Im Gedenken an die 29 Feminizidein der Schweiz!

Sevin Satan

Es waren 29 Feminizide in der Schweiz letztes Jahr! 29 Frauen, die nicht mehr unter uns sind. 29 Leben, die nicht mehr weiterleben durften, weil ihre Partner oder Ex-Partner dies so entschieden haben. Und nein, es sind nicht nur Ausländer, die töten, es sind auch Schweizer, die töten! Und nein, die Frauen haben keine Schuld. Denn es steht ja nicht auf der Stirn ihres Partners oder Ex-Partners, die sich mal gegenseitig geliebt haben: Ich werde dich zur gegebenen Zeit töten, aus Macht, Frust oder Eifersucht. Patriarchale Geschlechterrollen prägen Täter, weniger deren Nationalität, Herkunft oder sozialer Status! So kann es auch jede Frau treffen.

Manche regen sich über die Feministinnen auf und stempeln uns als männerfeindlich ab! Als wären wir Feministinnen gegen Männer. Nein, wir sind gegen das patriarchale System und alle, die sich in diesem patriarchalen System wohlfühlen. Wir wollen gesehen und gehört werden. Wir wollen ein Leben in Augenhöhe. Wir wollen Respekt und ein menschenwürdiges Leben: In der Care-Arbeit, in der wir Sorgearbeit leisten, zum Wohle der Familie, die Kranken gesund pflegen; bei der Arbeit, bei der wir im Durchschnitt 20 Prozent weniger verdienen für die gleiche Arbeit; wenn wir die Hausarbeit machen. Kinder grossziehen. Wenn wir am Arbeitsplatz sexuell belästigt werden. Wenn wir zu Hause Gewalt erleben. Die Liste ist lang!

Und wenn wir dann umgebracht werden, durch einen, der uns mal angeblich geliebt hat oder angeblich noch liebt, wenn wir einfach nicht mehr existieren, weil wir tot sind: Was ist das für eine Liebe, die tötet? Ehrlich gesagt, betrifft mich selbst nichts von dem, was ich hier niedergeschrieben habe, obwohl ich immer von mir oder uns Frauen* schreibe. Aber muss es mich direkt betreffen, oder muss ich eine Frau* sein, oder eine Feministin, damit ich überhaupt darüber nachdenke, mich mit der Thematik auseinandersetze, dagegen ankämpfe oder die Kämpfe mitunterstütze? Reicht es nicht, einfach ein Mensch in dieser Gesellschaft zu sein?

Durchschnittlich wird jeden zehnten Tag eine Frau ermordet und jede Woche entkommt eine Frau der Ermordung mit schweren, körperlichen Schäden! Häusliche Gewalt hinterlässt deutliche, unmittelbare körperliche und psychische sowie psychosomatische Spuren. Wie lange wollen wir noch als Gesellschaft unsere Augen schliessen, Ohren und Mund zuhalten und die Gewalt an Frauen verharmlosen? 2018 hat sich die Schweiz mit der Unterzeichnung der Istanbuler Konvention verpflichtet, die Prävention, den Opferschutz und die Strafverfolgung dieser Gewaltformen konsequent voranzutreiben. Seit der Unterzeichnung sind jährlich durchschnittlich 25 Frauen ermordet worden, sowie durchschnittlich 20000 häusliche Gewaltfälle registriert worden. Die Tendenz? Steigend! Wie viele Frauen müssen noch Opfer eines Feminizids werden? Wie lange noch wird der Ständerat das Wort Femizid ablehnen? Wie lange noch wird das Wort «Femizid» in der Tötungsstatistik fehlen und wie lange wird es noch gehen, bis ernsthafte Prävention folgt? Sind unsere Leben denn nichts wert? In Gedenken an die 29 Feminizide!

Sevin Satan,
Politische Sekretärin der PdA Zürich

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