¡No Pasarán! in der Urschweiz

Florian Sieber. Auf einen Fasnachtsauftritt in Ku-Klux-Klan-Kutten reagieren Antifaschist*innen in Schwyz mit einer Demo. Bei der Kungebung kommt es
zu einem Angriff und auch schon im Vorfeld versuchten Faschist*innen die Aktivist*innen in Angst zu vesetzen. Ein Fallbeispiel für politische Einschüch-terungsversuche von Rechts.

Rote Fahnen, bunte Banner, Autonome und Familien mit Kinderwagen. So unterschiedlich die Leute waren, die am 13. April in Schwyz auf die Strasse gingen, so einig waren sie sich in einem Punkt: Faschist*innen und menschenfeindliche Hetze wollen sie nicht unwidersprochen lassen. Etwa 600 bis 700 demonstrierten an jenem Samstag gegen Rechts – für die Kleinstadt Schwyz eine ordentliche Zahl. Umso überraschender ist die erfolgreiche Demonstration, wenn man bedenkt, dass der Schwyzer Gemeinderat 2008 noch die Bewilligung für eine antifaschistische Demonstrationen gegen die Partei national orienterter Schweizer (Pnos) verweigerte.
Anlass des Protests mitte April war der Auftritt einer handvoll Rechter in Ku-Klux-Klan-Kostümierung an der Schwyzer Fasnacht. Der KKK wurde in den USA als Reaktion von Rechts auf die Abschaffung der Sklaverei geschaffen und ist berüchtigt für die rassistischen Morde, die seither von ihren Mitgliedern begangen wurden. Sich an biergeschwängerten Fasnachtsanlässen einzunisten, um diese als Plattform für rassistische Hetze zu nutzen, schien Rechtsextremen schon 2018 eine tolle Idee zu sein, als fünf Mitglieder der Pnos sich unter den Cortège an der Basler Fasnacht mischten. Dabei trug der Tambour der Bande eine braun angemalte Maske, mit übertriebenen Lippen und eine Kraushaarperücke – auf dem Pullover der Schriftzug «Rapefugees not welcome».

Das Blood-and-Honour-Video
Während die Geschichte an der Basler Fasnacht für die Pnos kein wirkliches Nachspiel (ausser reichlich medialer Aufmerksamkeit) hatte, entschieden sich Aktivist*innen in Schwyz mit dem Bündnis «buntes Schwyz» in die Offensive zu gehen. Eine Demonstration wurde geplant, verschiedene Gruppen schlossen sich der Sache an und die Mobilisierung begann anzulaufen. Die Rechte in der Region fühlte sich von den Aktivitäten der Antifaschist*innen offensichtlich in die Ecke gedrängt. Die Waffe der Wahl um der linken Gegenoffensive zu begegnen? Einschüchterung und Angst. Noch vor der Demonstration wurde im Elternhaus von Jungsozialist Elias Studer eingebrochen. «Dabei wurde ein Transparent gestohlen, das für die Demonstration gedacht war», erklärt Studer gegenüber dem vorwärts. Auch an der Demo hätten die Faschisten ein Transparent gestohlen. Studer: «Das war das Transpi, das dann im Blood-&-Honour-Video verbrannt wurde.»
Im Video, das eineinhalb Wochen nach der Demonstration in den sozialen Medien kursierte, sind sieben Vermummte zu sehen, die den Hitlergruss zeigend hinter einem brennenden Transparent stehen. Neben dem Logo des Faschistennetzwerks Blood & Honour, welches seit 1998 in der Schweiz vor allem bei der Organisation von Konzerten und Demos in Erscheinung trat, werden im Video auch das Symbol der Blood & Honour angeschlossenen Terrororganisation Combat 18 gezeigt. Die Gruppe ist in der Vergangenheit mit Morden und Terroranschlägen in Erscheinung getreten. Sie ist in mehreren Ländern verboten. Die Organisator*innen der Demonstration haben nun wegen des zerstörten Transparents von der Demonstration und Studer wegen des Einbruchs Anzeige erstattet.
Den Geburtstag Hitlers gefeiert
Auch an der Demonstration selber markierten die Rechtsextremen Präsenz. Laut Demonstrationsteilnehmenden begannen sie demonstrativ den Protestzug abzufilmen und zu fotografieren. Immer wieder versuchten sie in die Nähe der Antifaschist*innen zu gelangen, was in den meisten Fällen von der Polizei verhindert wurde. In einem Fall kam es jedoch zu einem Zusammenstoss.
Überrascht vom gewaltvollen Vorgehen der Rechten dürften am Ende vor allem die Schwyzer Bürgerlichen gewesen sein. Dass der Schwyzer SVP-Gemeindepräsident Xaver Schuler nichts über die Aktivitäten der Kameradschaft Heimattreu weiss, über deren Social-Media-Auftritt das Flaggenverbrennungsvideo gepostet wurde, erstaunt kaum. Laut Antifa-Quellen wurde die Gruppe 2012 aktiv und positionierte sich schnell eindeutig als faschistische Organisation. So organisierte die Gruppe, deren Mitglieder im Linthgebiet und in Ausserschwyz wohnhaft sind, 2013 eine Feier anlässlich des Geburtstags von Hitler. Der blinde Fleck, den das Bürgertum allgemein im Umgang mit Faschismus hat, wird bei Schuler überdeutlich: Die Schuld für die Zusammenstösse an der Demo schob er den Linken in die Schuhe. Die Ku-Klux-Klan-Fasnächteler nahm er vorsorglich in Schutz und sprach von einem «Jux».

Brandanschläge auf Briefkästen
Die Botschaft ist klar: Bei antifaschistischen Aktivitäten dürfen Linke nicht auf die Bürgerlichen und ihre Hilfe hoffen. Zumindest nicht, solange Faschisten bei Angriffen vorsorglich die Absolution erhalten und Vorfälle wie der an der Schwyzer Fasnacht als schlechter Humor abgetan werden.
Mit den koordinierten Brandanschlägen auf die Briefkästen von Politiker*innen von Juso und SP in Solothurn kurz vor dem 1. Mai und dem Einbruch bei Studer wird klar, dass den Faschisten daran gelegen ist, jegliche Opposition gegen Rechts in Furcht und Einschüchterung zu ertränken. Die Botschaft ist klar: «Wir wissen, wo ihr wohnt und wir wenden Gewalt an.» Dass sich solche Einschüchterungsversuche sich nicht immer auszahlen, beweist Elias Studer. Auf die Frage, ob er sich nun bedroht fühle, antwortet er trotzig: «Also mich macht das eher hässig und gibt mir Energie weiterzukämpfen.»

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