisser Phosphor schmerzhafte und tiefe Verbrennungen bis auf die Knochen sowie Schäden an den Atemwegen und kann zu Organversagen führen.
Die schweizerische Komplizenschaft zeigt sich beispielhaft auch in den Investitionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Wie eine Recherche von SRF vom September 2025 aufzeigte, hält die SNB Aktien von Unternehmen, die wegen ihrer Beteiligung an Israels Kriegführung in Gaza international in der Kritik stehen. Dazu zählen der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems und der US-Konzern Caterpillar, dessen Bulldozer von der israelischen Armee zur Zerstörung palästinensischer Häuser und Infrastruktur eingesetzt werden. Im ersten Quartal 2026 erhöhte die SNB ihren Bestand an Elbit-Aktien sogar um rund 23000 Stück. Ende Juni 2026 hielt sie 100227 Aktien im Wert von rund 76 Millionen Dollar. Innerhalb eines Jahres hatte sich der Marktwert ihrer Beteiligung damit verdoppelt. Ein erheblicher Teil dieses Anstiegs ist auf den gestiegenen Aktienkurs zurückzuführen – womit auch die Rolle des kapitalistischen Systems am Genozid in Gaza eindrücklich erklärt wird.
Weiterkämpfen!
Und so kam der Genosse der KJ, der für seine Rede grossen Applaus und viel Zustimmung erhielt, zu einem eindeutigen Schluss: «Es ist eine Schande, dass nach drei Jahren Genozid der genozidale Staat Israel immer noch nicht eingedämmt wurde. Dass dieser Staat immer noch jeden Tag Palästinenser:innen tötet, dass die Schweiz und die westlichen Länder dieses Regime nicht verurteilen, sondern bedingungslos unterstützen.» Er schloss mit den Worten: «Wir kämpfen weiter! Free Palestine!»
