Selbstmorde bei France Télécom

26.10.2009

Nach 25 Mitarbeiter-Selbstmorden in den letzten 20 Monaten waren die Chefs von France Télécom jetzt endlich doch zu ersten Zugeständnissen gezwungen. Die Selbstmorde waren ein klares Signal für das miserable Arbeitsklima in der Firma, den enormen Stress bei der Arbeit, die für viele nahezu unerfüllbaren Leistungsanforderungen, den erzwungenen wiederholten Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel und generell für den menschenverachtenden Umgang mit den Mitarbeitern. Doch die Direktion blieb diesen Signalen gegenüber monatelang völlig unempfindlich und untätig. Die Empörung darüber in der Öffentlichkeit wuchs. Nun sahen sich die Bosse am 20. Oktober aber doch zu einem ersten Einlenken gezwungen. Sie gaben bekannt, daß alle «Umstruktuierungsmassnahmen» und Zwangsumsetzungen innerhalb des Unternehmens bis Ende des Jahres ausgesetzt werden. Bis Anfang 2010 soll in Verhandlungen mit den Gewerkschaften ein neuer «Aktionsplan» zur «Reorganisation» des Unternehmens erarbeitet werden. Sogar die Neueinstellung von 380 festangestellten Arbeitskräften und die Wiedereingliederung von 1000 Beschäftigten, die in Subfirmen «ausgelagert» worden waren, wurde angekündigt.

Die Gewerkschaften bewerteten dies als einen «ersten Schritt» in die richtige Richtung, dem jedoch noch weitere folgen müssten. Unter den Beschäftigten hält das Misstrauen an, weil sie in der Vergangenheit wiederholt erlebt haben, dass es zwischen solchen Ankündigungen und ihrer Umsetzung in die Realität oft eine große Kluft gibt.

Die zwei letzten Selbstmordfälle hatten den Stein endgültig ins Rollen gebracht. Am 28. September hatte sich ein 51-jähriger Familienvater in der ostfranzösischen Stadt Annecy von einer Autobahnbrücke gestürzt. In einem Abschiedsbrief schrieb er, dass er das Arbeitsklima in dem Call-Center, in das er kürzlich versetzt worden war, nicht länger aushalten könne. Er war als Techniker ausgebildet und hatte zuvor im technischen Dienst gearbeitet. In das Call-Center war er gegen seinen Willen versetzt worden, weil ein anderer Arbeitsplatz als Techniker für ihn vor Ort nicht mehr vorhanden war. Am 15. Oktober folgte ein weiterer Selbstmord eines Télécom-Ingenieurs in der Stadt Lannion in der Bretagne.

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