WAK setzt positives Signal für die Buchbranche

Die Kommission für Wettbewerb und Abgaben des Nationalrats (WAK-N) hat an ihrer Sitzung vom Montag beschlossen, auf die Beratung eines Buchpreisbindungsgesetzes einzutreten. Die Mediengewerkschaft comedia ist erfreut über den Entscheid der WAK, die mit ihrem Eintretensentscheid nicht nur kulturpolitisch, sondern auch für den Arbeitsmarkt ein positives Signal setzt.

Die Aufhebung der Buchpreisbindung hat in der Westschweiz 1996 zu einem starken Arbeitsplatzabbau geführt. Während in der Romandie gemäss Bundesamt für Statistik 1995 noch 1170 Arbeitsplätze bestanden, waren es 2005 noch 834. Dieser Rückgang entspricht einem Arbeitsplatzabbau von 28%. In der Deutschschweiz gingen während diesem Zeitraum 11% der Arbeitsplätze verloren: 1995 waren es 2967, 2005 noch 2628 Arbeitsplätze.

Diese unterschiedliche Entwicklung kann nicht durch unterschiedliche Marktstrukturen oder dem Konsumverhalten erklärt werden. Sowohl in der West- wie auch in der Deutschschweiz fand in diesen zehn Jahren ein Konzentrationsprozess statt, der in beiden Sprachregionen zu weniger Marktteilnehmern führte.

Die unterschiedliche Entwicklung der Arbeitsplätze lässt sich mit der Preisbindung erklären: Während in der Deutschschweiz die Preisbindung Arbeitsplätze sicherte, führte der Preiskampf in der Westschweiz zu massivem Arbeitsplatzabbau. comedia hofft, dass sich die Beratungen in der WAK-N im Oktober weiter positiv entwickeln und dem Parlament eine eine gute Gesetzesvorlage unterbreitet wird.

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2 Kommentare

  • Kultur verramschen?

    Buchpreisbindung – Michael Heim in der BAZ vom 30.8.08

    Die hier bejubelte Preisfreiheit sorgt dafür, dass der Buchmarkt langfristig ruiniert wird. Genauso, wie Ex Libris den Tonträgermarkt innert 20 Jahren eliminiert hat. Dieser Stellungnahme der BAZ gegen die bewährte Buchpreisbindung, fehlt jedes stichhaltige Argument und greift auf eine Polemik zurück, mit einem unmöglichen Vergleich zum ehemaligen Monopol der PTT auf Post und Telephonie. Es ist eine diffamierende Irreführung wenn Herr Heim schreibt: „Die Absicht der Politiker, die Preise zu regulieren…“ Nicht die Politiker regulieren die Preise, sondern im Gegenteil, die Politiker mischen sich nicht ein, in die bewährte Praxis, dass die Verlage in Absprache mit ihren Autoren die Preise festlegen, für die ihre Bücher in allen Geschäften abgegeben werden. Darum gibt es hier – heute noch – ausgebildetes Personal, das Kunden profund beraten kann und eine ansehnliche Auswahl. Diese traditionelle Regelung war und ist im Interesse der Schriftsteller, der Verlage, der Händler und der Kunden, weil letztere fachgerechte Beratung erhalten, und weil ein breites Angebot zu vernünftigen Preisen allen dient. Eine Preisfreigabe nützt ausschliesslich dem Marktanteil von Ex Libris und anderen Ramschanbietern. Durch eine erzwungene Preisfreigabe durch die Politik wird in den Markt eingegriffen, mit der Folge, dass weniger hochwertige Bücher verlegt werden können, viele kleine, feine Verlage eingehen, innert zehn bis zwanzig Jahren 90% der Fachhändler verschwunden sind und nur noch ungelerntes Personal für miesen Lohn an den Kassen steht. Für das übrigbleibende Angebot an Bestsellern braucht es ja keine Beratung mehr. Es schadet den Verlegern, den Autoren, den Händlern und dem Personal. Gewonnen hat der billigste Preis für Massenware. Der Kunde verliert die Auswahl, die Vielfalt, die Qualität und die Beratung und die Literatur als solche.
    Wer für die Freigabe der Preise spricht, wie Herr Heim, ist dafür, dass in jedem Discounter Bücher angeboten werden und dafür das Angebot auf einen Bruchteil sinkt, dass besondere Bücher nur noch viel teurer in wenigen überlebenden Fachgeschäften erhältlich sind, wenn sie überhaupt noch von einem Verlag produziert werden können. Ex Libris hat bereits den Tonträgermarkt ruiniert, mit Verkaufspreisen zum Teil unter dem Einstandspreis, was eigentlich illegal ist, aber wo kein Kläger… Das Resultat ist, dass die Konsumenten mangels Fachgeschäften, ihre Musik kostenlos im Internet herunterladen. Die international dominierte Musikindustrie der Schweiz, hat dies gefördert und mit ihrer Preispolitik selbst den Ast auf dem sie sass, die Fachhändler, abgesägt. Das WAK sollte noch viel weitergehen und Ramschhändlern wie Ex Libris den Verkauf von Büchern und Musik gänzlich verbieten. Ausschliesslich Fachgeschäfte mit entsprechend ausgebildetem Personal sollten Kultur verkaufen dürfen. Wer nur an Billigangeboten interessiert ist, kann immer noch im Internet bestellen.
    Bei der Musik gibt es die Alternative nicht mehr, im Fachhandel zu kaufen, weil dieser bereits vernichtet ist; 1998 gab es noch 400 Fachhändler, 1988 noch 800, 2008 sind es noch 40!
    Über 90% des Musikhandels läuft heute über vier Discounter, deren Angebote sich nur unwesentlich unterscheiden. Zum Glück darf in der Schweiz Musik im Internet legal für den Eigenbedarf heruntergeladen werden. Bei den Büchern wäre das etwas schwieriger.
    H.R.M. Gehriger, Sekretär Schweizer Musik + Medien Verband
    044 940 10 50

  • Steffan

    Die Buchpreisbindung sollte auf keinen Fall wieder aufgenommen werden weil:
    – damit lediglich ein Berufsstands geschützt wird der in der heutigen Zeit nicht mehr die gleiche Daseinsberechtigung hat wie früher da es nun das Internet gibt. Wieviel Prozent der Leute die ein Buch kaufen wollen Beratung durch den Buchhändler? 0.5% ev? Und selbst da muss man sagen dass das Internet beinahe immer die bessere Informationsquelle ist. Das gilt auch für Fachbuchhandlungen: die lieben Buchhändler haben eigentlich nie eine fundierte Ahnung der entsprechenden Gebiete, sie können in aller Regel also lediglich sagen wo in ihrem Geschäft die Bücher zu einem bestimmten Thema stehen..
    Das Argument des Kulturschutzes ein Scheinargument ist: Selbst wenn Bücher die sich nur an ein kleines Publikum wenden gefährdet wären, macht es keinen Sinn dies über den Buchhandel zu regulieren. Wenn schon -und auch da bin ich strikt dagegen- müsste das da geschehen wo die Preisunterschiede entstehen: bei der Produktion.
    Ich sehe auch keinen Grund wieso ich für ein Buch mehr zahlen soll als notwendig, ich bin weder reich noch das Sozialamt.
    Für alle die es auch so sehen habe ich hier die meiner Meinung nach drei günstigsten (in entsprechender Reihenfolge) Buchhändler in der Schweiz rausgesucht:
    http://www.unibooks.ch
    http://www.exlibris.ch
    http://www.thalia.ch

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