Grosse reden, Kleine leiden

Earl Bousquet. Drei Hurrikans haben in der Karibik getobt und viele Inseln verwüstet. Besonders Dominica wurde stark getroffen, das Fazit: Mehr als ein Dutzend Tote, Zehntausende obdachlos. Die karibischen Länder bitten die internationale Gemeinschaft um Hilfe, erwarten können sie allerdings nicht viel.

Nachdem drei aufeinanderfolgende Hurrikans innerhalb von zwei Wochen Tod und Zerstörung über Hunderte von Inseln gebracht haben, beginnen die Völker der Karibik nun mit der Suche und der Bergung von Vermissten, mit der Einschätzung ihrer Verluste und der Berechnung der Kosten der schlimmsten Hurrikansaison, die sie je erlebt haben. Obwohl die Welt ihr Mitgefühl ausdrückt, scheinen die Aussichten auf Hilfe in der notwendigen Geschwindigkeit und im notwendigen Umfang nicht gross zu sein. Die karibischen Völker wissen, dass nach bisherigen Erfahrungen die Aussichten auf Katastrophenhilfe mit jedem Tag geringer werden.

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«Pavlos lebt!»

Anna Spillmann. Vor vier Jahren wurde der antifaschistische Rapper Pavlos Fyssas alias Killah P in Griechenland von einem Mitglied der Neonazipartei Chrysi Avgi ermordet. Der Widerstand gegen die FaschistInnen ist lebendig.

Am 18. September gedachten zahlreiche antifaschistische AktivistInnen, linke Organisationen und Kollektive Pavlos Fyssas, dem griechischen Rapper, der vor vier Jahren von einem Mitglied der faschistischen Partei Chrysi Avgi umgebracht wurde. Im ArbeiterInnenquartier Keratsini in Piräus wurde Pavlos Fyssas, als er aus dem Café trat, in dem er den Abend mit FreundInnen verbrachte, mit einem Messerstich direkt ins Herz getroffen.

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Oktoberrevolution: What’s left?

Tibor Zenker. Ab 1989 kam es in der UdSSR und Osteuropa zur «Wende», zur Konterrevolution und zur kapitalistischen Restauration. Somit stellen sich unweigerlich die Fragen: Was bleibt von der Oktoberrevolution? Und was können die gegenwärtigen KommunistInnen und RevolutionärInnen von ihr, ihrem Verlauf und ihren Folgen lernen?

Im November dieses Jahres begehen wir das 100. Jubiläum der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution in Russland. Am 7. November 1917 siegte der von Lenins Bolschewiki angeführte Aufstand gegen die bürgerliche Regierung. Mit der Russischen Sowjetrepublik wurde der erste proletarische, sozialistische Staat der Menschheitsgeschichte gegründet, der einige Jahre später zur UdSSR, zur Sowjetunion, erweitert wurde.

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Stadtlandschaften massakrieren?

dab. Eine breite Bewegung gegen den A5-Westast, der in die Stadt Biel gebaut werden soll, fordert «Bäume und Häuser statt Autobahn». Die Demo «Biel wird laut! Bienne debout!» findet statt am Samstag, 23. September in der von neoliberalen SuperzerstörerInnen bedrohten Stadt.

Wird die vierspurige Autobahn mit Anschlüssen realisiert, wäre das, wie wenn in Bern der Wankdorf-Autobahnanschluss neben dem Bahnhof gebaut worden wäre. Die gigantische und teure A5-Westast-Umfahrung soll Biel und Nidau zwischen Stadt und See verschandeln und alibimässig mit Grünzonen und Langsamverkehr kaschiert werden. 2020 soll Baubeginn sein.

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Im plombierten Wagen durch Deutschland

Der Wagen, der Lenin und seine KampfgefährtInnen nach Russland brachte

Karl Radek. Die russischen EmigrantInnen in der Schweiz mussten bei Ausbruch der Revolution schnellstens zurück. Der österreichische Revolutionär Karl Radek erzählt 1924, wie die Reise Lenins und der Bolschewiki durch Deutschland gelungen ist und was sie dabei erlebt haben.

Als Wladimir Illjitsch Lenin nach der Februarrevolution 1917 in der Schweiz zu der Überzeugung kam, die Ententemächte würden ihm und seinen Genossen niemals die Durchreise nach Russland gestatten, standen noch zwei Wege offen: Entweder versuchte man illegal durch Deutschland zu fahren oder aber man reiste mit Wissen der Behörden.
Die illegale Durchreise war mit dem grössten Risiko verbunden, da man erstens sehr leicht lange Zeit aufgehalten werden konnte, dann aber wusste man auch nicht, wo die Schmuggler, deren Dienste man benutzen musste, aufhörten, und wo die Spione der deutschen Regierung anfingen. Wenn sich die Bolschewiki zu einem Abkommen mit der deutschen Regierung hinsichtlich ihrer Durchreise verstanden, musste es in aller Öffentlichkeit geschehen, um die Gefahr zu vermindern, welche diese ganze Affäre gegen Lenin als den Führer der proletarischen Revolution heraufbeschwören konnte.

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Fritz Platten: Bolschewik und Schweizer?

Urs Rauber/Redaktion. Fritz Platten kennt man heute höchstens noch als Organisator der berühmten Reise Lenins im plombierten Zug durch Deutschland. Doch wer steckt hinter dieser widersprüchlichen Persönlichkeit, die sich vom SP-Parteibüro in den Aufbau der Sowjetunion stürzte.

Heute ist der Name Fritz Plattens aus dem aktuellen Bewusstsein der Schweizer Arbeiterschaft verschwunden. Blättert man jedoch in Zeitungen der Jahre 1912 bis 1922 oder in historischen Darstellungen, stellt man sogleich fest, welch bedeutende Rolle Platten damals gespielt haben musste. Über kaum einen Kommunisten dieses Landes – ausser vielleicht Jules Humbert-Droz – ist beim Recherchieren derart viel Material zu finden wie über ihn.
Das widersprüchliche Bild des Gefährten Lenins in der Schweiz fasst Leonhard Haas, der frühere schweizerische Bundesarchivar, wohl treffend zusammen: «Den bürgerlichen und gemässigten sozialistischen Schweizern war Platten ein gefährlicher Revoluzzer und allein schon wegen seiner bohemehaften Aufmachung mit schwarzem Schlapphut und wallender Pelerine eine ärgerliche Gestalt im helvetischen Alltag. Lenin aber war er zu mild, zu schweizerisch verbindlich nach fast allen Seiten.»

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Bilder für den Krieg

Klaus Wagener/UZ. Neue Einblicke in die Akten von Pentagon und CIA zeigen, dass die US-Regierung hinter den Kulissen an über 800 grossen Filmen und mehr als 1000 TV-Titeln mitgearbeitet hat.

Muhammad Ali sollte 1967 sagen: «Meine Gewissen lässt mich nicht auf meinen Bruder schiessen. Oder auf einige farbige Menschen, oder auf einige arme hungrige Menschen im Dreck. Für das grosse, mächtige Amerika. Und erschiessen für was? Sie haben mich nie Nigger genannt. Sie haben mich nie gelyncht, sie haben nie ihre Hunde auf mich gehetzt.»
Western-Held John Wayne war da ganz anderer Auffassung. Er fand, «arme Menschen erschiessen» sei doch eine super Sache.

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Ein überfälliges Bündnis

Athanasios Karathanassis. Kapitalistische Produktion basiert auch auf der Ausbeutung der Tiere. Warum Tierbefreiung und Kapitalismuskritik zusammengehören. Anmerkungen zum Thesenpapier Marxismus und Tierbefreiung.

Warum es das vom Menschen massenhaft verursachte Leid der Tiere im Kapitalismus gibt, ist eine zentrale Frage, die sich das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung (BMT) zunächst mit einer Kritik an dominierenden politisch-theoretischen Auffassungen stellt.
Während die moralische Verurteilung der Vorstellung der Höherwertigkeit der menschlichen Gattung auf einer Kritik der Ideologie der Ungleichwertigkeit basiert, allerdings ohne diese herzuleiten, zielt die im Thesenpapier thematisierte Rechtskritik darauf ab, dass die Behandlung der Tiere nur als Rechtsobjekte, nicht aber als Rechtssubjekte das Resultat der normativen Setzung der Tiere als Eigentum sei, womit der institutionalisierten Ausbeutung der Tiere qua ökonomischer Verfügungsgewalt der Weg geebnet werde. Mit dieser juristischen Festschreibung wird es legal, Tiere als (Privat-)Eigentum zu «behandeln» und Profit aus ihnen zu ziehen.

Moral, Recht und Ideologie
Die antispeziesistische Herrschaftskritik sieht den Speziesismus als das Ergebnis einer dualistischen Konstruktion von Gesellschaft und Natur bzw. Mensch und Tier. Diese schreibt «der Gesellschaft» jene Eigenschaften zu, die dem menschlichen Zivilisationsprozess förderlich waren – wie z.B. Wille und Rationalität, während zugleich die Seite «der Natur» mit alledem konnotiert wird, was in diesem Prozess verdrängt und zurückgelassen wurde, wie z.B. Triebhaftigkeit und Affektivität.
Das speziesistische Denken über die Tiere ist aber – so das BMT – nicht die Grundlage der Tierausbeutung, sondern vielmehr deren ideologischer Reflex. Den Ursprung dieser Ideologie oder ihre Funktion herleiten kann die antispeziesistische Herrschaftskritik nicht, womit sie (ebenfalls) phänomenologisch bleibt. So erscheint Tierausbeutung als Ergebnis eines verblendeten speziesistischen Bewusstseins – eine Sichtweise mit fatalen Konsequenzen in Bezug auf ihre praktisch emanzipatorischen Möglichkeiten: Eine auf die Befreiung der Tiere gerichtete politische Praxis ist dann primär eine Frage des richtigen Denkens, der moralischen Haltung und der Rechtsnormen, was heisst, dass z.B. FleischproduzentInnen und -konsumentInnen «nur» ihr speziesistisches Denken ablegen müssen, damit Tiere befreit werden können. Gesellschaftliche Praxis ist hier vor allem eine Frage des gesellschaftlichen Bewusstseins.
So bleiben die Kritiken der Moralphilosophie, der Rechtstheorie und auch die antispeziesistische Herrschaftskritik moralistisch, ideologisch oder juristisch-normativ, und verharren auf der phänomenologischen Ebene, wodurch sie nicht ausreichend erklären können, wie das ideologische Denken über Tiere oder ihr Eigentumsstatus in die Welt gekommen ist und vor allem, warum und in wessen Interesse Tiere in der kapitalistischen Gesellschaft ausgebeutet werden.

Das Tier im Kapitalismus – eine materialistische Kritik
Wie andere Naturstoffe werden Tiere unter anderem als Produktionsmittel, z.B. zur Produktion von Eiern und Fleisch, sowie als Arbeitsgegenstände, z.B. als Leder, angeeignet. Unter dem Kommando des Kapitals sind es LohnarbeiterInnen, die diese Art der Mehrwertproduktion ausführen, zu der in der Tierindustrie das millionenfache Töten sowie das Durchführen von Tierversuchen gehört. Das bedeutet, im kapitalistischen Produktionsprozess werden Tiere zum blossen Verwertungsmaterial, zur versachlichten Ware. So erkennt das BMT Gemeinsamkeiten: Die Profitproduktion basiert nicht nur auf der Ausbeutung der LohnarbeiterInnen, sondern auch auf der der Tiere. Mehr noch: Bei allen qualitativen Unterschieden zwischen der Ausbeutung von Menschen und Tieren ist auch die Leidensfähigkeit eine Eigenschaft, die Menschen und Tiere in ihrer Unterordnung unter das Kapital miteinander teilen. Der «Kampf für die Aufhebung dieser Verhältnisse muss daher den Kampf fu?r die Befreiung von Tieren und Natur einschliessen», womit ein emanzipatorisches Bündnis zumindest zwischen ArbeiterInnen-, Umwelt- und Tierbefreiungsbewegungen auf der Hand liegt.

Graduelle Differenzen
Der Mensch, der wie Tiere, natürliche Bedürfnisse wie Essen, Schlafen usw. befriedigen muss, unterscheidet sich – nach dem BMT – nicht absolut, sondern graduell vom Tier, was das Ergebnis eines Zivilisationsprozesses, einer politisch-ökonomischen sozialen Praxis ist, in der sich der Mensch aus der Natur herausarbeitet und damit einen Unterschied zu (anderen) Tieren selber «produziert». Neueste Ergebnisse der Tierverhaltensforschungbestätigen zwar den Subjektstatus zumindest einer Reihe komplexerer Lebewesen, womit graduelle Unterschiede auch aus dieser Richtung untermauert werden. Die graduellen Differenzen zwischen Tier und Mensch müssen allerdings spätestens in Bezug auf die Möglichkeiten ihres Verständnisses von Unterdrückungsverhältnissen und der daraufhin möglichen emanzipatorischen Praxis entscheidend relativiert werden. Das leistet das BMT, insbesondere um zu verdeutlichen, wer zur Befreiung der Tiere aktiv werden muss.
Menschen können im Gegensatz zu Tieren die gesellschaftlichen Bedingungen analysieren durch die sie zu Ausgebeuteten und Unterdrückten werden und daraus Schritte zur eigenen Befreiung ableiten. Menschen können daher das Subjekt ihrer eigenen Befreiung sein; Tiere – so das BMT – nur Objekt der Befreiung. Das erfordert allerdings Empathie und eine mit zutreffenden Argumenten bestückte, radikale Kritik, die konstruktiv sein muss. Das heisst, sie muss das Verbindende suchen, statt das Trennende hervorheben, damit endlich «die Produktivkräfte nicht weiter für Gewinne (…) weniger, sondern zum Nutzen aller entwickelt und angewandt werden», und damit durch ein «Bündnis zur Befreiung der Unfreien» diese Verhältnisse letztlich überwunden werden. Hierzu bedarf es keiner traditionellen politischen Parolen an exponierten Stellen des Thesenpapiers, die leicht als Rückfall in einen bzw. Apologetik eines obsoleten politischen Kampfmodus interpretiert werden könnten. Eine Abgrenzung zu traditionellen Konnotation wäre daher meines Erachtens sinnvoll.

Kapital-Tier-Beziehungen
Das Verständnis insbesondere über Ursachen der Mensch-Tier-Beziehungen im Kapitalismus ist ohne die Marxsche Kritik der Politischen Ökonomie nicht möglich. Die Darlegung bzw. Begründung dessen ist eine grosse Leistung des BMT-Papiers, wobei hier ein nicht unwichtiger Unterschied hervorgehoben werden sollte: Marxismus ist nicht gleichzusetzen mit der Marxschen Kritik der Politische Ökonomie. Während letztere durch ihre Qualität besticht, Hintergründe und Funktionsweisen der kapitalistischen Ökonomie und somit auch die Rolle des Tieres im Kapitalismus sowie Ursachen alltäglicher naturdestruktiver Verhältnisse aufdecken zu können, ist Marxismus oftmals eine historisch-politisch stark aufgeladene und weit interpretierbare Kategorie, die zumindest zur Gesellschaftsanalyse weniger geeignet und daher problematisch ist. Denn den Marxismus gibt es ebenso wenig wie die Deutschen oder die Männer, und die «Geschäftsgrundlage» selbsterklärter MarxistInnen ist (leider) zu oft weder eine materialistische Geschichtsauffassung noch die Marxsche Kritik der Politischen Ökonomie.
Nichtsdestotrotz liefert dieses sehr gut strukturierte und verständliche Thesenpapier unerlässliche Erkenntnisse zum tieferen Verständnis der Mensch-Tier-Beziehungen oder treffender der Kapital-Tier-Beziehungen, ohne die eine nachhaltige politisch-emanzipatorische Stossrichtung der Tierbefreiung kaum möglich sein wird.

G20-Riots und Revolution

Peter Nowak. Bei den linken Stellungnahmen zu den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg gibt es eine Leerstelle:  Es wird nicht gefragt, welche Aufgaben sich für eine radikale Linke aus Aufständen ergeben. Und der Bezug zur Oktoberrevolution vor hundert Jahren wurde bisher nicht hergestellt.

In den vergangenen Wochen gab es in Deutschland eine mediale Hetzjagd auf Linke, die mehr wollen, als das Land nach den Bundestagswahlen im Bündnis mit Grünen und SPD zu verwalten. Anlass für die aktuelle Hetze waren die massiven Proteste der militanten radikalen Linken gegen den G20-Gipfel in Hamburg. «Bevor etwas verstanden wird, wird über die moralische Empörung schon die Endstufe der Auseinandersetzung mit den Ereignissen definiert. Das ist Herrschaftspolitik: Das Herstellen einer Situation des Bekenntniszwangs und der Druck zur staatstreuen Konformität», so die Kritik des Hamburger Verlegers Karlheinz Dellwo.

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Hunger wirksam bekämpfen?

Harald Lukes. Während Millionen Menschen verhungern, werden weltweit für zwölf Milliarden Nahrungsmittel produziert. Niemand müsste hungern, es handelt sich um ein Verteilungsproblem. Für die Lösung gesellschaftlicher Probleme braucht es eine Veränderung der Gesellschaft.

Laut dem UN-Welternährungsprogramm leiden weltweit knapp 800 Millionen der 7,5 Milliarden Menschen an Hunger. Alleine am Mangel an Essen sterben jedes Jahr 8,8 Millionen! Besonders die chronische Unterernährung, wenn man also ständig zu wenig Essen hat, führt zu schweren Gesundheitsproblemen und kann gerade in Kindheitsjahren zu geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen führen. Zudem gibt es eine weitere Milliarde Menschen, die nicht genügend Mineralien und Nährstoffe zu sich nehmen kann, was längerfristig ebenfalls mit massiven Problemen (Krankheiten, Organstörungen) verbunden ist.

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Wer war das eigentlich?

Anna Seghers. Ein Kind fragt die Mutter, wer die Person auf dem Porträt in der Wohnung ist. Die Mutter beginnt ein Gespräch mit ihrem Kind über Lenin, über seine Kindheit, sein Wirken, bis zu seinem Tod. Dieses kurze Stück in Dialogform von Anna Seghers ist 1932 entstanden.

Kind: Warum hängt er immer in unserem Zimmer? Warum ist er dreimal derselbe? Warum sieht er einmal wie ein Kind aus und einmal spricht er zu vielen Arbeitern und einmal liegt er tot da? Warum ist er auch auf diesem Buch? Warum hängt er auch bei anderen an der Wand? Wer war das eigentlich?

Mutter: Lenin.

Kind: Lenin – das weiss ich doch längst, wie er heisst. Wer er war?

Mutter: Ich glaube, du weisst auch, wer er war. Du weisst doch: Die meisten Menschen, die meisten Kinder haben noch Hunger, wenn sie vom Tisch aufstehen. Sie brauchen Schuhe und Kleider und haben keine.

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Faschismus und Revisionismus

Linke Plattform
Die Meinungen in der linken Bewegung sind vielfältig und oft widersprüchlich. In der Artikelserie «Linke Plattform» werden Texte veröffentlicht, die explizit nicht die Positionen des vorwärts und seiner Redaktion oder der PdA wiedergeben.

Gerhard Feldbauer. Der am 15. Mai in Berlin verstorbene Historiker Kurt Gossweiler gehörte zu den bedeutendsten Faschismusforschern der DDR. Nach 1990 legte er richtungsweisende Ergebnisse zu neuen Erscheinungen des Revisionismus und dessen Rolle beim Sieg der Konterrevolution in der UdSSR und den sozialistischen Staaten Osteuropas vor.

In der Faschismusforschung hatte sich Kurt Gossweiler einem Schwerpunkt in der Auseinandersetzung mit den reaktionärsten Erscheinungsformen imperialistischer Herrschaft zugewandt. Er war dabei der Erste, der auch die internationale Vorreiterrolle des Mussolini-Faschismus herausarbeitete. Mussolinis Machtantritt 1922 wirkte sich auf das 1920 in Ungarn an die Macht gekommene Horty-Regime und die 1923 in Bulgarien errichtete Zankow-Diktatur ebenso aus wie 1926 auf die militärfaschistische Diktatur unter General Carmona de Fragoso in Portugal. Die Putschpläne Francos wurden 1936 unter Leitung italienischer und deutscher Militärs und der Nutzung der militärischen Erfahrungen vor allem der Mussolini-FaschistInnen ausgearbeitet.

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Ein verkürzter Antiimperialismus

Bemerkung der Redaktion: Die Text in der Rubrik Linke Plattform wiedergeben explizit nicht die Meinung der Redaktion oder der Partei der Arbeit.

Wolfram Siede. Die im Tessin beheimatete Kommunistische Partei der italienischen Schweiz wählt sich aus den vielen noch- sowie ex-kommunistischen Parteien in der Türkei ausgerechnet die faschistoide Heimatpartei (Vatan Partisi) zu befreundeten Schwesterorganisationen. Eine Kritik vom Netzwerk Solidarische Linke.

Die politische Achse der Tessiner KP mit der Vatan Partisi scheint fest geschmiedet. Nach eigenem Bekunden sprach Massimiliano Ay, Tessiner Kantonsrat und Generalsekretär der Kommunistischen Partei der italienischen Schweiz, als einziger Vertreter einer europäischen Partei auf dem zehnten Parteitag der Vatan Partisi Mitte März in Ankara. Dort drückte er «seine tiefe Bewunderung für die Fähigkeit der Vatan Partisi aus, die Radikalität in den Ideen mit der konkreten Analyse der gegebenen Realität in der Türkei zu verbinden, in Verbindung mit einer anti-imperialistischen Politik, die in erster Linie darauf abzielt, die Zusammenarbeit mit der Nato auf ein Minimum zu beschränken, um den Weg für einen Austritt der Türkei aus der Allianz vorzubereiten». (…)

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Hochstapelei, Bittschrift und Revolution

dab. Kleine und grosse Bauernrevolten und als Reaktion der Behörden Repressions- und Integrationsmassnahmen gab es in Russland durch die Jahrhunderte immer wieder. 1917 war eine Mehrheit der ArbeiterInnen, BäuerInnen, PolitikerInnen und Armeeangehörigen bereit für eine umfassende Revolution.

Unter der Herrschaft von Katharina II. am Ende des 18. Jahrhunderts war die soziale und rechtliche Lage besonders drastisch. Die Zarin verbot den BäuerInnen, Klage zu führen, erlaubte den Adligen Zwangsarbeit, Deportationen sowie Verpachtung und Verkauf von «FabrikbäuerInnen» an Industrieunternehmen. Sie verschenkte die Rekordzahl von einer Million «StaatsbäuerInnen» an ihre Günstlinge, die Situation der betroffenen BäuerInnen verschlechterte sich dadurch wesentlich. Unter ihrer Herrschaft gab es unzählige und besonders heftige Revolten.

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Der Sklavenhalter-Philosoph

Künstlerische Darstellung von Konfuzius um 1770.

dab. Als weiser, menschlicher Philosoph wird der alte Chinese Konfuzius heute oft angesehen. Dabei war er ein eifriger Verteidiger der feudalen Ständegesellschaft, die durch die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung in China zu seiner Zeit bereits überholt war.

Die «weisen» Sprüche von Konfuzius, die in Hochglanzbändchen und auf Glückwunschkarten verkauft und seit einiger Zeit auf sozialen Medien herumgeboten werden, machten mich schon immer misstrauisch; es sind Selbstverständlichkeiten, die behaupten, bedeutungsschwer zu sein: «Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen.» Oder: «Die eigenen Fehler erkennt man am besten mit den Augen anderer.» Das ist platte Massenware, die viele naive BewunderInnen findet im Zeitalter, in dem Fetzen aus ganzheitlichen Welten wie Zen und Spiritualität herausgerissen und als gut verdauliche und gut verkäufliche Produkte auf den kapitalistischen Markt geworfen werden.

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Der Wert eines T-Shirts

Harald Lukes. Welcher Wert steckt in Produkten wie T-Shirts? Durch die Arbeit wird der Wert der Produktionsmittel auf das hergestellte Produkt übertragen. Maschinen selbst schaffen keinen Mehrwert. Der Mehrwert wird durch die Arbeit der Beschäftigten erzeugt.

Neulich bin ich in einer Diskussion mit einem Freund auf das Thema der Wertübertragung von Maschinen gestossen. Es ging etwa darum, weshalb man sich eine neue Maschine anschaffen sollte, wenn Maschinen selbst gar keinen Wert produzieren. Um dies zu erklären, muss man etwas ausholen, was in einem kurzen Gespräch schon schwieriger ist. Aber um die Entwicklungen in der kapitalistischen Gesellschaft und Wirtschaft richtig verstehen zu können, sollte man sich mit ihren grundlegenden Gesetzen befassen. Diese bleiben auch in der gegenwärtigen Phase des Kapitalismus, derjenigen der Grosskonzerne, der Monopole, bestehen. Anhand eines Beispiels über die Herstellung von T-Shirts wollen wir die Wertübertragung verständlich machen. Es könnte sich natürlich auch um ein anderes Produkt handeln; das Prinzip bleibt das gleiche.

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Die sexuelle Frage gehört zur Revolution

„Zwei Frauen“. Gemälde des sowjetischen Künstlers Aristarkh Lentulov von 1919.

sah. Sexualität soll so natürlich werden, wie Wasser aus einem Glas trinken, forderte die Revolutionärin Kollontai. Im Russland der Oktoberrevolution brachten neue, bahnbrechende Gesetzesgrundlagen und kühne Theorien die traditionellen Beziehungsformen gehörig durcheinander, mit vielen Ungewissheiten und Unsicherheiten.

Die Sexualrevolution war Teil der sowjetischen Kulturrevolution mit Diskussionen in der Bevölkerung über die «Neuordnung des persönlichen und kulturellen Lebens». Das sowjetische Sexualrecht in den Anfängen stellte das meiste bisher Gelebte auf den Kopf. Bereits im Dezember 1917 erarbeitete Lenin zwei wichtige Dekrete dazu: Eines gab das Recht, eine Ehe aufzulösen, und das zweite ermöglichte die zivile Ehe.
Beides nahmen dem Mann die Herrschaft über Familie und Frau als Aufhebung der patriarchalen Macht und gaben der Frau neben einer neuen Selbstermächtigung auch sexuelle Selbstbestimmung. Mit der Auflösung dieser «Zwangsehe», bestand die Möglichkeit auch sexuelle Bündnisse wieder aufzulösen. Prämisse war jetzt: keineR darf den/die andereN zu einem Verhältnis zwingen, das dem freien Willen widerspricht. Nur grosse, stolze und reine Liebe waren Anlass, zu heiraten. «Verschuldungs- oder Zerrüttungsgründe» bei Scheidung wurden nicht verlangt; niemand war verpflichtet, die Auflösung zu begründen. Die Registrierung einer Beziehung war den Beteiligten freigestellt. Anderweitig geführte sexuelle Beziehungen wie bei «offenen Ehen/Beziehungen», Konkubinat oder Prostitution mit Einverständnis beider wurden nicht verfolgt.

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