«Wir werden die Häuser und Plätze nicht kampflos hergeben!»

sit. Über 5000 Personen und 60 Organisationen unterzeichneten die Petition und den offenen Brief, mit denen der Erhalt der besetzten Stafanini-Häuser und die Wagenplätze in Winterthur gefordert wird. Sie sind akut von einer polizeilichen Räumung bedroht.

«Heute Donnerstag, 12.März 2026, versammelten wir uns um 14 Uhr mit über 80 Personen vor dem Sulzer-Hochhaus, dem Sitz der steuerbefreiten, milliardenschweren Immo-Stiftung SKKG», ist in der Medienmitteilung der Häuservernetzung Winterthur zu lesen. Und: «Wir überbrachten der SKKG eine Petition mit über 5000 Unterschriften und einem von über 60 Organisationen unterzeichneten offenen Brief.» Zu den Unterzeichner:innen gehörten auch der vorwärts und die Partei der Arbeit Zürich. Die Petition und der Brief fordern den Erhalt mehrerer Stefanini-Häuser und der Wagenplätze in Winterthur, die zeitnah geräumt werden sollen.

Kämpferische Stimmung
Das Ziel der Petition und des offenen Briefes an die SKKG und den Stadtrat bestehe darin, die Verantwortlichen der Zerstörung von günstigem Wohnraum und der Vertreibung von Leuten mit wenig Geld zu konfrontieren. «Wir fordern sie zu ernsthaften Verhandlungen mit den Betroffenen auf», schreiben die Aktivist:innen.
Geplant war, die Unterschriften und das Schreiben der SKKG-Direktorin Bettina Stefanini und dem Präsidenten des SKKG-Stiftungsrats Thomas Meier zu überreichen – was so auch frühzeitig beiden mitgeteilt wurde. Doch Stefanini und Meier weigerten sich. Stattdessen schickten sie den Werbechef der Verwaltungsfirma Terresta, Ariel Leuenberger. Und dieser weigerte sich wiederum, Stefanini oder Meier anzurufen. «Darum blieben wir lautstark während gut 45 Minuten im Foyer des Sulzer-Hochhauses mit Musik, Kaffee, Reden, Transparenten und Gesang», wird in der Medienmitteilung informiert. Und Sandra, eine von der Räumung bedrohte Anwesende, ergänzt: «Die Stimmung war sehr kämpferisch und stabil.»

Die politischen Handlanger
Der nächste Besuch der Aktivist:innen galt dem sogenannten «Superblock», dem Sitz der Stadtverwaltung. Denn die Stadt Winterthur ist mit ihrer neoliberalen Wohnpolitik Teil des Problems. In der Tat: «Der Stadtrat hat vor, die Wagenplätze in Töss und am Schützenweiher zu räumen. Sie weigert sich, mit den betroffenen Bewohner:innen eine Lösung zu finden», informiert die Häuservernetzung Winterthur weiter in der Medienmitteilung. Die unsoziale Politik des Stadtrats zeige sich auch in der «geplanten Vertreibung der über 40 Dauercamper:innen des Campingplatzes am Schützenweiher, wo stattdessen die «Autolobby TCS ein 4-Stern-Glamping betreiben soll». Auf den Punkt gebracht: Der Stadtrat macht sich zum Handlanger der SKKG, wenn er die angekündigten Räumungen polizeilich durchsetzen will – und so billigen Wohnraum zerstört.
Der zuständige SP-Stadtrat Kaspar Bopp hatte nicht die Grösse, die Unterschriften und den offenen Brief entgegenzunehmen – was seine Rolle als politischer Handlanger nur unterstreicht. «Damit macht er sich unglaubwürdig, weil er doch stets behauptet, er setze sich für den Erhalt von günstigem Wohnraum ein», bringen es die Aktivist:innen bestens auf den Punkt. «Offensichtlich sind wir ihm als Betroffene der städtischen Vertreibungspolitik egal», so Egon, ein Bewohner des Wagenplatz Mumpitz. Die Unterschriften der Petition, sowie der offene Brief wurden dem Stadtschreiber übergeben.

Weiterer Widerstand angekündigt
Seit mehreren Jahren kämpfen die Aktivist:innen in der Eulachstadt um den Erhalt der selbstverwalteten Stefanini-Häuser und der Wagenplätze in Winterthur. Diese Orte sind günstiger, selbstverwalteter Wohnraum und unkommerzieller, linker Kultur- und Versammlungsraum für sehr viele Leute. «Sie sind Teil der Kultur und Geschichte dieser Stadt. Die Räumungs- und Abrisspläne der SKKG und des Stadtrats treffen viele Leute in ihrer Existenz. Und dies mitten in der schwersten Wohnkrise seit Jahrzehnten», hält die Medienmitteilung fest.
Die Verantwortlichen bei SKKG und der Stadt haben auf konstruktive Vorschläge und Verhandlungsangebote der Betroffenen nicht reagiert. Nicht nur das: Trotz eines laufenden juristischen Verfahrens wurde die polizeiliche Räumung der Gisi, des ältesten besetzten Hauses der Schweiz an der General-Guisanstrasse 31, für das Frühjahr 2026 angekündigt. Zwei weitere Stefanini-Häuser sollen 2027 polizeilich geräumt werden. «Dagegen wehren wir uns mit allen Mitteln», erklären die Aktivist:innen. Sie erwarten eine öffentliche Stellungnahme der SKKG und des Stadtrats zur Petition und dem offenen Brief innerhalb eines Monats. Zum Schluss wird festgehalten: «Egal, wie diese ausfällt: Wir werden die Häuser und Plätze nicht kampflos hergeben! Wir werden nicht tatenlos der Zerstörung unseres Zuhauses zusehen.»

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