Demontiert und verscherbelt

dab. Vor 30 Jahren landeten das Imperium und sein Fussvolk in West und Ost mit den Inszenierungen «Mauerfall» und «Wende» den letzten, entscheidenden Schlag gegen das sozialistische Deutschland, die Deutsche Demokratische Republik. Die Zeit war günstig, die Konzerne konnten sich das Volksvermögen der DDR spottbillig einverleiben. Teil 1 von 2.

Der beschönigende Begriff der «Wende» verschleiert die von langer Hand vorbereitete und voran getriebene Konterrevolution des Westens, suggeriert eine friedliche Entwicklung zu Vernunft und Menschlichkeit und kaschiert die kapitalistischen Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnisse, die sich im gut funktionierenden sozialistischen Staat einschlichen und ausbreiteten. Kollektiveigentum, partizipative Demokratie und soziale Sicherheit wurden abgeschafft. Bis zur Bodenreform 1945 gehörte der Grossteil des Landwirtschaftslands den Offizieren und adligen Grossgrundbesitzern, seit der Konterrevolution von 1989/90 ist es nicht mehr «Junkerland in Bauernhand», sondern Bauernland in der Hand von westlichen Agrarkonzernen. Die Sowjetunion war mit eigenen Problemen beschäftigt und konnte oder wollte dem Bruderland nicht helfen.

Öffnung der Grenze
Die antikommunistische Inszenierung des «Mauer-falls» verbildlicht die Behauptung vom eingesperrten, überwachten und geknebelten Volk, das sich 1989 aus eigener Kraft endlich befreit habe. «Am 9.November wurden die Grenzübergänge der DDR entlang der gesamten Grenze und auch in Berlin von Ost nach West geöffnet – noch nicht von West nach Ost», betonte Egon Krenz, damals SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender der DDR, in einem Interview mit Radiovoice Berlin dreissig Jahre danach (YouTube). «Die Mauer fiel erst später. Aber Fall der Mauer ist ein ideologischer Begriff, um im Nachhinein deutlich zu machen, die Mauer sei von Ostberlinern eingerissen worden. Aber das war ja nicht so, die Ostberliner gingen auf Einladung von Günter Schabowski an die Grenze, nicht in der Absicht, die Grenze oder die Mauer einzureissen, sondern in der Absicht, der Einladung zu folgen und nach Westberlin gehen zu können.» Bush Senior habe ihm damals ein Telegramm geschickt und sich bedankt für die Öffnung der Grenze, nicht für den Fall der Mauer. Auch Kohl und Gorbatschow hätten von der Grenzöffnung geredet.
1961 war Krenz erster Sekretär der Freien Deutsche Jugend (FDJ) in Rostock, den Bau der Mauer in Berlin habe er als normalen Schritt empfunden. Er sehe das als historischen Kompromiss zwischen den vier Alliierten des Zweiten Weltkriegs: «John F. Kennedy sagte öffentlich, das sei keine schöne Lösung, aber eine Mauer sei besser als Krieg. Das heisst, man darf die Berliner Mauer weder beim Aufbau noch bei der Niederreissung trennen von den weltpolitischen Ereignissen.» Krenz erzählt in diesem 40-minütigen Interview kompetent und detailliert – auch über die wirtschaftliche Lage der DDR und das in die Volksmeinung eingegangene westliche Propagandabild der DDR als Verkörperung alles Korrupten, Undemokratischen und Unmenschlichen.

Hammer und Zirkel
Es gab nicht nur jene, die vor den bestellten Westmedien zum Jahres- und erstrebten Systemwechsel johlend die Mauer bestiegen und sie beschädigten. Es gab auch jene, die Bereicherung, Opportunismus, soziale Misere und Neofaschismus kommen sahen. Jene, die in den bewegten Zeiten rund um die Jahreswende dagegen demonstrierten, die Antifa und Gruppen, die die Fahne des sozialistischen Deutschlands mit Hammer und Zirkel trugen und an öffentlichen Gebäuden hissten, die von Faschist*innen gejagt und mit Flaschen beworfen und in Ostberlin von der BRD-Polizei vertrieben wurden. Leserbriefe aus der «jungen Welt», 2010 im Buch «Die Stimme der anderen – Leserbriefe aus der DDR im Jahr der deutschen Einheit» im PapyRossa-Verlag Köln erschienen, erzählen viel über diese intensive Zeit und das präsente Bewusstsein darüber, was mit dem Beseitigen des Sozialismus verloren gehen werde.
Für viele der «Wende»- und «Mauerfall»-Rebell*in-nen war es ein Kampf für Bananen, Videorekorder und Westfame. Es gab auch Bürger*innenbewegungen, die romantisches westliches Basisdemokratieverständnis verwirklichen wollten oder Politiker*innen, die den Kompromiss zwischen Kapitalismus und Sozialismus suchten, um das Schlimmste zu verhindern – wie Egon Krenz und Hans Modrow, letzter Ministerpräsident der DDR. Sie versuchten, den Übergang so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Ihre Vorstellungen wurden aber nach den vorgezogenen und letzten Volkskammerwahlen im März 1990 mit dem Sieg des rechten Wahlbündnisses Allianz für Deutschland, besehend aus der CDU mit Lothar de Maizière, der Deutsche Soziale Union (DSU) und dem Demokratischen Aufbruch (DA) vom Tisch gefegt – und dann durch die Machenschaften der Treuhandanstalt beerdigt.

Währungsreform, Lügen und Unterbewertung
Mit fiesen Tricks wurde die trotz Schwierigkeiten gut funktionierende Wirtschaft ruiniert, damit man nachher behaupten konnte, die DDR sei «marod und heruntergewirtschaftet» gewesen. Die diskriminierende Währungsreform vom 1.Juli 1990 sorgte dafür, dass die ostdeutschen Betriebe nicht einmal mehr die Selbstkosten decken konnten. Wie zum Beispiel Foron Haushaltgeräte im Erzgebirge, ein erfolgreicher Betrieb, der zu DDR-Zeiten viele Produkte in den Westen verkauft hatte. Von den 8000 Mitarbeiter*innen blieben nach der «Wende» nur 400 übrig. Mit innovativen Produkten, zum Beispiel energiesparenden runden Kühlschränken mit drehbaren Tablaren und FCKW-freiem Kühlmittel, wollte man im Wettbewerb bestehen. Die grossen, marktbeherrschenden Kühlschrankhersteller in Westdeutschland führten eine Lügenkampagne gegen Foron. Sie behaupteten, das Kühlmittel sei gefährlich beim Transport und im Gebrauch, weil sehr leicht entzündlich, die Geräte verbrauchten viel mehr Energie als angegeben und förderten damit den Treibhauseffekt. Gleichzeitig konkurrenzierte Bosch-Siemens Foron mit einem Ökokühlschrank mit derselben Kühlflüssigkeit.
Ein weiteres Schurkenstück wandte die Treuhandanstalt bei der Inventarisierung der Ostbetriebe an: Die Sachwerte wurden meist viel zu tief angesetzt, oft setze sie für ganze Maschinenparks oder Fahrzeugparks einfach frech eine Mark ein. So konnten die Betriebe zu Spottpreisen an die Westkonkurrenz verscherbelt werden.

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