Rückschau ist Vorschau
sah. Forderungen und Gründe sammeln, warum es dringend einen Care-Streik 2027 braucht! Das will das Feministische Streikkollektiv Zürich, und es ist gleichzeitig eine Art Rückschau auf die letzte Zeit des feministischen Streiks, die nach vorne führt.
Der erste feministische Streik – auch «Frauenstreik» (der zweite nach 1991) genannt – der am 14.Juni 2019 schweizweit stattgefunden hat, gilt als eine der grössten öffentlichen Mobilisierungen. Je nachdem wird nachträglich geschrieben, dass sich eine halbe Million Menschen an verschiedenen Protest- und Streikaktionen in den Kantonen beteiligt hatten. Die Forderungen drehten sich rund um Gleichstellung: gute und gerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen, Selbstbestimmung und Sicherheit für alle Frauen und Mädchen. Damals war Euphorie spürbar, und eine Aufbruchsstimmung machte sich breit. «Feminismus» ist seither in aller Munde.
Viele Aktivist:innen politisierte diese Zeit. Es gab fruchtbare Auseinandersetzungen mit der Situation auf persönlicher wie auch auf struktureller Ebene. «Feministische Anliegen» wurden endlich breit in der ganzen Gesellschaft diskutiert. Gerade der Begriff «Feminismus» hat sich in dieser letzten Zeit rund um die Streiks ab 2019 im Bewusstsein vieler stark verändert. Zum Beispiel wurde er mit dem Konzept «Intersektionalität» ergänzt. Bei allen Personen können sich unterschiedliche Diskriminierungen überschneiden. So wird auch aufgrund von Rassismus, Armut oder sexueller Orientierung diskriminiert.
Forderungen gehen weit über «Gleichberechtigung» hinaus
Wie viel konnten die Streiks tatsächlich bewirken? Trotz Fortschritten zeigt der Alltag, dass Frauen und Mädchen in der Schweiz weiterhin benachteiligt sind, trotz einiger Veränderungen in Richtung Gleichstellung. Unter anderem leisten sie oft den grösseren Teil der unbezahlten Arbeit. So ist auch die Liste der Aktivist:innen noch lang mit Forderungen, und es hat neue Denkrichtungen gegeben. Deshalb meinte das Feministische Kollektiv Bern auf der Seite feministischer-streik-bern.ch 2025 noch, dass sie weiterhin für mehr politische Mitgestaltung kämpfen, für reproduktive Rechte, Care-Arbeit, Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt, Klimaschutz, postkoloniale Politik, Inklusion, Antifaschismus und internationale Solidarität. Da sind neue Perspektiven dazu gekommen. Neben dem Begriff rund um die Care-Arbeit, der nach der Definition des Feministischen Streikkollektivs Zürich auf der Seite forderungen.ch «Sorgearbeit» bedeutet und Grundlage für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist, wurde «Femizid» als die Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts wichtig. Hier handelt es sich um keine Einzelfälle, sondern um strukturelle Gewalt.
Noch viele offene Rechnungen
Prozesse rund um die Streiks haben also das Thema geöffnet und den Diskussionen viele neue Aspekte der Ungleichheit hinzugefügt. Hier gab es enorme Fortschritte, so dass aus einem anfänglichen «Frauenstreik» endlich ein feministischer Streik oder Care-Streik wurde. Wobei der letztere Begriff in der politischen Arbeit immer zentraler wurde. Care-Arbeit meint alle Formen von Sorgearbeit, welche sich an den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen orientieren. Damit sind sowohl körperliche Pflege, Erziehungsarbeit, Arbeit im Bildungswesen, Arbeit in der Versorgungswirtschaft als auch Reinigungsarbeit, Sexarbeit und Sorgearbeit für die Umwelt gemeint. Das schreibt das Feministische Streikkollektiv Zürich auf der Website forderungen.ch. Auf seiner Seite freut es sich auf neue Kämpfe.
Aber noch immer gibt es eine Krise in der Care-Arbeit, weil sie in einem «bestimmten System» organisiert ist. Folgen sind, dass Sorge-, Pflege- und Betreuungsarbeit systematisch schlecht bezahlt sind, unsichtbar gemacht werden und mit zu wenig Zeit, Personal und Ressourcen geleistet werden müssen. Die Care-Arbeit in den Fokus genommen: Warum braucht es noch dringend einen Care-Streik? Weil der Kapitalismus immer nach einer «Optimierung» von Arbeitsabläufen strebt, um Profite zu maximieren.
Sternschnuppen mit Beschreibung der Missstände
Hier kommen die Aktivist:innen ins Spiel und können Forderungen zur Care-Arbeit auf der Seite forderungen.ch anbringen. Es gibt verschiedene Sterne auf der Seite, die angetippt werden können, um sich zu Grundthemen der Care-Arbeit Gedanken zu machen. So steht bei «Lohn und Arbeitsbedingungen» die Zeile: «Forderungen zu Bezahlung, Arbeitszeit, Personalschlüssel, Gesamtarbeitsverträgen, prekärer Beschäftigung, Aufwertung von Care-Berufen». Hier können Anliegen hinterlegt werden. Schweben kleinere Sterne um die Grundthemen herum, so ploppen beim Anklicken erste Wünsche wie «42-Stunden-Woche für Ärzt:innen» auf. Je mehr Eingaben künftig erfolgen, desto grösser wird der Sternenhimmel. Die Beziehung zur care-erhaltenden Person steht im Zentrum. Es braucht mehr Zeit. Auch bessere Arbeitsbedingungen sind wichtig, was mehr Geld benötigt. Das Schöne ist: Feministische Kämpfe bringen für alle bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen.
