Die Empörten auf dem Marsch nach Brüssel

Seit dem 16. Juli sind sie unterwegs, seit dem 17. August in Frankreich, am 17. September wollen sie in Paris sein und am 8. Oktober in Brüssel. Als sie aufbrachen, um die mehr als 1500 Kilometer lange Strecke von Madrid nach Brüssel zu Fuss zurückzulegen, waren sie nur rund zwei Dutzend. 

«Reale Demokratie jetzt» und «Zugang zur Bildung, Gesundheit, Kultur, Wohnung und Arbeit für alle» lauten die Hauptparolen, unter denen schon am 23. Juli ein grosser Sternmarsch der «Indignados» aus mehr als 80 spanischen Städten gegen den von der EU diktierten Sparkurs und Sozialabbau der spanischen Regierung Zapatero stattgefunden hatte. Bei diesem Treffen von 40?000 TeilnehmerInnen soll unter den AktivistInnen auch die Idee für den Marsch nach Brüssel entstanden sein.

Grenzenlose Empörung

Die TeilnehmerInnen veranstalten in den Städten und Dörfern, durch die sie kommen, immer wieder kleine Versammlungen und Diskussionsforen. Sowohl in Spanien wie in Frankreich seien sie von der Bevölkerung zwar oft mit Staunen, aber immer mit spontaner Solidarität aufgenommen und unterstützt worden, berichten sie. Sie seien mit Essen und Getränken versorgt worden und da und dort seien ihnen auch Schlafplätze zur Verfügung gestellt worden, manchmal sogar in städtischen Turnhallen. Aber gelegentlich übernachten sie auch in Zelten auf Grünflächen unter Bäumen. Die Truppe ist inzwischen «international» geworden: Den TeilnehmerInnen aus Spanien schlossen sich auch ItalienerInnen, BritInnen, NiederländerInnen und seit dem Überschreiten der spanisch-französischen Grenze auch FranzösInnen und sogar Israelis an.

Am 17. September soll in Paris eine grosse Vereinigung der von Madrid und Barcelona gestarteten Marschgruppen mit Marschgruppen aus verschiedenen Städten Frankreichs, unter anderem aus Marseille, stattfinden. Von dort aus soll es dann nach Brüssel weiter gehen. Dort soll ab dem 8. Oktober ein Treffen mit Abordnungen der Protestierenden aus zahlreichen weiteren EU-Staaten und bis zum 15. Oktober eine ganze Woche von gemeinsamen Aktionen und Diskussionsforen in der belgischen Hauptstadt stattfinden. Für diesen Tag hat die Bewegung «Reale Demokratie jetzt» europa- und weltweit dazu aufgerufen, auf die Strasse zu gehen, um «unsere Empörung über den Verlust unserer Rechte zu zeigen – Rechte, die uns durch ein Bündnis zwischen grossen Unternehmen und der politischen Klasse entzogen werden», wie es in dem Text heisst. Es sei «der Augenblick gekommen, die Stimme zu erheben. Unsere Zukunft steht auf dem Spiel, und niemand kann der Kraft von Millionen von Menschen trotzen, wenn sie sich in gemeinsamer Absicht vereinen».

Die TeilnehmerInnen der Märsche nach Brüssel sind naturgemäss vorwiegend jüngeren Alters. Sie seien jedoch «ganze normale Leute», BauarbeiterInnen, LehrerInnen, Arbeitslose, IngenieurInnen, SozialarbeiterInnen, KöchInnen und KünstlerInnen, durchaus unterschiedlicher Meinungen, betonten TeilnehmerInnen. Es vereine sie aber der Wille zu demonstrieren, «dass die Empörung in Europa grenzenlos ist».

 

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