Bestmöglichste Behandlung!

sah. Das neue ambulante Tarifsystem Tardoc unterstützt patientinnen-freundliche Brustkrebsdiagnostik kaum. Nun erfolgen Abklärungen wahrscheinlich wieder operativ. Eine nationale Petition kämpft dagegen. Und das ist noch nicht alles…

Tardoc ist ein neues ambulantes Tarifsystem, das Tarmed abgelöst hat. Es soll eine präzisere Abrechnung ärztlicher Leistungen ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt auf einer differenzierten Vergütung nach Art und Aufwand der erbrachten Leistungen. Fachspezifische Anforderungen werden dabei besser berücksichtigt, was zu einer «gerechteren Verteilung» der Mittel führen soll. Tardoc wird im Zusammenhang mit dynamischer Kostenneutralität eingesetzt. Dynamische Kostenneutralität meint, dass das neue Tarifsystem keine Erhöhung der Gesamtkosten im Gesundheitssystem produziert. Falls es dann doch zu höheren Kosten kommt, sind diese planbar beziehungsweise kontrollierbar. Kostenneutralität ist niemals statisch, sondern Teil eines Prozesses. So steht es auf der Seite pulsus.ch. Wichtig sind auch ambulante Pauschalen. Sie kommen beispielsweise bei Routineoperationen zur Anwendung. Mit diesen Pauschalen werden genau festgelegte Behandlungen zum Pauschalpreis verrechnet. Die Tarifstruktur Tardoc ist seit dem 1.Januar 2026 in Kraft und es zeigt sich bereits jetzt eine lange Mängelliste. Die Kampagne «Breast. Forward.» setzt sich für den Erhalt moderner, minimalinvasiver Diagnoseverfahren bei Brustkrebs in der Schweiz ein.

Folgenschwerer Rückschritt
Macher:innen der Kampagne, die aus einer breiten Koalition aus medizinischen Fachgesellschaften und Branchenpartnern besteht, sprechen vom «Rückschritt in der Brustkrebsdiagnostik». So steht es auf der Seite breastforward.ch. Gegründet wurde das Bündnis von der «Minimal Invasive Breast Biopsy working group» (MIBB) und wird von der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie (SGS), der Schweizerischen Gesellschaft für Pathologie (SGPath) sowie von Industriepartnern wie Becton Dickinson (BD) unterstützt. Der Vorwurf, dass Tardoc die Kosten für die moderne und schonende Vakuumbiopsie nicht mehr angemessen vergüten wird, war Motor für die Kampagne «Breast. Forward.». So werden nun etablierte Verfahren zur Abklärung von Auffälligkeiten in der Mammographie oder dem MRI durch «veraltete» operative Varianten ersetzt. Grund: Aufwendige Eingriffe können unter dem neuen Tarif nicht kostendeckend durchgeführt werden. Einfache Operationen sind aber sehr gut vergütet. Fazit: Praxen und Spitäler werden minimalinvasives Verfahren kaum noch anbieten. Diese «Anpassung» widerspricht dem Gedanken der modernen Gesundheitsversorgung, so ein wichtiger Kritikpunkt.

Forderung Ausbau statt Abbau
Die alte Methode stellt eine enorme Belastung für Patientinnen dar, weil sich Frauen so eigentlich vermeidbare Operationen unterziehen müssen und damit längere Genesungszeiten haben. Resultat sind sichtbare Narben. Dabei versprach Tardoc anfangs anderes: eine gerechtere und transparentere Vergütung. Im Rahmen einer Umverteilung sollte mehr Geld in die Grundversorgung fliessen. Das bedeutet mehr Mittel für die Arbeit der Hausärzt:innen und auf der anderen Seite weniger Geld für Spezialärzt:innen. Damit kam auch das Brustkrebsscreening in Bedrängnis. Bisher gab es in vielen Kantonen für Frauen kostenlose Vorsorgeprogramme für Brustkrebs. Mit den neuen Tarifen mussten Swiss Cancer Screening oder die Krebsligen mit den Krankenkassen verhandeln. Ein Vorteil des neuen Tarifs sollte sein, dass er jährlich angepasst wird. Resultat: Verträge der Vorsorgeprogramme mit den Radiologie-Instituten sind gefährdet. In der Ostschweiz haben die Krebsligen noch keine Verträge unterschrieben, weil sie mit den neuen Tarifen nicht einverstanden sind. Untersuchungen können nur noch defizitär erbracht werden. Die Screenings sind zwar im Moment gefährdet, doch wird das Angebot in vielen Kantonen vorerst weitergeführt.

Medizinische Verantwortung wahrzunehmen
Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste onkologische Todesursache bei Frauen. Die Erhaltung und Stärkung von Screening-Programmen muss daher eine Priorität der Gesundheitspolitik sein. Doch das kommerzialisierte Gesundheitswesen hat andere Dinge im Fokus. In seiner Sprache heisst es: eine übermässige Inanspruchnahme von unnötigen Leistungen. Dieses Gesundheitswesen erfindet Sachzwänge, welche die Privatisierung als unumgänglich beschreibt und Leistungen direkt oder indirekt laufend aus dem Katalog der gesetzlichen Kassen streicht. Sie nennen es «gerechteren Verteilung» der Mittel und bauen eigentlich die letzten Reste einer anständigen Grundversorgung ab. Begriffe wie «dynamische Kostenneutralität» heissen Flexibilisierung respektive Korrektur der Leistungen ins Bodenlose. «Ambulante Pauschalen» sind schwere Sparhammer. Gleichzeitig verdient die Pharmaindustrie Unsummen. Machen wir uns nichts vor: Ein kommerzialisiertes
Gesundheitswesen heisst in erster Linie kapitalistische Interessen. Menschen sind hier nur Zahlen oder Möglichkeiten, um Gewinne zu erwirtschaften.

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