Ausbeutung ist weiter gross in Mode

Die Absichtserklärungen der allermeisten Textilkonzerne sind reine Papiertiger: Zu diesem Schluss kommen Public Eye und die Clean Clothes Campaign (CCC) in ihrem «Firmencheck 2019», für den sie 45 Modeunternehmen, darunter 19 aus der Schweiz, unter die Lupe genommen haben. Denn immer noch stellt keine einzige der analysierten Firmen sicher, dass ihre Näherinnen einen existenzsichernden Lohn erhalten. Gegen diese Untätigkeit von H&M, Tally Weijl, Zalando & Co setzen wir eine innovative Kampagne, die Lohntransparenz und menschenwürdige Einkommen fordert.

Von den 45 durch Public Eye und die CCC befragten Firmen lieferte einzig die am Bielersee domizilierte Nile glaubhafte Hinweise, dass ein Teil der in ihrer Kleiderherstellung Beschäftigten heute schon einen Existenzlohn bekommt und einen klaren Zeitplan, bis wann dies für alle ihre Zulieferer gelten soll (2020). Zahlreiche andere Modeunternehmen wie die Schweizer Manor, Triumph oder Tally Weijl hingegen erkennen ihre Pflicht zur Respektierung des Rechts auf einen Existenzlohn nicht mal auf dem Papier an. Und für gerade mal fünf Fast Fashion-Anbieter ist es wenigstens ein Kriterium, ob ihre Einkaufspreise den Lieferanten (zumindest theoretisch) die Bezahlung von Existenzlöhnen möglich machen.

Der Befund ist so klar wie katastrophal: Trotz vieler freiwilliger Einzel- und Brancheninitiativen hat sich in den letzten Jahren die Lohnsituation in den Kleiderfabriken der Billigproduktionsländer kaum verbessert. Die Modekonzerne müssen endlich verbindliche Massnahmen ergreifen. Ein Aktionsplan mit konkreten Zielsetzungen und einem ambitionierten Zeitplan ist absolut überfällig. Leichte Fortschritte lassen sich derweil in der Lieferketten-Transparenz verzeichnen, besonders bei den globalen Branchenführern. Immerhin die Hälfte aller befragten Firmen veröffentlichen inzwischen Informationen über ihre Zulieferer, wobei die Datenqualität stark variiert.

Hinterherhinken tun hier nicht nur die meisten Schweizer Akteure, sondern auch der Online-Gigant Zalando. Ungeachtet diverser Nachhaltigkeits- und Transparenzversprechen macht der „Netflix der Mode“ für seine Eigenmarken zum Beispiel keinerlei Angaben zu seinen Zulieferern.
Fast alle der mit unserem Fragebogen konfrontierten Firmen verweigerten auch Informationen zur Lohnpolitik ihrer Lieferanten. Um diese Mauer des Schweigens zu durchlöchern und den Druck zu erhöhen, lädt Public Eye die Kleiderkonsumentinnen und -konsumenten dazu ein, via Online-Kundendienst aktiv ans Gewissen von acht in der Schweiz ansässigen oder stark präsenten Modemarken zu appellieren (Calida Group, C&A, H&M, Strellson, Tally Weijl, Triumph, Zalando und Zara rsp. Inditex). Zudem können Web-User an einer «Crowd Research» teilnehmen und selbst Informationen über all jene Textilunternehmen sammeln, die keine Fragebogen erhalten haben.

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