Irrer Vogel Do

Gaudenz Pfister

Auf einer fernen Insel gab es einmal einen verrückten Vogel, der mit lautem Kreischen umherhüpfte und die Menschen mit seinem gewaltigen Flügelschlagen erschreckte. Gebannt schauten sie ihm zu und merkten gar nicht, wie ihre Insel immer schneller wegdriftete. Erst als der Vogel wegflog, fiel einigen auf, dass sie nicht mehr am gleichen Ort waren. Den meisten war das aber egal, da sie sich immer noch auf derselben Insel befanden. Bis sie in einen grossen Strudel gerieten und auf den Meeresgrund gerissen wurden.Die Geschichte um den irren Vogel ist erfunden, die Verhältnisse sind es nicht. Wer ständig auf Trumps Eskapaden starrt und hofft, der Spuk sei nach seiner Präsidentschaft vorbei, verpasst die tektonischen Veränderungen im Machtgefüge der Welt.

Wenn Trump Grönland militärisch okkupieren will, wähnt man sich mit einer Zeitmaschine zurück vor den Ersten Weltkrieg versetzt. Doch wer zuschaut, wie offen Trump versucht, die EU zu zersetzen, indem er nationalistische Parteien unterstützt, sollte eigentlich begreifen, dass Freundschaft ein anderes Wort für Unterwerfung ist. Auch bürgerliche Medien schreiben mittlerweile von Imperialismus und Rückfall in alte Zeiten. Da sie damit aber nur Trumps aggressives Gehabe meinen, sehen sie nicht, was dieses antreibt. Wir können dagegen auf Lenins scharfsinnige Analyse des Imperialismus zurückgreifen. Der Wettkampf der grossen Tech-Firmen, wer die zentralen Stellungen beherrscht; die Kanonenboot-Politik der grossen Mächte um Ressourcen wie seltene Erden, Computer-Chips und Erdöl; Investmentfirmen und Hedge-Fonds, die alle grösseren Firmen durchdringen und darauf ihre riesigen Spekulationen aufbauen: Das ist Imperialismus. Aggression ist notwendige Folge, wenn andere Firmen oder Regierungen diese Aneignung behindern.

Wie es scheint, ist die Zeit des friedlichen Imperialismus vorbei – wenn man unter Frieden versteht, dass die Menschen im westlichen Europa von kriegerischen Ereignissen verschont bleiben. Für manche Teile der Welt galt das ja schon bisher nicht. Warum aber gerade jetzt? «Friedliche» imperialistische Ausdehnung ist wirtschaftliche Machtballung, punktuelle militärische Interventionen, freundliche Anweisungen an verbündete Politiker:innen. Es braucht einen irren Vogel, der die Dynamik anheizt. Getragen von den Tech-Industriellen, Rüstungsfirmen und Ölkonzernen, getrieben von persönlicher Gier, zwingt er die verschiedenen Konzerne, die Expansion zulasten ihrer heutigen Profite mitzumachen, um in Zukunft noch mehr zu beherrschen und zu verdienen. Diese Dynamik bleibt, auch wenn Trump weg ist, daran kommt auch die nächste Präsidentin nicht vorbei. Opa Biden hat die Politik der ersten Präsidentschaft Trump im Wesentlichen weitergeführt, nur etwas freundlicher.

Selbst ein Krieg zwischen Westeuropa und den USA ist nicht mehr undenkbar. Darüber zu spekulieren ist aber nicht sinnvoll. Wir brauchen nicht Prophezeiungen, sondern einen klaren Blick auf die Triebkräfte des Imperialismus. Nur so sehen wir, wenn sich Handlungsräume für kommunistische Politik öffnen.

Gaudenz Pfister,
Mitglied der Pda Zürich

Trump dominiert Davos

dom. Das WEF inszeniert den Dialog – doch dieses Jahr dreht sich alles um Donald Trump. Während 64 Staats- und Regierungschefs anreisten und die Schweiz im «House of Switzerland» auf ein Treffen hoffte, setzte der US-Präsident auf Druck statt Diplomatie. Europa empört sich – ohne echte Hebel.

Nach Monaten der Selbstbeschäftigung, nach dem Skandal um Gründer Klaus Schwab, konnte das WEF Mitte Januar endlich tun, wofür es geschaffen wurde: dem Kapital und den politischen Führungsspitzen den roten Teppich ausrollen. 64 Staats- und Regierungschefs reisten an – und doch hing dieses Jahr alles an einer einzigen Person. Nach Jahren der Abwesenheit reiste Donald Trump wieder nach Davos, ausgerechnet jetzt, wo er die freihändlerische Welt mit Zöllen quält, Staatschefs entführt und die geopolitische Temperatur hochdreht. Im Zentrum stand Trumps Anspruch auf Grönland: Dänische Stimmen pochten auf Souveränität, europäische Vertreter:innen warnten vor einem Präzedenzfall, und auch die Märkte reagierten empfindlich.

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Superreiche sind kein Unfall

lmt. Der neue Oxfam-Bericht zeigt, wie sowohl Reichtum als auch Armut explodieren. Milliardär:innen prägen die Regeln eines Systems, das Armut, Hunger und Unsicherheit reproduziert. Diese Entwicklung ist keine Naturgewalt, sie ist politisch gewollt und kann politisch gestoppt werden.

Jedes Jahr veröffentlicht die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam ihren Ungleichheitsbericht – zeitlich abgestimmt auf den Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos. Und jedes Jahr zeichnet sich darin dasselbe Bild ab: Während Regierungen von Sparzwängen sprechen und breite Teile der Bevölkerung unter steigenden Lebenshaltungskosten ächzen, beschleunigt sich die Konzentration von Reichtum weiter. Die Zahlen sind nicht nur alarmierend, sie sind ein politisches Zeugnis. Denn extreme Ungleichheit ist kein Naturgesetz, sondern das Resultat systematischer Entscheidungen.

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Niemand wird zurückgelassen

Marius Käch. Die schweren Fluten praktisch während des ganzen Jahres 2025 haben in Vietnam unzählige Leben gekostet und die Existenzgrundlage Hunderttausender zerstört. Der kostenlose Wiederaufbau von Wohnraum für die Betroffenen mit der Quang-Trung-Kampagne zeigt, wie Vietnam die Klimakrise mit der Sozialen Frage kombiniert und der reichen Schweiz als gutes Vorbild dient.

Auch angesichts der immer häufiger werdenden Naturkatastrophen bleiben die Gewalten, welche in der Natur schlummern, kaum vorstellbar. So musste Vietnam wegen der Fluten 150395 Offizier:innen und Soldat:innen in die Gefahrengebiete mobilisieren. Mit 3085 Autos, 489 Spezialfahrzeugen, 646 Schiffen, 1239 Kanus, sechs Helikoptern und dem Einsatz der Volksmarine im Landesinneren wurden enorme Ressourcen eingesetzt, um möglichst viele Menschen zu retten. Diese Zahlen erhalten jedoch erst dann ihr volles Gewicht, wenn man sie in Relation setzt: Dies war «lediglich» die Vorbereitung für Taifun Nummer 15, der sich 2025 im Ostmeer (Südchinesisches Meer) gebildet hat. Zu hoch ist die Anzahl an tropischen Wirbelstürmen, als dass man ihnen hier Namen geben würde. Mit dem Voranschreiten der Klimaerwärmung werden die Stürme, Taifune und tropischen Depressionen in Südostasien immer öfter und immer verheerender.

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Wahlkampf von links

Tarek Idri. In der Stadt Zürich wird im März gewählt. Wie unterscheiden sich die linken Parteien in der Stadt Zürich? Und vor allem: Hebt sich die Partei der Arbeit (PdA) inhaltlich von den reformistischen ab? Ein Blick auf die Programme von PdA, SP, Grüne und AL.

Bei den Wahlen um die Regierung der Stadt Zürich, die am 8. März stattfinden werden, treten elf Parteien an. Vier davon kann man als links bezeichnen: PdA, SP, Grüne und Alternative Liste (AL). Sie alle setzen sich für mehr oder weniger «soziale» Anliegen ein (Stärkung des Service public, Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der grossen Mehrheit der Bevölkerung), während die Bürgerlichen im Kern die Interessen der Reichen und Unternehmen vertreten. Wie sieht das Programm der linken Parteien aus, worin unterscheiden sie sich untereinander? Für uns wird besonders die Frage interessant sein, ob sich die PdA, die sich explizit als revolutionäre Arbeiter:innenpartei versteht, inhaltlich abgrenzt von den reformistischen linken Parteien, ob hier ein qualitativer Unterschied beobachtet werden kann – oder nicht. » Weiterlesen

Das Programm des Bürgertums

Tarek Idri. In der Stadt Zürich wird im März gewählt. Welche Parteien treten an? Und vor allem, was sind die Positionen und Forderungen der verschiedenen politischen Kräfte? Wir untersuchen die Programme der bürgerlichen Parteien von der SVP, FDP bis zur Mitte-Partei.

Im Kanton Zürich stehen die lokalen Wahlen vor der Tür. In der grössten Stadt der Schweiz rücken diesmal insbesondere die Wahlen um die Stadtregierung (Stadtrat) in den Vordergrund. Drei Regierungsmitglieder von den bisherigen neun treten nicht mehr an. Der Run auf diese Sitze ist gross: Die Stimmberechtigten in der Stadt können unter insgesamt 24 Kandidat:innen aus 11 Parteien ihre Auswahl treffen. » Weiterlesen

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