Alle an den «March against Monsanto & Syngenta»

Ueli Gähler. Weltweit findet am 20. Mai wieder ein «March against Monsanto» statt. In Basel heisst dieser seit drei Jahren «March against Monsanto & Syngenta» und führt direkt vor die Tore des Basler Hauptsitzes. Mehr als 50 Organisationen unterstützen die Demonstration. Auch vor dem europäischen Hauptsitz von Monsanto in Morges wird demonstriert.

Die im Februar 2016 vom Verwaltungsrat bewilligte Übernahme des Basler Agrarmultis Syngenta durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina wurde am 5. Mai abgeschlossen. Die wohl letzte Generalversammlung am 26. Juni wird das nicht stoppen. Die mehr als tausend KleinaktionärInnen halten zusammen nur einen Bruchteil der Aktien. Die grossen amerikanischen und britischen Anlagefonds, denen die Basler Firma bisher gehörte, werden sich nun die Fusionsgewinne einstreichen. Immerhin geht es um 43 Milliarden US-Dollar. Syngenta leidet noch immer unter einer landwirtschaftlichen Überproduktionskrise in den USA und der Wirtschaftskrise in Brasilien und Argentinien. In dieser Lage schien die Übernahme durch ChemChina weiterhin die beste Profitmöglichkeit für die GrossaktionärInnen.
Der Verwaltungsrat von Syngenta betont, dass sich durch die Übernahme nicht viel ändern wird: «Der Wechsel des Aktieneigentums wird es Syngenta erlauben, Syngenta zu bleiben», schreibt VR-Präsident Michel Demaré im Geschäftsbericht. Das sehen wir auch so. Syngenta wird weiterhin die industrielle, kapitalistische Landwirtschaft mit Gentechmais- und soja sowie Pestiziden fördern, Patente auf Pflanzen beantragen, Universitäten und Forschungsinstitutionen unterwandern und in Washington und Brüssel Lobbying betreiben. Für uns ist deshalb klar, dass die internationale Bewegung gegen die Agrobusiness-Konzerne weitergehen und wachsen muss.

Wer bezahlt die Zeche?
2016 wurde immer klarer, welche extreme Konsolidierung von Macht im Agrobusiness stattfindet. Zurzeit sind vier Megamergers in der Agrochemie im Gang, die einen weiteren Konzentrations- und Zentralisationsprozess des Kapitals darstellen. Statt wie bisher sechs werden es dann nur noch drei Firmen sein, die den Weltmarkt für Saatgut und Pestizide beherrschen: Dow-DuPont, Bayer-Monsanto und ChemChina-Syngenta.
Bereits im Dezember 2015 hatten die US-Multis Dow Chemical und DuPont angekündigt, in einem 130 Milliarden US-Dollar Deal zu fusionieren, um sich anschliessend dann in drei Unternehmen aufzulösen. Eines dieser drei Unternehmen wäre dann eine Agrochemie- und Saatgutfirma. Dow und DuPont hoffen, ihren Merger 2017 abzuschliessen. Im September 2016 stimmte Monsanto einer Übernahme durch die deutsche Bayer für 66 Milliarden Dollar zu. Bernie Sanders bezeichnete diesen Deal als eine «in der Hölle gemachte Heirat». Hier entsteht ein Oligopol, das im Markt für gentechnisch verändertes Saatgut absolut marktbestimmend wäre. Neben der Übernahme von Syngenta durch ChemChina ist als vierter Deal noch der Merger der Düngemittelkonzerne Potash und Agrium unterwegs. Die Zeche für diese Machtkonzentration bezahlen die Lohnabhängigen, KonsumentInnen und BäuerInnen.

«Raus aus Lateinamerika!»
In Argentinien gibt es besonders viele Opfer der Gentechsoja- und Gentechmais-Landwirtschaft. Im November 2015 gewann der konservative, konzernfreundliche Mauricio Macri die Stichwahlen zur Präsidentschaft in Argentinien. Im Dezember 2016 schrieben 38 argentinische NGOs einen Bericht zuhanden der Uno und klagen darin die neue Regierung an, die Zivilgesellschaft der Vergiftung durch die Pestizide der Agrochemie zu überlassen. In diesem Bericht fällt der Name von Syngenta zusammen mit jenem von Monsanto und Bayer. Syngenta versucht wie Monsanto, von der Unterstützung durch die neue rechte Regierung zu profitieren. So wurde Ende Dezember bekannt, dass Argentiniens Bewilligungsbehörden die kommerzielle Nutzung von Syngentas neuer Gentechmaissorte bewilligt habe. Ausserdem will die argentinische Regierung die Rechte der Saatguthersteller, Patentabgaben einzuziehen, verstärken. Die argentinischen Bäuer-Innen wehren sich dagegen. Syngentas Lateinamerika-Direktor Antonio Aracre will, dass die freie Verwendung von Saatgut verschwindet mit Ausnahme kleiner prekärer Familienbetriebe. Syngenta steht hier zusammen mit Monsanto im Fokus der sozialen Auseinandersetzungen. In Malvinas Argentinas in der Provinz Cordoba besetzten lokale Komitees das Gelände, auf dem Monsanto eine Saatgutanlage bauen wollte. In ganz Argentinien fanden Demonstrationen statt mit der Forderung: «Monsanto, raus aus Lateinamerika!»

Hauptursache des Klimawandels
Dabei tut sich für die Agrokonzerne eine weitere Baustelle auf. Die Diskussion über industrielle Landwirtschaft oder Ernährungssouveränität wurde 2016 zunehmend unter dem Aspekt der Klimapolitik diskutiert. Industrielle Landwirtschaft wird zunehmend als eine der Hauptursachen des Klimawandels erkannt. Die BäuerInnenbewegungen um La Via Campesina fordern deshalb Ernährungssouveränität und die Rechte auf Land, Wasser und das eigene Saatgut für die KleinbäuerInnen. Das fordern wir auch!

Der diesjährige «March against Monsanto & Syngenta» startet am 20. Mai um 14 Uhr auf dem Barfüsserplatz in Basel. Mehr dazu unter: www.marchagainstsyngenta.ch

Ueli Gähler ist aktiv bei MultiWatch Basel und Mitorganisator des «March against Monsanto & Syngenta»

 

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