How to strike
FSK. Bist du frustriert über deine Arbeitsbedingungen in der Care-Arbeit? Fühlst du dich ausgebrannt von der ständigen Mehrfachbelastung zwischen Job und unbezahlter Familienarbeit? Willst du dich dem Kampf gegen die strukturelle Entwertung von Care-Arbeit anschliessen? Dann zeige gemeinsam mit uns 2027 Haltung und leg die Arbeit nieder!
Die Kraft, etwas zu verändern, kommt aus unseren gemeinsamen Anstrengungen. Um sich für den Wandel zu organisieren, braucht es Mut, Zusammenhalt und Koordination. Dieser Leitfaden soll dir als Ausgangspunkt für die Planung deiner Streikaktionen dienen.
Unser Streik ist mehr als eine Demonstration – es ist eine kollektive Arbeitsniederlegung. 2027 soll schweizweit die Care-Arbeit stillstehen: in unter anderem Spitälern, Kitas, Schulen, Alter- und Jugendsheimen, Asylzentrem, im Sexgewerbe oder in Restaurants, aber auch Zuhause beim Kochen, Putzen und bei der Kinderbetreuung. Wo immer du Care-Arbeit leistest – bezahlt oder unbezahlt – du kannst streiken!
Denk daran: Die Auswirkungen unserer Aktionen gehen weit über einen Tag hinaus. Der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und die Anerkennung der unbezahlten Care-Arbeit ist ein ständiger, kollektiver Kampf.
Bezahlte Care-Arbeit bestreiken
Streikgruppe am Arbeitsplatz bilden
Um erfolgreich zu streiken, musst du an deinem Arbeitsplatz eine Gruppe von Streikwilligen bilden, die bereit ist, einen Arbeitskampf zu führen. Dies kann herausfordernd sein, da ein Streik Risiken birgt und viel Mut sowie Ressourcen (wie Zeit und Wissen) erfordert. Wende dich zuerst an die Kolleg:innen, denen du vertraust. Teilt eure Frustrationen und sammelt konkrete Beispiele für Missstände. Erst wenn ihr eine Kerngruppe habt, plant ihr gemeinsam das weitere Vorgehen. Nach Möglichkeit wird der Kontakt mit der zuständigen Gewerkschaft gesucht. Sie kann euch dabei unterstützen, sicherzustellen, dass euer Streik legal ist und dass negative Folgen minimiert oder vermieden werden können. Die richtige Gewerkschaft findet man im Gesamtarbeitsvertrag des jeweiligen Arbeitssektors. Eine Mitgliedschaft ermöglicht den Zugang zu Streikfonds (Lohnfortzahlung bei Ausfall durch Streik) und rechtlicher Unterstützung. In einem nächsten Schritt werden gemeinsam Forderungen entwickelt: Tauscht euch mit anderen Arbeiter:innen aus, formuliert eure Forderungen zu den Arbeitsbedingungen und legt diese zusammen mit eurer Gewerkschaft der Arbeitgeber:innenseite vor. Konkrete Forderungen könnten beispielsweise sein: Relevante Lohnerhöhungen in allen Care-Bereichen, bessere Personalschlüssel und mehr Zeit für Patient:innen/Klient:innen, Stopp von Privatisierungen, Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, Schutz vor Überlastung und Burnout.
Verschiedene Streikformen
Vollstreik: Die radikalste und meist letzte Möglichkeit – komplette Arbeitsniederlegung für maximale
Wirkung. Wenn Arbeitgeber:innen nach Verhandlungen nicht auf eure Forderungen eingehen, denkt gemeinsam mit Kolleg:innen und Gewerkschaft über diese Option nach. Warnstreiks und alternative Aktionen können davor stattfinden: Streikpausen, das heisst kurze, symbolische Arbeitsunterbrechungen (zum Beispiel 10:46 Uhr, 15:24 Uhr), Dienst nach Vorschrift: Nur das Nötigste tun, keine Überstunden, keine unbezahlte Extraarbeit, langsamerer Arbeitstag: Bewusst das Tempo reduzieren. Solidaritätsaktionen: Auch in anderen Bereichen die Arbeit niederlegen.
Müssen Arbeitgeber:innen informiert werden?
Rechtliche Klarstellung: Per juristischer Definition ist ein Streik eine kollektive Arbeitsverweigerung, um Forderungen zu bestimmten Arbeitsbedingungen gegenüber Arbeitgeber:innen durchzusetzen. Wenn du als Einzelperson oder ohne Forderungen bezüglich deiner Arbeitsbedingungen teilnehmen willst, gilt dies nicht als legaler Streik. Die vorherige Benachrichtigung der Arbeitgeberseite ist wichtig, wenn du in bestimmten Sektoren arbeitest (Bildung, Gesundheitswesen), in denen während des Streiktages ein Mindestmass an Dienstleistungen gesetzlich vorgeschrieben ist. Teile bei einer Einzelteilnahme im Voraus mit, dass du dich beteiligen möchtest und fehlst.
Gestreikt werden kann in allen Care-Bereichen. In Spitäler, Kliniken, Arztpraxen, Altersheimen und Pflegeheimen, Spitex und ambulante Pflege, Behinderteneinrichtungen und therapeutische Einrichtungen. In Schulen aller Stufen, Kitas, Kinderhorten, Hochschulen und Universitäten, Nachhilfe und Lernbegleitung. Im Lebensmittelhandel, in Supermärkten, Gastronomie, Restaurants, Hotellerie, Tourismus, Coiffeure und Kosmetik. In Reinigungs- und Hauswirtschaftsdiensten. In der sozialen Arbeit wie Beratungsstellen, Jugendarbeit und Streetwork, Integrationsarbeit und Familienhilfe und in Umwelt- und Naturschutz.
Folgen und Risiken des Streiks
Finanzielle Konsequenzen
Lohnausfall: Du wirst wahrscheinlich für den Streiktag kein Gehalt erhalten. Aber: Als Gewerkschaftsmitglied kannst du eine Entschädigung aus dem Streikfonds beantragen, um Verluste aufgrund deines Streiks zu decken. Gewerkschaften unterstützen ihre Mitglieder finanziell während legaler Streiks. Informiere dich rechtzeitig über die Modalitäten.
Rechtliche Risiken
Bei legalen Streiks: Auch bei legalen Streiks können Arbeitgeber:innen Druck ausüben oder Sanktionen verhängen. Erfahrungen zeigen jedoch, dass eine eintägige Abwesenheit meist nicht direkt zu einer Kündigung führt. Wenn Arbeitgeber:innen ausdrücklich ein Streikverbot aussprechen, wende dich sofort an deine Gewerkschaft. Sie kann die Rechtslage prüfen und dich beraten. Wenn ein Streik legal war, aber dennoch sanktioniert wurde, kannst du mit rechtlichem Beistand Einspruch erheben und eine Entschädigung fordern. Gewerkschaftsmitglieder*innen erhalten kostenlose rechtliche Unterstützung. Je mehr Menschen sich an einem Arbeitsplatz mobilisieren, desto unwahrscheinlicher werden Sanktionen und es entsteht ein kollektiver Schutz. Für marginalisierte Gruppen bestehen besondere Risiken, zum Beispiel betreffend Aufenthaltsstatus. Intersektionale Diskriminierung: Arbeiter:innen mit Migrationshintergrund, nicht-binärer Geschlechtsidentität, nicht-heterosexueller Sexualität oder nicht-christlicher religiöser Überzeugung sind unverhältnismässig stark von Diskriminierung betroffen. Das bedeutet nicht, dass du nicht streiken kannst, aber du solltest dir dieser Risiken bewusst sein. Schaffe Bewusstsein in deiner Gruppe und trete mit Kolleg:innen in Kontakt, die möglicherweise von Diskriminierung betroffen sind. Unterstützt euch gegenseitig.
Unbezahlte Care-Arbeit bestreiken
Die unsichtbare Arbeit sichtbar machen! Auch Zuhause leistest du systemkritische Arbeit.
Haushaltsstreik
Dein Haushaltsstreik zeigt, wie unverzichtbar diese Arbeit ist. Dieser kann unterschiedlich gestaltet sein: Komplette Verweigerung oder Streik in Teilbereichen wie zum Beispiel kein Kochen: Zeige, was passiert, wenn niemand das Essen zubereitet. Kein Putzen: Lass den Haushalt bewusst liegen, Keine Wäsche: Keine Wäsche waschen, aufhängen oder zusammenlegen, keine Einkäufe: Keine Besorgungen oder Vorratshaltung, keine Organisation: Keine Termine planen, nicht für alle mitdenken.
Betreuungsstreik
Bestreikung von Kinderbetreuung: Alternative Betreuung organisieren: Lass Partner, Grossväter oder deine cis-männlichen Friends übernehmen oder organisiert Kinderbetreuung kollektiv durch Gruppen, die sich während des Streiks abwechseln.
Betreuungskosten sichtbar machen: Zeige auf, was professionelle Betreuung kosten würde.
Pflege von Angehörigen: Verantwortung abgeben: Lass andere Familienmitglieder übernehmen oder organisiere fair bezahlte professionelle Ersatzpflege.
Emotionale Arbeit einstellen: Keine Koordination von Arztterminen, keine Kommunikation mit Pflegediensten.
Rechnungen für Care-Arbeit stellen
Deine Arbeit beziffern: Erstelle Rechnungen für deine unbezahlte Care-Arbeit basierend auf Marktpreisen: Kinderbetreuung: 25 bis 35 Franken pro Stunde, Haushaltsführung: 20 bis 30 Franken pro Stunde, Pflege: 35 bis 50 Franken pro Stunde, Emotionale Arbeit: 80 bis 120 Franken pro Stunde (Coaching-Tarif). Rechnungen erstellen und verschicken an: Lokale Behörden und Politiker:innen, Arbeitgeber:innen deines Partners/deiner Partnerin, Familienmitglieder, die von deiner Arbeit profitieren, Krankenkassen (für Pflegearbeit).
Streikpausen
Eine Alternative zu Haushalts- oder Betreuungsstreik sind Streikpausen im Alltag im Sinne von symbolischen Arbeitsunterbrechungen: 10:46 Uhr: Frauen arbeiten täglich zwei Stunden und 46 Minuten ohne Rentenbeitrag – lege eine Pause ein, 15:24 Uhr: Ab dieser Zeit arbeiten Frauen aufgrund des Gender Pay Gap gratis, eigene Zeiten definieren: Wähle Zeiten, die für deine
Situation passen, kollektive Pausen: Organisiere dich mit anderen für gemeinsame Streikpausen in deinem Quartier, deiner Nachbarschaft oder online.
Solidarität und Vernetzung
Streikgruppen aufbauen durch lokale Vernetzung wie Quartiergruppen, Branchengruppen, Feministische Kollektive, Online-Plattformen. Gegenseitige Unterstützung während des Streiks durch Care-Kollektive (Gruppen, die sich während des Streiks gegenseitig
unterstützen), Streikküchen (gemeinsame Verpflegung für Streikende), Teilen von Kinderbetreuung (abwechselnde Betreuung der Kinder aller Beteiligten). Ressourcen teilen im Sinne von Transport, rechtliche Beratung, finanzielle Unterstützung.
Mobilisierung und Aufklärung
Familie und Freund:innen gewinnen durch Erklären von Zusammenhängen, zeige auf, wie Care-Arbeit alle betrifft. Teile persönliche Geschichten: Deine Erfahrungen machen die Probleme greifbar. Lade zu Gesprächen ein, organisiere Care-Cafés oder Diskussionsrunden. Nutze soziale Medien, teile Informationen und mobilisiere über deine Netzwerke. Sichtbarkeit am Arbeitsplatz schaffen: Plakate aufhängen mit euren Forderungen und Streikaufrufen, Lila tragen oder andere Erkennungszeichen der feministischen Bewegung, Infoveranstaltungen: Organisiere feministische Mittagessen, Apéros oder Workshops, Arbeitsplatz-Analysen: Führt Untersuchungen über Care-Themen in eurem Unternehmen durch.
Solidarische Unterstützung
Für cis Männer und Verbündete: Konkrete Unterstützung leisten wie Care-Arbeit übernehmen, wenn eure FLINTA Partner:innen, Kolleg:innen oder Freund:innen streiken, Kinderbetreuung organisieren, Haushaltsarbeit übernehmen: Kochen, putzen, einkaufen während des Streiks, finanzielle Unterstützung: Spendet an Streikkassen oder unterstützt einzelne Streikende. Andere cis Männer mobilisieren: Sprecht mit Freunden, Kollegen und Familie. Arbeitsplatz-Solidarität: Fragt Streikende, wie euer Solidaritätsstreik unterstützt werden kann (beachtet: Solidaritätsstreiks sind nicht legal und können Konsequenzen haben).
Besondere Bedürfnisse berücksichtigen: Körperliche Behinderungen: Barrierefreie Streikaktionen planen, Migrationshintergrund: Rechtliche Beratung und Schutz organisieren, Queere Personen: Diskriminierungsfreie Räume schaffen, Alleinerziehende: Besondere Kinderbetreuung und Unterstützung, ältere Menschen: Altersgerechte Beteiligung ermöglichen.
Streiken ist nicht illegal, wenn wir es richtig machen. Streiken ist unser Recht – und unsere Pflicht für eine gerechtere Gesellschaft!
2027: Wenn FLINTA nicht mehr will, steht alles still!
