Autobranche vor dem Kollaps

(pte) Die Autobranche droht im Chaos zu versinken. Angesichts der konjunkturellen Flaute und der einsetzenden Absatzkrise überschlagen sich die Hersteller mit schlechten Nachrichten.

Der Abschwung scheint den Industriezweig nach monatelangen Warnungen und negativen Vorzeichen nun weltweit eingeholt zu haben. Bereits angekündigte Produktionskürzungen und -stopps sowie einbrechende Geschäftszahlen haben den massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen zur Folge. Besonders Zeitarbeiter werden von den Sparmaßnahmen betroffen sein. Alleine bei Volkswagen (VW) seien „alle Möglichkeiten“ und bis zu 25.000 Leiharbeiter-Jobs zu prüfen. Bis Jahresende laufen die ersten 750 Verträge aus und in diesem Stil könnte es auch 2009 weitergehen.

Die Autobranche müsse sich auf einen langfristig anhaltenden Abschwung einstellen, urteilt Ferdinand Dudenhöffer, Automobilmarktexperte und Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Mit dieser Ansicht ist Dudenhöffer nicht allein: Branchenkenner gehen in Westeuropa von einem um bis zu 17 Prozent einbrechenden Absatz im vierten Quartal aus. Im Gesamtjahr 2008 sei mit einem Rückgang von acht Prozent zu rechnen.

Während Daimler betriebsbedingte Kündigungen in den kommenden Jahren noch ausschließt, befindet sich der Konzern ebenso wie die weltweite Konkurrenz in einer angespannten Lage. Mit den Zahlen zum dritten Quartal, die Daimler diese Woche vorgelegt hat, und einer erneut korrigierten Gewinnprognose sorgte der Hersteller für Besorgnis in der Branche. An der Beschäftigungssicherung bis 2012 werde dennoch nicht gerüttelt.

Bei VW zeichnet sich hingegen eine weitaus düsterere Situation ab. „Wir kommen um harte Einschnitte nicht herum. So schlecht und unsicher waren die Aussichten schon lange nicht mehr“, wird VW-Chef Martin Winterkorn von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert. Angesichts der schlechten Marktlage sei ein harter Sparkurs zu erwarten.

Die Krise der Autobranche hat aber nicht nur deutsche Häuser erfasst, sondern hinterlässt weltweit deutliche Spuren. Der traditionsreiche US-Automobilmarkt ächzt unter der Absatzflaute, was etwa General Motors und Chrysler in eine Notfusion treibt. Ford kündigte am Standort Köln Kurzarbeit an und Opel stoppt die Autoproduktion in sechs verschiedenen Werken vorübergehend.

Auch der angesichts der Krise bislang stabile französische Konzern Renault kündigt die Stilllegung „nahezu aller“ französischer Werke für ein bis zwei Wochen an. Volvo verzeichnet einen Gewinnrückgang von über 36 Prozent und der japanische Anbieter Toyota meldet einen stark eingeknickten Absatz um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von Absatzrückgang betroffen kündigt Peugeot „massive Produktionskürzungen“ an und senkt die Gewinnprognose um die Hälfte.

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