Zwischen Washington und Teheran

dom. Die USA reagieren auf die eigene ökonomische Schwäche und den Aufstieg Chinas mit militärischem Druck. Wie stellt sich die Schweiz dazu? Ganz einfach – ginge es nach der SP: rhetorisch gegen die USA, politisch gegen Iran, strategisch für Europa.

Schon wieder Krieg im Nahen Osten, schon wieder ein Krieg unter Führung des «Friedenspräsidenten». Trump zieht missliebige Staatsoberhäupter mit chirurgischer Präzision aus dem Verkehr. Zur Kompensation seiner ökonomischen Schwäche mobilisiert er sein ganzes militärisches Potenzial, mit aller Gewalt soll der Einfluss Russlands und Chinas aus geopolitisch umkämpften Zonen zurückgedrängt werden. Maduro weg, Khamenei weg – wer ist der nächste auf der Abschussliste? Díaz-Canel?

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Jeder Ort, ein Ort des Kampfes

8.3.-Redaktion. Die Welt verändert sich rasant, es findet eine brutale Zuspitzung von Krieg, Gewalt und Faschismus statt. Dagegen formt sich an verschiedenen Orten Widerstand. Wir wollten von Frauen und queere Personen aus dem globalen Süden wissen, wie sie ihre revolutionäre und feministische Perspektive in der Praxis umsetzen. Wie sehen ihre Kämpfe aus, was sind ihre Hoffnungen? Einige Stimmen aus den Philippinen, Mexiko, Kuba und Rojava.

Noch nie gab es so viele Kriege weltweit wie 2025 – und bereits in den ersten Tagen von 2026 wurden gleich Venezuela und Rojava angegriffen. Die imperialistischen Mächte tun nicht mehr mal so, also ob sie sich an die eigenen Regeln ihrer «Weltordnung» halten würden. Während früher noch ohrenbetäubendes Schweigen und lahme Ermahnungen an alle Seiten die üblichen Reaktionen waren, gingen die Herrschenden des globalen Nordens im Gaza-Krieg einen Schritt weiter: Neu lässt man die USA und Israel nicht nur jegliche Völkerrechtskonventionen brechen, sondern billigt das Vorgehen lautstark und versucht, die Proteste und Solidarität für Palästina im eigenen Land durch Repression und Diffamierungen zu ersticken. Dies kreierte einen Präzedenzfall, der Trumps Machtpolitik die Möglichkeit gab, immer und überall auf der Welt Kriege zu führen, ohne sich vor Konsequenzen fürchten zu müssen. Sei es in Venezuela, in Kuba oder in der Arktis. » Weiterlesen

Das Unmögliche möglich machen

Sevin Satan

Von Sevin Satan. Vor etwa 20 Jahren verwirklichte ich einen der Träume meiner Mutter. Sie wollte schon immer einmal nach Kuba reisen. Ich sparte nach der Lehre ein Jahr lang dafür. In Kuba wohnten wir nicht in den sogenannten «Casas Particulares», also den vom Staat registrierten Wohnungen, in denen man als Tourist:innen wohnen durfte, sondern illegal bei einer Familie, die wir vorher nicht kannten. Eine Freundin meiner Mutter hatte uns den Kontakt vermittelt. Zuerst wussten wir nicht, dass wir etwas Illegales taten, und danach fanden wir es einfach zu spannend bei dieser Familie, um in eine «Casa Particular» zu wechseln.

Wir wohnten in einem nicht touristischen Viertel in Havanna. Ich konnte damals Portugiesisch und schlug mich mit einem Mix aus Portugiesisch und Möchtegern-Spanisch durch. Da meine Mutter alles wissen wollte, war ich als Dolmetscherin unterwegs, was mich sehr herausforderte und in meinen jungen Jahren auch nervte. Alles musste ich fragen: von Lebensmitteln bis zum Militärdienst!
Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass ich durch ihre nervigen Fragen sehr viel über das Land sowie ein bisschen die spanische Sprache gelernt habe, aber das reflektiert man mit 23 Jahren generell etwas später. Jedenfalls fanden wir mit der Zeit heraus, dass die Familie, die uns beherbergte und mit uns auch vieles unternahm, keine Fidel-Freunde war. Zuerst waren wir schockiert, doch danach fanden wir es eigentlich gar nicht so schlecht, auch die andere Seite der Medaille kennenzulernen und sie uns anzuhören. Jedenfalls musste ich wieder eine nervige und sprachlich herausfordernde Frage stellen. Meine Mutter wollte wissen, ob es in Kuba das Problem mit dem Rinderwahn, also BSE, gebe. Mercedes, die Gastgeberin, antwortete: «Fidel würde uns nie etwas zu essen geben, das unserer Gesundheit schaden könnte!»
Diese Aussage von ihr verblüffte uns sehr. Sie war gegen den Sozialismus und den Kommunismus. Ihre Vorstellung eines Wirtschaftssystems war halb sozialistisch und halb kapitalistisch – was immer das auch genau heissen mag … Aber als eine Gegnerin Fidels die Aussage zu machen, dass Fidel ihnen nie etwas geben würde, was ihnen schaden könnte, das ist etwas sehr Grossartiges! Sie mag ihn nicht, aber dennoch weiss sie, dass er seiner Bevölkerung nicht für Profit schaden würde – das hat uns sehr beeindruckt. Selbst Regierungsgegner:innen in Kuba wissen also, dass sie alles, was sie an Lebensmitteln erhalten, mit gutem Gewissen konsumieren können – was bei uns so gar nicht der Fall ist.

Im Juni 2025 wurde bekannt, dass im Kanton St. Gallen weiterhin Rindfleisch auf den Markt gelangte, das mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS belastet war – und zwar in einem Ausmass, das die gesetzlichen Höchstwerte überstieg und somit verboten gewesen wäre. PFAS-Chemikalien können chronische Gesundheitsschäden verursachen. Sie können das Immunsystem schwächen, Leber und Nieren schädigen, die Fruchtbarkeit verringern sowie das Risiko für Krebs (insbesondere Nieren- und Hodenkrebs) und Schilddrüsenerkrankungen steigern. Bereits Mitte 2024 war PFAS-vergiftetes Fleisch in den Tellern der Konsument:innen in der Ostschweiz gelandet. Damals kündigte der Kanton St. Gallen einen Verkaufsstopp für das betroffene Fleisch an – umgesetzt wurde er nie. Viel mehr wurde PFAS-vergiftetes mit nicht vergiftetem Fleisch vermischt, so dass die PFAS-Werte unter die gesetzliche festgelegte Obergrenze gedrückt wurden. Was wohl meine damalige Gastgeberin in Kuba zu all dem sagen würde?

Es gibt kein System, und es wird keines geben, das die gesamte Bevölkerung zufriedenstellen wird. Und egal, wie es auch heissen und aussehen mag: Es muss immer die Gesundheit des Menschen in den Vordergrund stellen. Im kapitalistischen System ist unsere Gesundheit seit Längerem zu einer Ware geworden. Und immer mehr Menschen haben Mühe, sich diese Ware überhaupt kaufen zu können. Denn jedes Jahr steigen die Prämien der Krankenkassen – während gleichzeitig die sogenannten Topmanager:innen der Versicherungsgesellschaften fette Boni abkassieren. Hingegen hat Kuba trotz des über 60 Jahren dauernden US-Embargos ein kostenloses Gesundheitssystem geschaffen, mit der am besten ausgebildeten Ärzt:innen weltweit. Was ich in Cuba und von Ché Guevara gelernt habe: Sei realistisch und mach das Unmögliche möglich!

Sevin Satan,
Politische Sekretärin der Partei der Arbeit Zürich

Politische Zensur bei der Winterolympiade

sit. Der italienische Sänger Ghali trat an der Eröffnungsfeier in Mailand auf.
Der Staatssender RAI ignorierte den Sänger und tat alles, damit seine Botschaft des Friedens möglichst ungehört blieb.

Die Winterolympiade in Milano Cortina ist voll im Gange. Millionen von TV-Zuschauer:innen sahen sich am 8.Februar die Eröffnungsfeier an, die unter anderem im Stadion San Siro in Mailand stattfand. Dabei kam es zu einer skandalösen Zensur durch das italienische Staatsfernsehen RAI – eine Zensur, die ihresgleichen sucht, aber von kaum jemandem bemerkt wurde.

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Wenn Ungleichheit regiert

lmt. Ökonomische Ungleichheit ist längst mehr als ein soziales Problem – sie verschiebt politische Macht systematisch zugunsten der Reichsten. Während Milliardär:innen Politik, Medien und öffentliche Debatten prägen, verlieren arme und marginalisierte Menschen zunehmend ihr politisches Mitspracherecht.

Ökonomische Ungleichheit ist kein Nebeneffekt moderner Gesellschaften, sie ist zu einer treibenden politischen Kraft geworden. Wo Reichtum sich konzentriert, konzentriert sich politische Kontrolle. Wo Armut wächst, schrumpfen demokratische Rechte. Nicht zufällig geraten weltweit Grundrechte unter Druck, während politische Entscheidungen zunehmend die Interessen weniger privilegieren.

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Niemand wird zurückgelassen

Marius Käch. Die schweren Fluten praktisch während des ganzen Jahres 2025 haben in Vietnam unzählige Leben gekostet und die Existenzgrundlage Hunderttausender zerstört. Der kostenlose Wiederaufbau von Wohnraum für die Betroffenen mit der Quang-Trung-Kampagne zeigt, wie Vietnam die Klimakrise mit der Sozialen Frage kombiniert und der reichen Schweiz als gutes Vorbild dient.

Auch angesichts der immer häufiger werdenden Naturkatastrophen bleiben die Gewalten, welche in der Natur schlummern, kaum vorstellbar. So musste Vietnam wegen der Fluten 150395 Offizier:innen und Soldat:innen in die Gefahrengebiete mobilisieren. Mit 3085 Autos, 489 Spezialfahrzeugen, 646 Schiffen, 1239 Kanus, sechs Helikoptern und dem Einsatz der Volksmarine im Landesinneren wurden enorme Ressourcen eingesetzt, um möglichst viele Menschen zu retten. Diese Zahlen erhalten jedoch erst dann ihr volles Gewicht, wenn man sie in Relation setzt: Dies war «lediglich» die Vorbereitung für Taifun Nummer 15, der sich 2025 im Ostmeer (Südchinesisches Meer) gebildet hat. Zu hoch ist die Anzahl an tropischen Wirbelstürmen, als dass man ihnen hier Namen geben würde. Mit dem Voranschreiten der Klimaerwärmung werden die Stürme, Taifune und tropischen Depressionen in Südostasien immer öfter und immer verheerender.

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Erinnern heisst kämpfen

Kai. Am 10.Januar fand in Berlin die 31.Rosa-Luxemburg-Konferenz statt, tags drauf die traditionelle Luxemburg-Liebknecht-Lenin-Demonstration statt. Mit dabei auch Genoss:innen der Kommunistischen Jugend und der Partei der Arbeit. Ein Rückblick auf ein kämpferisches Wochenende im Zeichen der gelebten internationalen Solidarität.

Gross war die Vorfreude der Genoss:innen der Kommunistischen Jugend Schweiz (KJS) und der Partei der Arbeit der Schweiz (PdAS) auf die Reise nach Berlin – und sie wurde nicht enttäuscht, so viel sei bereits verraten. In der deutschen Hauptstadt trafen wir auf internationale Jugenddelegationen aus Irland, England, Österreich und Belgien und wurden herzlich von den Genoss:innen der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) sowie der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) empfangen. Das ganze Wochenende über nahmen wir gemeinsam an verschiedenen Aktionen und Aktivitäten teil – doch der Reihe nach. » Weiterlesen

Erfolgreicher Generalstreik

Ralf Streck. In Portugal konnte der neoliberale Angriff durch einen Generalstreik ausgebremst werden. Der Unmut gegen die radikale Arbeitsmarktreform der konservativen Regierung ist gross.

Am 11.November kam es in Portugal zum Kräftemessen. Es gibt einen klaren Sieger: die Bevölkerung! Die hat mit den Gewerkschaften über den Generalstreik die geplante aggressive Arbeitsmarktreform zunächst vom Tisch gewischt.

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Für eine antiimperialistische Solidarität mit Palästina

Alexander Eniline. Im September hat das Zentralkomitee (ZK) der PdA Schweiz eine Resolution verabschiedet, in der sich die Partei für eine antiimperialistische Solidarität mit Palästina ausspricht und klar Position bezieht für die Palästinenser:innen.

Seit dem Tag nach der Operation «Al-Aqsa-Flut» und dem unmittelbar darauf vom Netanyahu-Regime ausgelösten Genozid hat sich die Partei der Arbeit der Schweiz (PdAS) unermüdlich für die Solidaritätsbewegung mit Palästina mobilisiert: Demonstrationen, Pressemitteilungen, Petitionen. Die Partei spielte auch eine zentrale Rolle bei der Gründung des Dachverbands Schweiz-Palästina. Dabei lag die Priorität beim Handeln; die Partei hat sich nicht die Zeit genommen, ihre Position auch theoretisch zu untermauern. Dies wurde nun mit der Resolution «Für eine antiimperialistische Solidarität mit Palästina» nachgeholt, die vom Zentralkomitee am 27. September 2025 verabschiedet wurde.

Ein koloniales Projekt
Die PdAS hat dem medialen Druck widerstanden, einseitig die Hamas zu «verurteilen», als wäre der 7. Oktober ein Blitz aus heiterem Himmel gewesen. Denn die Geschichte hat nicht erst am 7. Oktober begonnen. Er war die Folge mehrerer Jahrzehnte der Kolonisierung, der Enteignung des palästinensischen Volkes und seiner Vertreibung aus seinem angestammten Land.
«Der Zionismus ist seit seinen Anfängen ein Narrativ und eine Ideologie, die ein koloniales Projekt verteidigt, das sich bewusst in die europäische koloniale Expansion einfügt», heisst es in der Resolution. Ein koloniales Projekt, dessen Kehrseite zwangsläufig darin besteht, dass man, um sich ein bereits bewohntes Land anzueignen, die indigene Bevölkerung vertreiben oder vernichten muss. Der Zionismus als angebliche «Lösung», der dem europäischen Antisemitismus entgegensetzt wäre, wurde in jüdischen Kreisen vor dem Zweiten Weltkrieg mehrheitlich abgelehnt.
Ein auf einer solchen Ideologie gegründeter Staat konnte nur strukturell kolonialistisch, rassistisch und expansionistisch sein. Die Teilung Palästinas und die Schaffung eines Staates Israel waren ein Unrecht gegenüber dem palästinensischen Volk – verschärft dadurch, dass dieser Staat niemals die Absicht hatte, sich mit dem ihm zugewiesenen Territorium zufriedenzugeben. Ganz Palästina musste erobert werden, wobei man sich eines ethnischen Säuberungsprozesses bediente: der Nakba (Arabisch für «Katastrophe). Seither hat die Gewalt gegen die Palästinenser:innen nicht aufgehört. Israel ist ein Apartheidstaat, der die ethnische Säuberung langsam, aber sicher fortsetzt.
Doch Unterdrückung erzeugt Widerstand – und dieser ist legitim. Das schliesst auch bewaffneter Widerstand ein, der völkerrechtlich als solcher anerkannt ist. Israel dagegen hat als Besatzungsmacht gemäss internationalem Recht keinerlei «Recht auf Selbstverteidigung» gegenüber einem Volk, das es unterdrückt. Daher solidarisiert sich die PdAS mit dem palästinensischen Volk und seinem Widerstandskampf. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie alle palästinensischen Widerstandsorganisationen politisch unterstützt; insbesondere kann keine Rede davon sein, der Hamas politische Unterstützung zu gewähren, deren Gesellschaftsprojekt keineswegs progressiv ist.
Was den 7. Oktober 2023 betrifft: Es wurden dabei Kriegsverbrechen verübt – was sogar die Hamas selbst anerkannt hat –, für die es keinerlei Rechtfertigung gibt und die in der vom Zentralkomitee verabschiedeten Resolution verurteilt werden. Dennoch wird die PdAS nicht Unterdrücker und Unterdrückte auf eine Stufe stellen.

«Vom Meer bis zum Jordan»?
Die PdAS befürwortet offen die Befreiung Palästinas «vom Meer bis zum Jordan». Die Resolution vom 27. September war für die Partei eine Gelegenheit, klarzustellen, in welchem Sinn sie diesen Slogan versteht. Die «Zwei-Staaten-Lösung» ist nämlich nicht mehr möglich – sofern sie es überhaupt jemals war. Denn Israel hat niemals die Perspektive eines lebensfähigen palästinensischen Staates akzeptiert – selbst nicht den Mini-Staat, der nur 22 Prozent des Mandatsgebiets Palästina umfassen würde, nämlich das «Palästina in den Grenzen von 1967». Der Apartheidstaat hat alles getan, um diese Möglichkeit zu untergraben. Heute bleiben nur noch verstreute Flecken palästinensischen Territoriums übrig, nichts, was einen lebensfähigen Staat bilden könnte. Die «Zwei-Staaten-Lösung» ist heute nur noch ein Versprechen, das niemals eingelöst wird. Im schlimmsten Fall verkommt sie zu einer PR-Kampagne, um die Fortsetzung der Besatzung zu rechtfertigen. Der Text der Resolution zieht daraus den Schluss, dass «die einzige Lösung ein einziger Staat von Meer bis Jordan [ist]. Ein palästinensischer, gleichberechtigter und demokratischer Staat, der allen seinen Bürger:innen gehört, egal ob palästinensisch oder jüdisch, nach dem Prinzip: eine Person, eine Stimme, und der die Achtung der nationalen, kulturellen, sozialen und anderen Selbstbestimmungsrechte garantiert. Dies bedeutet tatsächlich den Abbau des israelischen Staates, der strukturell supremazistisch und kolonialistisch ist, seines Militär- und Sicherheitsapparats […]. Es geht keineswegs darum, irgendjemanden ins Meer zu schicken, sondern um ein Zusammenleben auf egalitärer Basis.»
Zur Klarstellung sei hinzugefügt, dass Antizionismus nicht mit Antisemitismus verwechselt werden darf – wie in der irreführenden Propaganda der israelischen Regierung und ihrer Unterstützer:innen – und dass die PdAS Antisemitismus und alle antisemitischen Handlungen, die durch nichts zu rechtfertigen sind, entschieden verurteilt.

Unser Kampf in der Schweiz
Der israelische Staat hätte sich nicht zwei Jahre lang eines Genozids schuldig machen können ohne die aktive Komplizenschaft der meisten westlichen Länder, allen voran der USA. Was die Schweiz betrifft, so gehört sie zu den Ländern Europas, die sich am stärksten als Komplizen des Genozids schuldig machen. Und der Kampf, den wir führen, um diese Komplizenschaft zu brechen, ist wichtig, wie die Resolution erklärt: «Innerhalb des Apartheidstaates Israel sorgen diese Erfolge [der Bewegung für Boykott und Sanktionen], selbst wenn sie bescheiden sind, für ernsthafte Befürchtungen, dass Israel in eine ähnliche Lage wie das südafrikanische Apartheid-Regime am Ende der Apartheid geraten könnte: ein geächteter Staat, aus der internationalen Gemeinschaft ausgeschlossen, der gezwungen wäre, bedeutende Zugeständnisse zu machen – wodurch die Befreiung Palästinas endlich Realität werden könnte. Die Schweiz nimmt aufgrund ihres Finanzsektors und ihrer multinationalen Unternehmen eine wichtige Position in der Kette des Imperialismus ein; sie unterhält zudem enge Verbindungen und eine skandalöse Politik der Komplizenschaft mit dem kolonialistischen Staat Israel. Erfolge unseres Kampfes in der Schweiz können daher Palästina real unterstützen.»

Der Waffenstillstand ändert nichts
Nach zwei Jahren Genozid wurde schliesslich ein Waffenstillstand unter der Schirmherrschaft von Donald Trump geschlossen. Doch ein Waffenstillstand bedeutet noch keinen Frieden. Erstens, weil der genozidale Staat Israel ihn nicht respektiert und täglich Palästinenser:innen ermordet. Gaza wird weiterhin regelmässig bombardiert, die Hälfte des Gebiets bleibt von der israelischen Armee besetzt, und die Drohung einer Wiederaufnahme der Vernichtung wird von zionistischen Politiker:innen offen geäussert. Zweitens, weil der Waffenstillstand nicht für das Westjordanland gilt, wo die Kolonisierung beschleunigt wird, sodass bald nur noch einige verstreute palästinensische Enklaven übrigbleiben, und wo die tödliche Gewalt der israelischen Armee und der Siedler:innen täglich Realität ist. Und vor allem kann es keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben. Es wird keinen Frieden geben ohne ein Ende der Kolonisierung und der Apartheid, ohne das Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge, ohne die Verwirklichung des Rechts auf Selbstbestimmung für das palästinensische Volk. Die PdAS wird den Kampf bis zur Befreiung Palästinas, vom Meer bis zum Jordan, fortsetzen.

Die Resolution findet man auf: www.pda.ch
Alexander Eniline ist Co-Präsident der Partei der Arbeit der Schweiz.

Der unermüdliche Verteidiger der Verdammten dieser Erde

Volker Hermsdorf. Der am 25.November 2016 verstorbene kubanische Revolutionsführer Fidel Castro war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Halb im Scherz bemerkte er einmal, wenn er sterbe, könne er es halten wie der spanische Nationalheld Cid Campeador, den man der Erzählung nach tot auf ein Pferd setzte, um Schlachten zu gewinnen.

Castros politisches Erbe wirkt bis weit über seinen Tod hinaus. Der spürbare Hegemonieverlust der USA in Lateinamerika und Washingtons Bemühungen, den
eigenen Einfluss im «Hinterhof» – notfalls auch durch einen Krieg – zurückzugewinnen (siehe dazu Seite 12), stehen im Zusammenhang mit strategischen Initiativen der progressiven Kräfte, die Castro angestossen hatte. Die von ihm inspirierte Gründung der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC), der alle Staaten des Kontinents – ausser den USA und Kanada – angehören, schwächte die frühere Dominanz der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erheblich. Auch das linke Integrationsbündnis ALBA sowie der multinationale Nachrichtensender Telesur gehen unmittelbar auf Castros politische Vision zurück.

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Regenbogensieg in New York

Lukas Arnold. Kann ein Sozialist, welcher seine Laufbahn als Basisaktivist startete, das politische und wirtschaftliche Establishment besiegen? Ja, wenn er von einer progressiven Koalition getragen wird. Dies zeigt die jüngste Bürgermeister-schaftswahl in New York: Über eine Million Menschen stimmten für Zohran Mamdani.

«Eine neue Ära des Klassenkampfes hat begonnen», titelte die Washington Post nach der Wahl von Zohran Mamdani zum neuen Bürgermeister von New York. Der demokratische Sozialist gewann mit 50,4 Prozent – dem absoluten Mehr – und mit der höchsten je
erreichten Stimmenzahl in einer NYC-Bürgermeisterwahl. Ganz falsch lag die Washington Post nicht: Es war ein Sieg einer breit organisierten Basisbewegung über den vom politischen und wirtschaftlichen Establishment unterstützten Andrew Cuomo. » Weiterlesen

Amerikas: Militäreinsätze, Wirtschaftskrieg – und ein Orientierungsansatz

Dieter Drüssel. Bekanntlich kann es heikel oder einfach falsch sein, was uns nicht passt, als (prä-) faschistisch zu bezeichnen. Noch schlimmer wäre allerdings, den Begriff dort zu vermeiden, wo er sich aufdrängt. Aktuelle Aspekte der militarisierten US-Politik in Lateinamerika.

Die US-Armee hat bisher nach eigenen Angaben über 70 Menschen auf Booten primär in Gewässern nahe von Venezuela umgebracht. Immer lautet die nie mit Beweisen unterstützte Erklärung, es habe sich bei den Ermordeten um Drogenhändler:innen gehandelt. Die Fischer:innen, die traditionell zwischen Trinidad und der venezolanischen Küste hin und her pendeln, unterlassen dies jetzt. Das hat unmittelbare wirtschaftliche Konsequenzen für die Küstenbewohner:innen.

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«Wir müssen diese koloniale Logik stoppen»

Kostia Jaboyedoff. Rima Hassan, Europaabgeordnete für La France Insoumise, war für eine UNO-Sitzung in Genf zu Besuch und sprach mit uns über die Zukunft des palästinensischen Volkes, das vom israelischen Staat unterdrückt und entrechtet wird. Sie betonte, dass die internationale Gemeinschaft nicht länger wegschauen dürfe und politische Lösungen nur möglich seien, wenn die Rechte der Palästinenser:innen anerkannt werden.

Das israelische Parlament hat vor Kurzem eine Massnahme zur Annexion des Westjordanlands verabschiedet. Ausserdem nimmt die Besatzungsarmee ihre Angriffe wieder auf, sowohl gegen Gaza als auch gegen das Westjordanland. Kann man daraus schliessen, dass Israel jede Möglichkeit von Frieden für das palästinensische Volk ablehnt?

Ich denke, das fügt sich in eine Kontinuität von Handlungen und politischen Absichten ein, die seit der Nakba von 1948 bestehen. Die Oslo-Abkommen waren eine Klammer, die einen möglichen politischen Ausweg eröffnet hat – und dennoch gehöre ich nicht zu jenen, die denken, dass Oslo eine gerechte Lösung für die Palästinenser:innen hätte sein können. Die Blindheit Europas und der internationalen Gemeinschaft besteht darin, die Absichten Israels gegenüber den Palästinenser:innen nicht zu verstehen, obwohl sie klar angekündigt wurden.

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Kein Nato-Hafen in Hamburg

Gaston Kirsche. In Hamburg probten Soldat:innen der Bundeswehr mit dem Manöver «Red Storm Bravo» für einen Kriegsfall, mitten in der Stadt und
im Hafen. Dagegen gab es tagelang Proteste und Widerstand.

Ende September absolvierte die Bundeswehr mit etwa 500 beteiligten Soldat:innen und zahlreichen «Zivilkräften» die Nato-Übung «Red Storm Bravo» – gerichtet gegen einen roten Sturm aus dem Osten, ein fiktives Krisenszenario für eine militärische Auseinandersetzung. «Roter Sturm» klingt dabei etwas aus der Zeit gefallen, ist doch Putins neozaristisches Russland als Gegner gemeint, nicht die längst vergangene Sowjetunion: «Der Übung liegt zugrunde, dass sich ein baltisches Land bedroht fühlt und den Artikel 4 des Nato-Bündnisses auslöst, die eine erste Truppenverlagerung in den Osten startet, in der Hamburg ein logistischer Knotenpunkt sein könnte», erklärte Kurt Leonards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, der Bundeswehr und Kapitän zur See.

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Friedensnobelpreis und Imperialismus

Timeo Antognini. Der Friedensnobelpreis wurde schon vielen fragwürdigen Figuren verliehen. Wieso wurde dieses Jahr gerade die venezolanische Oppositions-politikerin Machado gewählt? Die diesjährige Auszeichnung ist eine klare Botschaft an Trump und ein Plädoyer für neokonservative Aussenpolitik.

Nachdem Donald Trump monatelang den Friedensnobelpreis im Visier hatte und sich seine Freunde weltweit für seine Auszeichnung eingesetzt hatten, wurde der US-Präsident (zu Recht) herb enttäuscht. Der Nobelpreis geht an die venezolanische Oppositionspolitikerin Maria Corina Machado. In seiner Analyse spricht SRF-Journalist Fredy Gsteiger (SRF, Trump erhält nicht den Preis, aber eine Lektion, 10. Oktober) von einer Lektion an die Adresse Trumps. Die Botschaft des Nobelkomitees laute, dass «ein langfristiger und stabiler Friede demokratische Verhältnisse voraussetzt». Wenn man sich die diesjährige Gewinnerin jedoch genauer anschaut, wird deutlich, dass sich das norwegische Komitee für den liberalen Imperialismus ausgesprochen hat.

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Von der Empörung zum organisierten Kampf übergehen

sit. Zwei Generalstreiks, der erste am 21.September, der zweite am 3.Oktober, mobilisierten über zwei Millionen Menschen auf die Strassen und Plätze von ganz Italien in Solidarität mit Palästina und der Sumud Global Flotilla. Wie kam es dazu? Und: Was wird oder was kann aus der Bewegung werden?

«Die Empörung über die Art und Weise, wie die Regierung ihre Beziehungen zu Israel gestaltet, und über ihre offen erklärte Komplizenschaft mit einem genozidalen System bilden den auslösenden Faktor», schreibt der Dachverband der Basisgewerkschaften «Unione Sindacale di Base» (USB). Und weiter: «Das Entsetzen angesichts des wiederholten und offen gerechtfertigten Massakers auf der einen Seite und der Ekel über die fortgesetzte Heuchelei jener, die uns regieren, sind die Zutaten dieser Mobilisierung.» Diese Beschreibung widerspiegelt die Stimmung und Gefühlslage vieler Menschen in Italien sehr gut. » Weiterlesen

Vom Kontroll- zum Mordinstrument

Suad Abdel Azis. Als Trump die staatliche US-«Entwicklungshilfe» (USAID) stoppte, leitete er nach Protesten eine Nahrungslieferung von Jemen in den Sudan um. Sie kam dort verdorben an. Ein Schlaglicht auf die Politik der US-«Kooperation».

Der Vorfall rund um die Nahrungslieferung spiegelt den umfassenderen politischen Ansatz der USA wider, der humanitäre Hilfe als Instrument geopolitischer Strategie begreift – wobei Lebensmittel, Medikamente und grundlegende Überlebenshilfen als Druckmittel im Sinne imperialer Interessen eingesetzt werden. Anstatt sich an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren, wird
Hilfe nach politischen Agenden verteilt, zurückgehalten oder umgeleitet. Im Jemen bedeutete dies, unter dem Deckmantel der «Terrorismusbekämpfung» Millionen Menschen hungern zu lassen. Im Sudan heisst es, Sanktionen zu verhängen, die eine ohnehin zerstörte Wirtschaft weiter destabilisieren, während gleichzeitig öffentliche Erklärungen über verdorbene Hilfslieferungen abgegeben werden, um moralische Führungsstärke vorzutäuschen und von der eigenen Verantwortung abzulenken.

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