Die PdAZ gewinnt deutlich an Stimmen

Die Genossinnen Rita (links) und Sevin stossen auf ihr tolles Wahlergebnis an.

Die Genossinnen Rita (links) und Sevin stossen auf ihr tolles Wahlergebnis an.

sit. Die Kandidat:innen der Partei der Arbeit für die Stadtregierung in Zürich und Winterthur erreichen ein unerwartet gutes Ergebnis. In Zürich bleiben im Stadtparlament die Kräfteverhältnisse unter dem Strich gleich wie vor der Wahl – zumindest für den Moment, denn ganz ist die Messe noch nicht gelesen.

«Wir haben ein erfreuliches Ergebnis erzielt, vor allem wenn man bedenkt, dass unser Wahlbudget 15000 Franken betrug und wir von den Medien kategorisch totgeschwiegen wurden», kommentiert eine junge Aktivistin am Wahlfest der PdAZ am Sonntagabend im Punto d’Encuentro im Zürcher Kreis 5. Sie fügte hinzu: «Ohne die undemokratische Wahlhürde von fünf Prozent in einem Wahlkreis wären wir im Parlament vertreten.»
875 Personen gaben der PdAZ ihre Stimme – das ist ein Plus von 351 Personen im Vergleich zu den Gemeinderatswahlen 2022. In sämtlichen Wahlkreisen konnte die Anzahl der Wähler:innen erhöht werden – teilweise markant. Und mit diesem Ergebnis ist die Partei «sehr zufrieden», wie sie in ihrer Medienmitteilung festhält.

Kein Zufall
Beachtlich ist das erstaunlich gute Ergebnis der beiden PdA-Genossinnen im Rennen um die Stadtregierung (Stadtrat): Sevin (11003 Stimmen) und Rita (8219) erzielten gemeinsam über 19000 Stimmen. «Wir sind angetreten, um Widerstand und eine andere Perspektive in den Stadtrat zu tragen. Wir bedanken uns für das uns ausgesprochene Vertrauen, der Kampf geht weiter», sagt Sevin Satan. Rita Maiorano ergänzt: «Unabhängig von den Wahlergebnissen braucht es eine starke ausserparlamentarische Bewegung, um den Kapitalismus und die patriarchalen Strukturen zu bekämpfen.» So werden die beiden Genoss:innen auch in Zukunft an Demonstrationen, Kundgebungen und in Komitees anzutreffen sein.
In Winterthur haben die beiden PdA-Kandidaten für den Stadtrat, Richard Müller (5995) und Noah Ziegler (5655), gemeinsam 11650 Stimmen erhalten und erzielten so ein Resultat, das deutlich über den Erwartungen liegt. Sicher, die Partei bewegt sich auf einem tiefen Niveau, doch der Zuwachs an Wähler:innen und die Resultate bei den Stadtratswahlen in Zürich und Winterthur sind kein Zufall, sondern Ergebnis politischer Arbeit. «Die PdAZ blickt auf eine intensive, kämpferische Wahlkampagne zurück. Die Partei war in verschiedenen Wahlkreisen sehr gut präsent», schreibt die Partei in der
Medienmitteilung. Ihr Ziel, während des Wahlkampfes «ihre politischen Botschaften und Forderungen breit bekannt zu machen», habe sie erreicht. Die PdAZ bedankt sich bei den zahlreichen Aktivist:innen, auf deren «grosses Engagement» sie während des Wahlkampfs zählen durfte.

Und Tschüss Përparim
Zürich wird in den kommenden vier Jahren noch roter und grüner regiert werden. Die Grüne Partei erobert mit Balthasar Glättli einen dritten, historischen Sitz in der neunköpfigen Stadtregierung. Wobei: Glättli wurde weniger wegen seiner Parteiangehörigkeit gewählt als wegen seiner Bekanntheit in der Stadt, die er sich über Jahre hinweg erarbeitet hat. So bekam er Stimmen aus dem ganzen linken und gewerkschaftlichen Lager. Klare Verliererin bei den Stadtratswahlen ist die FDP/Die Liberalen. Sie verlor einen Sitz. Ihr Shootingstar, der sich so gerne als cool, modern und weltoffen selbst vermarktet, scheiterte – und Tschüss Përparim Avdili. Theoretisch wäre er noch im Rennen für das Stadtpräsidium, da niemand das Absolute mehr erreichte. Doch eine erneute Schmach wird sich Avdili kaum selbst antun wollen – im ersten Wahlgang lag er über 26 000 Stimmen hinter dem SP-Mann Raphael Golta.

Hauchdünne Mehrheit bleibt – vorerst
Bei den Wahlen des Gemeinderats (Stadtparlament) ist die Geschichte schnell erzählt: Die Grünen verlieren auf Kosten der SP, die mit 41 der 125 Sitze klar stärkste Partei in der Limmatstadt bleibt. Unter dem Strich bleibt aber alles gleich: eine hauchdünne rot-grüne Mehrheit von einem Sitz. Dies auch dank der Alternative Liste (AL), die ihre acht Sitze im Stadtparlament verteidigen konnte. Wobei die Messe in der Stadt Zürich noch nicht ganz gelesen ist. Der EVP fehlten im Wahlkreis 12 gerade mal 26 Stimmen, um die Fünf-Prozent-Wahlhürde zu knacken – und somit wieder im Parlament vertreten zu sein. Die Partei hat eine Nachzählung verlangt. Bei Redaktionsschluss war der Entscheid der Stadtregierung noch offen. Sollte eine eventuelle Nachzählung zugunsten der EVP ausfallen, dann ist die links-grüne Mehrheit im Stadtparlament in Gefahr.
Aber: Unabhängig vom Ausgang einer eventuellen Nachzählung bleibt klar, dass eine wirkliche Veränderung nicht im Parlament entschieden wird, sondern durch Druck von unten.

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