Steigt Gewalt, kürzt der Staat

lmt. Während Vergewaltigungen, häusliche Gewalt und schwere Straftaten in der Schweiz deutlich steigen, plante der Bundesrat ausgerechnet bei der Ausbildung von Fachpersonen in der Opferhilfe zu kürzen. Dass diese 300’000 Franken nur knapp gerettet wurden, sagt viel über politische Prioritäten aus.

300 000 Franken – ein Tropfen im Ozean, gemessen am Bundesbudget von rund 90 Milliarden Franken. Und doch wollte der Bundesrat genau hier den Rotstift ansetzen. Die Finanzierung der Ausbildung von Fachpersonen in der Opferhilfe sollte gestrichen, die Verantwortung vollständig an die Kantone abgeschoben werden. Der Entscheid wirkt wie ein technisches Detail. In Wirklichkeit ist er politisch brisant. Denn er fällt in eine Zeit, in der die Gewalt zunimmt. » Weiterlesen

Der patriarchale Backlash

lmt. Eine internationale Studie zeigt, dass ausgerechnet viele junge Männer der Generation Z Gleichstellung zunehmend als Bedrohung wahrnehmen. Hinter diesem Trend steckt mehr als ein kultureller Konflikt.

Fast jeder dritte Mann der Generation Z ist der Meinung, eine Ehefrau sollte ihrem Mann immer gehorchen. Diese Zahl wirkt wie ein Echo aus vergangenen Jahrhunderten – doch sie stammt aus einer aktuellen internationalen Umfrage. Während Gleichstellung formal Fortschritte macht, wächst gleichzeitig ein neuer Widerstand. Der patriarchale Backlash gegen feministische Errungenschaften zeigt sich besonders deutlich bei jungen Männern.

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Feminismus ist kein Feiertag

lmt. Am internationalen feministischen Kampftag gingen in mehreren Schweizer Städten Tausende Menschen auf die Strasse. Die Demonstrationen richteten sich nicht nur gegen Sexismus, sondern auch gegen Krieg, Aufrüstung und Sozialabbau.

Mehrere Tausend Menschen gingen am Wochenende in verschiedenen Schweizer Städten auf die Strasse. Offizielle Berichte sprechen von «bunten Demonstrationen», von «Provokationen Vermummter» und einem «Katz-und-Maus-Spiel» mit der Polizei. Wer jedoch genauer hinschaut, erkennt etwas anderes: Der 8.März ist längst mehr als ein symbolischer Aktionstag. Er ist ein politischer Kampftag – und die Forderungen werden radikaler.

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Bestmöglichste Behandlung!

sah. Das neue ambulante Tarifsystem Tardoc unterstützt patientinnen-freundliche Brustkrebsdiagnostik kaum. Nun erfolgen Abklärungen wahrscheinlich wieder operativ. Eine nationale Petition kämpft dagegen. Und das ist noch nicht alles…

Tardoc ist ein neues ambulantes Tarifsystem, das Tarmed abgelöst hat. Es soll eine präzisere Abrechnung ärztlicher Leistungen ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt auf einer differenzierten Vergütung nach Art und Aufwand der erbrachten Leistungen. Fachspezifische Anforderungen werden dabei besser berücksichtigt, was zu einer «gerechteren Verteilung» der Mittel führen soll. Tardoc wird im Zusammenhang mit dynamischer Kostenneutralität eingesetzt. Dynamische Kostenneutralität meint, dass das neue Tarifsystem keine Erhöhung der Gesamtkosten im Gesundheitssystem produziert. Falls es dann doch zu höheren Kosten kommt, sind diese planbar beziehungsweise kontrollierbar. » Weiterlesen

Jeder Ort, ein Ort des Kampfes

8.3.-Redaktion. Die Welt verändert sich rasant, es findet eine brutale Zuspitzung von Krieg, Gewalt und Faschismus statt. Dagegen formt sich an verschiedenen Orten Widerstand. Wir wollten von Frauen und queere Personen aus dem globalen Süden wissen, wie sie ihre revolutionäre und feministische Perspektive in der Praxis umsetzen. Wie sehen ihre Kämpfe aus, was sind ihre Hoffnungen? Einige Stimmen aus den Philippinen, Mexiko, Kuba und Rojava.

Noch nie gab es so viele Kriege weltweit wie 2025 – und bereits in den ersten Tagen von 2026 wurden gleich Venezuela und Rojava angegriffen. Die imperialistischen Mächte tun nicht mehr mal so, also ob sie sich an die eigenen Regeln ihrer «Weltordnung» halten würden. Während früher noch ohrenbetäubendes Schweigen und lahme Ermahnungen an alle Seiten die üblichen Reaktionen waren, gingen die Herrschenden des globalen Nordens im Gaza-Krieg einen Schritt weiter: Neu lässt man die USA und Israel nicht nur jegliche Völkerrechtskonventionen brechen, sondern billigt das Vorgehen lautstark und versucht, die Proteste und Solidarität für Palästina im eigenen Land durch Repression und Diffamierungen zu ersticken. Dies kreierte einen Präzedenzfall, der Trumps Machtpolitik die Möglichkeit gab, immer und überall auf der Welt Kriege zu führen, ohne sich vor Konsequenzen fürchten zu müssen. Sei es in Venezuela, in Kuba oder in der Arktis. » Weiterlesen

Care-Streik 2027

Feministisches Streikkollektiv Zürich. Die feministischen Streikkollektive haben schweizweit einen Care-Streik am 14. Juni 2027 ausgerufen. Die Gewerkschaften ziehen mit – und der Streik geht alle was an!

Care-Arbeit ist für alle Menschen lebensnotwendig und unverzichtbar. Unter Care-Arbeit verstehen wir Sorgearbeit, welche sich an den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen orientiert. Sie zielt auf körperliches, intellektuelles und emotionales Wohl der Menschen ab, ist also die Grundlage unseres Lebens und essenzieller Bestandteil für das Funktionieren unserer Gesellschaft. » Weiterlesen

Unser Prozess ist der revolutionäre Prozess

Sofia de la Rue. Am 25.März will der bürgerliche Staat unserer Genossin Andi erneut den Prozess machen. Es geht um die Beteiligung an der Demonstration «Züri Nazifrei» vom Februar 2022 und an der revolutionären Klimademo vom Februar 2023 in Basel. Wir drehen den Spiess um und lassen die politischen Angriffe ins Leere laufen. Wir sprachen mit Andi – und wir lassen sie nicht allein!

Viele junge Frauen, Lesben, sowie inter-, nonbinäre-, trans- und agender-Personen (FLINTA) gehen am 8.März an ihre erste unbewilligte Demo. Sie alle sind bewegt und wollen Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten, patriarchalen Strukturen sowie gegen Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Diese Widerstandsbewegung ist ein Ausdruck unseres kontinuierlichen revolutionären Prozesses. Kannst du erklären, was wir meinen, wenn wir sagen: «Unser Prozess ist der revolutionäre Prozess»?

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Was die feministische Bewegung von Luxemburg und Zetkin lernen kann

agfk. Bereits angesichts des ersten imperialistischen Weltkrieges war es die proletarische Frauenbewegung, welche unermüdlich gegen Krieg, für revolutionären Klassenkampf undproletarischen Internationalismus agitierte. Ihre Geschichten bieten Orientierung.

Wir befinden uns in einer Phase, in der Militarisierung und Kriegstreiberei massiv zunehmen. Kapitalismus bedeutet immer auch Krieg – aber auch wenn Militarismus ein zentraler Aspekt des bürgerlichen Staates darstellt, so bedarf es dennoch einer materiellen und ideologischen Vorbereitung, um schwelende Kriegstendenzen in aktive Konflikte zu wandeln. Kriegspropaganda breitet sich oft schleichend aus, qualitative Sprünge wahrzunehmen, setzt eine politische Analyse voraus. Kerninstrument dafür ist ein politischer Kompass, der immer auch den Klassencharakter der Militarisierung hervorhebt und zur internationalen Solidarität aufruft. Diese widerständige Politik auch in Kriegszeiten aufrechtzuerhalten, ist herausfordernd.
Das zeigt auch der Blick in die Geschichte der proletarischen Arbeiter_innenbewegung während des ersten imperialistischen Weltkrieges: Mit Kriegsbeginn brach die II. Internationale zusammen. Ihre politischen Beschlüsse der vorangegangenen Jahre – für Frieden und gegen imperialistische Kriegstreiberei – entpuppten sich mit Ausbruch der Kampfhandlungen als reine Worthülsen. Im deutschen Parlament stimmten die Sozialdemokraten – mit Ausnahme von Karl Liebknecht – sogleich für die Kriegskredite. Dieser Verrat und die Unterordnung, beziehungsweise Integration der Sozialdemokraten in die bürgerliche Staatsordnung gipfelten in Deutschland im Ausverkauf der Novemberrevolution. Darauf folgte die endgültige Spaltung in eine reformistische und eine revolutionäre sozialistische Bewegung, worauf 1919 die KPD (Kommunistische Partei Deutschland) gegründet wurde. Von Kriegsbeginn an waren es allein die revolutionären Sozialdemokrat_innen, welche konsequent die Beschlüsse des Basler Sozialistenkongress von 1912 auch in die Praxis umsetzten. Sie blieben ihrer klassenkämpferischen Politik und dem Proletarischen Internationalismus treu. Rosa Luxemburg war eine ihrer unermüdlichsten und mutigsten Agitatorinnen und Clara Zetkin schaffte es sofort, die proletarische Frauenbewegung für den Frieden zu mobilisieren.

Die Schweiz als Schauplatz internationalistischer Bestrebungen
1915 war die Schweiz wichtiger Schauplatz der Geschichte des Klassenkampfes. Hier wurden gleich zwei internationalistische Konferenzen gegen den Krieg abgehalten. Erst fand vom 26. bis 28. März in Bern die internationale Konferenz sozialistischer Frauen gegen den Krieg statt. Im September folgte dann die bekannte Zimmerwalder Konferenz. Erstere wurde massgeblich von Clara Zetkin initiiert und Genossinnen aus Deutschland, Frankreich, England, Russland, Polen, Italien, Holland und der Schweiz nahmen daran teil. Es war die erste Anti-Kriegs-Konferenz unter Beteiligung von Genoss_innen aus den Nationen der Mittelmächte, der Entente und der «neutralen» Staaten. Während der rechte Flügel der Sozialdemokrat_innen von Vaterlandsverteidigung schwafelten, benannte die Konferenz als Ursachen des Krieges den kapitalistischen Imperialismus. In ihrer Resolution heisst es: «Er ist letzten Endes heraufbeschworen worden durch das Bedürfnis der ausbeutenden und herrschenden Klassen in den einzelnen Ländern. Im Konkurrenzkampf untereinander versuchen sie, die Ausbeutung und Herrschaft über die Grenzen des Heimatstaates hinaus auszudehnen und dadurch gleichzeitig diese ihre Ausbeutung und Herrschaft über die besitzlosen Volksgenossen daheim zu befestigen und zu verewigen.» Die Resolution hielt fest, dass dieser Krieg im unversöhnlichen Gegensatz zu den Interessen der Arbeiter_innenklassen der kriegsführenden sowie neutralen Staaten steht. Die sozialistischen Frauen stellten entsprechend klar: «Krieg diesem Kriege!» und forderten: «einen Frieden ohne Annexionen, ohne Eroberungen, der das Recht der Völker und Nationalitäten – auch der kleinen – auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit anerkennt und keinem der kriegführenden Staaten demütigende, unerträgliche Bedingungen auferlegt.» Ihnen war klar, dass diese Forderungen im Rahmen der herrschenden imperialistischen Interessen nur durch eine proletarische Massenbewegung erzwungen werden konnte. Deshalb riefen die Genossinnen alle proletarischen Frauen dazu auf, «alle vorhandenen Mittel und Wege zu benutzen, um ohne Furcht vor Hindernissen und Verfolgungen durch Massenkundgebungen jeder Art ihr internationales Solidaritätsbewusstsein und ihren Friedenswillen zu bekunden.»
Dieser mutige Aufruf von Zetkin und ihren Genossinnen darf in seiner Radikalität nicht unterschätzt werden, zumal die Herrschenden unter dem damals geltenden Kriegsrecht alle Register der Repression zogen, um Opposition im Keim zu ersticken.

Die Verfolgung und Ermordung von Rosa Luxemburg
Auch die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, dass wachsende Aggressionen gegen aussen stets zu einer Zunahme von Repression gegen innen führen. Kein Wunder, wissen die Herrschenden doch genau um die Fragilität ihres sogenannten Vaterlandstolzes. Die Geschichte zeigt, dass Kriegspropaganda als Mittel zur Mobilisierung und Instrumentalisierung der Massen nur bedingt Wirkung zeigt. Um Soldaten und Zivilbevölkerung damals wie heute angesichts Kriegsgräuel, Versorgungsknappheit und Hunger auf Linie zu halten, muss auf nackten Zwang und rohe Gewalt zurückgegriffen werden. Politische Kräfte, welche eine Perspektive auf Frieden zu gestalten vermögen, werden im Namen des Kriegsrechts zum Schweigen gebracht. Es überrascht also nicht, dass Luxemburg mit ihrer unerschrockenen Agitation gegen den Krieg bereits vor dessen offiziellem Ausbruch mit verschärfter Repression zu kämpfen hatte. Im Februar 1914 wurde sie zu 14 Monaten Haft verurteilt, ein ungewöhnlich hartes Urteil angesichts ihrer Handlungen: Rosa hatte in einer Rede die Arbeiter dazu aufgerufen, erst ihr Gewissen zu befragen, bevor sie gegen ihre Klassenbrüder in den Krieg ziehen. Der Staatsanwalt selbst offenbarte den politischen Charakter dieses Prozesses, indem er in seinem Plädoyer sagte: «Was die Angeklagte getan hat, ist ein Attentat auf den Lebensnerv unseres Staates». Kurz darauf, im Frühling 1914, wurde Luxemburg vom Kriegsminister wegen Beleidigung des Offiziers- und Unteroffizierskorps angeklagt. Gegenstand war in diesem Fall ihre Aussage, wonach Misshandlungen der einfachen Soldaten im deutschen Heer an der Tagesordnung stünden. Luxemburg versuchte sich nicht etwa herauszureden. Sie nutzte die Gelegenheit, um einen politischen Prozess zu führen und den Wahrheitsgehalt ihrer Aussage vor einem breiten Publikum offenzulegen. Entgegen dem anfänglichen Widerstand des Parteivorstands – dessen Burgfriedenspolitik zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich ab – rief Luxemburg Soldaten über die Parteipresse dazu auf, von ihren Erfahrungen zu berichten. Als die Verhandlungen einen Tag nach dem Attentat in Sarajevo begannen, verfügte sie über 30‘000 Zeugnisse von Misshandlungen. Sie konnte auf 922 Zeugen zurückgreifen, die allesamt bereit waren, vor Gericht ihre ursprüngliche Aussage zu wiederholen. Im Umfeld der Regierung kamen Unsicherheit und Bedenken auf, woraufhin die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt wurde.
Die ersten Kriegsjahre verbrachte Rosa Luxemburg also in Gefangenschaft. Clara Zetkin widerfuhr ein ähnliches Schicksal, wenn auch für kürzere Zeit. Sie wurde 1915 mehrmals verhaftet, unter anderem war sie für vier Monate aufgrund versuchten Landesverrats inhaftiert. Auch hatte sie mit einem Aufruf an die Arbeiter_innen aller Länder dazu aufgefordert, mit Sabotageakten gegen den Krieg zu kämpfen. Rosa blieb bis zur deutschen Novemberrevolution 1918 in Schutzhaft. Die KPD forderte die weitere Entfaltung der Revolution, die Sozialisierung der Grossindustrie und die Errichtung einer Rätedemokratie. Dies wurde durch die Sozialdemokrat_innen verhindert. Sie waren zu ihrer eigenen Machterhaltung einen Deal mit der Militärführung eingegangen. Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Reichswehrtruppen aufgegriffen und ermordet.

Von den Genossinnen lernen und weiterkämpfen
Die Analyse der sozialistischen Frauen in Bern, wonach der Krieg nur durch den Kampf gegen die Klassenfeinde im eigenen Land beendet werden kann, bewahrheitete sich: Es waren die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution in Deutschland, welche dem Kriegstreiben ein Ende setzten. Luxemburg, obwohl dazu gezwungen, die revolutionären Umwälzungen in Russland aus dem Knast heraus zu verfolgen, schrieb treffend: «Die Aktion für den Frieden kann eben in Russland wie anderwärts nur in einer Form entfaltet werden, als revolutionärer Klassenkampf gegen die eigene Bourgeoisie, als Kampf um die politische Macht im Staate.»
Auch in der Schweiz finden wir Genoss_innen, die nach 1916 an dieser Linie festhielten und an revolutionärer Organisierung beteiligt waren. Etwa Leonie Kascher, die tragend für die Positionsfindung jener Gruppen war, die sich später zur KPS (Kommunistische Partei Schweiz) zusammenschlossen. Im März 1919 ergriff sie am Gründungskongress der III. Internationale in Moskau das Wort und forderte einen Bruch mit dem Opportunismus und Reformismus, die Abspaltung der revolutionär gesinnten Genoss_innen von der Sozialdemokratischen Partei und die Gründung einer einheitlichen revolutionären kommunistischen Partei in der Schweiz. Diese sollte sich wieder am proletarischen Internationalismus orientieren. Diese Position war innerhalb der Linken in der Schweiz heftig umstritten. Trotzdem setzte sie sich zwei Jahre später durch und die ehemaligen Parteilinken innerhalb der Sozialdemokraten fusionierten mit der bereits bestehenden Kommunistischen Partei.
Heute sehen wir wieder in aller brutaler Deutlichkeit, was die Genoss_innen bereits vor hundert Jahren wussten: Kapitalismus bedeutet Krieg. Erst eine revolutionäre Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse kann dauerhaften Frieden bewirken. Luxemburg, Zetkin und ihre Genoss_innen haben es geschafft, im Rahmen der Arbeiter_innenbewegung diese Perspektive fassbar zu machen – und bezahlten dafür mit ihrer Freiheit und ihrem Leben. Es wäre vermessen zu behaupten, dass die revolutionäre Linke heute an einem vergleichbaren Punkt steht. Nichtsdestotrotz ist es angesichts der herrschenden Situation zentral, Zetkin und Luxemburgs Positionen und Aufrufe als Orientierung aufzunehmen. Gerade in den feministischen Bewegungen gilt es, dieses historische Bewusstsein zu stärken. Das Studium der revolutionären Widerstandsgeschichte macht greifbar, dass antipatriarchale, antiimperialistische und klassenkämpferische Positionen miteinander verbunden werden müssen. Oder um es mit den Worten des Kongresses der sozialistischen Frauen zu sagen: «Der jetzige Krieg weist mit dem Kampfe für den Frieden den Frauen eine geschichtliche Rolle zu, die, wenn sie begriffen und erfüllt wird, von der grössten Tragweite für die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes und das Gelingen für den Sozialismus werden kann. (…) Die Friedensaktion der sozialistischen Frauen muss Vorläuferin einer allgemeinen Bewegung der werktätigen Massen für die Beendigung des Brudermordes sein.»

Applaus für Stalking

Von Laura Maiorano. Samstagabend, beste Sendezeit, Millionenpublikum. In der italienischen TV-Show «C‘è posta per te» sitzt ein junges Ex-Paar im Studio. Es geht um Liebe, Eifersucht, Betrug. Und am Ende geht es um viel mehr: um die Frage, warum wir Kontrolle noch immer mit Leidenschaft verwechseln.
Patrick und Lola kommen zusammen, als sie 16 ist. Die Beziehung kippt früh ins Toxische. Sie kontrolliert sein Handy, verlangt seinen Standort, will wissen, mit wem er unterwegs ist. Treffen mit Freunden werden zum Streitpunkt. Eifersucht wird als Intensität verkauft. Er fühlt sich eingeengt, betrügt sie, verlässt sie für eine andere. Kurz darauf merkt er angeblich, dass er doch nur Lola liebt. Sie kommen wieder zusammen – bis sie die Nachricht der anderen entdeckt. Was danach folgt, wird im Studio als grosse Geste inszeniert. In Wahrheit ist es ein Lehrstück über Grenzüberschreitungen. Er schreibt ihr täglich. Er steht unter ihrem Fenster. Er taucht immer wieder auf, obwohl sie Abstand will. Im Studio fleht er sie an, mit ihm nach Hause zu gehen. Sie sagt Nein. Mehrmals. Sie sagt, dass sie ihm nicht mehr vertraut. Und dann fällt dieser Satz aus seinem Mund: «Wenn sie nicht mitkommt, weiss sie ja, dass ich vor ihrem Haus auftauche. Ich bin schneller als sie dort.»

Ich muss es wirklich noch einmal ausschreiben: Das ist keine Liebeserklärung – sondern die Ankündigung einer Drohung im Gewand der Romantik. Und das Publikum? Klatscht. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem. Nicht bei einem jungen Paar, das an Eifersucht scheitert. Sondern bei einer Gesellschaft, die männliche Obsession als Beweis tiefer Gefühle verkauft. «Er kämpft um sie» klingt eben schöner als «Er respektiert ihr Nein nicht». Doch in der Realität liegt zwischen diesen beiden Sätzen ein Abgrund. Gewalt gegen Frauen entsteht nicht aus dem Nichts. Sie entwickelt sich. Mit dem Anspruch, jederzeit Zugang zu haben. Mit Nachrichten im Minutentakt. Mit dem Auftauchen vor der Wohnung. Mit dem subtilen Druck, der sagt: Du kommst hier nicht einfach raus. Kontrolle, Überwachung, Besitzansprüche, permanentes Kontaktieren trotz klarer Ablehnung – das sind bekannte Eskalationsstufen. Und jede Stufe, die wir verharmlosen, verschiebt die nächste ein Stück weiter ins Akzeptable.
Dass eine Sendung mit Millionenpublikum dieses Verhalten inszeniert, als sei es Ausdruck unendlicher Liebe, ist kein Ausrutscher. Es ist strukturell. Patriarchale Muster sitzen tief: Der Mann darf drängen, die Frau soll weich werden. Ihr Nein wird zur Prüfung seiner Ausdauer. Nicht zu einer Entscheidung, die zu respektieren ist. Und während im Studio applaudiert wird, lernen junge Frauen vor dem Bildschirm, dass Auflauern als Liebesbeweis gilt. Dass tägliches Schreiben trotz klarer Ablehnung romantisch sein kann. Und junge Männer lernen, dass Druck ein legitimes Mittel ist, um eine Frau umzustimmen. Dass ein Nein verhandelbar ist.

Feminismus bedeutet, diese Narrative zu zerlegen. Ein Nein ist kein dramaturgisches Element. Es ist eine Grenze. Wer sie nicht akzeptiert, zeigt keine Liebe, sondern ein Problem. Solange Studios applaudieren, wenn Männer Besitzansprüche als Gefühl verkaufen, bleibt die Arbeit nicht erledigt. Dann müssen wir lauter sagen, was offensichtlich ist: Das ist keine Romantik. Das ist Kontrolle. Und Kontrolle war noch nie ein Liebesbeweis.

Laura Maiorano, Mitglied der vorwärts-Redaktion

Das Unmögliche möglich machen

Sevin Satan

Von Sevin Satan. Vor etwa 20 Jahren verwirklichte ich einen der Träume meiner Mutter. Sie wollte schon immer einmal nach Kuba reisen. Ich sparte nach der Lehre ein Jahr lang dafür. In Kuba wohnten wir nicht in den sogenannten «Casas Particulares», also den vom Staat registrierten Wohnungen, in denen man als Tourist:innen wohnen durfte, sondern illegal bei einer Familie, die wir vorher nicht kannten. Eine Freundin meiner Mutter hatte uns den Kontakt vermittelt. Zuerst wussten wir nicht, dass wir etwas Illegales taten, und danach fanden wir es einfach zu spannend bei dieser Familie, um in eine «Casa Particular» zu wechseln.

Wir wohnten in einem nicht touristischen Viertel in Havanna. Ich konnte damals Portugiesisch und schlug mich mit einem Mix aus Portugiesisch und Möchtegern-Spanisch durch. Da meine Mutter alles wissen wollte, war ich als Dolmetscherin unterwegs, was mich sehr herausforderte und in meinen jungen Jahren auch nervte. Alles musste ich fragen: von Lebensmitteln bis zum Militärdienst!
Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass ich durch ihre nervigen Fragen sehr viel über das Land sowie ein bisschen die spanische Sprache gelernt habe, aber das reflektiert man mit 23 Jahren generell etwas später. Jedenfalls fanden wir mit der Zeit heraus, dass die Familie, die uns beherbergte und mit uns auch vieles unternahm, keine Fidel-Freunde war. Zuerst waren wir schockiert, doch danach fanden wir es eigentlich gar nicht so schlecht, auch die andere Seite der Medaille kennenzulernen und sie uns anzuhören. Jedenfalls musste ich wieder eine nervige und sprachlich herausfordernde Frage stellen. Meine Mutter wollte wissen, ob es in Kuba das Problem mit dem Rinderwahn, also BSE, gebe. Mercedes, die Gastgeberin, antwortete: «Fidel würde uns nie etwas zu essen geben, das unserer Gesundheit schaden könnte!»
Diese Aussage von ihr verblüffte uns sehr. Sie war gegen den Sozialismus und den Kommunismus. Ihre Vorstellung eines Wirtschaftssystems war halb sozialistisch und halb kapitalistisch – was immer das auch genau heissen mag … Aber als eine Gegnerin Fidels die Aussage zu machen, dass Fidel ihnen nie etwas geben würde, was ihnen schaden könnte, das ist etwas sehr Grossartiges! Sie mag ihn nicht, aber dennoch weiss sie, dass er seiner Bevölkerung nicht für Profit schaden würde – das hat uns sehr beeindruckt. Selbst Regierungsgegner:innen in Kuba wissen also, dass sie alles, was sie an Lebensmitteln erhalten, mit gutem Gewissen konsumieren können – was bei uns so gar nicht der Fall ist.

Im Juni 2025 wurde bekannt, dass im Kanton St. Gallen weiterhin Rindfleisch auf den Markt gelangte, das mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS belastet war – und zwar in einem Ausmass, das die gesetzlichen Höchstwerte überstieg und somit verboten gewesen wäre. PFAS-Chemikalien können chronische Gesundheitsschäden verursachen. Sie können das Immunsystem schwächen, Leber und Nieren schädigen, die Fruchtbarkeit verringern sowie das Risiko für Krebs (insbesondere Nieren- und Hodenkrebs) und Schilddrüsenerkrankungen steigern. Bereits Mitte 2024 war PFAS-vergiftetes Fleisch in den Tellern der Konsument:innen in der Ostschweiz gelandet. Damals kündigte der Kanton St. Gallen einen Verkaufsstopp für das betroffene Fleisch an – umgesetzt wurde er nie. Viel mehr wurde PFAS-vergiftetes mit nicht vergiftetem Fleisch vermischt, so dass die PFAS-Werte unter die gesetzliche festgelegte Obergrenze gedrückt wurden. Was wohl meine damalige Gastgeberin in Kuba zu all dem sagen würde?

Es gibt kein System, und es wird keines geben, das die gesamte Bevölkerung zufriedenstellen wird. Und egal, wie es auch heissen und aussehen mag: Es muss immer die Gesundheit des Menschen in den Vordergrund stellen. Im kapitalistischen System ist unsere Gesundheit seit Längerem zu einer Ware geworden. Und immer mehr Menschen haben Mühe, sich diese Ware überhaupt kaufen zu können. Denn jedes Jahr steigen die Prämien der Krankenkassen – während gleichzeitig die sogenannten Topmanager:innen der Versicherungsgesellschaften fette Boni abkassieren. Hingegen hat Kuba trotz des über 60 Jahren dauernden US-Embargos ein kostenloses Gesundheitssystem geschaffen, mit der am besten ausgebildeten Ärzt:innen weltweit. Was ich in Cuba und von Ché Guevara gelernt habe: Sei realistisch und mach das Unmögliche möglich!

Sevin Satan,
Politische Sekretärin der Partei der Arbeit Zürich

Kinder und Frauen als Ware?

sah. Leihmutterschaft ist eine direkte Ausbeutung von Frauenkörpern: Mittels Vertrag werden Kinder und Frauen zu Handelsobjekten, so dass ein Kind bestellt, storniert oder bezahlt und abgeholt wird. Diese Art von Verlauf verstärkt patriarchale Normen und schafft schwere Menschenrechtsverletzungen.

Der Begriff Leihmutter bezeichnet eine Frau, die gegen Bezahlung eine Schwangerschaft durchlebt, um ein Kind zu gebären und es nach der Geburt den «richtigen» Eltern abzugeben. Die Befruchtung passiert mit dem Verfahren der «In-Vitro-Fertilisation». Samen und Eizelle werden hier oft von den Auftragsgeber:innen gespendet. In wenigen Fällen passiert dieser Akt rund um die Schwangerschaft auch aus altruistischen Gründen.

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Wenn Grenzen nichts zählen

lmt. Ein Vorfall in einer TV-Sendung steht sinnbildlich für tief verwurzelte patriarchale Denkmuster: Der Körper einer Frau, hat verfügbar zu sein. Solange sexualisierte Gewalt nicht als gesellschaftlicher Systemfehler behandelt wird, bleibt die Realität dieselbe: Jede kennt ein Opfer, aber niemand kennt einen Täter.

In «Temptation Island VIP» prahlt Aleks Petrovi? damit, seine Verlobte Vanessa nach dem Heiratsantrag zum Sex gedrängt zu haben. «Ich habe mir so viel Mühe gegeben, alles war wunderschön… und die wollte keinen Sex», sagt Aleks in der Sendung. Anschliessend erzählt er, wie er sie aufforderte, ihre Entscheidung «nochmals zu überdenken». Eine halbe Stunde später habe sie nachgegeben – «aber nur, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte». Dass Reality-TV-Shows oft ein Schaulaufen toxischer Männlichkeit sind, überrascht nicht. Und dennoch lässt sich aus diesem Vorfall viel ablesen. Aleks sprach offen aus, was viele denken, aber kaum jemand zugibt: dass der Körper der Partnerin als verfügbar gilt, dass ihre Grenzen verhandelbar sind und dass Sex eine Pflicht sei, die Frauen erfüllen müssen – selbst wenn sie nicht wollen. Diese Szene spiegelt eine patriarchale Logik, die Frauenkörper als Besitz markiert und Männer in einer vermeintlichen Anspruchshaltung bestätigt.

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Doppelte Diskriminierung

lmt. Vom 25. November bis 10. Dezember engagieren sich über 300 Organisationen in der Schweiz gegen geschlechts-spezifische Gewalt. Jedes Jahr rückt sie ein anderes Thema in den Fokus. 2025 steht eine Realität im Zentrum, über die kaum jemand spricht.

Jedes Jahr wird zwischen dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und dem Tag der Menschenrechte geschlechtsspezifische Gewalt in all ihren Formen ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Dieses Jahr steht endlich jene Realität im Zentrum, die viel zu oft übersehen wird. «Frauen mit Behinderungen gelten oft als geschlechtslos, als asexuell, als schwach», erklärt eine Fachfrau der Kampagne. «Diese Zuschreibungen machen sie besonders verletzlich.» Tatsächlich sind viele Betroffene gleich mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt – dies schafft Strukturen, die Gewalt begünstigen und ihre Aufarbeitung verhindern. » Weiterlesen

Alle Jahre wieder

Der Bund hat seinen Bericht zur Istanbul-Konvention veröffentlicht – und die Schweiz erhält die Note drei. Drei von sechs. Das heisst: Sie hat verstanden, dass Gewalt gegen Frauen ein Problem ist, aber nicht genug, um wirklich etwas zu verändern.

Die Schweiz, die sich gern als Vorbild für Menschenrechte sieht, scheitert dort, wo es am meisten zählt: beim Schutz derer, die tagtäglich bedroht, erniedrigt, geschlagen oder vergewaltigt werden – einfach, weil sie FINTA-Personen sind. Das ist kein Zufall. Es ist Politik. Die Schweiz hat keine kohärente nationale Strategie gegen geschlechtsbezogene Gewalt, kein klar definiertes Netz von Schutzräumen, das auch für Migrantinnen, queere Personen oder Frauen mit Behinderungen funktioniert. Stattdessen herrscht ein Flickenteppich aus Zuständigkeiten, in dem Kantone entscheiden, ob Schutz überhaupt Priorität hat.
Ich denke an die Nächte, in denen ich allein nach Hause gehe – den Schlüsselbund zwischen den Fingern, wie eine improvisierte Waffe. Ich weiss, wie das klingt. Aber es ist Alltag. Ich tue das, weil ich weiss, dass die Statistik gegen mich spricht. Weil alle zwei Wochen in der Schweiz eine Frau durch männliche Gewalt stirbt – und trotzdem kein Alarm ausgelöst wird. Kein Krisenstab. Kein Aufschrei. Nur Schweigen – das höfliche, schweizerische Schweigen, das alles verschluckt.
In der Theorie verpflichtet die Istanbul-Konvention die Schweiz, Frauen vor Gewalt zu schützen, Täter zu verfolgen, Prävention zu stärken. In der Praxis passiert das Gegenteil: Opfer werden nicht ernst genommen, Verfahren eingestellt, Anzeigen versanden. Die Polizei ist oft ungeschult, die Justiz nicht nur blind für strukturelle Machtverhältnisse, sondern ein Teil davon. Wer Gewalt erlebt, kämpft sich durch ein System, das nicht schützt, sondern zermürbt. Acht Jahre nach der Ratifizierung der Konvention müsste die Schweiz längst weiter sein. Doch stattdessen diskutieren wir immer noch, ob geschlechtsbezogene Gewalt wirklich ein strukturelles Problem ist. Wir tun so, als wäre es ein Einzelschicksal. Als wäre jede Belästigung, jede Demütigung ein persönliches Pech – und nicht Ausdruck eines Systems, das Männer schützt und Frauen zum Schweigen erzieht.
Seit Jahren schreibe ich über Gewalt, über Ungleichheit, über dieselben Strukturen. Und jedes Mal schreibe ich in etwa wieder denselben Text – mit neuen Zahlen, denselben Schmerzen, denselben Forderungen. Vielleicht ist dies das grösste Armutszeugnis unseres Landes: dass Frauen seit Jahrzehnten dasselbe sagen müssen, weil sich nichts verändert.
Eine Drei heisst: Wir könnten, aber wir wollen nicht. Sie ist das Zeugnis eines Landes, das Gleichstellung predigt, aber patriarchale Strukturen verwaltet. Ich will keine Note. Ich will, dass Frauen überleben. Dass Angst nicht länger Alltag ist. Denn ich bin müde, mich ständig zu verteidigen. Müde, Kompromisse zu machen, um «nicht zu provozieren». Müde, zu hören, dass es eben so ist. Ich will Schutz. Und Respekt. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Und wer den Schutz der Hälfte seiner Bevölkerung vernachlässigt, hat kein Umsetzungsproblem – er hat ein Systemfehler.

Laura Maiorano,
Mitglied der vorwärts-Redaktion

 

Gebären unter Zwang

lmt. Jede vierte Frau in der Schweiz erlebt Gewalt unter der Geburt – in einem System, das Effizienz über Empathie stellt. Das ist kein Einzelfall, sondern ein Spiegel gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Frauen, die gebären, fordern jetzt Respekt, Würde und echte Selbstbestimmung.

«Wir hören Sie schon schreien, aber wir haben keine Zeit.» Sätze wie dieser bleiben haften. Gesagt in einem Moment, in dem ein Mensch zwischen Schmerz, Angst und Hoffnung pendelt. Gesagt von einer Fachperson, die helfen sollte – und doch verletzt. Solche Erlebnisse sind keine Ausnahmen. Laut einer Studie der Berner Fachhochschule berichten 27 Prozent der Frauen in der Schweiz, sie hätten während der Geburt Zwang, mangelnde Aufklärung oder Übergriffe erlebt. Manche werden unter Druck gesetzt, in Eingriffe einzuwilligen, die sie kaum verstehen. Andere erfahren Demütigungen, Abwertung oder Missachtung ihres Willens. » Weiterlesen

Selbstbestimmung weltweit infrage gestellt

sah. Ziel wäre ein universeller Zugang für alle zu einem sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch. Doch viele Länder haben die Politik, dieses Recht zu kriminalisieren und den Zugang dazu zu erschweren.

Eigentlich hätte jede Person, die schwanger werden kann, das Anrecht, selbst zu entscheiden, ob, wann und in welchen Abständen sie schwanger werden möchte.
Forderungen rund um den legalen und sicheren Schwangerschaftsabbruch waren und sind Anliegen der feministischen Bewegung weltweit. Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die eigene Lebensgestaltung bedeutet auch die Möglichkeit zum Abbruch und ist eigentlich ein grundlegendes Menschenrecht. Gestern wie heute sind aber Fortschritte im Themenbereich Reproduktion in Gefahr. Viele Errungenschaften, die in der Vergangenheit hart erkämpft wurden, sind rückgängig gemacht worden oder werden erneut infrage gestellt. Negative Signalwirkung hatte beispielsweise der Entscheid vom 24. Juni 2022, als der Oberste Gerichtshof der USA das Urteil Roe v. Wade kippte, welches zuvor ein verfassungsmässiges Recht auf Schwangerschaftsabbruch garantiert hatte. » Weiterlesen

Abbruch ab 2027 kostenlos

sah. Neu sollen Krankenkassen ab 2027 sämtliche Kosten für Schwangerschaftsabbrüche übernehmen: ein liberales Signal gegen weltweite Tendenzen hin zu Abtreibungsbeschränkungen?

Die eidgenössischen Räte hatten am 21.März 2025 das «Kostendämpfungspaket 2» verabschiedet. Die darin enthaltenen Massnahmen sollen dazu beitragen, die Kostenentwicklungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung einzudämmen. Ziel ist es letztlich, den Anstieg der Krankenversicherungsprämien zu begrenzen.

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Früherkennung darf kein Privileg sein

lmt. Oktober ist weltweit der Brustkrebsmonat – ein Moment der Solidarität, des Erinnerns, aber auch des Nachfragens. Denn während in der Schweiz Jahr für Jahr Tausende an Brustkrebs erkranken, entscheidet noch immer der Wohnort darüber, wie früh eine Diagnose gestellt wird – und damit oft auch, ob eine Frau überlebt.

Brustkrebs ist in der Schweiz die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Rund 6500 neue Fälle werden jährlich diagnostiziert, fast 1400 Frauen sterben daran. Dabei wäre vieles vermeidbar: Wird ein Tumor früh erkannt, steigen die Heilungschancen deutlich, und die Behandlungen verlaufen schonender, oft ohne Chemotherapie oder Brustentfernung. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild – eines, das an der Kantonsgrenze Halt macht.

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