Sorgen um die Privatsphäre

sah. Smart Glasses sind internetfähige Brillen mit in der Fassung eingearbeiteten kleinen Mikrofonen und Kameras. Damit können Aufzeichnungen im Alltag gemacht – ohne Einwilligung der Betroffenen – und die Aufnahmen verbreitet werden.

Nicht nur Schweizer Badis wollen Smart Glasses verbannen, weil mit ihnen unbemerkt gefilmt werden kann. Eine neue Campax-Petition fordert: «Kein Spielzeug für Stalker – Verbot von Smart Glasses jetzt!» Die Forderung richtet sich an Bundesrat Beat Jans, Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD). Am 23.August haben bereits 11354 Personen die Petition unterzeichnet – 15000 werden angestrebt. Im Petitionstext wird gefordert, das Anbieten und Inverkehrbringen von Smart Glasses mit integrierten Kameras und Mikrofonen in der Schweiz unverzüglich zu verbieten. Die Politik soll handeln, bevor sich diese Technologie weiter verbreitet und Menschen durch heimliche Aufnahmen zu Schaden kommen. Grundsätzlich müssen die Brillen gleich behandelt werden wie Smartphones und andere Geräte mit Kameras. In Garderoben, Duschen und anderen Nacktbereichen bestehen an einigen Orten bereits entsprechende Verbote.

Unsere Privatsphäre steht auf dem Spiel
Smart Glasses nutzen KI-Technologie. Mit ihnen kann telefoniert, Musik gehört, fotografiert und vor
allem gefilmt werden. Gerade diese Funktionen bergen erhebliche Gefahren für die Privatsphäre, da Aufnahmen gemacht werden können, ohne dass die betroffenen Personen dies bemerken.
Die «Perversling-Brillen» sind in der Schweiz immer stärker verbreitet, die Verkaufszahlen steigen. Beim Onlinehändler Galaxus wurden von Januar bis Juli 2026 fast viermal so viele Smart Glasses verkauft wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Geräte sind bereits ab rund 100 Franken erhältlich. Das schreibt die Onlinezeitung «20 Minuten» am 19.August 2026 in ihrem Artikel «Schweizer Badis wollen Kamera-Brillen verbannen».
Das Problem: Smart Glasses sind auf den ersten Blick kaum von gewöhnlichen Brillen zu unterscheiden. Ein kleines weisses Licht am Gestell kann darauf hinweisen, dass gerade gefilmt wird. Auch breitere Bügel können ein Hinweis darauf sein, dass darin Technik wie Akku oder Kamera verbaut ist. Für Aussenstehende ist daher nur schwer erkennbar, ob eine Person gerade filmt oder nicht. Die Aufnahmen werden ausserhalb der Brille gespeichert.

Nicht erst im Nachhinein Folgen eindämmen
Campax berichtet in der Petition auf campax.org, dass es in Deutschland bereits zahlreiche Fälle gibt, in denen Frauen mithilfe solcher Brillen heimlich gefilmt wurden. Die Aufnahmen wurden anschliessend auf TikTok und Instagram veröffentlicht. Dort werden die Bilder angeschaut und das Aussehen und die Körper der Frauen öffentlich kommentiert. Zahlreiche Clips frauenfeindlicher Influencer und Pick-up-Artists verbreiten sich in den sozialen Medien, wo sie mit ihren Inhalten und den damit erzielten Klicks und Likes Geld verdienen.
Doch Opfer dieser Brillen sind nicht nur Frauen, sondern auch Kinder. Sie sind durch dieses «Tech-Gadget» besonders gefährdet. Grundsätzlich gilt in der Schweiz, dass niemand gegen seinen Willen aufgenommen werden darf. Das Recht am eigenen Bild schützt die Entscheidung jeder Person darüber, ob und wie sie aufgenommen wird. Vor diesem Hintergrund warnt der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) bei Smart Glasses ausdrücklich vor Risiken für die Persönlichkeitsrechte. Laut EDÖB fallen Aufnahmen erkennbarer Personen unter das Datenschutzgesetz. Heimliches Filmen kann je nach Situation auch strafrechtlich verfolgt werden.

Es braucht ein Verkaufsverbot
Der Konzern Meta treibt die Entwicklung der Smart Glasses voran. Campax schreibt, Recherchen würden zeigen, dass Meta Aufnahmen von Smart Glasses zum Training einer KI auswerten liess. Zudem entwickelte Meta eine Gesichtserkennungsfunktion, mit der Menschen im Blickfeld der Brille identifiziert und eingeordnet werden können. Trotzdem wird nicht gehandelt. Meta erklärt, dass Daten von Nutzer:innen aus der Schweiz bei dieser Auswertung nicht verwendet werden. Vor diesem Hintergrund eröffnete der EDÖB vorerst keine formelle Untersuchung.
Damit sollte man sich jedoch nicht zufriedengeben. Es braucht ein Verkaufsverbot, bevor Smart Glasses zur «Normalität» und gleichzeitig zu einer Gefahr für Frauen und Kinder werden. Doch was kann man selbst tun, solange die Unterschriften für die Petition noch gesammelt werden und die Politik nicht gehandelt hat? Besteht in einem Schwimmbad oder einer Sauna der Verdacht, gefilmt zu werden, sollte man sich an das Personal wenden. Die zuständigen Mitarbeiter:innen können die Polizei rufen, damit mögliche Beweise auf der Brille gesichert werden. Wird man im Park oder auf der Strasse gefilmt, sollte man die betreffende Person auffordern, das Video zu löschen.

Petition unterschreiben:
https://act.campax.org/petitions/smart-glasses-stoppen

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