Sexismus abpfeiffen!

sah. Der Schweizerische Fussballverband muss Verantwortung übernehmen und handeln: ein Spielklima auf und neben dem Platz schaffen, das einerseits Diskriminierung und Übergriffe präventiv angeht und andererseits die Unterstützung von Betroffenen gewährleistet.

Noch immer ist es so: Bestimmte Männer dominieren im Fussballsport. Alle Strukturen, Statuten und Reglemente hier sind nur für erfolgreiche Männer gedacht. Bedürfnisse und Lebenswelten von Frauen sind nicht berücksichtigt. Da werden Grenzen überschritten. Missbräuchliches Verhalten, sexuelle Belästigung, Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung gehören zum Frauenfussball. Um dieses toxische Fundament zum Verschwinden zu bringen, müsste die «Schweizer Fussballszene» fundamental erneuert werden.
Geschichten, die von Sexismus erzählen, gibt es viele.
Erst kürzlich, am 22.März, berichtete die News-Plattform watson.ch, dass Funktionäre des Grasshopper Club Zürich (GC) sich gegenüber Spielerinnen anstössig verhalten haben sollen. Schuld daran ist das Machtgefälle zwischen Spieler:innen und Trainer:innen oder Funktionär:innen. Letztere haben grossen Einfluss auf die sportliche Entwicklung, den Einsatz im Spiel und die Karrierechancen von Frauen. Abhängigkeiten erschweren es Betroffenen, sich gegen Übergriffe zu wehren.

Frauen sind oft unsichtbar
Sie nannten es «fragwürdige Situationen»: Erich Vogel, damals Sportchef des GC-Frauenteams (und heute Mitglied der Sportkommission), hatte Spielerinnen zu sich nach Hause eingeladen, um ihre Trainerausbildung «zu fördern/unterstützen» oder Vertragsverhandlungen zu führen. Auch der Präsident Heinz Spross fragte in einem Trainingslager in der Türkei vor dem versammelten Team, ob eine Spielerin, die ihre Hotelkarte verloren hatte, dies mit Absicht getan habe, um in sein Zimmer eingeladen zu werden. In diesem Fall soll Swiss Sport Integrity bereits informiert worden sein. Auf der Seite sportintegrity.ch stellt sich die Stiftung vor. Sie will, dass Sportlerinnen und Sportler in einem sicheren, fairen und dopingfreien Umfeld Sport treiben können. Sie leistet nach eigenen Angaben einen «wesentlichen Beitrag zur Integrität des Sports durch Dopingkontrollen, Ermittlungen, Dopingprävention, angewandte Forschung, Entgegennahme und Untersuchung von Meldungen zu Ethikverstössen». Geht man auf die Seite sportintegrity.ch und gibt bei der Suchfunktion den Begriff «Sexismus» ein, so werden leider
keine Resultate angezeigt.

Handeln statt schweigen
Gibt man den Begriff «Frauen» ein, kommen immerhin sechs Anzeigen. Den zweiten Beitrag in der Suchfunktion geöffnet: Die Stiftung Swiss Sport Integrity hat ein Untersuchungsverfahren gegen den Vorstand des FC Affoltern am Albis eingestellt. Die Meldepflicht wurde im Rahmen des Verfahrens nicht verletzt. Für schuldig befunden wurde aber der Trainer. Im Februar 2022 ging die Meldung eines möglichen Fehlverhaltens des damaligen Trainers des Frauenteams des FC Affoltern
am Albis gegenüber einigen Spielerinnen ein. In der Folge wurden Befragungen der Spielerinnen und Angeschuldigten durchgeführt. Im Anschluss wurde der Fussballtrainer wegen Verletzung der sexuellen Integrität für schuldig befunden. Das ist wohl nur eines von vielen Beispielen: Im Jahr 2023 gingen bei der unabhängigen Meldestelle Swiss Sport Integrity 374 Meldungen zu Ethikverstössen ein – sicher ein Sechstel davon betraf Verletzungen der sexuellen Integrität. An Dominique Blanc (Zentralpräsident des Schweizerischen Fussballverbandes SFV) ist die Petition «Sexismus abpfeifen – nicht wegschauen» adressiert. Eigentlich will der SFV mit Solidarität und Engagement gegen Diskriminierung und Gewalt auf und neben dem Fussballplatz vorgehen.

Unabhängige und niederschwellige Meldestellen schaffen
Dazu gehört eigentlich auch der Schutz von Spieler:innen, Fans und allen Mitarbeitenden auf und neben dem Platz vor Sexismus und sexualisierter Gewalt. Solidarität mit Betroffenen? Irgendwie gehört die Bekämpfung von Sexismus noch zu wenig zu dieser Agenda. Die Positionierung des SFV gegen diese Art von Gewalt und Diskriminierung geschieht noch zu wenig konsequent. Es braucht Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit für Involvierte. Das heisst: Schulungen für alle Beteiligten. Damit sind Spieler:innen gemeint oder auch Funktionär:innen.
Um konsequent handeln zu können, muss ein Interventionsschema für alle Fälle von Sexismus und
sexualisierter Gewalt geschaffen werden. Der SFV soll viele regionale Anlauf- und Meldestellen für Betroffene gründen, die professionell und klar kommunizieren, einfach zugänglich und unabhängig sein sollen. Gewünscht sind schnelle und solidarische Massnahmen bei Meldungen von Sexismus und sexualisierter Gewalt. Wichtig ist, dass Betroffene sofort keinen Kontakt mehr mit Gewaltausübenden haben müssen. Hier kommen etwa Sperren oder Suspendierungen zum Einsatz. Fazit: Es gibt hier noch viel Arbeit zu erledigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.